Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1098 (18.2.1922)
- Date
- 1922-02-18
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980178--10294-2996630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ftr. lOSft Wien, Samstag WIENER ’M’O'RGENfcEITUMd!8. Februar Wtt~ GDCBSSSDi QD ca> m Kreis Oesterreich der jüdischen Turn- und Sportvereine, Die provisorische Kreisleitung hat für heute 6 Uhr abends, einen außerordentlichen Kreis-Turn- und Sporttag in das Klubheim der Hahoah, L, Wiesingerstraße 11, einberufen, um das Provisorium in ein Definitivum umzuwandeln. Vor ungefähr sechs Wochen ging man daran, dien Kreis wieder zur geregelten Arbeit zu bringen. Den gegebenen Verhältnissen entsprechend, rief man zwei Untergruppen, den Jüdischen Sport- und den Jüdischen Turnverband, ins Leben. Die provisorische Leitung dieser zwei Körperschaften übertrug man einigen wenigen Herren. Die beiden Unterverbände haben tüchtige Arbeit geleistet, so daß die heutige Generalversammlung die endgültige Wahl der obersten Kreisleitung vornehmen kann. Sechs Personen, von denen drei den Sportlern und drei den Turnern zu entstammen haben, sind zu wählen. Beide Gruppen kommen mit gebundener Marschroute. Der jüdische Sportverband kandidiert folgende Herren in die Kreisleitung: Dr. Ch. Wolfmann als Präsident, Artur Baar als Sportwurt und Fritz Baar als Schriftführer. Bei den Turnern steht bisher nur die Kandidatur des Herrn Horwitz zum Turnwart fest Außer den Wahlen stehen noch mehrere wichtige Punkte auf der Tagesordnung* Vor allem wird sich die Generalversammlung mit dem jüdischen Turn- und Sportfest befassen müssen, das im Juni auf dem neuen Hakoah-Platz abgehalten werden soll. Auch über die Form des Propagandadienstes für die jüdische Sportpresse wird beraten, werden. Laut Kreisstatut hat jeder Verein für je 100 Mitglieder einen Delegierten zu entsenden. Mehr als zehn Vertreter darf aber kein Verein haben, Klubs, die weniger als 100 Mitglieder besitzen, haben ebenfalls eine Stimme. Die jüdischen Sportvereine haben bisher viel Verständnis für die gemeinsame Arbeit bekundet Hoffentlich streben die Turnvereine dem Vorbild, das die Sportler geben, nach, so daß heute sämtliche Vereine vertreten sind Fußball. Niederösterreich—Süddeutschland. Absagen 1 Die Situation gestaltet sich den Verbandskapitän Sehr unangenehm, da de de Mittelläufer Brandstädter (Rapid) und Resch (Wacker) dem Verbände die Nachricht zukommen ließen, daß sie an der Fährt nach Nürnberg nicht teilnehmen können. Nach diesen beiden Spielern kommt in erster Linie Neubauer (Rapid) für den Posten des Mittelläufers in Betracht Von den Brüdern Kannhäuser (Sportklub), von denen einer für die Stelle des Tormannes, der andere für die Stelle des Mittelstürmers vorgesehen waren, sind ebenfalls Absagen eingeläuten. Bisher haben folgende Spieler die Erklärung abgegeben, an der Fahrt teilnehmen au können: Janczik, Fischera (W. A. F.), Beer, Teufel (Sportklub), Brazda (Rudolfshügel) und Wana (Wacker). Welche Auswahl der Verbandskapitän treffen wird, ist weit weniger interessant, als die Frage, wer uns wirklich vertreten wird. Die richtigen Namen dürfte man erst vor der Abfahrt am Bahnhof erfahren. Fußball in Palästina. Ein Wettspiel in Jerusalem. Kürzlich gelangte in Jerusalem ein Wettspiel zwischen dem allgemeinen Sportklub Jerusalem und dem jüdischen Fußballklub Jaffa, dem die Wiener Hakoahner Lumek und Schmorak angehören, zur Austragung. Eine stattliche Zuschauermenge, die sich aus allen Gesellschaftsschichten zusammensetzte, wohnte dem Treffen bei. Der interessante Kampf brachte dem Jüdischen Verein nach gleichwertiger Leistung eine knappe Niederlage von 2:4 Toren. England, Frankreich, Italien und Tschecho-Slowakei. Abgesagtes und proponiertes Länderspiel. Die französische Auswahlmannschaft hätte bekanntlich dm 28. d. M. in Paris gegen England antreten sollen. Der Fußball-Verband des letzteren Landes nominierte nun ein Team, das, dem Scheinamateurismus auf dem Kontinent Rechnung tragend, sowohl Profis als auch Amateure enthielt. Die Franzc^en waren mißgestimmt, da sie die Handlungsweise der Engländer als Verdächtigung anffaßten. Sie richteten deshalb an den englischen Fußball-Verband eine Anfrage, warum letzterer Professionals schicke und ob man dem Amateurismus der französischen Fußballer nicht traue. Die Antwort der Engländer enthielt einige Höflichkeitsphrasen. Der letzte Satz: „England bemerkt, daß in seinem Lande Amateure keine Vergütung für einen verlorenen Arbeitstag erhalten, denn der Ersatz für Verdienstentgang verträgt sich nicht mit reinem Amateurismus*1, charakterisiert deutlich den Grund zur englischen Stellungnahme. Das Direktorium des französischen Fußball-Verbandes beschloß unter Vorsitz seines Präsidenten Nimet, den geplanten Länderkampf gänzlich abzusagen. Damit nimmt Frankreich den gleichen Standpunkt wie Belgien ein. Der französische Fußball-Verband ist nun gewillt, für den unterbleibenden Länderkamof Ersatz xu schaffen. Er wandte sich deshalb an den tschechischen Fußball-Verband mit dem Ersuchen, ein Länderspiel zwischen den beiden Auswahlmannschaften in Paris zur Austragung zu bringen. Das Treffen soll anschließende an den Länderkampf Tschecho-Slowakei—Italien, der am 26. d. M. unter Leitung des französischen Schiedsrichter Slavik in Mailand vor sich geht, stattfinden. Die Franzoseh sind bereit, selbst an einem Wochentag zu spielen. Die Aptwrort des tschechischen Fußbail-Verbandes ist bisher noch nicht nicht erfolgt. Die jüdischen Vereine der IV. Klasse. Zur kommenden Saison. Alle Vereine rüsten, um ln der Frühjahrsaison günstig abzuschneiden. Auch die jüdischen Klubs waren nicht untätig, so daß zu hoffen ist, daß es diesmal einem öder zwei jüdischen Vereinen gelingen wird, in dje HL Klasse aufzusteigen. Der Meistersfehaftskandidat in der Gruppe Südost, der S. C. Kadimah, hat großen Spielerzuwachs erhalten. Die bewährten Stützen des 8. C Hechawer, Kolisch, Axeirad und Eckhaus, wie auch andere tüchtige Spieler sind äem Verein beigetreten. Kadimah stellt , eine Mannschaft ins Feld, die jedem drittklassigen Verein zumindest einen gleichwertigen Gegner abgeben kann. Auch der jüngste viertklassige Klub Hasmonea ist durch den Beitritt der Spieler Faust (Vienna), Brüder Markstein (Prater Sportfreunde) und durch das Zurüpkkehren des ehemaligen Mittelstürmers Fenichel bedeutend besser geworden. Der j. A. C. hat einige Chancen, in seiner Gruppe den Meistertitel zu erringen. Die Brüder Lechner und Haas von Graphia, weiters Ungvari (ehemals Marienbad) haben den J. A. C. ganz gewaltig verstärkt. Hechawer hat zahlreiche Spielerverluste erlitten. Kolisch, Axelrad, Eckhaus, Großmann und Bank sind dem Verein untreu geworden. Der tüchtige Sektionsleiter und Trainer Kurt Juhn hat aus Reservespielern die Erste komplettiert ln Fallemann (ehemals M. T. K. - Preßburg) hat Hechawer einen tüchtigen Mittelstürmer gewonnen. Hazalr kann durch die Fusion mit Gideon und Heros seine Mannschaft durch einige talentierte Spieler ergänzen. Die jüdischen Vereine sind für die schweren Kämpfe gut gerüstet Ihre Bestrebungen, vorwärtszukommen, müssen aber von den jüdischen Sportinteressenten gefördert werden. Die Wettspiele der kleinen jüdischen Vereine müssen besucht werden, wenn letztere erfolgreich bestehen sollen. Die Mannschaften benötigen einen Rückhalt und den kann ihnen nur eine zahlreiche Zuschauermenge bringen. ___ E. F. Ein kühner Plan. Ungarn fahren nach Amerika? Die Ungarn beabsichtigen, in Budapest ein Stadion zu bauen. Dieses Projekt würde bei der Verwirklichung einen gewaltigen Geldbetrag verschlingen. Nun zerbrechen sich Berufene und Unberufene den Kopf, wie man diese Mittel aufnringen soll. Auf eine recht originelle Idee kam der Verbandskapitän Gyula Kiss. Er unterbreitete in der letzten Sitzung des ungarischen Fußball-Verbandes den andächtig Lauschenden den Vorschlag, die Nationalmannschaft auf eine Wettspielreise nach Amerika zti schickem Selbstverständlich wurde dabei von „patriotischer Tat" und dergleichen mehr gefaselt. Vor allem hat man es aber auf den Reingewinn, der zum Bau des Stadions verwendet werden soll, abgesehen. Der Plan wäre also da, jetzt fehlt nur noch die Verwirklichung! Verblassende jüdische Sportpioniere. Oskar Mehler. Vor langer Zelt spielte die Hakoah In Meidling gegen Wacker und damals zeichnete sich Oskar Mehler als linker Läufer bei den Gegnern der Hakoah aus. Baid nach diesem Treffen trat dieser vorzügliche Spieler unserem ältesten heimischen jüdischen Sportverein bei. Wenn heute Oskar Mehler ein Nachruf — diese Bezeichnung ist aus dem Grunde am Platze, da er nicht mehr unter den Lebenden weilt — gehalten wird, dann muß man ihn sowohl als Mensch als auch als Sportsmann würdigen. Er war ein einfacher, biederer Hutmacher, der trotz der verlockendsten Angebote, die ihm sicherlich auch materiellen Gewinn gebracht hätten, immer der Hakoah treu blieb. Ohne mit seinem bedeutenden Können viel zu prunken, erfüllte er restlos seine Pflicht. Nie gab es zwischen ihm und der Leitung Konflikte, denn er war immer zur Stelle, wenn man ihn benötigte. Als ehrlicher, offener Charakter war er allseits beliebt und sein Hinscheiden erfüllte sämtliche Hakoahner mit tiefer Trauer. Mehler war ein sehr wirkungsvoller Läufer. Seine Kraft, Ausdauer und Energie machten ihn zum schwerüberwindllchen Gegner. Mit Glasl - und . Artur Kolisch bildete er eine Deckung von bedeutender Spielkraft* Mehler war kein großer Techniker. Da er es aber verstand, sich gut und richtig zu stellen, machte er diesen Mangel vollkommen wett. Während des Krieges stand er als Infanterist an der russischen Front Er hatte das Pech, zu einem antisemitischen Regiment eingeteiit zu werden, wodurch er zahllosen Schikanen ausgesetzt war. Plötzlich kam die Nachricht von seinem Tode. Ob ihn eine „Freundes*1- oder Feindeskugel getroffen hat, ist bis jetzt unaufgeklärt. Die Nachricht von seinem Ableben besagt, daß er auf dem Felde der Ehre getallen sei. Mit ihm verlor di« jüdische Sportbewegung einen ihrer tüchtigsten und treuesten Vertreter* Der zweitklassige Sportklub Sturm 1914 spiel morgen gegen Sportklub Zidenice in Brünn.-Da die Gegnei sehr spielstark sind, werden die Wiener Mühe haben, mi einer knappen Niederlage davonzukommen. Ein Retour spiel ist für Montag geplant, aber noch nicht geschlossen. , Die Amateure spielen am 19. März gegen Slavktl in Prag. Der A. S. C. Liesing spielt morgen gegen den obep*j österreichischen Meister Vorwärts in Steyr. Das Wettspiel Hasmonea-r-Ari kann laut Verbands-? beschluß nicht zur Austragung gelangen. i Die Meisterschaft von Paris gewann in der Sonnta ausgetragenen Schlußrunde Red Star gegen Olympique mit 3: 0 (2:0). Olympique. war nicht so schlecht, als das Score zeigt, doch der alte Chayriquib im Tor Red Stars verhinderte jeden Erfolg. Für den Sieger waren Rivolas, Brouzes und Sentuberry erfolgreich. Olympique vermocht selbst einen Elfmeterstoß nicht zu verwandeln, der Ba landete am Pfosten. Dem Spiele wohnten 12.003 Zuseher be Red Star, der Meister von Paris, soll im Laufe d< Frühjahrssaison in Prag spielen. Der Teplitzer Fußballklub spielt heute in Augsburg} gegen T. V. und Sonntagin München gegen Turn- und Sport? verein 1860. Zu Ostern wollen die Teplitzer in Dänemargj einige Wettspiele absolvieren. Die Corintlans hatten tatsächlich die Absicht, au^ ihrer Europa-Reise Wettspiele in Deutschland auszutragenJ Der englische Fußballverband hat die Abhaltung diesem Treffen verboten. Ostmark spielt zu Ostern in Süddeutschland. Der Länderkampf Finnland—Italien findet an» 9. April in Mailand statt Die Finnen erhalten 40.000 Lire als Reiseentschädigung. .. Ein Länderspiel England—Schweiz in New Yortef Noch in diesem Monat, findet in New York ein Länder? Kampf zwischen den in dieser Stadt wohnenden Engländers! und Schweizern statt Der V. A. C.-Budapcst unternimmt zu Ostern ein« Reise nach Polen. Die Mannschaft wird am 14. April ha Bielitz, am 16. und 17. April in Lemberg und am 19. April in Krakau spielen. Eine französische Verbandsmannschaft wird hä Juni 1922 in Norwegen einige Wettspiele austragen. Klein, der tüchtige Centerhalf Hazalrs, der iä letzter Zeit zu Ari und Zentralverein übertreten wollt« hat sich eines Besseren besonnen und wird auch weiterldjs für seinen Staramvereiu tätig sein. Leichtathletik. Schluß des Berliner Hullensportfestesö Die Mitteldeutschen in Front \ Der zweite Tag hat in sportlicher Hinsicht vieles? nachgeholt, was am Sonntag zu bemängeln war. Die leicht« athletischen Hauptwettbewerbe brachten überaus scharfe« Kämpfe und zeigten die m i 11 e ldeutsch e n V e r? t r e t e r in glänzender Verfass an g. Dls- Vorführungen im Boxen, Ringen, Tauziehen, Gewichtheben*) Radballspiel, Reckturnen, Radrennen und Trockenschwimmen fanden den ungeteilten Beifall der zahlreichen Zuschauer^ Die Ergebnisse waren: ' 60-Meter-Hürden: 1. Eicks (B. T.) 8*8 Selb — 60- Meter-Laufen: 1. Friedrich (Leipzig^ 6-9 Sek. — 4X 400 -Meter-Staffel, Kl. C: 1. Lübo T. V. 4:12-5. — 4X400 Meter, Kl. D: 1. Teresfi (Steglitz) 4:052. — 3 X 1000 - M e t e r - S t a f f e 1: 1. Ti u. Sp. V. Schöneberg 8 : 42. —Boxen: Kaube (Heros! schlägt Jokisch (Stern) nach Punkten; Stecker (V. f. L.I gibt gegen Goßmann (Heros) ln der zweiten Runde auf. -*} 10-Runden-Staffel fürDamen: 1. Berlineij Sportklub 3:15. — Ringen: Montag siegt gegen Stuwer (Alt-Wedding). — 1000 - Meter-Vorgabe: 1. GliecH (V. f. B;-Go!ßen) 2 : 45 4 (15 Meter Vorgabe). 2. Lauterbacto (Leipzig) Mal. — Einhalbstunjden-Manir sch afts-Ablösungsfahren: 1. Krüger-Hill 4 mann (Concordia) 19 Punkte, 19*8 Kilometer. 2. Blanck*j Wurmstich (R. C. 89). — Kugelstoßen fürDamen^ 1, Fräulein Grasse (Niederlehme) 8*55 Meter. — 20X2«* R u n d e n-Staffel: 1. 8. C. CharL 13:50. Artur Hirschler hält heute um 7 Uhr fm Knnhcim der Hakoah, Wiesingerstraße 11, einen Vortrag über des Werdegang der Hakoah. Turnen. Makkabi IX. Der Turnbetrieb hat in letzter Zeit vielfach unter def3 Ungunst der Verhältnisse sowohl in wirtschaftlicher all? auch in klimatischer Hinsicht zu leiden gehabt. Erkrankunge® und berufliche Ueberb'lrdung mehrerer wichtiger Vereins^; funktionäre haben Störungen in der regelrechten Forte, führung der Turnarbeit und der Instandhaltung der Turn*! räühiliclikeiten gezeitigt. Daher hat sowohl die Vorturner« schaft in Ihrer am letzten Montag stattgefundenen Sitzung als auch der Turnrat in einer Sitzung tags darauf Be* ratungen zwecks Wiederherstellung eines normalen Turn*- betriebes gepflogen und, so gut es ging, Abhilfe geschaffen? Die Leitung des Herrenturnens wurde an Steile des be<4 urlaubten bisherigen Platzleiters Fried dem Turnbrudetf Oposchinsky übertragen, der in der Ausübung dieserf Funktion vom Vorturner der I. Riege, Dr. Friedmanu#. unterstützt wird. Auch in der Leitung des Klnderturnemf wurde eine Aenderung vorgenommen, Turnbruder P o 11 a ftf vom Makkabi XX wurde für diese Stelle ln Aussicht, ge*. - nommen. Wintersport. Die Hakoah-Fußballer trainieren morgen ab 2 Uhr auf dem F. A. C.-Platz in Floridsdorf. Die eMS Mannschaft beginnt um 4 Uhr mit dem Training*, Touristik und Wintersport Ein Aufruf. Kein Gebiet im weiten Beireidh des Sports?! i&diacßiieia Mousse taruasJ