Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1044 (25.12.1921)
- Date
- 1921-12-25
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ID!W'WWW iäiM3uitigj)j£ÜS^SlSSmmSi fd A&Uük Nr. 1044 Wien, Sonntag WIENER MORGENZEITTJNG 25. Dezemoer 1921 Seite II Vergütung leiste. Das hat er nicht tun wollen/aber.es ist klar, daß jene Devis:n nicht zu den höchsten Kursen auf einmal aufgenommen worden sind. Wenn also der Staat jetzt >on einem ihm gemachten Valutenanbot — die Anmeldungspflicht bedeutet doch nach den ausdrücklichen Erklärungen des Finanzministers keine Anforderung —' Gebrauch machen sollte, wird das Finanzkapital bei den jetzt, geltenden Kursen noch immer einen schönen Durchschnittskurs erzielen, der die mit einer Hand abgelehnte Garantie mit der anderen innerhalb gewisser Grenzen' bringt. Daß dieser Durchschnittskurs nicht allzu niedrig ausfällt, dafür wird schon das Interesse der Mächtigen sorgen, wenn sie nicht zu Schaden kommen: wollen. Sie werden nicht zu Schaden kommen wollen! Es ist nach der neue Devisenordnung fraglich, ob die Banke’ zur Arbitrage berechtigt sind oder nicht Strittig, weil das Gesetz nicht klar ist, Grund genüg, die Frage zu bejahen. Die Devisenzentrale will auf das Arbitragegeschäft nicht verzichten, wer aber hat dort das große Wort? Man wird dem Finanzkapital das Arbitragegeschäft nicht unmöglich machen, solange es sich noch rentiert Wohl bes'eht jetzt die Tendenz, es in der Praxis einzuschränken, diese. Praxis kann sich jedoch ändern, w-nn es die Umstände verlangen, , und daher wird auf eine Interpretierung der Devisenordnung hingearbeitet, damit alle Möglichkeiten offen bleiben. Die Börse stand unter dem Eindrücke der Steuergesetze und der von den großen Instituten teils, beschlossenen, teils im Zuge befindlichen Neuemissionen. Sie hat eine sichere Orientierung gegenüber den fiskalischen Maßnahme! vorläufig nicht-gefunden, weil sie von der Besorgnis erfüllt war, daß die Kette noch nicht geschlossen ist Bestärkt wurde sie in dieser Besorgnis durch das V a 1 u t e n a m m e 1 d u n g sgesetz, das sie als den Vorläufer der Beschlagnahme ansieht, und die Neuemissionen ließen keine entschieden freundliche Stimmung zum Durchbrüche kommen, weil die angesichts der wöche tlichen, bis zu einem Milliardendutzend gehenden Notenvermehrungen paradoxe Geldknappheit eher an Schärfe zugenommen hat. Die Valuten haben sich unter dem.Einfluß der Spekulationssteuer und der Einschränkung des Valutenhandels stark' gesenkt und das wirkte natürlich verstimmend auf den Effektenmarkt zurück. Der Einfluß der Freigabe' des Verkehrs durch die Aufhebung des Legitimafionszwanges hatte noch nicht Zeit, sich '.geltend zu machen; auch hiefür bedarf es einer geistigen Ausbalanzierung, die sich jedoch nicht mit einem Schlagfe vollziehen kann. Die Börse oder vielmehr der Effektenmarkt sieht,am Scheidewege, sie hat sich über die Tendenz'noch nicht entschieden, sie wertet noch die günstigen und die ungünstigen Momente, ohne dem einen oder dem anderen das Uebergewicht verschafft zu haben., Freilich, die Richtung, läßt sich vielleicht, wennkeine Ueberraschungen kommen, trotzdem erkennen. Zum ersten Male . konnte man am letzten Börsentage vor Weihnachten wahmehmen, daß sich -, der Effektenmarkt . doch von dem , .Valutenmarkte Unabhängig} machen kann, was natürlich;'Rückfälle in die altgewohnte, valutariscbe Orientierung nicht ausschließt Die deflatorische Finanzpolitik richtetsich, trotz der Börsegewinnsteuer, die übrigens; für-Mektsngewinne um 50% niedriger angese.'zt ist, nicht. gegen den Effektenmarkt. Aber auch, abgesehen davon", stellen die Effekten einen inneren Wert dar, der nicht:, nür nicht erschüttert werden kann,. sondern der durch die sich steigernde Aktivist unserer Industrieuirbrnehmungen zunehmen muß. Ueberall geht etwas .vor, überall herrscht nicht bloß Geschäftigkeit, .sondern rentable Geschäftstätigkeit, die - so bedeutend ist, daß die Industrie, im vollen Bewußtsein ihrer Kraft, die sich aus dem Abbau der Lebonsmittelzuschüsse ergebenden Lasten auf sich nehmen konnte. Das alles sind Gründe, die einer Verflauung des Effektenmarktes entgegen wirken müssen. Aut. eines freilich werden die Industrieunternehmungen verzichten müssen: d e r Flut der K a p i t a 1 s v e rmehrungen m u ß und wird ein End e gesetzt werden. Die Geldknappheit zwingt dazu und es ist charakteristisch, daß die Banken die Vermehrung ihres eigenen Aktienkapitals vornehmen, statt, wie es früher ih|*e Politik war, Kapitalsvermehrungen der von ihnen paironisierten Gesellschaften zu begünstigen. Sie wollen . den Kreditbedarf der Industrie künftig durch eigene Mittel decken, nicht aber diesen Bedarf indirekt befriedigen. Wohlgemerkt: den wirklich notwendigen Bedarf. Denn es besteht die feste Absicht, nicht mehr wie früher Gold aus dem Boden zu stampfen, die Industriedirektoren werden sich daran gewöhnen müssen, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Wirtschaftsgeld rationell umz u g e h e n. Die Banken sind nicht gewillt, in dieser Hinsicht lässig vorzugehen und. hier bietet sich auf privatwirtschaftlichem Gebiet das Gegenstück zu der deflatorischen Finanzpolitik der Regierung. Diese wirtschaftlichen Defiationsbestrebungen können nur eine Besserung der Krone zur Folge haben, sie rücken aber neben dem Substanzprinzip den Rentabilitätsgedanken in den Vordergrun , der dem Wunsche der Finanzverwaltung nach hohen Effektepkursen von anderer Seite entgegenkommt Der hohe Kröne; k irs, den uns all diese Bestrebungen bringen, sollen, ist freilich vorläufig nur eine Hoffnung, die sich erst im nächsten Jahre verwirklichen kann. —II—. 0 I., Ka c elsüressa E3r. S g l Tel. Nr. 20430, 3C831, 20346, 2257«. Te!egr.-Adr.; Contlnentalbank j jj Vt«cfc£3!s{u&®i Cr«, Teils os-strassa 1 | Telephon Nr. 45423 |! Kulanteste r';?rcbfr:hn:r»£ sPmtl-cher B a n fc- und 1 I Börsetranoaktionen 133 | Ilandelsminister Dr. Grünberger über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei. Einer unserer Redakteure hatte Gelegenheit, die Ergebnisse der Präsidentenzusammenkunft in Lana im Gespräch mit dem Handelsminister zu erörtern. Der Minister äußerte sich hierüber unter anderem in folgender Art: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und der tscheche-slowakischen Republik gehen zurück auf die jahrhundertaite Entwicklung der beiden Volkswirtschaften in einem einheitlichen Wirtschaftsgebiete, dafür ist ein deutlicher Beweis, daß trotz der politischen Trennung und der ökonomischen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit der gegenseitige Verkehr1 immer einen sehr großen Umfang zeigt. Nach unserer Statistik des Jahres 1920, die allerdings, bisher nur Mengenziffern gibt, figuriert die Tschechoslowakei in der Einfuhr an erst erstelle, in der , Ausfuhr an zweiter Stelle. An unserem Import sind die Tscheche-Slowakei und Deutschland, mit je mehr als einem Drittel beteiligt. Nach der tschechischen Statistik desselben Jahres beziffert sich der Anteil Oesterreichs am Gesamtimport der Tscheche-Slowakei, mit rund 8%, unser Anteil am Gesamtexport mit rund 34% Wir stehen Im tschechoslowakischen Außenhandelsverkehr, und zwar sowohl im Import wie im Export, an zweiter Stelle. Der Warenaustausch zwischen den beiden Staaten ist seither durch die eingetietenen Erleichterungen bei der Handhabung der Ein-und Ausfuhrverbote erweitert worden. Durch die Zusage, den Handelsvertrag zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei sofort der Ratifizierung zuzuführen und in Kraft zu setzen, werden unsere Handels- und Verkehrsbeziefiungen in Bälde d e erwünschte vertragsmäßige Regelung erfahren und damit dem Geschäftsleben die ihm notwendige Sicherheit gewähren. B£rsen>Kommlss9onsgeschäft und Wechselstube MAGID & Co. Wien, 9., Kohensteufengessie 11 4027 Kapitalserhöhung der M. L. Biedermann & Co. Bankaktiengesellschaft. In der außerordentlichen Generalversammlung der ZI. L. Biedermann «L Co. Bankaktiengeseliscliaft vom 3. d. M. wurde die Erhöhung des Aktienkapitals auf 500 Millionen beschlossen. Den Aktionären steht laut Kundmachung der „Wiener Zeitung" vom 2.4. d. M. ein Bezugsrecht auf die neuen Aktien zu, wonach je drei alte Aktien zum Bezüge von zwei neuen Aktien berechtigen. Die Anmeldung des Bezugsrechtes hat bei sonstigem Verluste desselben bis spätestens 10. Jänner 1922 in Wien bei der Liquidatur der M. L. Biedermann & Co. Bankaktiengesellsenaft in Wien, I„ Bräunerstraße 6, oder in Budapest bef der Budapester Filiale zu erfolgen. Der Bezugspreis beträgt per Aktie K 700 zuzüglich 5% Zinsen vom Nominalwert per K 400 ab 1. Juli 1921 bis zum Erlagstage und ist anläßlich der Anmeldung des Bezugsrechtes zur Gänze bar zu erlegen. __ Pie Abrechnungen über die LuxuswarerabgabA. Der Gremialrat der Wiener Kaufmannschaft hat sich mit den Beschwerden beschäftigt, welche von seiten der Stadtverwaltung über die Unterlassung vieler Abrechnungen und über deren mangelhafte oder unvollständige Ausfertigung derselben erhoben werden. Ueber Beschluß des Gremialrates hat der Präsident des Gremiums, Herr Cornel Spitzer, dem Finanzreferenten der Gemeinde, Herrn Stadtrat B r e i t n e r, gegenüber heute die Erklärung abgegeben, daß das Gremium es selbstverständlich auf das schärftste mißbilligt, wenn einzelne Betriebe die für die Gemeinde vereinnahmten Steuerbeträge nicht rechtzeitig abrechnen und abliefern oder sonst dem Gesetze zuwiderhandeln. Andrerseits wies er darauf hin, daß trotz der umfassenden Auskunftstätigkeit des Gremiums, die sich natürlich vorwiegend auf' die Gremialmitglieder erstreckte, bei der Neuheit des Gesetzes und der Schwierigkeit der Duchfiihrung Jrrtümer und Meinungsverschiedenheiten nicht zu vermeiden seien. Nach einer eingehenden. Besprechung des vorliegenden Beschwerdematerials erklärte sich Stadtrat Breitner bereit, den Geschäftsinhabern nochmals Gelegenheit zu geben, unrichtige Fassionen richtWzusteflen oder nichteingebrachte Fassioneix nachträglich ro'h einzubringen, wenn diese Einbringung oder Nachfatrru’.g unverzüglich erfolgt. Der Magistrat wird bis 6. Jänner 1922 mit Strafamtshandlungen wegen Steuerhinterziehungen innehalten, nach diesem Termin jedoch rücksichtslos nrt den schärfsten Strafen Vorgehen. Weiters wurde festgestellt, daß nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes bei Verkäufen von Waren an A u s 1 ä n d e r die Abgabefreiheit nur in jenen seltenen Fällen e!»tritt, wenn der Verkäufer selbst die W a r e d i r e k t an d a s Ausland ü e f er t. Wird in einem anderen Falle vom Verkäufer die Luxussteuer nachgelassen, so tut er das auf seine Kosten, hat sie also unbedingt zu entrichten. Der Nachweis der Lieferung ins Ausländ kann nur durch Post- oder Bahn-, beziehungsweise ZolIdo3tumei)te erbracht werden. Das Gremium ladet alle abgabepflichtigen Betriebe dringend ein, das Gesetz genau anzuwenden und rechtzeitig und vollständig abzurechnen und emzulösem und etwaige Richtigstellungen bisheriger Abrechnungen unter ausdrücklicher Bezeichnug als Richtigstellung längstens bis 6. Jänner 1922 zu bewirken. Mitglieder des Gremiums können werktags in der Zeit von 9 bis 2 Uhr etwa notwendige Auskünfte in der Kanzleiabteilung I des Gremiums, IV., Schwarzenbergplatz 16, einzuholen. Der neue tschechische Zolltarif. Aus Prag wird berichtet: Wie der „Las" meldet, hat der Ministerrat Donnerstag den neuen Zolltarif genehmigt, der vom 1. Jänner 1922 in Geltung tritt. Die Getreidezölle werden aufgelassen und die Zölle für andere Artikel ermäßigt Die Getreideausfuhr aus Rumänien freigegebeft. Aus Bukarest wird gemeldet: Der Ministerrat beschloß die Aufhebung der Einfuhrerlaubnisscheine und eine Neuregelung der Ausfuhr für Getreide, die die Freiheit desHa ndels gewährleisten soll. Postpaketverkehr mit der tschecho-slowakischen Republik. Die Handelskammer in Wien teilt mit, daß die seit 15. November d. J. in der tschecho-slowakischen Republik bestehende Einfuhrfreiheit für Schirmstöcke im Postverkehr sich nicht auf solche in Verbindung mit feinen oder feinsten Materialien bezieht. Umtausch polnischer Banknoten I. Emmission besorgt die Kommerz- und Diskontobank, Wien, I., Wipp- Iingerstraße 24, und ihre Wechselstuben, I., Kärntnerring 15, und II., Lillenbrunngasse 1 (bei der Marienbrücke, vis-ä-vis Dianabad), täglich bis 10. Jänner 1922. Fast 213 Milliarden polnische Mark Im Umlauf* Dem im „Monitor Polskr veröffentlichten Rechnungsabschluß der polnischen Landesdarlehenskasse vom 10. Dezember entnehmen wir, daß der Notenumlauf Polens sich auf 212.676, 13.555 polnische Mark beläuft Der polnische Staatsschatz ist bei der Landesdarlehenskasse mit einem noch höherem Betrag, und zwar mit 217 Milliarden polnischen Mark belastet. Die Devisenkurse. Zürich, 24. Dezember. (Devisenkurse. — Mitgeteilt von der Schweizerischen Kr editanstalt.) Berlin 2.72 (2.70), Holland 187.50 (188.-), New York 513.- (513.-), London 21.45 (21.46), Paris 40.70 (40.50), Mailand 22.60 (22.65), Brüssel —(—.—)» Kopenhagen —(—.—), Stockholm (—.—), Christiania —> (—.—), Madrid Buenos-Aires — Prag 7.05 (7.10), Budapest —.85 (—.82), Agram 2.— (1.95), Bukarest —Warschau —.19 (—.18), Wien Geld —.20 (—.20), Wien Ware —- (—.—), Oesterr. gest. Kronen Ge!d —.11 (—.11), Oesterr, gest. Kronen Ware Scheren Messer Bestecke Löffel Haarmaschinen Bartmaschinen . Rasierartikel Brennscheren Feilen Hämmer Voriängschlösser Holzhacken Hauen Sensen Sicheln Blumendraht 494 OTTO WAGENBERG Eisen-n. Stahl* waren en gros Wien, I., Tuchlauben 19 Telephon Nr. 67-0-86 und 62-2-99