Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-10-09 · Heft 969 (9.10.1921) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 969 (9.10.1921)
Date
1921-10-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980048--09039-2995247
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Wie», Vvmua- Wtentt Arsrge«zetttt«s -9. mtüter 1521 Englisches Kapital in Obersöhlefien. Katt»«itz, 8. Oktober. (Tel.-Komp.) Vertreter großer äolischer Finanzgruppen haben sich ernrur mit oberschlesischen Irrd«striewerkm, insbesondere mit B e r g w e r k e », aber auch mit «mge» Großgrundbesitzern, zwecks Beteiligung englischen Kapitals an der oberschlesischen Industrie in Berbiuduug gesetzt- Einzelne TerrainS bci Hindenburg und K a t t o w i tz wurden von englischen Jnteresienten b er e i t S a «f g e k a u s r, mit anderen Unternehmern und Be-, jitzeru dauern die Verhandlungen fort. Die Sanierung der polnischen Finanzen. Warschau» 8. Oktober. (Tel.-Komp.) Das Aeformprogramm des neuen polnischen Finanz- Ministers sieht auf Grund der Erträgnisse des Reichsnotopfers auch die Gründung einer polnischen Bank mit dem Charakter einer Aktienbank vor. Delegierte des polnischen Finanzministeriums sind auch bereits nach Paris gereist, um A u s l a n d sk a p i t a l für die Gründung dieser Bank zu interessieren. Der Finanzminister denkt weiter an die Aushebung aller Monopole mit Ausnahme des Tabakmonopols sowie an die Einbringung eines Gesetzes zur Erfassung der Kriegsgewinne. Anter äußerster Ausnützung aller Einnahmsmöglichkeiten und durch schärfste Kontrolle aller Staatsausgaben hofft der Finanzmiuister, die Notenab ft empelung vermeiden zu können. Das Attentat gegen PilsndsLi. Lemberg, 8. Oktober. (Tel.-Komp.) Im Lause der Untersuchung über das Attentat gegen den Staatschef Pilsudski wurden Zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Der Staatschef wurde bisher gerichtlich noch nicht einvernommen. Das Befinden des beim Attentat verletzten Wojwoden Grabows k i ist zuftiedenstellend. Ende der deutschen AbstinenzpölitiL in der Tschecho-SLowakei. Prag, 8. Oktober. Die „P-ager Abendzeitung" meldet- Der Deutsche parlamentarische Verband hat nach eingehender Debatte beschlossen^ sich au den Sitzungen der Nationalversammlung zu betsiligen, da durch das Verschwindender Beamtenregierrnig die Voraussetzungen syc die Abstinenz der Mitglieder des Verband es fehlen. Heute abends begeben sich 24 Mitglieder des Deutschen parlamentarischen ^Verbandes, Angehörige aller im Verband vereinigte« demschbürzerlicheu Parteien, in die Slowakei. m Prag, 8. Oktober. Heute fand mrtec dem Vorsitze Kr ev e k s eine Sitzung des Dentschen parlamentarischen Verbandes nalt. Nach Abführung einer Debatte wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Deutsche varlammtarische Verband beschließt, auch gegenüber der neuen Regiermrg an seiner seit Gründung des VerbandeS folgerichtig vertretenen grnndsätzlichen Politik festzuhalten »nd im übrige« seine Stellungnahme und seine Maßnahmen von den Taten der Regierung zu abhängig mache». In taktischer Beziehung wird beschlossen, vorläufig an den Sitzungen des Parlaments tcilzunehmen. Die polnisch-tschechischen Wirtschaftsverhanblnngen beendet. Warschau. 8. Oktober. Die wirtschaftliche» Verhandlungen zwischen Pole» und der Tschechoslowakei sind beendet und der Vertragsentwurf mit Ausnahme einiger weniger Punkte fertiggestellt. hauchte die Erde zum Himme'l . . . Zwischen beiden f'chivebte in der Luft der Frühling selbst und band Äränzlein ans Vogelstimmen und Blumenduft, aus klingenden Liedern und Glücksseufzern, aus hellen Fraue^ilachen und lauten Rufen, die jetzt immer häufiger von den Bergen klangen und wie Sternschnuppen die Lust bald da, bald dort, durchschnitten. Auch jetzt war es im Tale dunkel und ffcfflv. . Auch setzt lag das Städtchen wie ein Leichnam unter blühenden Rosen, wie ein erboschener Vulkan zwischen bellen, seuerumtrönten Bergesspitzen. Und wenn der /vrühling sich ins Tal niederließ und einen. Blick auf b'e niedrigen, dunsterstickten Häuschen warf, dann fuhr er voll Schreck und Verzweiflung zurück . . . .Auf reu heißen, schweißdnrchtränkten Betten lagen Juden nnit- und ruhelos, bissen in dir Lippen, bissen in die Wissen, kratzten mit dürren, verkrümmten Fingern an den Bettwänden, glotzten mit schweren, tvockmenLidern in die dichte Finsternis, und öffneten von Zeit zu Zeit, weit, mit zappliger Bewegung, die Münder, wie Fische, die der Fluß ans sarärige Ufer wirft . . . Fieber schüttelte die elenden Leiber. Die Kissen wunderten vom Hopf fort unter die Füße, dann an die Seiten, flogen zur Erde und wurden wieder an ihren Ort gel2gt. Ein wildes Dürsten nach Glück und Leben lgg in der dumpf-engen Luft, uttb es schien, als sollte es setzt, jetzt ausbrechen, in einem granrnvoll-wibden Urienfzen, ein Seufzen, das. die Erde erschütterte und oen hohen, tiefen Himmel spaltete! — Und der Frühling schwang sich in die Höhe, flatterte hin und her, um -vas Städtchen herum und darüber hin, wie ein Vogel ül>er Finem zerstörten Nest. Still rauschten seine Flügel im Nachtwind, seine Blicke drangen angstvoll in den finsteren, schweigend-stillen Abgrund, unten und .eine srhnier:',verzerrten Lippen murmelten einen Spruch — ei?t GeMu, einen Fluch? (Aus dem Jüdischen übertragen von S- Sr.) Nr. 969 mm Zionistische Bezichssekfion Leopoltfstodt Für den Gottesdienst am Versöhnungstage im renovierten vormaligen Zirkus Renz (II., Zirkusgasse 44) sind Karten noch vorhanden. _ I Kartenverkauf täglich im Zirkus Renz, II., Zirktisgasse 44. I Die Spender mögen ihre Spenden im ge- S nannten Lokal abfiihren. Die Spaltung des tschecho-slowakischen Klerus. Rom, S. Oktober. (Slefani.) Der Papst empfing heute 60V Pilger aus der Tschccho-Slowakei, unter denen sich mehrere Abgeordnete und Senatoren befanden. Der Papst sprach sein Bedauern über die Spaltung des tschecho-slowallschen Klerus aus und bekräftigte neuerlich seinen Standpunkt in der Frage des Kriestrrwlibats. Das große Sterben. Moskau» 8. Oktober. (Funkspkuch.) In einem Bezirke des Gouvernements .Samara nähren sich 90% der Bevölkerung von Surrogaten. Der Prozentsatz der Todesfälle infolge Hungers ist groß. In 40 Dörfern sterben täglich je 4 bis 5 Personen an Hunger. Die Bevölkerung des Kreises Kalanakow nährt sich von Gras. Die Äbrüstnngskorrferen). . Paris, 8. Oktober. Nach Londoner Privatmeldungen stehe bisher nur fest, daß der erste Lord der Admiralität Lord Lee als Führer der englischen Abordnung an der Washingtoner Konferenz teilnchmeu werde. B a l f o u r. der die Einladung früher abgelehnt habe, dürfte wahrscheinlich die Mission doch annthmen. Als weitere Delegierte werde» Chuchill, Evau^ und Admiral B e a t t y genannt. Spanischer Sieg in Marokko. London, 8. Oktober. (Reuter.) Nach einer Meldung der „Morniug Post" ans Tanger hätten die Spanier das Haupt der Risleute Abd el Kerim gefangengenommr«. Madrid, 8. Oktober. (HavaS.) Die Ri'leute haben den Bergstock Gurugu nahezu vollständig geräumt. Mehrere Häuptlinge bedeutender Stämme schicken sich an, ihre Unterwerfung Su erklären. Paris, 8. Oktober. (Funkspruch.) „Echo bewert5* meldet, daß drei spanische Kolonnen einen gemeinsamen sehr gelungenen Angriff auf die Rifkabilen unternommen haben. Die erste Kolonne besetzte Atlanten, während die zweite den linken -Flügel der Rifleute' mit Reiterei umging und die dritte nach heftiger Beschießung ' Sagangan besetzte und E t Mizziam erstürmte, das gleichzeitig ein heiliger Ort und eine Festung ist, wo. eine starke Harka sich gesammelt batte. Im Verlause der Operationen setzten sich die Spanier in den Besitz' großer Proviantoor'räte und fügten ihreu Gegnern schwere Verluste zu. Der Streik der Amsterdamer Hafenarbeiter. Haag» 8. Oktober. Da die Amsterdamer Hafenarbeiter in den Streik getreten sind, wurden sämtliche auf See befindliche Schiffe benachrichtigt, statt Amsterdam den Hasen von Rotterdam anzulaufen, wo auch bereits einige Amerikadampfer eingetroffen sind. In einer morgen stattfindenden Konferenz sollen nun die Rotterdamer Hafenarbeiter aufgefordert werden, sich dem Vorgehen - ihrer Amsterdamer Kollegen anzuschließen. DieKeren-Hajesiod-AktioninAmeriLa. New Bork, 6. Oktober. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Keren-Hajessod-Aktion verläuft sehr günstig. Den offiziellen Bulletins des Zentralbureaus für den Keren Hajeffod in den Vereinigten Staaten zufolge wurden während der Tagung des Karlsbader Kongresses wertere 120.000 Dollar eingezahlt. Ferner sind aus Texas 21.000 Dollar und aus Baltimore 25.000 Dollar eingeflossen. Die glänzend organisierte Feiertagsaktion hat bisher die an sie geknüpften Erwartungen vollkommen gerechtfertigt. Die Stimmung hat in einen allgemeinen Optimismus umgeschlagen. Man erwartet zuversichtlich, daß im Laufe des Jahres die auf Amerika entfallenden 16 Millionen Dollar nicht bloß zur Gänze aufgebracht, sondern daß noch Ueberzeichn u n 91 n vorhanden lein werden. , Tagesbericht. Gege» die Preistreiberei. Eine Erklär««» de« Krieg»w«cher«Mte». Die PolizeiSorrefPondenz meldet: Es kursieren Gerücht«, über einen bevorstehenden wirtschaftlichen ZusammenbqM welche offenbar von gewissenlosen Spekulanten zu unlautere« Zwecken ansgestreut und zur eigenen Bereicherung ausgenützt werden. Hiedurch wurde eine tiefgehende Beunruhigung in der Bevölkerung ausgelöst, welche zu einer »mgeheuren Nachfrage nach Bedarfsartikeln aller Art und zu außerordentlichen Preissteigerungen geführt hat. Um diesem Treibe-» entgegenzutreten, sieht sich das Kriegswucheramt genötigt, darauf aufmerksam zu machen Haß die den Verkehr mit Bedarfsgegenstände« regelnden Vorschriften derzeit noch m vollem Umfange Geltung haben^ und mit all« Strettgegehanbhabt werben müssen. Das gilt vor allem von dem' Gesetze zur Bekämpfung der Preistreiberei, von der Pflicht zur Anschreibung der Preis e in den Auslagen, beziehungsweise' beim Lebensmittelverkanf auch irr den Geschäftslokalen selbst, dann von der Unzulässigkeit des Anschreibens der Preise in ausländischen Währungen, ferner von der Strafbestimmung gegen die Verkaufs- Verweigerung und der Unzulässigkeit, ein Geschäft nur - zu dem Zwecke zu sperren, nm weitere Preise steigerungen abzuwarten. Bet Außerachtlassung dieser Vorschriften wird das Kriegswucheramt je nach den Umständen» mit der Anzeige <m bas Strafgericht oder mit der Verhängung strenger Geld- und Arreststrasrn und m allen nach dem Gesetz zulässigen Fällen mit der Beschlagnahme - der Waren Vorgehen. Auch gegen die in letzter Zeit wahrzunehmende Ueberhaudnahme der Prasse rer irr den öffentlichen Lokalen, wirb energisch ein geschritten und neben strengen Strafen mmachsichtlich mit der Sperrung der Lokale borgegangen werden. Schließlich wird das Kriegswucheramt die Bekämpfung des illegitimen Balutenhandels fortsetzen'. Verhaftung einer SchecksKlscherbanLe. Wie aus Genua gemeldet wird, wurde dort der von dem Wiener Sicherheitsbrrreau verfolgte Hochftavl-r Melchior Horvath, das Haupt einer internationalen Scheckfälscherbande, verhaftet. Wir erfahren hierüber folgende Einzelheiten : Mitte Juli dieses Jahres kam ein vornehm aussehender Fremder aus Brasilien nach Wien und bezog in der Salesianergasse Nr. 8 eine Wohnung. Er nannte sich Horvath de Beöshaza, Kapitän der Kavallerie und Militärattachee erster Klasse, aus Rio de Janeiro. Drei Tage nach seiner Ankunft traf eine Dame ein, Frau Elli van Majtheny, die Witwe nach dem ungarischen Konsul in Brasilien v. Majtheny. Sie war in der Tschecho-Slowak^ gewesen und hatte ihre Tochter Iba abgeholt. Der angebliche Offizier kam am 18. Juli d. I. zu einer großen hiesigen Aktiengesellschaft «nd überbrachte eine Empfehlung ihres Vertreters in Rio de Janeiro. Der „Militärattache wurde■. mit großer Auszeichnung behandelt. Er trat in Verbindung «nt dem Hause, gab zur Honorierung Schecks auf kleinere Beträge in deutschen Reichsmark, die anstandslos eingingcn, so daß das Vertrauen erhöht wurde. Anfangs September unterhandelte er wieder mit einem Direktor der Gesellschaft wegen eines Millionen geschäftes. Es fiel nicht auf, bast Baron de Horvath bei der Gelegenheit auch einen Zehntausend- Francs-Scheck der Societe de Banqne de Suisse in Bern vorwies, gezogen auf de» Credit Industrielle et ßbmmemcrfc in Lyon, ausgestellt für einen Herrn Charles Müller. Er . ließ sich auf den Scheck als Anzahlung 100.000 Kronen! geben. Während noch um das Geschäft verhandelt wurde, lieh er sich auf den Scheck noch kleinere Beträge aus. Am 21. v. M. kam er wieder. Diesmal brachte er einen Scheck auf ' 100.000 Franken mit. Auf diesen Scheck wollte er 4 Millionen Kronen haben. Das ging aber nicht, da der Scheck nicht das Giro des Begünstigten trug. Statt diese'8 Schecks gab der „Attachee" dem Direktor vier Schecks auszusammen 50,000 Franken, drei zu '10.000, einen zu 20.000. Dafür bekam Bavo« de Horvath ' nach und nach 7 Millionen Kronen auf die Hand gezahlt. Horvath knüpfte daran die Bedingung, daß die. Schecks nicht hier' veräußert werden dürften, fonderm zum Inkasso Nach Rio de Janeiro gesandt werden müssen. Als der Matzm schon das Geld in der Hand hatte, wendete sich der Direktor der Aktiengesellschaft nach Bern an die Banque de Surfst. Die Anttvort bekam er von Basel, wohin die Post sein Schreiben geleitet hatte, da es in Bern keine Zweigniederlassung der Banque de Suisst. gibt. Die Bank teilte mit, daß die Schecks zweifellos gefälscht seien, zumal da ein Credit Industrielle et Eommercielle in Lyon überhaupt nicht ex r ft io re. Die Direktion der Aktiengestll-- schaft erstattete mm die Anzeige. — Im SicherheitLbureon befaßte sich Polizetrat Dr. Vetters mit' dem Fäll und gleich als der Name Melchior de Horvath genautit wurde, mutteste er sich a« einen in teruationalcn Scheckfälscher, der diesen Namen geführt hat/ und hier und anderwärts große Betrügereien in ähtckicher ZVeise ausgeführt hat. Eine sofortige Erhebung in der Wohnung, Salesiauergasse 8, ergab, was vermutet wurde: daß per Mann Wiert schon den Rücken gekehrt hatte. " Die Untersnchmtg ergab, daß Horvath mit verschtel'euen Leuten verkehrt hat« darmrter auch einem angeblichen Ingenieur, der nur „Lach" genannt wurde und der Schlvicgersohn der Frau Marchart, 3. Bezirk, Uchatiusgasse 5 wohn- , hast, ist. Der „Laey" hatte aber nicht in Wien, sondern in ' Laxenbnrg gewohnt und war auch verschwundttt. Durch die: Erhebungen wurde seftgestellt, baß der ,Mcy".drr angebliche Ingenieur (auch Llbwig und LajoS) Ha rmath ist. Ep' ist , wegen., .Verrmtreuusra vorkeürM u«b toegfln Scheck-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.