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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-20 · Heft 1100 (20.2.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1100 (20.2.1922)
Date
1922-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer k 30 Wienr 'Zum Äbholen in der Expedition, ll.,,Taborstr. 1—3, öderen, einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. MitPostversand ftirWien und Oesterreich monatlich K 120(X Tschecho-SlowakeliMon. Kronen 20. U n g ar n: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl.Mark600. Deutsch- . land: Monatlich Mark 25. Fr a n k r e i c h: Monatl. FrcSi 6. Wiener Tseneeno-siowaKel tsch. Kl Italien: Monatlich Lire ÖU Rumänien: Monatl. Lei 4Qi Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Francs L Redaktion u. Administration Wien 1L, Taborstrasse 1—Ä Telephone: 44-0-38» 43-3-IN ab 6 Uhr abends 17-9-333 Telegrammadresse: »Morgens zeitung“, Wien. ' Oesterreichisches Postsparkassenkontö 15Q.6öN Nr. IIOO Wien, Montag, 20. Februar 1922 4. Jahrgang Die Kreditaktion für Oesterreich Die Mission Mr. Youngs. Der Vertreter des britischen Schatzamtes in Wien, Mr. Young, der gestern abends mit dem Orientexpreß in Wien eingetroffen ist, wird heute Gelegenheit haben, zunächst mit dem Bundeskanzler Schober und in weiterer Folge mit den. einzelnen Fachministern bezüglich der Verwendung des englischen Kredits zu konferieren. Nach Mitteilungen / von zuständiger Stelle hat die englische Regierung gegenüber Mr. Young den lebhaften Wunsch geäußert, daß es durch die Interimskredite des Auslands Oesterreich gelingen möge, die Wiederaufbauaktion unverzüglich in die Wege zu leiten. Die englische Regierung hat Y o u n g bezüglich der Finanzkontrolle vollkommen freie Hand gelassen. Gleichzeitig mit Mr. Y o u n g treffen — allerdings nicht in offizieller . Eigenschaft — noch zwei englische Finanzleute, und zwar Mr. Taylor, der Mann der bekannten Philanthropie, sowie der Generalsekretär der kchärälionskömmissioh in W i e n ' ein. Zweifellos, werden, auch diese; Persönlichkeiten mit. der österreichischen Regierung io Fühlung treten. Besondere Bedeutung kommt der allerdings nur bis: kommenden Dienstag, währenden Anwesenheit des Generalsekretärs der Reparationskommission in Wien zu, da das F i na n z k o m it ee des Völkerbundes bereits . am 23. d. M. in London Zusammentritt, um sich mit d& Frage der Gewährung eines Völkerbundkredits für Oesterreich zu beschäftigen. Nach den letzten offiziellen Mitteilungen der englischen Regierung kann kein Zweifel darüber bestehen, daß nunmehr auch die Frage der Gewährung eines großen V ö I k er b u n d k r e d i t s für Oest erreich auf dem besten Wege ist. Mr. Young wird seinen Amtssitz ent w e d e r! trr r, i _nd e r B u n d e s k a n z lei nehmen. Hach dem Abschluß seiner Konferenzen mit dem Bundeskanzler und den Fachministem Wird, sofort im Kabinett ein Plan für die Verwendung der Auslandskredite aufgestellt und den dfei parlamentarischen Parteien vorgelegt werden. In: parlamentarischen Kreisen zweifelt man nicht daran, daß die Vertreter aller Parteien im Nationalrat ihre Bereitwilligkeit aussprechen werden, an der Durchführung dieses Planes mUzuärbeiten. Rußlands Niedergang. Kolonisierung durch das Ausland. Paris, 19. Februar. (Tel. der „WienerMorgen- Zeitung“.) Der „Mätin“ ergänzt seine Enquete, über Rußland durch den Brief eines Korrespondenten aus dem D o n e z g e b t e t, indem es unter anderem heißt: Die Kohlenförderung befindet sich in einem t r o s t l.o sen Zustand. Die Sowjetregierung ist. außerstande, den Bergbau mit eigenen Mitteln fortzusetzen und hilft sich mit... Konzessi o n e n. Allen Unternehmern werden folgende Bedingungen auferlegt: 65% der Förderung fallen ah den Staat, der die normalen Preise zahlt, 15% werden dem. Gebrauch der Unternehmer Vorbehalten -und 20% sollen zum Tageskurs verkauft werden. Seit sechs Monaten versucht die Sowjetregierung, Eisenerze für die Ausfuhr aufzustapeln. Es ist eine Reserve von 650.000 Tonnen angesammelt. Die Preise sind sehr hoch. Für die Erze, die 65 Prozent Eisen enthalten, werden 12% Goldkopeken für das Pud verlangt. (Ein Goldrubel ist gleich 100.000 Papierrubel.) Auch die Eisengewinnung droht vollständig zusammenzubrechen. Die Hungersnot schreitet fort und reicht bereits bis zur Ukraine, wq nach der letzten Statistik drei Millionen Hungernde festgestellt wurden, eine Zahl, die bis zum Frühjahr sich wahrscheinlich noch verdoppeln wird. Im Hungergebiet beträgt der Anbau von Brotfrucht nur 15°/o gegenüber dem Vorjahre. Der Verkehr auf den russischen Eisenbahnlinien ist Luf 20% gegenüber der Vorrevölutionszeit herabgesunken. Rußland wird eine g r o ß e Kolonie werden, die allen Nationen der Erde reiche Arbeitsmöglichkeit bieten werde. Frankreich verhandelt njc|it mit Sowjetrttßland. Paris, 19. Februar. (Havas.) In Besprechung der französischen Politik gegenüber Rußland führt der „Temps“ aus, Frankreich verhandle nicht und wolle auch nicht mit den Sowjet s über ein politisches Abkommen vor der Konferenz von Genua verhandeln, sondern halte an der Methode einer, gemeinsamen Front fest. Deshalb verlange Frankreich ein sorgfältiges Studium des Konferenzprogramms und ein vorhergehendes Uebereinkommen der Alliierten, damit diese vor Sowietrußknd ^eeitiiet dastehen. Zu behaupten, daß Frankreich mit den Sowjets verhandle oder mit ihnen ein geheimes Abkommen schließe, sei nicht nur widersinnig, sondern selbst eine Verleumdung. Indem aber Frankreich eine Politik, der Solidarität betreibe, habe es das Recht, Gleichheit zu fordern. »- Budapest, 19. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In der nächsten Zeit werden in Berlin Verhandlungen zwischen ungarischen Handelsdelegierten und den Vertretern der Sowjetregierung stattfinden, bei denen es sich um die Herstellung der kommerziellen Beziehungen handelt. Der Sekretär des Verbandes der ungarischen Industriellen Herr Max Fenyö begibt sich aus diesem Anlaß nach Berlin. Benesch in London. London, 19. Februar. (Havas.) Der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. B e »esc h erklärte in einer Unterredung, mit einem Mitarbeiter des „ObserverV er sei Überzeugt, daß die allgemeinen Beziehungen mit Rußland wieder aufgenommen werden könnten. Er betonte die Notwendigkeit eines vorherigen Uebereinkommens zwischen Frankreich und England und einer gründlichen Vorbereitung der Konferenz von Genua, wovon deren Erfolg abhänge. Die Prager Regierung will den tschechischen Kronenkurs stabilisieren. Präg; “ 19rFebruar. ~ Irr einer" unter Vörsitr des , Handelsministers Nowak gestern abgehaltenen Enquete der Textilindustrie, an der auch Arbeitnehmer teilnahmen, wurde die Krise besprochen, in der sich diese Industrie seit der Steigerung des Kurses der tschecho-slowakischen Krone und dem Uebergang aus einer Binnenindustrie in eine Exportindugrie befindet . Der Handelsminister lehnte die Abschaffung der Umsatzsteuer ab und sprach sich auch gegen die Herabsetzung der Kohlensteuer aus. Wenn der Textilindustrie nur mit diesen Mitteln geholfen werden könne, meinte der Minister, dann werde nichts anderes übrig bleiben, als die Fabriken zu schließen. Die Regierung werde die Stabilisierung der tschecho-slowakischen Krone auf ihrem heutigen Stand zu erhalten trachten. Sodann wurde ein engeres Komitee gebildet, das mehrere Vorschläge an die Regierung auszuarbeiten haben wird und das auch die Frage der Arbeitslosenunterstützung berücksichtigen soll. Prag und Warschau. Warschau, 17. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie In hiesigen politischen Kreisen verlautet, soll die tschechische Regierung Ihren- Unwillen über die noch nicht erfolgte Ratifizierung der polnisch-tschechischen Konvention zum Ausdruck gebracht haben. In Warschauer Regierungskreisen wird die Anerkennung von Kowno-Litauen durch Prag in diesem Sinne kommentiert. Ein griechisch-französischer Zwischen- ' fall.. ‘ ' Athen, 19. Februar. (Havas.) Die griechische Regierung hat das französische Schiff „Espoir* mit einer Ladung Kohle an Bord beschlagnahmt, da sie die Ladung als Kriegskonterbande ansieht. Der französische Gesandte erhob dagegen Einspruch, da die Kohle für industrielle Zwecke in Zilizien bestimmt sei. Die griechische Regierung willigte In die Freigabe des Schiffes. Der Gesandte erklärte, auf der Freigabe der Ladung beharren zu müssen er erwarte die Antwort bis Montag. Anatole France für die Reparationen. Paris, 19. Februar. (Havas.) Die Liga für Menschenrechte gab zu Ehren Anatole Franc es; ein Festmahl, in dessen Verlaufe Anatole France für den allgemeinen Frieden, die Solidarität der Völker zum Wiederaufbau Europas, und für die Verminderung der Rüstungen eintrat. Er erklärte, Frankreich müsse darauf besteben, daß es die ihm gebührenden Wiedergutmachungen erhalte, da dies eine Frage der Gerechtigkeit sei. Tagesbericht. Abermalige Verteuerung des Hochschulstudiums. Verflossenen Donnerstag wurde laut Verordnung des Bundesminlsteriums für Inneres und Unterricht das Schuld geld an den Mittelschulen (Gjunnasien, Realschulen und( deutschen Mittelschulen) sowohl für die Inländer als auch' Ausländer erhöht. Das Schulgeld beträgt einheitlich! K 4000 für das Semester. Für ausländische Schületj erhöht sich das Schulgeld auf das Fünffache des für die österreichischen Schüler vorgeschriebenen Betrages. Wie wir erfahren, werden nun auch die Studie«* gebühren an den österreichischen H o c h-f s c hu 1 e n eine Erhöhung erfahren, die dem.Vernehme« nach auf das Sechsfache festgesetzt werden spll. Dis neuen Studiengebühren, welche für Ausländer noch be-* deutend höher sein werden, sollen mit Beginn des neuen Sommersemesters in Wirksamkeit treten. Die Apothekenvisitation. Wie die „Pharma zeüt ische P r e s s e*j berichtet, wurden anläßlich der letzten strengen Apotheken«? Visitation in einigen Wiener Apotheken Mißstände aufge* deckt, deren Abstellung von den beiden pharmazeutische» Stäridesgruppen auf das entschiedenste betrieben wurdet Nunmehr ist in zwei Fällen ein Urteil e r f l o g s e « und hat mit gebotener Strenge auf Zwangsver* waltung für die Dauer eines Jahres erkannt»' Für diese zwei betroffenen Apotheken (eine im IL Bezirk und eine im XIX. Bezirk) wurden die Magister der* Pharmazie Emil Winkler und Oskar. Tli rkhe I als amtliche Leiter bestellt Die amerikanischen Kriegsveteraneö : g«gett Henry ForcL „ Aus N e w Y o r k wird uns berichtet: Das Exekutivkomitee des Verbandes der Kriegsveteranen der Vereinigten Staaten, einer Organisation von Veteranen aller Kriege, an denen die Vereinigten Staaten beteiligt waren, faßte''eine Reihe von Beschlüssen gegen die von Henry Ford geführte Jadenhetze. In einem der Beschlüsse wurden Präsident H a r d i n g und der Kongreß aufgefordert, auszusprechen, daß Henry Ford infolge seiner gefährlichen, die Ruhe und den ^Frieden bedrohende» Hetzpolitlk das Recht verwirkt habe, den Staat Michigan im Senat der "Vereinigten Staaten zu vertreten. Ein anderer Beschluß geht dahin, den Kongreß zur schleunigste» Beschließung eines Gesetzes zu veranlassen, durch welches die systematische Verhetzunggegen eine Konfession, Klasse oder Nation aufs strengste bestraft wird. Ferner wurde in einer Resolution die Postverwaltung aufgefordert, der Zeitung Fords „The Dearbor» Independent“ die Postbeförderung so lange zu versagen, bis das genannte Blatt die Vergiftung der öffentlichen Meinung und der Bevölkerung aufgibt. Die Beschlüsse wurden in einer Versammlung gefaßt, in welcher nur eine verschwindende Zahl Juden anwesend war. (Nach andere» Meldungen, die wir bereits wiedergegeben haben, soll Ford beabsichtigen, seine Hetze infolge ihres Mißerfolges völlig elnzustellen.) __ Polizeiliche Schließung der Gastwirtschaft des Lehrerhausvereins. In der letzten Zeit fiel es Polizeiorganen anf, daß allnächtlich, meist mit Lohnautos, Gesellschaften vor einem Haus in der Trautsohngasse abgestiegen und beim Hause Langegasse hielten und das Haus betraten. Es wurde vermutet, daß sich in der Nähe ein geheimes Nachtlokal befinde. Die Erhebungen und Beobachtungen bestätigte» den Verdacht. In abgesonderten Souterrainlokalitäten der Gastwirtschaft des Lehrerhausvereines veranstaltete , der Sohn des Pächters, der Operetten- Sänger Th'eodor, Prokop, für Gäste, die sich noch nach der gesetzlichen Sperrstunde der öffentliches Lokale unterhalten wollten, bei Sekt und Musik eine» Nachtbetrieb. Bei den diversen Vergnügungslokalen der Inneren Stadt standen Schlepper, welche den Gästen nach Schluß der Vorstellungen auf die Frage: „Wo ist noch was los?!" bereitwilligst die Adresse bekanntgaben und den Nachtbetrieb empfahlen. Theodor Prokop, wurde deshalb vom Kriegswucheramte . mit 14 Tagen Arrests und K 50.000 Geldstrafe und der aus gleichen Anlässen wiederholt vorbestrafte Schlepper Philipp Flachsieder mit fünf Monaten Arrest» bestraft. Gegen den angeblichen Kaufmann Frit* B 1 a s c h k e, welcher wegen Verdachtes des Betrüge» vom Kommissariate Margareten gesucht wird und dorthin e'ngeliefert wurde, Ist dis Strafamtshandlung wege» „Schlepperei“ eingeleitet. Gleichzeitig hat das Kriegs* wucheramt die Sperrung des Betriebe» verffi£&

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