Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1163 (26.4.1922)
- Date
- 1922-04-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1163 Wien, Mittwoch WIENER MORGENZEXTUNG 26. April 1922 Seite 7 1 SportblattflerWiener Mor§enzeifun§ jf _d> XHHXSH Das Probespiel. Heute, ®/45 Uhr, Hohe Warte. Der Verbandskapitän ist in einer argen Klemme, An alten Ecken und Enden fehlen ihm überragende Kräfte und doch soll er für das am Sonntag in Budapest stattfindende Treffen Oesterreich—Ungarn eine Mannschaft auf die Beine bringen, die keinen derart kläglichen Eindruck, als unser Team, das gegen Deutschland spielte, macht. Leider erschwert er sich sein Amt wesentlich dadurch, daß er den Einflüsterungen des führenden Sportblattes zu sehr zugänglich ist. Der Verbandskapitän hat wahrlich einen schlechten Berater, wenn er Spieler, die am vergangenen Sonntag vollkommen versagten, wieder Im Team aufstellen will. Der Vollständigkeit halber wiederholen wir die beiden Mannschaften, die einander heute entgegentreten werden: A: Edy (Sportklub); Beer, Teufel (Sportklub); Nietsch, Brandstätter (Rapid), Kurz (Amateure); Cutti (Amateur«»), Hergeth, Karl (Sportklub), Fischera (W. A. F), Wessely (Rapid). B: Brazda (Rudolfshügel); Blum (Vienna), Gold (W. A. F.); Achatzy (W. A. F.), Puschner (W. A. C.), Weber (Vienna)-? Katz (Hakoah), Neumann (W. A. C.), Wana (Wacker), Iszda, Seidl (F. A. C.). Der Verbandskapitän hat weiters folgende Spieler als Ersatzleute aufgestellt: Neubauer (Rapid), Bernauer (F. A. C.), Pollak (Hakoah), Hanel (Slovan), Hofbauer II (Ostmark). Diese Ersatzkräfte sollen dann während des Spieles für mäßig arbeitende Kämpen in die Bresche springen, so daß also am heutigen Probespiel fast alle angeführten Fußballer teilnehmen dürften. Mit der Aufstellung einzelner Spieler können wir uns absolut nicht einverstanden erklären. Es ist uns ganz unbegreiflich, warum Karl Kannhäuser, der sich derzeit als nicht teamreif erwiesen hat, neuerlich herangezogen wurde. Auch die Nominierungen von Hergeth, Iszda, Puschner erscheinen uns durch nichts begründet. (Demgegenüber aber fehlen uns zahlreiche Spieler, die es entschieden verdienen würden, im heutigen Spiel ausprobiert 7u werden. Wir erinnern an den Verteidiger Scheuer(Hakoah), an die Läufer Resch (Wacker), Kohn (Hakoah) und Tremmel (Vienna), an den Stürmer Häusler (Hakoah). Die Tatsache, daß die Hakoah als die derzeit erfolgreichste Wiener Mannschaft fast gänzlich unberücksichtigt bleibt, erscheint uns zumindest als merkwürdig. Die Ausrede, daß Guttmann, Neufeld und Gansl nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und demgemäß nicht herangezogeu werden können, ist wohl richtig, doch hat die Hakoah noch andere Spieler in ihren Reihen, die unserer Repräsentativmannschaft zumindest mehr Ehre eintragen würden als so mancher Bevorzugte vom-vergangenen Sonntag. Wir sind, der Ueberzeugung, daß dem heutigen Spiel nur ein problematischer Wert beizumessen ist und daß der Vei*bandskapitän durch das Treffen kaum klüger werden wird. Ohne also das Probespfel, das der Oeffentlichkeit die Meinung beibringeu soll, daß alles Menschenmögliche geschehen sei, abzuwarten, wollen wir dem Verbandskapitän eine Mannschaft vorschlagen, die uns vielleicht nicht d°n Sieg eintragen yvird, die aber sicherlich sich erst nach lergischester Gegenwehr' schlagen läßt: Brazda (Rudoitöhügel); Blum (Vienna), Scheuer (Hakoah); Kurz (Vienna), Resch (Wacker), Pollak (Hakoah); Wessely (Rapid), Fischera <W. A. F.), Wana (Wacker), Häusler (Hakoah), Cutti (Amateure). Diese Mannschaft enthält sowohl technisch gut durchgebildete als auch sehr schnelle und energische Spieler. Wir wollen hoffen, daß der Verbandskapitän, ganz gleichgültig, wie das heutige Probespiel ausfällt, unseren Vorschlag aufgreift. * Die Vorstandsmitglieder des Oe. F. V. und des N. Oe. F.V. sowie die Obmänner der Unterausschüsse finden In der Festloge und In vier anstoßenden Logen ihre Plätze. Für die Vertreter der Presse sind 32 Logensitze reserviert. Alle Legitimationen berechtigen nur zum freien Eintritt Die nominierten Spieler und Ersatzleute können im Laufe des heutigen Tages zwei Sitze im Verbandsheim beheben. * Die Leitung des Spieles hat Herr Dr. Snapper (Holland) Inns. Als Linienrichter stehen ihm die Herren Taschier und Schmidt zur Seite. Rund um das Hakoah-Slavia-Spiel* Vom Sektionsleiter der Hakoah. Das Spiel gegen Slavla war eines der unglücklichsten Matches, das die Hakoah in den letzten fahren ausgetragen hat, während eines Großteils des Treffens überlegen, im Felde ein wahrhaft prächtiges Spiel vorführend, gelang es Ihr nicht, das wirkliche Kräfteverhältnis im Resultat zum Ausdruck zu bringen. Es ist meine volle Ueberzeiigung. daß die Mannschaft, wenn nicht Häusler' ausgeschieden wäre, einen sicher*» Sieg errungen hätte. Der Slavia gelang es nicht, gegen die komplette Hakoah-Mannschaft einen Treffer zu erzielen. Ihre beiden Tors fielen in jenem Zeitabschnitte, der dem Ausscheiden, Häuslers unmittelbar folgte und in dem auch Scheuer nur als Halbinvalider mittun konnte. Die Schwächeperiode war aber bald überwunden; nach der Pause dominierte die Mannschaft wieder Im Felde. Vor dem Tor vergab sie aber die sichersten Schußgelegenheiten. * Besondere Anerkennung, verdient der unbedingte Slegeswllle der ganzen Mannschaft, die sich durch nichts entmutigen ließ und bis zitni letzten Moment hoffte, das HakoaNporiplafi Krieau Präses» (neben der Meierei Krieau) Sonntag den 30; April, 4 Uhr Cup-fpSel "> Vorher die Reserven Vorverkauf: Stadion, IL, Franzensbrückenstraße 24; Hakoah-Geschäftsstelle, I., Wiesingerstraße 11 9575 Meister der Provinz 1. Klasse Treffen für sich zu entscheiden. Als der Hakoah beim Stande von 2:0 ein Elfmeterstoß zugesprochen wurde, schien die entscheidende Wendung gekommen zu sein, aber Guttmann,; der im allgemeinen keinen glücklichen Tag hatte, vergab auch diese Chance. Er rollte den Ball um einige Meter am Tore vorbei. Unmittelbar darauf wurde Guttmann verletzt und mußte einen Ruheposten im Angriff beziehen, trotzdem hielt die Ueberlegenheit der Hakoahner an. « Ein wahrer Pechvogel war Grünwald, der ein halbes Dutzend, sogenannter Chancen vergab; noch wenige Minuten vor Schluß vergab er, allein vor dem Tore stehend, eine sichere Ausgleichsgelegenheit. » Eine imponierende Leistung bot Neufeld, dessen Läufe wahre Beifallsstürme auslösten. Während der letzten 20 Minuten konnten ihm die erschöpften Gegner fast keinen Widerstand mehr leisten. Seine besten Flanlcenbälle konnten jedoch von den Innenstürmern nicht verwendet werden. Der von Neufeld erzielte Treffer war ein wahres Prachttor. * Ueberraschend war die derbe Spielweise einiger Slavia-Leute, wie sich überhaupt die Mannschaft nicht als jenes Gentlemen-Team repräsentierte, als das es uns in Wien bekannt ist. Nachfolgende Episode kann sich in Wien höchstens bei wilden Vereinen ereignen: Der Schiedsrichter hatte der Hakoah einen Elfmeterstoß zugesprochen, der Ball war auf der Strafmarke aufgelegt; da eilte ein Slavia-Spieler herbei, ergriff das Leder und spie es mehrmals kräftig an, dann legte er es wieder auf seinen Platz zurück. Damit glaubte er aber hoch nicht genug getan zu haben, um den die Exekution ausführenden Spieler zu beeinflussen, denn er stellte sich hinter Guttmann und brachte in dem Augenblick, als dieser. zum Schuß ausholte, den Ball durch einen Steinwurf aus seiner Ruhelage. Tatsächlich verschoß der Hakoahner den Penalty. Die Spielstärke der Slavia ist eine ganz hervorragende. Trotzdem war die Mannschaft den Unserlgen nur in einem Punkte über, und zwar im Start nach dem Ball, ansonsten fanden die Tschechen in manchen Belangen ln den Hakoahnern die Meister. * Ein Gentleman war ^der Schiedsrichter Matura. Er leitete das Spiel in völlig objektiver Weise. Fehler unterliefen ihm lediglich in der Auslegung der Off-side-Regel, ansonsten zeigte er auch große Sachkenntnis. Das Stoßen mit den Händen ist in Tschechien allgemein gestattet, daher konnte es nicht wundernehmen, daß auch er es zuließ. Von der besten Seite zeigte sich wieder das tschechische Publikum. Man war bisher in Wien der Meinung gewesen, daß dila Objektivität der Tschechen nur solange dauern würde, bis einmal eine Wiener Mannschaft den heimischen Meistern hart zusetzen würde. Das Gegenteil war aber der Fall, je mehr die Hakoah die Slavia um- „ klammerte, desto größer wurde ihr Anhang im Publikum und die Mannschaft hätte in Wien kaum mehr angefeuert werden können, als es in Prag der Fall war. * Die Aufnahme durch die Slavia war eine sehr gute. Die Tschechen bemühten sich In jeder Weise um die Gäste. V. * Am 16. Mai stehen wir in Prag der Sparta gegenüber, die Hakoah-Elf wird versuchen, die Scharte vom Samstag' auszuwetzen. Eine Prejsestlmme. Ueber das Spiel Slävta—Hakoah 2:1 schreibt der „Brünner Tagesbote*: - 18.000 Zuschauer. Ein spannender Kampf, bei dem sich die Hakoah bis gegen Schluß als die bessere Mannschaft erweist. Die Leistungen der Wiener verdienen alle Anerkennung. Ihre raffinierten Angriffe fänden den lauten Beifall des Publikums: Der Kampf war äußerst scharf. Die Tore der Slavia in der ersten Hälfte fielen durch Növak, das Tor der Wiener in der zweiten Hälfte durch Nemes, welcher nach einem Sololauf von der Mitte aus sowohl Halfs als auch Verteidiger überspielt und rasant einsendet. Das Tor war eines der schönsten, die man in,den letzten fahren auf dem Slavia-Platz gesehen hat. Schiedsrichter Matura ausgezeichnet. Er war der beste, den man seit laneer Zeit auf dem Slavia-Platz sah. Jüdischer Sportverband. Bei der letzten Sitzung des J. 8. V. Oesterreichs waren nachstehende Vereine vertreten: Hakoah, Kadimah, Hazalr, J. A. C., ]. F. G, Arl, Bar-Kochba, Achdutb, Menorah, Cheruth, Moriah, Achim, Achwah. Nach Kenntnisnahme des Protokolls sowie des Ein* und Auslaufes wurde der S. G Hakoah-Gra? (Adresse : N. Freiberger, Graz, Annenstraße 31) als Verbandsmitglied aufgenoramen. ,Zura administrativen Leiter der Propaganda für die „Wiener Morgenzeitung“ wurde Herr Fürst (1. A. G) gewählt. Die für den 23. April an- *’ gesetzte FestVorstellung in der Freien jüdischen Volksbühne wurde auf den 3. Mai verschoben. Zur Aufführung gelangt „Der Unbekannte“ mit Ben-Zwi. Die Vereine haben die übernommenen Karten bis spätestens 1. Mai abends zu verrechnen. ' Die vom 8. G Hazair gemeldete Verschiebung seines Sportfestes vom 20. auf den 25. Mai sowie die Anmeldung einer Festveranstaltung seitens des 8. C. Menorah wurden zur Kenntnis genommen. In Beantwortung einer prinzipiellen Anfrage des Vertreters des J. F. C. wurde festgestellt, daß statutenmäßig jene Vereine Mitglieder des Jüdischen Sportverbands werden können, die auf dem Boden des Baseler zionistischen Programms stehen. — Die von den Vereinen übernommenen Schekelblocks sowie die noch nicht geschickten Mitgliederlisten sind ehestens einzusenden. — Nach Erledigung diverser laufender Angelegenheiten und Anfragen wurdf die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung findet Montag den 8. Mai statt» Die Sitzung des Präsidiums wird schriftlich einberufen. Der Boykott durchbrochen! Celtic-Glasgow spielt In Berlin. Der Herausgeber des „Kicker“, Herr Bensemann, erhieÜ folgenden Brief: „Sehr geehrter Herr Bensemann! Eine großartige Nachricht Nach sehr langen Vef» handlungen, die während meiner Anwesenheit In- Glasgow begonnen wurden und jetzt zu einem glücklichen Ende geführt haben, ist es mir gelungen, Celtic-Glasgow für ein Spiel am 30. Mai in Berlin zu verpflichten. Celtic ist wahrscheinlich schottischer Meister und eine ganz hervorragende Mannschaft. Celtic spielt vorher am 28. Mai ia Prag. Gestern abends (20. April) ist nun auch die Spielerlaubnis der schottischen Liga eingetroffen und damit ist der Boykott gegen Deutschland gebrochen. Darüber freue ich mich riesig.; die Gespräche, die ich in Glasgow mit dem Sekretär der schottischen Liga darüber geführt’hatte, haben nun also doch genützt. Das Spiel findet im Stadion statt. Für das Risiko der sehr hohen Unkosten stehe ich ein, doch hoffe Ich einigermaßen herauszukommen. Wenn das nicht der Fall ist, schadet es nicht, die Hauptsache ist das Spiel. Mein Klub Preußen wird spielen, doch soll die Mannschaft durch 4 oder 5 Spieler eines anderen starken Berliner Klubs verstärkt werden. Wer das sein wird, ist noch nicht bestimmt. - Mit vielen herzlichen Grüßen Ihr Max Brandt* Hochschulmeisterschaft. Katholische Hochschüler—Hazair-Akademiker 1:0. In einem sehr unglücklichen Spiel mußten die Hazair« Hochschüler den Gegnern nach durchwegs gleichwertiges Leistungen die Punkte überlassen. Da der nominierte Schiedsrichter nicht erschienen war, leitete ein Mitglied der Katholischen Hochschüler das Spiel. Die Hazalr-Leute, mit Ersatz für drei ihrer Besten antretend, sind zunächst im Vorteil, dann wird das Spiel wieder offener. Futterweit, Mück und die Deckung arbeiten vorzüglich; Rapaport und Morgenstern mußten ihr aufopferndes Spiet mit Verletzungen büßen, Nach Ablauf der regulären Spielzeit erzielten die Katholischen Hochschüler ihr Tor und sofort darauf pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab. Jedenfalls haben die ehemaligen Heros-Akademiker ihre eminente Formverbesserung gegen den starken Gegner neuerlich bestätigt und sie werden in der heurigen Hochschulmeisterschaft wohl noch ein beachtenswerter Gegner für die Führenden werden. Engländer auf dem Kontinent. Nun beginnen bald die Erholungsreisen auf den Kontinent. Bis heute ist bekannt, daß Portsmouth F. G sich nach Italien begibt und Notts County nach Spanien zum F. C. Barcelona. Die County spielt dort einige Male gegen den F. G und in einem Pokalspiel gegen eine schottische Mannschaft. Die Aston Villa hat viel Geld und Schneid. Nun wird sie ihren Platz nach den Vorkriegsplänen ausbauen, so daß er der schönste und geräumigste in England sein wird, mit Fassungsvermögen für 80.000 Personen — bis der Pokalpark Wembley mit seinen 130,000 vollendet sein wird. > Der Verband Brandenburgischer Ballspielvereine hat nach seinen neuesten Erhebungen 41.850 Mitglieder. Angeschlossen sind ihm 323 Vereine der gafizen Provinz Brandenburg. Fischera spielte zu Ostern in Teplitz ganz hervorragend. Das „Allgemeine Sportblatt*-Reichenberg schreibt über ihn: „Besonders in technischer Beziehung leisteten die Wiener Gäste Hervorragendes. Allen Voran der vielfache österreichische internationale Fischera, dessen geniale Ballbehandlung jeden Kenner begeistern mußte.“ Wie noch bekannt sein dürfte, unterlag der/W. A. F. gegen Teplitz 2:4. Die Deutschen finden für das Länderspiel Ungarn— I Deutschland, das am 2. Juli stattfindet, scheinbar keinen j geeigneten Austragungsort. Ursprünglich war Hamburg I festgesetzt, doch infolge der mißlichen Vorfälle beim