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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-14 · Heft 1003 (14.11.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1003 (14.11.1921)
Date
1921-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis A4 Kronen ^NrSnnmerattonsprtife: ilv i»»: ZUM Abyolen 1« tex Monatlich. Kronen Mit PostUrrsau» für Wir« rmü d- Orsterrrichr Monatlich. Kronen 200 — : Tickecho^lomskeir Monatlich: . Kronen 18»— ivierteüährlich . L4— '« Ischechv-urwitliichrr Wühr««o Anzar«: Monatlich. .Krone» 7(V«> Bterteljichrttch , -S1«.- in ungarischer Währung Inzofkawie«: Monatlich. . .Dinar IS.- «tertel jährlich . 45.- Mnzelpreis L-Ä Krone» mmxr.vj; ^arapwe waauMrvirvjiixwtoWiwmM Nr. 1003 Wien» Montag den 14. Novemher 1921 ^rimumerationspreise r Poleu: Mouatkich. . Mark LM»^. n> Polnischer Währung Dentschlaudr «ovattich. . . Mark LY.- x Frankreich: J Monatlich. . FraneS S.- Italien; Monatlich.... Lire 6,— _ Rmnäniru: Monatlich.... Lei 30.— Schweiz m. da» übrige Autlane Monatlich. . . Francs 3.— Nedaktion «.Administration Wie«, ez.,T adorstr. 1—» relephone: 44038, 4331» av«1lhr a-eudSNr. IvSY, n■■■' 3. Jahrgang Die Konferenz non Washington Hardings ErSffnangsansprache. Washington, 12. November. (Havas.) Die Abrüstungskonferenz ist um halb 11 Uhr vormittags eröffnet worden/ Als erste erschien um 10 Uhr die französische Delegation im Verhandlnngssaal, der dann die Vertreter der anderen Mächte folgten. Um halb 10 Uhr betrat Präsident H a r d in g, mit überaus lebhaftem Beifall begrüßt, den Verhandlungssaal. Zum Vorsitzenden wurde H u g h e s gewählt. Er erteilte H a r d i n g das Wort, der in seiner wiederholt durch Beifall unterbrochenen Ansprache seine Gedanken darlegte. In seiner Rede betonte Präsident Harding, daß die Beschlüsse der Versammlung einen starken Einfluß aus die Zukunft der ganzen Welt ausüben werden. Die vom Kriege heimgesuchte Menschheit hat einen dauerhaften Frieden nötig. Freiheit und Gerechtigkeit können nicht eine ohne die andere bestehen. Mtillionen Menschen wünschen, daß ihre Staatsmänner die für die Zerstörung gemachten Ausgaben in solche für den Wiederaufbau umwandeln, und zwar in noch größerer Höhe für die augenblicklich Lebenden und für die, die nach uns* kommen. Hughes' Flottenprogramm. Washington, 12. November. (HavasH In der Eröffnungssitzung der Abrüstungskonferenz legte Staatssekretär Hughes den Plan der Ernschxänkung der MOstirng>n zar r St e in großen Mgen-Par. Danach konstituierte sich die AbrüsiungSlommission. Ministersräsi. dent Briand erklärte in einer Rcdes" Frankreich "sei' niemals nlilitaristisch oder imperialistisch gewesen. Es verabscheue .den Krieg und liebe bloß den Frieden. Redner schloß: Wenn morgen die Sicherheit Frankreichs gewährleistet ist, wird es bereit -sein, zu rufen: . Die Waffen nieder! Die Anwesenden bereiteten Briand langanhaltende Ovationen. Washington, 12. November. (Havas.) Im Flottenprogramm Hughes' sind folgende Bestimmungen enthalten: Binnen drei Monaten solle nach dem internationalen Uebereinkommen der Ist-Bestand zur See an Einheiten erster Klaffe für die drei Hauptmächte betragen: Für Großbritannien 22, für die Vereinigten Staaten 18 und für Japan 10. Nach dem ins einzelne gehenden Plan soll die Gesamttonnagc an Führerkreuzern der Flotte und an Zerstören folgendermaßen festgesetzt werden: Für Großbritannien 450.000 Tonnen, für die Vereinigten Staaten 450.000 Tonnen und für Japan 270.000 Tonnen; die Gesomttonnüge an Unterseebooten: Für Großbritannien 90.060, für die Vereinigten Staaten 90000 Tonnen und für Japan 40.000 Tonnen; die Gesamttonage für Flngzeugsührerschiffe für Großbritannien 80.000 Tonnen, für die Vereinigten Staaten 80.000 Tonnen, für Japan 48.000 Tonnen. Bezüglich des Ersatzes von Schiffen heißt es: 17 Jahre alte Kreuzer sollen durch neue ersetzt werden. Pie Zerstörerführerschiffe und Unterseeboote werden ersitzt, sobald sie .12 Jahre alt sind, Flugzeugführerschiffe, sobald sie ein Mer von 20 Jahren erreicht Ijaben. Gegenwärtig im Bau befindliche Schiffe mit mchtgepanzerter Oberfläche mit einer Tonnage von unter 5000 Tonnen, wie zum Beispiel Petroleumschiffe, Schlepper und Minensucher, sind von den Klauseln des Uebereinkommens ausgeschlossen. Alle Hilfsschiffe, die nicht unter Wasser fahren und deren Kiel bereits gebaut wird, werden vollendet. Jede an dein Uebereinkomrnen .beteiligte.Macht verpflichtet sich, die anderen Mächte .vpn jeder .Einzelheit im Bau und im Ersatz .von Schiffen zu benachrichtigen. . . Briands Ansicht.; Paris, 13. November. (Wolff.) Nach einer Meldung der Agence Havas aus Washington hat Bnand nach Schluß der Eröffnungssitzung erklärt, sie setz ein. ausgezeichneter Anfang gewesen. Hughes habe sich unmittelbar an die Wirklichkeit gehalten. Balfour habe ,von: der. Erklärung .des amerikanischen Staatssekretärs gesagt, sie sei gut und eines Staatsmannes würdig. Die Klarheit der von Hughes ausgesprochenen Gedanken habe einen starken Eindruck ans ihn gemacht und er hoffe zuversichtlich auf ein befriedigendes Echebuts. Die Engländer akzeptieren. Paris, 13. November. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter des „Intransigecmt" berichtet aus Washington, die englische Delegation habe gestern abends vernehmen lassen, daß sie grundsätzlich bereit sei, den Vorschlag Hughes' anzunehmen. Man werde Donners-, tag die Bedingungen erfahren, die England und Japan an die Annahme knüpfen. Der GLandpunkL der ZaMner. Washington, 13. November. (Havas.) Admiral Kalo, einer der japanischen Delegierten, bezeichnet Hughes' Abrüstungsplan zur See als radikal und meint, es sei möglich, einen würdigen Einigungsvorschlag a u s z u a r b eir e n. London, 13. November. (Reuter.) Aus Washington wird gemeldet: Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß die Japaner, wenn sie.auch nicht absolut g e n e i g t s i n d, die Vorschläge des amerikanischen Staatssekretärs Hughes anzunehmen, doch einen günstigen Eindruck hievon erhielten. Im Verlauf einer offiziellen Zusammenkunft gaben Admiral Kato und Prinz Tokuma in kurzen Ansprachen diesen Anschauungen Ausdruck. Paris,' 13. Novemberv (Wolff.) Wie der „Temps" mitteil^. sind - in - WMiygMöMMapanischen Sach?- verständigen, gestern abends zu einer Besprechung zusammengetreten, um der Ko-nserenz unverzüglich einen Vorschlag zu unterbreiten. Dieser Vorschlag soll eine positive Kritik enthalten und namentlich die Beseitigung der amerikanischen Marinestützpunkte im Stillen Ozean, auf den Philippinen und Gnom verlangen. / Pariser BreLLteestiMMerr. Paris, 13. November. (Wolff.) Der Londoner Korrespondent des „Temps" sagt, die Eröffnungsrede Holdings habe in London einen, ausgezeichneten Eindruck gemacht. Was die Vorschläge des Staatssekretärs Hughes anlange, so habe in der. öffentlichen Meinung Englands der Vorschlag einer sofortigen Herabsetzung der Seerüstüngen, gefolgt von einer Flottenbauruhe von zehn Jahren, Erstaunen erregt.'Man könne jedoch mangels - jedes auf gründlicher; Erwägung fußenden Kommentars noch nicht sagen, wie die öffentliche Meinung hieraus reagieren werde. . Paris, 14 Nooemstdr. Pertinax schreibt im „Echo de Paris" aus Washington, England werde sich bemühen, eine versöhnliche Lösung des Problems im fernen Osten herbeizusühren. .Wenn dies aber nicht zu erreichen wäre, sei England entschlossen, jede Aenderung des Status quo als mit seinen Interessen unvereinbar zn betrachten. England^würde es nicht zugeben, daß der Besitz der Inseln, die augenblicklich in amerikanischen Händen sind, einen Wechsel erfahre. * Paris, 13. November. (Fuukspruch.) Der „Matm" meldet aus Washington, Harding werde demnächst in einer, amtlichen Proklamation das Ende des Kriegszustandes zwischen den Vereinigten Staaten und den Zentralmächten erklären. . . Bim-e«exzesse i« Budapest. Budapest, 13. November.. (Priv.-Tel.) Seit der Rückkehr der Freischärler aus Westungarn gibt es in Budapest täglich Schlägereien auf den Straßen. Bewaffnete Gruppen greisen einzelne Passanten an und schlagen sie blutig. Gestern erschien bei der O.bexstadthauptmannschaft ein junger Mann und erstattete die Anzeige, daß bewaffnete Gruppen die Absicht hätten, die Staatsanwaltschaft für den Pester. Landbezirk und die Militärstaatsanwaltschaft zu stürmen und die dort verhafteten Politiker Andrassy, Osztenburg, Benitzky und RakovSzky zu befreien. 0 m Sämtliche Gefängmsgebäude wurden durch militärische Kordons vollkommen abgesperrt. In der ganzen Stadt ist heute.das Mlitär in Bereitsi'ast. Bisher ist es jedoch nirgends zu Zusammenstößen -elommen. Einmarsch der Bundestrnppen in das Burgenland. Die Besetzung des nördliche» Teiles ohns Zwischenfall Vollzogen. Wien, 13. November. Amtlich wird gemeldet: Auf Grund des von der Regierung erhaltenen Auftrages hat das Bundesheer heute die Besitznahme des Burgen- Landes mit Ausschluß des Abftimmnugsgebietes von DedenLrrrg begonnen. Da die im Staatsosrtra^e von St. Germain festgelegte Stärke und Ausrüstung des Heeres zum gleichzeitigen Einmar ch in das ganze zn übernehmende Gebiet nicht ansreicht, erfolgt die Besitznahme abschnittweise. Demgemäß überschritten die Kolonnen des Bnndesheeres, gefolgt von der Gendarmerie, .heute vormittags die niederösterreichische Grenze, um Zrmächft den Landesteil nördlich des Abstimmungsgebietes von Oederv-- burg zn besetzen. Im Laufe des Tages zogen unsere Truppen, von der brrrgenlündischen Bevölkerung allerorten freudig begrüßt, in E i? e n st a d t, dem größten Orte dss nördlichen Landesteiles, nrrd iw RaumensrdWiich-des-MerrsieNeV^ Sses -in. -N-en« siedl ain See, Parndorf mnd Nendorf eru» ■ ^Äc*eesjKB«. : ■ * Ueber die Besetzung meldet die „S. u. M.-Z." in einem Sonderbericht: - Gestern um halb 8 Uhr vormittags haben vier': Kolonnen österreichischer Truppen unter dem Oberbefehl' des Generalmajors Bidosich besehlsmäßig den Vormarsch: ins Burgenland angetreten. Ohne den geringsten Wider-- stand zu finden, gelangte eine Kolonne bis E i s e n st a d t,; die zweite längs der Oedenburger Bahn bis Sauerbrunu, die dritte von Bruck an der Leitha über Pamdorf nach Neusiedel (diese Kolonne besetzte seitlich auch^ Neud'orf und: Gar 1 endors), die vierte rückte üben Pötsching bis Krens dorf. Der Süden des Burgen-, landes an der steirischen Grenze wurde vor-: läufig noch nicht besetzt; man darf neugierig sein,: wie sich dort die Dinge abspielen werden, wo eine mächtige, legitimiftische Clique herrscht, die sich um Horthy! und den Vertrag von Venedig wenig schert. Die Oesterreicher kamen diesmal mit stattlicher! Heeresmacht' ins Burgenland. In Oed enbur g entstand' deswegen eine Panik, denn man meinte,, die Oester-' reicher wollten die Stadt durch einen Handstreich erobern.; Auch die interalliierte Generalsmission hegte diese; Besorgnis. Oiatürlich versicherte ihr der österreichische; Verbindungsoffizier, daß Oesterreich an keine Ueber-; rmnplung denkt. Auch der magyarische Teil der Bevöl-' kerrmg beruhigte sich bald, als der ungarische General: Guilleaume Züge für alle , bereitstellte, die stüchten wollten.! Daß die Oedenburger jedes Gerücht glauben, ist begreiflich,; die heutige „Oedenburger Zeitung" enthalt kein Wort über< die Vorgänge im Burgenland, außer einen weißen Fleck.': Vom militärischen Gesichtspunkt aus kann der'Beginn der' Operationen als vollkommen geglückt bezeichnet werden.'; Die Disziplin der Truppen war glänzend. Der Vormarschwurde von Wiener-Neustadt aus geleitet, wo das Ober-; kommando sich im Neukloster befand. Am Abend konnte has Kommando bereits mit allen Truppen telephonisch' sprechen, obwohl die Ungarn alle Drähte zerstört hätten.; Fortsetzu«g des Vormarsches. , Wr.-Neustadt, 14. November. Heute früh: haben die Bundeslruppen den Vormarsch im; Burgenland aus den gestern erreichten' Näumeu fortgesetzt. Vor der Ratifizierung des Venediger ProtokoÄs. Wien, 18. November. Wie verlautet, wird dies Natisiüerung des sogenannten Venediger Protokolles aM vreitng durch dieNationalversammlung td jolgttl. '' . -' '* » '.j ■tuui

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