Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1173 (7.5.1922)
- Date
- 1922-05-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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unr. rm 7. Mai 1922 Wien, Sonntag _> WIENER MORGENZETTUNG Seite 7 ' "■ i Sportblatf der Wiener Morgenzeitung . i L 9 Fußball. Wochenrückschau. Wer wagt es Rittersmann oder Knapp? Die Tsc/hechen sind possierliche Kerle! In der ganzen 'Welt haben ihre Fußbaileir, wegen der mehr als rohem Spiel weise, weiters wegen des undisziplinierten Benehmeais, Unwillen erregt. Wo sie bisher aufgetretem sind, sei es in Antwerpen, Paris, Barcelona, Zürich, Mailand, Agram oder Wien, nirgends halben i'se gefallen können. Ihre Fähigkeiten in Ehren, ihre Spielweise kann nns aber gestohlen werden. Die X&cheohen haben harte Schädel, demgemäß schieben sie alle Schuld auf die ganze übrige Welt. In ihren Augen sind sie» die Sportgentlemen und die anderen die Querulanten. Ihrem Gedankengang nach ist es auch wirklich eine Unverschämtheit, daß sich Belgier, Franzosen, Spanier, Deutsche, Schweizer, Italiener, Jugoslawen und Oesterreioher von ihnen nicht klein und krumm schlagen lassen wollen. Sind die Gegner dann so niederträchtig, die Brutalitäten nicht ohne Schmerzensäußerung ein stecken zu können, dann werden sie als »Schuljungen« bezeichnet. Im nachfolgenden bringen wir die Kritik des Seniors der Prager tschechischen Sport Journalistik, des Harro Horacek, die im »Ceske Slovo« über das Jetzte , Spiel Slavia—Hakoab (2:1) erschienen ist Nach sehr schmeichelhaftem Lob über das Können der Gäste fährt der Herr Senior fort: »Die Spieler der Hakoab führten sich bei Zusammenstößen wie Schuljungen auf, die ■ früher schreien, bevor sie der Vater mit dem spanischen Rohre berührt. Fußball ist ein Sport für Männer, bei dem außer physischer Eignung und Herzhaftigkeit man noch gute Nerven haben muß. Ein guter Fußballspieler muß soviel Energie haben, daß, wenn er einen Tritt ahbekommt, die Zähne zusammenbeißt falls die Verletzung schmerzhaft ist. Eime so hervorragende Mannschaft hat es fürwahr nicht notwendig, zu solchen Mitteln zu greifen.« (Uebersetzümg des »Kicker«. Die Red.) Fürwahr, der Herr Horacek hat recht. Der gute Fußballer muß gute Nerven haben, damit er nicht mit der Wimiper zuckt, wenn die tschechischen 4($er-Füße ihm den Adamsapfel streicheln. Nur mit dem »daß, wen n« sind wir nicht einverstanden. »Daß, wenn« man eine Tritt bekommt, dann kann man eventuell gute Nerven haben. .Wenn .mäh .aber immer Tritte bekommt, daran kann man sich'halt picht mehr .auf. die Nerven verlassen, dann muß inan schön; die'Hilfe* des' Spitals oder * zumindestdes Arztes in Anspruch nehmen. " . Wir sind weit davon entfernt, den Fußbai Jena’ irgendwelche Vorwürfe machen zu wollen. Sie - spielen st, wie es die öffentliche Meinung, zuläßt, Mid die öffentliche Meinung wird mm einmal, von der Presse bestimmend beeinflußt. Heißen die Herren Journalisten das Treiben der Fuüballer gut, dann haben letztere mit ihrer Handlungsweise recht. Nur die Herren vom der Feder mitsamt, ihrem Senior gehören an den nächstem. Laternenpfahl. Erst wenn sie dort ein beschauliches Uasein führen, werden unsere nördlichen Nachbarn einen anständigen .Fußball spielen. Heute gehört schon gei-ügeöd Herzhaftigkeit dazu, um n.ur die Re£se nach Prag a/nzutreten. Wer wagt es, Ritte-rsmanm oder Knapp, zu Spielen mit Spartas Mammen? Die Hak02h will sich anscheinend neuerlich eine goldene Tanferkeiitsnieöaille verdienen, denn der 16. Mai rückt mit Riesenschritten heran, ohne daß wir von einer Program mätnderung etwas erfahren haben. Wie lautet doch der geschmacklose «Gassenhauer, den Wien von Berlin übernommen hat? »Warum denn weinen,, wehet man auseinandergeht, wenn an der nächsten Ecke echpitt ein .anderer steht!« h. ■ . . «- - ■' . ' Sportlicher Anstand. In den westlichem Länd-era %var oder ist die Anisicbt vorherrschend, daß in 'Wien Eupopa aufiiört und nach der österreichischen Hauptstadt der Balkan beginnt. Diese irrige AnsohäuiMig kann, mau zum Teile auf die geographische Unkenntnis der Franzose^, Belgier u,nö Engländer zurückführem. Auf die Frage, »wo ‘Agram Hegte, gibt der Durchschnittsframzose »1a bas« zür Antwort. Agram zum Beispiel wird nicht zu den Kujtüirzentren gerechnet, was sicherlich im 'allgemeinem nicht a>nt Platze ist. Sollten die Franzosen aber, was wir nicht glauben, mit dieser BagatellL sierung auf die sportlichen Verhältnisse auis&pielem, dann könnten sie vielleicht doch nicht so unrecht, haben. In letzter Zeit legten die Agr am er rin Benehmen am den Tag, das wir als ungehörig bezeichnen dürfen. Vor allem ist ihr Vorgehen in der sattsam bekannten Ostmark-Affäre, gelinde ausge- ‘dfückt, mehr als unschön. Vorerst einem Verein durch schwerwiegende Anschuldigungen die Ehre abschneiden, dann es nicht der Mühe wert finden, die Beweise zu liefern und letzten Endes auf die zahllosen Anfragen taid Bitten des Oesterreichischen Fußball-Verbandes gar keine Antwort geben, ist ein bischen stark. D<sr Oe. F. V, kann sich auch in atn<öarer Hrnsädvt kemes besondoian Enitgegenkomtnens dhr Agram er rühme». So »um Beispiel tmJ er, fall» er J Eigene Werkstätten: Wien, II., Wohlmuthstraße 19—21 ■ ■ Hauptniederlage: Wien, II., Franzensbrückenstraße 24 ■ Z Telephon 47-3-12 " SPORTMTAREN GES. M. B.H. l (Mitinhaber: ARTUR BAAR) 3373 ■ ■ En grot En detail Export ■ ■ Besüs EEnkaufsquelSe für Wlederverkäuferl » IIIIIIBIIIIIIIBIIIiaiEIIIIIIIIIIIIIIER Q eines Briefes gewürdigt wird, kroatische DoHmetsdhc zuiratc ziehen, da dtie Agraimer sich weigern, mit uns deutsch au koinreispondiieren. Wie gu-t sie die deutsche Sprache. (beh&r,riscih»en, geht aus dieim Umstand hervor, diaß sie zum Beispiel mit/diean Sahweiizer Verband in dieutschem Bnriefwechsd sitefhen. Der Oe. F. V. darf sich aber dieser Bevorzugung nicht erfreuen, dia er zahlreiche Schlechtigkeiten an dem jugoslawischen Veirband begangen hat. So wai zutm Baitsipiefl Wien der beste Mithelfer hei der Griinidiuimg der Agtramer Sp'Ott-tbenördc, weiters können diiie Wiener Vereine alle die Lehr- “meiister diar Agram er Klmlbis bazeitehneit werden, und schließlich hat der Oe. F. V. dien Herren Jugoslawen die Schweden für ein Länderspiel verschafft*. Die Agram er halben also allen Grund-, um Wien zu brüskieren. Der eiiinizige Kroate, dler über die Grenzen seiner Heimat zu blicken vermag» scheint der Weiltenbuimimler Herr Weiß zu sein. Dieser Herr erregt«: aber ebenfaillls den Unwillen seiner Sport- ■behörde, und so verbot sie ihm das Betreten aller jugori'awi&d'etti Sportplätze. Dtatmit flickte sie Hhm eins anfs Zeug, damit er niicht zu gescheit wird1. * Der vollkommenste Widerspruch bleibt gleich geheimnisvoll, für Kluge wie für Toren. Der Wiener Sportklub bat dias Pedh, daß sein Verteidiger Teufel im letzten Prcibespiel des Verbandes eine Verletzung erlitt, rille seine Kampfkraft für dias heurige Meostersicheftsspied hieraibnuindiert. Aus diesem Grunde stellten die Dornfbachar an den. Oe. F. V. dlais Ansuchen, das heutige Spiel zu verschieb en-, dem1 aber. niichit statbgegelben wuird'e. Im Veirlaiufc der Debatte führte ein Herr des Schiutz- .vertbanides.folgendes Beispiel an: »Im Jahne 1914 wurde der dtarttnalls bestfe Mamm ‘der' Viahmia, Weber, -in einem Ländenkamipf veirleibzt und kcnmite deistalb während -der ganizen ■'Frühiahinsaiiiacm nicht mehr spielen. . Die Döblinger konnten ihren Mittelläufer nöcht ersetzen, vertonen Spiel annf Spiel und mußten -sdhließHicsh ln die zweite Klasse alb steigern. Der; Vienna ii?t dlamiails Ltoirechlt gesclhebsn, und der Sipcirtfkiluib müsse vor einem ähmliichen Unirecht bewahrt 'bleiiben I«' Dar angeführte Fall 'beweist aib.eir gfcirtade das Gegendeil von dieim,' wsis der Sipnociheir bezweckte. Hätte der Oe. F. V. danniatls entsidlriedlen, diaß die Vienna erst dtoun wieder an treten mü-se, bis Weher berge stellt sei, wesr weiß, rib die Meisterschaft vom Talhre IY14 bis zum heurigen Tage nacht eingest-eilA worden wäre. Eins steht selihstveustämidlich uim’rmstöblich fest: Die Vi&nina wäre dann .iiflcbtt in die zweite Klasse gekommen. __ Fritz Baar, Wettspielergebnisse* Ä r 1—N eunkirc hea 3 : 3 (2 : 3). Ari trat io folgender Aufstellung an : Molzner; Basch, Kertesz; Freund, Wagner, Silberstein I; Bergner, Torten, Wassermann. Ronis, Urf IL Ari war seinem Gegner technisch überlegen... Die besten Spieler waren Wassermann, der sämtliche Tore schoß, Ronis und Kertesz. Reserven 2:2. R a p i d-J g m.—B ar Kochba 2:0 (0:0). Bar Kochba stellte folgende Mannschaft: Max; Weißfeld, Groß; Metzger, Seidman«, Reisberg; Scher, Katz, Schneider, Butter, Pelikant. Die Unterlegenen mußten mit zwei Ersatzleuten antreten, gaben aber trotzdem einen gleichwertigen Gegner ab,. Bei Bar Kochba gefielen die Verteidiger Seidmann und Scher, Rapid-Scbüler—Bar Kochba I! 2:0 (1 :0). Boro c.h o w—N 0 r d 0 s t l: 0 (0:0). Borochow war stark überlegen. Das mangelnde Schußvermögen brachte es mit sich, daß der Sieg so knapp ausfiel. Den einzigen Treffer erzielte Steiner. Reserven 3:1 für Borochow. ArI-Wiener-Neudorf 1:1. Obwohl der jüdische Verein mit 7 Ersatzleuten antrat, war er Im Felde überlegen. Die Gegner spielten sehr derb, was auch den Ausschluß eines Spielers des Provinzklubs zur Folge hatte. Basch erzielte das Tor für Ari. Die Gegner waren aus einem Elfmeterstoß erfolgreich. Reserven 1: i. HI. Mannschaf teil 1:0 für Ari. . Robu r—8 arKochba 7:1 (2:0). Die Torschützen für die Sieger waren: Hurbanek (3), Wondrak Holländer, Maidan und Bauer. Menorah-Hasmonea Beamte 2:1 (1:1). Vor der Pause war Hasmonea und nach Seitenwechsel Menorah überlegen. Die besten Spieler waren: Fiscus, Kupferraaßn, Ziegler bei Menorah. Für die Sieger waren Göttlich und Epstein und für die Unterlegenen Sena erfolgreich. Schiedsrichter Schächter. W i e n-W e s t—A r i 1:0 (0:0). Zu diesem Meister« schaftsspiel trat Ari in-folgender Aufstellung an: Uri; Kertesz, Basch; N. Silberstein, Wagner, Ronis; HAhn, Bernstein, Wassermann, Bergner, Torten. Der jüdische Verein hatte wohl mehr vom Spiel, doch waren seine Stürmer zu wenig durchschlags- und schußkräftig. Die Sieger gelangten erst 7 Minuten vor'Schluß durch ein Eigentor der Gifguer zu ihrem einzigen Treffer. Schiedsrichter Schlesinger. Reserven 3 : 0 für Wien-West, UI. Mannschaften 2 :1 für Art M e n 0 r a h—C e c h i e 2:0 (1:0). Obwohl def S. C. Menorah nur vier Mann aus der ersten Mannschaft zur Stelle hatte, konnte er einen sicheren Sieg erringen. Die Tore erzielten Jozsi und Gelmanu. Die besten Spieler der Sieger waren: Diki, Joszi, Friedmann II und Fuchs. Reserven 0:0. Menorah-Schüler—Realschule XVI 3:2 (1:0). Brigittenauer F. (X—O stmark-Jtjng* mannschaft2:l. Die Tore erzielten Schug und Bischof für die Sieger, Zenta für die Unterlegenen. Der Tormann der Brigittenauer hielt einen Eltmeterstoß. Brigittenauer F. C. 11—Baumgartner Hakoab kombiniert 3:!. Hakoab III—H a g i b 0 r 7:1. Der Nachwnihü des größten jüdischen Vereines zeigte gutes Können. Hakoah III—Kadimah II 2:2. C! t y—M 0 r I a h 2:0. Schöner, fairer Kampf. Meidlinger Amateure—Moriah II 7:0. W. A. C.-Akademike r—H a z a i t Akademiker 4:0. Dieses Spiel zählte zur Hochschul«» Meisterschaft. Die Tore erzielten: Feßler (2) und Brück (2). Schiedsrichter Gansl (Hakoah). J. F. C.—B r i t a n n i a 2:1. Technisch gute Leistung der Sieger. Reserven 2:2. Hakoah-Seniore n—W. A. C-Seaioren 4:0. Unter den Senioren der Hakoah befand sich so mancher Träger eines berühmten Namens. Der Sieg war recht eindrucksvoll errungen worden. Amateure—Hertha 3:2 (1:1). Amateur - Platz. 6000 Zuschauer. Schiedsrichter Reichsfeld. „ Amateure: Jokl; Suppantschitsch, Popovich; Fuchs, Konrad, Geyer; Köck, Wecera, Swatosch, Hansl, Cutti. Hertha: Ostricek; Schneider, Solil; Madotisik, Kantner, Listopad; Richter, Schmiedek, Kabada, Sylvester, Ticha. Der Sieg der Amateure war diesmal, wohlverdient da die Mannschaft ein weit besseres Spiel lieferte als in den letzten Kämpfen. Die Stürmer waren mit Eifer bei der Sache und vergaßen auch nicht ans Schießen, aber Hertha vermochte dank der hervorragenden Abwehrarbeit des Verteidigungstrios und mit etwas Glück die längste Zeit ihr Tor rein zu halten, und es hätte nicht viel gefehlt und die Violetten hätten auch diesmal wieder als die Ger schlagenen das Feld verlassen müssen, jokl arbeitete riskant wie immer, in der Verteidigung glänzte Suppantschitsch. Von den Halves war Fuchs der beste, Geyer versagte. Die beiden Flügelpaare spielten vorzüglich, dafür verdarb Swatosch sehr viel. Bei Hertha war Ostricek der beste Mann, von den Backs gefiel Schneider besser afe seiu Partner. Halves und Stürmer arbeiteten sehr primiäv nur Listopad, Richter und Kabada ragten etwas über den Durchschnitt hervor. Vom Abstoß weg ist Hertha nach einem Doppelcorner durch Sylvester erfolgreich und es dauert trota großer Ueberlegenheit lange, bis Cutti den Ausgleich herstelit Nach der Pause ist das Spiel offen und Sylvester gelingt es, den Favoritnern neuerlich die Führung zu verschaffen. Fast scheint es» bei diesem Stand zu bleiben, als ein Energieanfall der Amateure die ausgepumpten Gegner überrascht, die in der 34. und , 36. Minute durch Swatosch und Wecera sich den Sieg sichern können. \ ■ Reserven 2:1 für H e r t h a. Hazair in Tulln und Wördem. I-Iazair weilte am vergangenen Sonntag in Tulln * und trat dort dem spielstarken einheimischen Sport- -klüb entgegen. Die Tulln er konnten sich für ihre glatte Niederlage im vorigen Jahre 1p:5) zwar revanchieren, aber ihren Sieg errangen' sie er* nach härtestem Kampfe gegen die durch Ersatz! ute geschwächte Hazair- Mannschäit. Die Blau-Weißen, die vor Halbzeit gegen den Wind und die tiefe Sonne spielen,»mußten in diesem Zeitabschnitt zwei Tore hinnehmen, obwohl sie das Spiel durchaus offenhie’ten. Nach Halbzeit waren sie sogar überlegen und bedrängten ununterbrochn das Tor der Prorinzler. Scharfe Schüsse Rindiers und PiUingers wurden von dem Tormann gehalten, aber endlich bringt ein. Sololauf Pillingers einen Corner, der von den Stürmern der Gäste zu einem Treffer ausgewertet wird. Eine vorzüg'iche Leistung bot bei Hazair der debütierende Tormann Tevtler, der einen Elfmeter meisterte. Resultat 2:1 für Tulln. Am Montag (i. Mai) spielte Hazair in St. Andrä* Wördem gegen den dortigen Sportklub, der in deri zweiten Klasse Provinz an erster Stelle steht. Die Mann. , schaft der Wiener war mit Ersatzleuten gespickt, da sie außer für Gleich und Rind!er, die am selben Tage im Team ihrer Gruppe spielten, auch noch für den suspendierten .KoMmann, feiner für Brandstetter, Läufer und Loch Re.-erve'eute stell mußten. Nichtsdestoweniger spielten die Hazair-Leu „ ausgezeichnet^ und konnten nach durchaus gleichwertigem Kampf ein unentschiedo»