Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1050 (1.1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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LMLSSNMMMvr-R 40 v/ien: Zum Abholen in der Spedition, IL.Taborstr. t—3, r,-h‘.r «n einerVerschleißstelfe (Trafik) monatlich K 1000. .MiLFostversand fürWien und Oesterreich monatlich K1000. Tschechow-Slowakei: Mon.. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. [ugoslawien: VionaÖ.. Dinar 13. Polen: Monatl. Mark 600. Deutsch- Sand:" Monatlich Mark 25. Frankreich: Monatl. Pres. 6. Wiener VI - VLstts>Lkzs-§8o«ksSrsI . ,(SjSh.:K. l i Italien: Monatlich Lire W Rumänien: Monatl. Lei 40.' Schweiz und'das übrige Auslandmonatlich Francs ^1 Redaktion u. Administration . Wien' IL, Taborstrasse 1—3;; Telephone: 44-0-38, 43-3-1:9, ab 6,Uhr abends. 17^3^ Telegrammadressfe:J,Mbfgö'n'- zeitung“; Wien.; :.: Oesterreichiscfies . Postsparkassenkahtol5{$593 kMWSWW Wien, Sonntag, 1. Jänner 1922 Zs*. 10$0 /#? 4. Der Stand der zionistischen Sache. > st. W ke n, 1. Jänner. Die vorgestern beendete Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees stand unter dem Eindruck einer bedeutungsvollen Erklärung des Präsidenten der Organisation. Dr. Weitzmanh hat mitgeteilt’, daß die endgültige Erledigung des, palästinensischen. Mandats durch den Völkerbund aller Wahrscheinlichkeit nach noch im Verlaufe des Monats Jänner erfolgenjwird. Die englische* Regierung ist gewillt, die Angelegenheit durch ihren Vertreter beim Völkerbund energisch betreiben zu lassen. Die Vereinigten Staaten hüben dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive Sokölow durch .ihren Außenminister die Erklärung übermitteln lassen* daß sie ihre grundsätzliche Stellungnahme gfcgen . die Erteilung von Mandaten durch den Völkerbund in der. Sache des Palästina-Mandats nicht geltend machen werden. Frankreich hat seine Bestrebungen, die zweite Mandatmacht zu werden, als'- aussichtlichtslos erkannt und wird keine ernstlichen Hindernisse bereiten. Italien und die übrigen Mächte im Völkerbund werden ihre freundliche Haltung .bewahren.; Wenn nicht unvorhergesehene Umstände eintreten, wird die Mandatsfrage im Jänner erledigt." Das Schicksal des jüdischen nationalen Heims Palästina wird dadurch endlich allen Zufälligkeiten und Anfeindungen entrückt England, welches sich durch die B a 1 f o u r-D,e k 1 a r a t i o n unverbrüchlich, zur WahrungKj$ijer zionistischen Prinzipien verpflichtet hat,.wird pfände.:den:Willen aller Weitmächte vertreten, die J|pstistische Organisation als die vom Völkerbund Vertretung des gesamten jüdischen Volkes NMWillen der, jüdischen Gesamtheit Diesen beiden wird die Leitung des politischen un.d wirtschaftliche^ Aufbaues „des nationalen Heims der Juden.anverirätit-s^n.’^Keiin’ Dritter wird fortan den Gang c!6r iEfitwid^g’ stören .'können* ohne dem eindeutig aüsgesprochefrenjörefrote der Welt-' Mächte zuwider zu handeln. ‘ Die Beratungen im Aktionskomitee haben auch zur Erkenntnis geführt, daß die EriÄgung nicht länger hinausgeschoben werden kann, öHMddatz zionistische Werk damit ernstlich zu gefähDW In San Rem o wurde wohl den Juden Palästina^afii nationales Heim zuerkannt, die Regelung der Bedingungen aber dem Völkerbund übertragen. Die so geschaffene Pause zwischen Beschluß und Ausführung hat . in den Feindseligen und Unverständigen die Hoffnung genährt, das Werk in letzter Stunde zerschlagen zu können, und hat sie zur Anspannung aller Kräfte veranlaßt Eine kleine Gruppe arabischer Hetzpolitiker hat es verstanden, Palästina als durch die Juden gefährdetes Nationalheiligtum, als den bedrohten Kernpunkt arabischer Macht hinzustellen. Nie zuvor hat die arabische Politik dem von einem winzigen Splitter der arabischen Nation bewohnten tmd > unter den wenigen arabischen, Händen. brachliegenden Palästina irgendeine Bedeutung für die Araber beigemessen. Nun, da es nach zwei Jahrtausenden seinen jüdischen Kindern zurückgegeben.1, werden’ soll, unter den weitestreichenden Garantien für; das Wohl seiner ' arabischen Bewohner, bricht ein Sturm los und, eine reichlich mit Geldmitteln versehene Propaganda stiftet blutige Unruhen im Lande und wirbt in aller Herren Ländern antizionistische Förderer. Wer mit den Verhältnissen im arabischen yolke nur halbwegs vertraut ist, der muß erkennen,'daß fremde Hände im Spiele sind. Hinter den drängenden Arabern stehen die Agenten des päpstlichen Rom und des reaktionären Hügels der französischen Politiker.'. Es ist sicher,' daß die definitive Erledigung der . Märtdatsfrahe diese Propaganda wird verstummen machen. Die Verzögerung der Mancjäfserteilung hat aber auch die Gegner innerhalb des Judentums ermutigt und die Zuversicht der im zionistischen Glauben noch Schwachen erschüttert. Eine, Gruppe von Assimilationsjuden in London und Paris intrigiert und der antizionistische Teil der Orthodoxie ist so weit gegangen, die Mächte und den Völkerbund gegen die verantwortliche Trägerin <e jüdischen Mandats, gegen, die zionistische Organisation. aufhetzen zu wollen. Diese böswilligen, selbstmörderischen Bemühungen sind wohl gescheitert Aber der Kampf von außen und von innen her hat manch neuen Freund der zionistischen Sache eingeschücHtert Er hat in Palästina selbst eine verhängnisvolle Wirkung! ausgeübt, er hat den' Mann, welcher heute Palästina verwaltet, den jüdischen Obefkommissär Herbert' Samuel, von der Richtlinie zionistischer Politik abgedrängt. Herbert Samuel hat sich gegenüber, den arabischen Uebergriffen und den sönstHmi Anfeindungen nicht fest erwiesen. Er hat He u -dem 'ferror und den Intrigen weichend, zur Preis^aje der wichtigsten Postulate bequemt. Seine Politik, die nunmehr in offenem Gegensätze zur Balfourschen Deklaration steht, bedroht das zionistische Aufbauwerk Die Rettungsaktion für Europa. Internationale Wirtschaftskonferenz. Paris, 31. Dezember. Philippe Mi 1 let schreibt im „Petit Parisien", daß die Statuten der osteuropäischen Gesellschaft, wie er das neugeplante Konsortium nennt,-noch heute fertiggestellt tmd von den Delegationen aller beteiligten Staaten beschlossen werden dürften. Es soll . eine große i n t e r n a t loyale W i r tschaftskonferenz einberufen Herden, der die Aufgabe zufallen würde, die notleidenden Regierungen über die Garantien zu befragen, die sie zu geben imstande seien, und zwar Garantien allgemein juristischer Art für die Sicherheit der Person und des Eigentum s, ferner solcher wirtschaftlicher Art, namentlich hinsichtlich der Ausgabe von P a p i e r g e 1 d. Diese Bürgschaften könnten nicht von Privaten, sondern nur von den Regierungen selbst gegeben werden. An der Wirtschaftskonferenz werde vermutlich auch Rußland teilnehmen. Pertinax berichtet im „Echo de Paris", daß als Sitz des geplanten Konsortiums für die Wiederaufrichtung Europas ursprünglich eine Insel im Aermelkanale ins Äuge gefaßt war, doch hätten die Delegierten später diesen Plan fallen lassen. ' Man erwartet nicht, daß die deutsche Regierung selbst das notwendige Kapital zur Verfügung stellen werde, doch könne die Hälfte des deutschen Anteils vom Siaatsschätz gezeichnet werden. Die Aufgabe des .Konsortiums bestände dann darin, in; jedem not-- . leidenden Lande eine Organisation zu schafren, die das Kapital und die interessieren Kreise zur Mitarbeit an dem Rettungswerk heränzrtzhenj solle. Das offizielle Geld des Konsortiums werde' das englische Pf und . sein. * *" j Für eine gemeinsame Anleihe der Sukzessionsstääten. Paris, 31. Dezember. (Havas.) Im „Excelsior* entwickelt der* ungarische Staatssekretär für Finanzen Elemcr Han tos einei Finanzplan zur Lösung der Wirtschaftskrise Mitteleuropas. Danach sollten' alle': ’ Staaten, die aus der Donau-Monarchie ■hervorgegangen sei eh, ohne auf ihre / eigene Währung* zu' Verzichten, sich vereinigen, um im Ausland e i n e- Anleihe aufzunehmen und für sie Deckungzu bieten. Die entsprechende i Gegenwerte sollten * al& ‘Deckung in einer neutralen Statthinterlegt werden. Um die -Valutaschwankungen zu vermeiden, sollen die Banknoten jedes Staates durch den Staatsschatz aller übrigen Staaten angenommen werden. ■ - Die Hilfe für Oesterreich. Auf gutem Wege. Pari?, 31. Dezember. Tu dMWeMtupgSN; •äfer Fiaanzdelegjerten schreibt; »Petit JöuriiäEf,, man könne nicht genug wiederholen^ >diese Wirtschaftskonferenz nichts gemeihpm habe mit der allgemeinen Konferenz zur Wiederaufrichtung Europas, von der seit der Washingtoner Konferenz so viel gesprochen wird. Man werde besser verstehen, um was es sich handle, wenn man sich die verschiedenen Besprechungen und Konferenzen in Erinnerung bringe, die seit einem Jahre zur Rettung Oesterr eich s abgehalten werden. Jetzt handle es sich/ um das gleiche Problem, das man auf äjle notleidenden Länder erstrecken wolle. Man könne heute sagen, daß die R e 11 u ng O es t err ei c h s auf gutem W e g e sei und daß man b a 1,d ihre Wirkungen sehen werde. Die Zusammenarbeit der internationalen, an Oesterreich interessierten Finanzgruppen sei bisher auf zu bescheidenen und daher ungenügenden Grundlagen aufgebaut gewesen. Immerhin aber habe sie schon genügt, ein wichtiges Ergebnis zu erzielen, nämlich d a ß , d i e Oesterrei che r sich selbst geholfen und ihre wirtschaftliche Lage derart gebessert haben, daß sie nur mehr einer leichter zu beschaffenden, relativ beschränkten Finanzhilfe bedürfen. Der Eisetibahnerstreik in Deutschland beigelegt. Berlin, 31. Dezember. (Wolff.) Die Verhandlungen zwischen den drei Eisenbahnerorgmisationen und dem Reichsverkehrsministerium über die Lohnforderungen der Eisenbahner haben zu einer Einigung geführt. Die Organisationen haben sich verpflichtet, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteig, auf die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit hinzuwirken. Der tschechische Außenhandel. Prag, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Im Monat Juli 1921 wurden nach der Tschechq-Slowakai 359.846 q und 29.383 Stück Ware eingeführt. An der Einfuhr sind beteiligt Deutschen l mit 38 36°/» und Amerika mit 18*58?/0. Die Ausfuhr aus der Tscheche-Slowakei betrug im genannten Monat 9,795.635 q und 459.957 Stück Ware. Der Hauptkonsument für tscheche-slowakische Waren ist Oesterreich, das 40,030/o bezieht, dann folgen Deutschland mit 32*33°/0 und Ungarn mit 12*89°/*o. Das französische Budget angenommen. FK^PMls, 3U öezember. (Hävas.) Die letzte Sitzung des Senats, in der,das Budget zu En e, beraten würde, dauerte von gestern 3 Uhr nachmittags, bjs heute 7 Uhr früh. Schließlich wurde das Budget niil 296 gegen 7 Stimmen, a n g e n o m m e n. Tschechisch-russischer Handelsvertrag« Prag, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Die Verhandlungen über den t s c h e c h i s c h - r u s s i s c fron H a n d e 1 s v e r t r a g, die über einen Monat lang unterbrochen waren, wurden nunmehr wieder aufge* nonimen. Es gelang, die russische Mission zu; überzeugen, daß die Klausel des t s c h e c h i s c. hp o 1 n iseben Vertrages,, die eine w o h 1 w o l len d e Neutralität im Kriegsfall festsetzt, nicht gegen Rußland gerichtet sei. Die Unterzeichnung des Vertrages dürfte in den nächsten Tagen erfolgen. :* , Hochverratsanklage gegen einen Gesandten. Belgrad, 3J. Dezember. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung0.) : Die Regierung hat gegen den Gesandten in Aegypten Dr. Bogicevic, der. vor dem Kriege der Berliner serbischen Gesandtschaft zugeteilt war, die Hochverratsaiiklage erhoben. , Er ist von seinem Posten in Kairo nach der Schweiz geflüchtet , und hat hier seine Aufzeichnungen unter dem Titel-„Kriegsursachen“ herausgegeben. Er erklärt/ daß die Schuld am Weltkrieg Rußland und England treffe» Das Buch enthält auch geheime diplomatische Akten. Nansens Mitarbeiter gestorben. . London, 31. Dezember. (Funkspruch.) Am 29. Dezembet ist in Moskau Dr. Farrar, der englische Mitarbeiter Nansens, an Typhus, gestorben, den er in Ausübung; seines Hilfswerkes erworben hat Verschiebung der Neuwahlen in Ungarn* Budapest, 31. Dezember. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung“.) Die scharfe Tonart, c er Opposition, welcheauch die Erledigung des Budget- * Provisoriums aufhäl\ erklärt sich aus der Absicht der, Regierung, die im Februar ablaufende Legislaturperiode der Nationalversammlung zu verlängern. Die Regierung fürchtet die Neuwahlen und will deshalb deren Termin auf-, den; Juni hinausschieben. und muß in ihrer Fortsetzung unheilbaren Schaden stiften. Die Verhandlungen irq* Großen Aktionskomitee haben klär sehen lassen, daß unter dein gegebenen Umständen wenig Hoffnung besteht, Herbert Samuel vom Irrweg abzubringen. Die Erledigung der Mandatsfrage wird auch da gesunden Wandel schaffen. Die Erteilung des Mandats wird auch den wirtschaftlichen Aufbau entscheidend beeinflussen. Das Aktionskomitee hat die Ueberzeugung gewonnen, daß der Stand der zionistischen Sache in politischer Hinsicht gesichert ist. Es mußte aber feststellen, daß’ die jüdische Gesamtheit, als Trägerin der wirtschaftlichen Entwicklung des nationalen Heims, bisher versagt hat Der. Kreis derer, die in dar Schicksalsstunde dias jüdischen Volkes erka nt haben, daß jetzt die größten Opfer gebracht werden müssen, ist allzu klein. Noch hat der gewaltige Ruf an das Judenvolk sein Echo nicht gefunden. Es ist zu hoffen, daß das letzte und entscheidende Wort, vom Völkerbund gesprochen, die jüdischen Seelen und Geister aufrütteln wird,