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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-25 · Heft 1133 (25.3.1922) · p. Seite 14

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1133 (25.3.1922)
Date
1922-03-25
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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74 Sette WTew, Samstag WIENER MORGENZEITUNO 25. März 1Ö23 Nr. 1133 tf, Fortsetzung. Eisiks Brille. Von Leopold Kompert;• Zitternd tmd bange folgte ich ihm. »Eißiik,« sagte mein Vater zu mir. als wir allein fn seiner Stube waren. »Du hast vielleicht bis jetzt gemeint^ ich bin ein reicher Mann.« »Bist du’s niöht?« sagte ich, auf den Tod 'erschrocken. - '; . »Nein-,« sagte def Vater mit gebrochener: Stimme, »ich bim mehr al«s arm geworden. Ich kann’ «iaht einmal zahlen.« Ich vermochte kein Wort Ihervorzuibringen. Mein Vater hatte Mitleid mit mir, u;r * »Was kannst du dafür,« sagte ex, »daß du keinen' Kopf fürs Geschäft hast?« , .; Das Wort hat mir erst recht durchs Herz ge-: gdfonitten; iah fing laut zu weinen au.' Nim erzähltemir der Vater, daß er schon seit einigen Jahren einen Rückgang Lm Geschäft verspüre, der Mutter und mir habe er es lange verschwiegen, denn ihm scheine, mir wäre meine Brille lieber alsi das Geschäft, und weil er das bemerkt, habe er die: ganze Sache in sich hineingegessen. Aber das Unglück wachse ihm über den Kopf, länger könne es nicht versahwiegen werden. Das alles aus dem:• Munde; eines Vaters zu hören «und sich dabei sagen müssen: Es geht dich au! Ich ihab’ damals meine Sünden abgeSüßt, aber eingesehem habe ich' sie, doch nicht.: »Meine Brill’ s-oll also schuld sein am Unglück?« fragte' ich ein'über das andere Mal.; . »Ja,« sagte der Vater, »denn daß du mich« nicht {Verstehst, daran ist eben deine Brille schuld.« Da habe ich geschwiegen, denn wenn das Herz »von Unrecht, sich gekränkt meint, verschließt, es sich. Der Vater aber erzählte nun weiter, wie.esmit ihm stehe. Der »Bankrott« war so gut >w,is fertig. In den zehn Tagen, die er verreist war, hatte der Vater halb Böhmen durchzogen und überall die. Gläubiger aufgesucht, um sich mit ihnen zu vergleichen. Die meisten hatten sich mit ihm verglichen, nur ein einziger, und dem wir das meiste schuldig waren, Joel Bidscbcf in Kollin, hatte es rund abgeschlagen. Der hat den Vater wie einen Dieb behandelt als er ihm mit dem Vergleich kam, und hat gedroht, wenn er nicht seiji ganzes Geld bis auf einen Groschen bekäme, wollt’ er ihn ins »Kriminal«* bringen. So etwas hart man meinem Vater sagen sollen! .* »Und ist gar keine Hilfe?« frag ich ihn zuletzt. »Gar keine.«, antwortete er traurig. »Joel Bidschof ist zu hart> der hat ein Herz wie ein Stück Eisen*.«' »Vielleicht schickst du mich' zu ihm!« sag’ ich* plötzlich, als wäre mir eine Eingebung von Gott gekommen. r v . v »Dich,« ruft m.ein Vater und lacht spöttisch, »dich mit deiner Brille!« . . Ich weiß nicht, was mir in diesem Augenblick die Kraft gegeben hat, diesen Spott zu überhören. Ich sage wieder: »Schack mich nur, Vater, schick mich.« ■ - Er aber hat immer wieder mit der Brille aingefangen, Gott der Lebendige weiß, wie ich das ertragen habe. Endlich, nachdem ich wieder darauf’ zurückkomme, daß er mich schicken solle,, sagt er: »Meinetwegen, geh, Eisik! Ausrichten wirst du so nichts. Das sag’ ich dir aber: Zieh’ hur.vor allem . deine Brille aus.« ' ' ' Am andersn Morgen, in aller Frühe, bin ich mit einer besonderen »Gelegenheit« fort na'dh Kollin. Die Mutter weihte, als ich von ihr Abschied nahm, der Vater aber, halb traurig* halb lachend, meint dodh zu guter Letzt: . »Es ist nur gut, daß wir schön Wetter habefty damit du dich doch ein bissele wenigstens unterhältst. Denn Ausrichten wirst du ja doch nichtf-, Ich*.bah’ nichts ausgeriehrtet, willst du'»?« p.ie, Brille heb’ ich .«natürlich aufbehalten; cä muß, wenn ich darüber nadidenke, doch aus Trotz gewesen sein, wegen der vorn Vater erlittenen Krän- : (kumg. In solcher Gemütsverfassung bim ich fort. Nach Kollin hat man, in .jener Zeit beinahe zwei Tage gebraucht, die man jetzt in weniger als einigen Stunden zurücklegt. Ich habe also Zeit gehabt,! darüber nachaudemilceh, wie Ich mit Joel Bidschof-reden wollte. Merkwürdigerweise ist mit auch nicht die geringste Furaht'angekommen.. »Ist det Joel Biftschof ein Minister oder Kaiser, daJß ichl mit ihm nicht sollt’ reden dürfen? Und bin ich nicht Anschcl'Maiers Schm?« hab’ ich oft zu mir selbst gesagt. Iah habe mir also vörgenpmmen, mir von dejn Mamme nicht« gefallen zu lassem; er sollte sehen, daß ich kein jüngel mehr sei, und wenn er mit mir auf begehrte, so-wollte ich auch' mit ihm aufbegehron. Mit solchen und noch anderen ähnlichen ‘Vorsätzen bin ich naah, Kollin gekommen; es war , gerade Mittag. Ich-, nicht faul und entschlosjsen; lasse mir gleich Joel Bidschofs Hau» .zeigen, und dhne daß* ich etwas gegessen oder getrunken hatte, gehe ich hin; Das Haus ist nicht weit von..dem Wirtshaus gelegen, wo ich abgestlegcw war.; Wie ich davor gestanden, hat mir doch, das Herz gewaltig. gspooht; erst jetzt ist mir * recht eingefallen, wie viel von dem Ni-cftiitgelingen meines! Besuchs abhing. Das hat aber nur eine* kleine Minute-Igedauert, ich .hab’ in mir Anscliel Maiers, Sohn gespürt-und ... hab’ mir die Brille zuredhrtgerückt »Ist Herr Joel..Badsahof zu Hause?« frag' ich ganz keck ein' Mädchen,, welches ich im Vorhaut treffe. . r (Fortsetzung folgt.) Theater von heute Anfang Bargtheater: Das Schiff Tenacity ljt8 Staatsoper; Der fliegende Holländer 7 Redoutensaal: Der Barbier von Sevilla »),8 Vblksoper; ATda 7 Deutsches Volkstheater: Die Opferung . 7 — Karussel . 10 Neue Wiener Bühne: General Goldschein 7 Wr. Kammerspiele: Am Teetisch —. Reigen "7 —. Reigen , 10 JosefstädterTheater: Robinson Crusoe */a3 —■ Die Schule der Kokotten 7 Wr.' Stadttheäter: Am Vorabend */s3 — Die Kindsfrau 7 Renaissance-Bühne: Der Werwolf 7 Raimund-Theater: Die gold’ne Eva 3 — Die rote Straße 7 Carl-Theater: Zigeunerliebe */«3 — Die Bajadere */47 Theater an der Wien: Der letzte Walzer 3 — Der letzte Walzer 7 johann-Strauß-Theaten Die Försterchristi 3 — Das Sonntagskind . 7 Wiener Bürgertheater: Die schöne Mama */«3 — Pipsi 7 Wr. Komödienhaus: Der Stabstrompeter Vs3 — Die fromme.Helene 7 Lastspieltheater: Scholem Alejchem- Gedenkfeier 3 —, Ziseit in zispreit 7S8 •der aus mltgebrichten Stoffe* » Stsdtarbelt Verstadtpreisü - QroBeSttffauswaht - Rur bsta Sthneldermelster MlisiJ., Milli.] Ecke GuwieadorfarstraBa8Sb — TalesfsaR 139/Vt -.Straßen-, bsbrlisiaa .0, 19, 87 Ela Versuch Gbemagt Slo! mit Pafftntmebetvfasen bis neun Meter Unge nach allen Richtungen effek tuiert prompt foedifiomfirmanaxKurz I., Johannesgasse 29 Telephon 7399 9393 Telephon 7399!! alle Mstoisn SmMi üBiMfen I! K47001 Heute Samstag, Montag und DiensSag gelangen zum Verkaufe Zirka 140 cm breit, gute, kräftige 2000 Meter Dualität in verschiedenen Dessins, für Anzüge, Mäntel, Raglans, Kostüme etc... per Meter ' ■ Größt -Posten original «ngiisehe Herren- und Damenstoffe per Meter K 6000 8500 9500 11.000 Englisches 'M-odewerenhaus S. L. Berdiaower, Wien, 9., Graben-Traltnerhof 2 Günstige Kaufgelegenheit für Wiederverkäufer, Organisationen u. 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