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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-21 · Heft 1010 (21.11.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1010 (21.11.1921)
Date
1921-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis M.4L Kronen Aränn«eralio»sprerse: HJ i<«t: 3km Aüholen in L«» Kxptditwn, S. Ärztrk, Laborstvatze 1 bi» 3» oder in eine» BerschlkWeve (Trafik): Monatlich. rkranen LSo.— Mit Pvstversavd «r Mm tmfc ßtpWlWuJ. Monatlich. Krone« SV0 — Lschecho-Elovakri: Monatlich. .Kronen 18.— Vierteljährlich , L4^- * ijchecho.slowalilchtr MSHrnva Nngarnr n vtonatlich. . Krone« 70,- VierteljShrlich . *10^- in ungarischer Mchruu» „ ZvgsMwienr Monatlich- . - Dinar 18.— »vierteljSyrlich . 45.- Nr. 1010 Einzelpreis Wien» Montag den 21. November 1S21 Krone« Z^ränumeraironspreise Polen: lSiomltlich. - Mark 80v^— in polnischer Währung N Deutschland: Mouatttch. . . Mark Sv.- Monatlich. . . Francs 6«- _ Italien: Monatlich.... Lire 6»- Rnmänieil: Monatlich.... Lei 80.- Schveiz a. daS übrige Aurland Monatlich. . .Francs 3.— Revaktion ».Administrati o n Wien, .Bez.,Tal>orstr. 1—» Telephone: 44SL8, 4S)?1v ab «Uhr abendS Nr. ISD^I Postsparkassenkoitto 150.6$ 3. Jahrgang M Die Abrüstungskonferenz in Washington Das Problem der Abrüstung und der I Weltfinaaze». London, 20. November. (Wolff.) In einem Leitartikel schreiben „Sunday Times", durch die Ab? rüstung der drei größten Seemächte «erde zweifellos der Einfluß der Mächte zur See als solcher im Gegensatz zu de« Landmächten in der Wellpolittk vermindert werden. Die Hauptlandmacht sei jetzt Frankreich, das den Schlüffe! zu Ersparnissen in Händen halte, die vielleicht wichtiger seien als die Ersparnifle, die sich aus der Annahme des Abrüstungs- Vorschlages zur See ergeben. Nachdem England und Amerika und vielleicht auch Japan bereit seien, in größerem Maße zur See abzmüsten, sei jetzt Frankreich an der Reihe, dasselbe zu Lande zu tun. „Sunday Times" geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten jetzt das Problem der Weltfinanzen in Angriff nehmen werden. Wenn Amerika die Lasten nicht übernehme, die nur dieses Land tragen könne, so könne nur durch ein Wunder die finanzielle Katastrophe vermieden werden, die immer näherrücke. Wenn Deutschland am 15. Jänner seine Verpflichtungen nicht erfüllen könne, werde Frankreich vielleicht in das Ruhrrevier emmarschieren, und wer könne dann sagen, ob der Abrüftungsvorschlag, dessen Annahme heute fast gesichert sei, nicht in Rauch aüfgehen werde. Der Erfolg gesichert. London, 20. November. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter der „Sunday Times" auf der Washingtoner Konferenz meldet seinem Blatte, die Mitteilung der amerikanischen Absicht, unbeugsam zu dem Verhältnis 5:3 zu stehen, sei in einer Art erfolgt, die unzweifelhaft nach einem Ultimatum schmecke. Der Eindruck vertiefe sich, daß die Lage sich rasch auf den Punkt hin kristallisiere, wo England und Amerika eine vereinte Front zugunsten des Programmes von Hughes gegenüber dem Beharren Japans nach Abänderung bilden werden. Bon amtlicher britischer Seite wird dem Berichterstatter des Blattes erklärt, daß die britischen Delegierte» in Washington übereinstimmend der Ansicht seien, daß der Erfolg der Washingtoner Konferenz gesichert sei. Auch der Washingtoner Berichterstatter der „Weekly Diespatli" ist der Ansicht, daß trotz des streitbare» Tones der amerikanischen Presse gegen die japanischen Forderungen auf Abänderung des amerikanischen Vorschlages nichts eingetreten sei, was etwas anderes als großen Optimismus rechtfertige. Paris, 19. November. (Havas.) Die Flottensachverständigen sind seit Donuerstag nicht zusammengetreten. Die Sachverständige» jeder Macht prüfen einzeln den Plan Hughes, um James R o o s e v e l t, der den Marineftaatssekretär Unterstützt, die Punkte mitteilen z» können, die nach ihrer Ansicht im Ausschuß besprochen werden müßten. London, 26. November. „Sunday Times" melden aus Washington, die nächste Arbeit der Konferenz nach Erledigung der Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Flottenverhältnisses werde fein, die chinesische Regierung dazu zu bewegen, eine gemeinsame ausländische Hilfe zur Wiederherstellung der Ordnung innerhalb Chinas anzunehmeu. Für die Abrüstung Zu Lsrrde. London, 20. November. (Wolff.) „Obsetver" schreibt in einem Leitartikel, die R tt st u n g e n z tt Lande könnten von den Rüstungen z u r S e e nicht getrennt werden. Wenn die Landstcettkräste nicht ebenfalls vermindert würden, bedeute dies unvermeidlich nicht eine Verminderung, sondern eine Förderung von Kriege«. Diese Erwägung sei für Amerika in Asien ebenso vital wie für England in Europa. Rußland habe bereits eine ansehnliche Flotte und Deutschland besitze ein großes geschultes Personal. Beide Länder würden vielleicht vor Ablauf von zehn Jahren wieder Großmächte werden und dann möglicherweise verbündet sein. Die Washingtoner Konferenz werde daher nicht genug für den Frieden tun, wenn sie nicht auch das deutsche und das russische Problem ins Auge fasse. Stirmes in LvKdrm. P a r i s, 21. November. (Funkspruch.) Hugo Stinnes ist m London augekommen. London, 21. November. (Tel>Komp.) Nach einer Meldung der „Daily Mail" gedenkt Hugo Stinnes, der am Samstag in Begleitung von fünf Personen hier angekommen ist, Montag mittags wieder abzureisen. Lloyd George hält sich gegenwärtig auf seinem Landsitz in Bournemouth aus. Die erste Aussprache zwischen Stinnes und dem englischen Ministerpräsidenten dürfte dort stattsindeiy wenn sie nicht bereits stattgesunden hat. * Paris, 21. November. (Tel.-Komp.) Zur Reise Hugo Stinnes' nach London, die in der gesamten Ententepresse die größte Sensation hervorrief, gibt der meist gutinsormierte diplomatische Mitarbeiter des „Cablogramme" einen interessanten Kommentar.. Der Verfasser gibt der Meinung Ausdruck, daß sich die Vorschläge Stinnes' auf die Formel bringen ließen: Verpfändung der deutschen Produktton. Es heißt dann weiter: Leider erhallen wir aus sicherer Quelle eine Information, wonach das System des Herrn Stinnes in Keinem Falle die Zustimmung der französischen Regierung finden dürste.. Was uns bei der Ersetzung einer Schuld des deutschen Staates durch eine Schuld des Herrn Stinnes interessieren würde, ist das Pfand. Es würde sich um ein Produzentensyndikat handeln, das als einziges Pfand für die Durchführung seiner Verpflichtungen sein Ehrenwort gäbe. So würde die sichere Hypothek aus dem Versailler Vertrag durch einen Wechsel' auf eine Aktiengesellschaft ersetzt werden, deren Kapital nicht greifbar gemacht werden kann. Andererseits bereitet die englische Delegation in Washington einen noch ärgeren Plan vor, der einer praktischen Annullierung der wirtschaftlichen und finanziellen Klauseln des Versailler Vertrages gleichkäme. Man würde das Londoner Abkommen zertrümmern unte.r der Marke „Aushebung der interalliierten Kriegsschulden" und man würde als Ersatz einen neuen Modus vivendi einsühren. Inland. Bevorstehende Slatifikatton des Protokolls von Venedig durch den Ansjchntz für «entzerr». Die Ksrrespoudmz Herzog meldet: In führend m parlamentarischen Kreise« verlautet, daß die Regierung die ehebaldrgste parlamentarische Behandlung des Protokolls von Venedig und der m dm Enücheidnsge» der Generalskommissiou rnsammengefaßtm AbstimmungSmodalitäteu ins Auge saßt und «ur das Emtrrffen der Note der Botschafterkonferenz auf die Forderungen erwartet, die österreichischerseitS der Botfchafterkonferruz vsrgettagrn worden sind. Diese Forderungen beziehen sich in der Hauptsache auf die Entfernung der ungarischen Truppen auS dem Abstimmungsgebiete von Oedenburg und Umgebung und Ersetzung derselben durch interalliierte Truppenkonliugente. Sobald die Entscheidung aus P a r i s einlangt, wird der Ausschuß für Aeittnes einberufen, «m über die Ratifikalion des Protokolls schlüssig zu werden. In parlamentarische« Kreisen hofft man, daß dies schon in den allernächsten Tagen der Fall sein wird und daß der Ausschuß für Aeußeres vielleicht schon kommenden Mittwoch zusammentreten kann, um das Protokoll von Venedig zu ratifizieren. Was die Aufnahme der österreichischen Forderungen durch die Botschafterkonfecenz anbelangt, so hat diese über dir Entsendung. interalliierter Truppen in das Abstimmungsgebiet wohl noch keinen Lesinitiven Beschluß gefaßt, doch hat die Botschasterkonferenz, wie die KorrespoirdenzHerzo g von maßgebenderSeite erfährt, die österreichische Regierung wissen lasse», daß die unparteiische Durchführung der Abstimmung auf. jeden Fall von den Mächten gewährleistet werde» wird. Die Landnahme des südlichen Teiles des Burgenlaudes ist im Zuge und dürfte mit Rücksicht auf die verschiedenen Schwierigkeiten, welche sich durch de» Mangel an Kommunikationen, durch Terrainschwierigkeiten, durch die Jahreszeit und durch die Rotwenbigkeit eines ausreichenden BerpflegsuachschttbeZ sür die MAÜKMen Truppen ergebe«, nach einige Streik der Börsenbesucher. Wegen der neuen Borsenstener. Mittags wird uns von unserem Börsenberichterstatter gemeldet: Wegen der vom Finanzmimster Dr. Gürtler projektterten neuen Börsensteuer, die 100 Goldkronen monatlich für jeden Börsenbesucher betragen soll, kam es an der heutigen Börse zu einem spontanen Streik. Die Erregung der Börsenleute war sehr groß und vor Beginn kam es schon zu erregten Debatten. Man einigte sich auf den Beschluß, in Streik zu treten. Bei dem offiziellen Börsenbeginn um 11 Uhr wurden . Keine Geschäfte getätigt und Börsenrat Wortmann erklärte, er begreife die Erregung der Börsenbesucher und teilte mit, daß die'Börsenkammer sich mit der ganzen Sachlage befassen werde und baldigst ein Beschluß dieser Korporation zu erwarten sei. Bei Redaktionsschluß dauert der Streik an. Zeit hinziehe«. Zwischenfälle werden bisher nicht gemeldet. Man, kann anuehweu, daß die Landnahme des Bnrgenlavdes bis Ende der kommende« Woche beendet sein wird, worauf nach den Bestimmungen des Protokolls von B e « e d i g die Geueralsksmmrision in Oedenburg die Abstimmung für einey acht Tage später liegenden Termin anordnen wird. Uu'er diesen Umstände« kann es als sicher gelte», daß die Abstimmung m Oedenburg und Umgebung kaum vor Ende der ersten Woche Dezember anberaumt werden kann. Die aus dem Abstimmungsgebiet hier vorliegende» Nachrichten lassen deutlich einen Umschnmng in der Stimmung^dec Bevölkerung Erkennen,' welche nach dem Aushoren des Druckes der Banden sich immer mehr getrauen, ihre» wahren Gefühle» Ausdruck zu geben. Unter diesen Umständen sieht man in österreichischen parlamentarischen Kreisen der Abstimmung mit umso größerem Vertrauen entgegen, als deren Unparteilichkeit durch die Entente verbürgt wird. Die neuen Forderungen der Staatsbeamten. Die Regierung wird, .in den nächsten Tagen dem Nationalrate die Novelle zum Besoldungsgesetz zugehen lassen, durch welche die Regelung der Bezüge der Bundesangestellten in Zukunft allmonatlich auf der Grundlage der Indexziffer erfolgen,soll. Bekanntlich hat Finanzminister Dr. Gürtler bereits im Oktober augekündigt/ daß z«r Ausschaltung der im letzten Halbjahre fast ohne Unterbrechung notwendigen Verhandlungen über die Gehaltsfragen nunmehr das Jndexsystem zur Grundlage der Berechnungen gemacht werden soll. Aber bereits bei den Besprechungen über die Höhe der Novemberbezuge, die am Freitag auf der Basis einer ungefähr dreifachen Erhöhung der in der Besoldungsocdnung festgelegten Einkommenziffer vereinbart worden find, hat es sich gezeigt/ daß die Regierung hier ein BerspreKen gegeben hat, dessen finanzielle Tragweite sehr unterschätzt worden ist. Von den Vertretern der Angestellteuorganisationen waren zwei Vorschläge zur Diskussion gestellt. Die der Gewerkschaftskonmnssion angeschlossenm Organisationen verlangten die Regelung des Jndexzuschlages von um 75 Prozent des Grundgehaltes und 117 Prozent der Teuerungszulage« erhöhten gesetzlichen Märzbezüge. Die Akademiker forderten 117 Prozent der Gesauribezüge und 200 Prozent der Frauen- und Kinderzulagen. Als Ausgcmgszeitpunkt für die Einführung des Jndexsystem sollte der Monat September gelten. Die Berechnung der Indexziffer hätte stets vom 15. des vorhergegangenen Monats bis zum 15. des laufenden Monats zu erfolgen, so daß der allmonatliche Jndexzuschlag an jedem 20. eines Monats auszuzahlen wäre. Die Regierung hat beide Vorschläge abgelehnt und die Entscheidung dem Nationalrate üb erlassen. Eine Erfüllung. der Forderungen der Bundesangestellten würde bei dem außerordentlich raschen Ansteigen der Indexziffern iit den letzten Monaten die Staatsfinanzen in einer bisher kaum vorgesehenen Weise belasten und vorläufige Berechnungen haben ergeben, daß der Personalaufwand pro Dezember ungefähr das Doppelte der von der Regierung in.den verflossenen Wochen gemachten Nove mb erzug.estandnisse erreichen dürste, d. h. die im Budget vorgesehene Ziffer für den Personalauswand würde sich ungefähr versechsfache». Die Entscheidung über die Besoldungssrage der BundeSanzestellten wird nun im Natiopalrate fallen. Die

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