Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 957 (25.9.1921)
- Date
- 1921-09-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Konflikt zwischen Oesterreich und Ungarn wegen der, Abtretung des Burgenlandes ist eine der befremdlichsten Episoden in der Geschichte der Friedenswktträge Das Land, um das es sich handelt, ist von der Einentc an Oesterreich gegeben worden und Ungarn bot druck seine Unterfertigung des Vertrages von Trianon scheinbar den Verlust des Gebietes auf sich cieriommeii. Es hätte zwischen den beiden direkt beteiligten Staaten gar kein Konflikt entstehen müssen, wenn Oesterreich in Ruhe den Augenblick abgewartet Härte, m dem ihr die Entente das von Ungarn übernommene .Gebiet übergeben hätte. Die österreichische Po liiik hat aber im August Yen Fehler begangen, die Znücherungen der Entente ernstzunehmen und auf deren Wunsch einzurücken. Sie hat weiter in ihrer lplatshenssefiAkeit alle Sturmmeldungen aus dem ^urgenlaMi'.oernachläsfigt. hat die Landnahme mit m gerinAeNi Kräften vollziehen wollen und hat der auf- Mlioen ' Parteinahme eines Teiles der Ententekymmlssian /fm Ungarn keine Beachtung geschenkt. ) turnirn .ist von allem Anfang an in dem diplomatt- 'chen;..Spiel . Stärkere gewesen, wobei ihm die AhnMing Jtaljens vor einer Neuauflage seiner ober- WesischM- Verluste..an. Soldaten zustatten kam. Allerdings,', ist die beherrschende Position Ungarns auch daran«, zu erklären, daß es über die Schritte OesterreichsZ und der in. dieser FWe gespaltenen kleinen CntMe^fovg'ut vnterMttt wltt^ daß .es das Präverme^MkN 'Loütüe.'" ' , .1 Bfsremdlich P, Hauptsächlich die tiefe. Differenz dMWschguchr^.(Mschen der Heirreu und der großen Wrtrte. Die Zusage des Burgenlandes an Oesterreich Wr im. Vertrag von St. Germain auf das Betreiben dir Tschecho-Slöwakei und Iuypflawiens festgelegt worden, die beide ein Interesse daran hatten, das für fic militärisch wichtige Gebiet nicht in ungarischem Besitze Zu wissen. Bei der Intimität, die zwischen den Hmeen/ck'ieser.Staaten und Frankreich besteht, hätte ilian annehmen müssen, daß die militärischen Voraussehunqen. die sich seit damals nicht geändert haben, auch ijt der Politik Frankreichs äußern müßten! Aber as gerade Gegenteil ist eingetreten. Frankreich l-qt. in der ganzen Zeit seit Trianon die Partei Ungar >r«. genommen; von Frankreich aus wurde dn Osterputsch des Exkaisers Karl ermutigt, der bei feinem Gelingen ein vernichtender Schlag gegen die junge tschechische und jugoslawische Staatlichkeit geworden wäre; von Frankreich ist auch seht die ungarische Partie auf dem mitteleuropäischen Schachbrett gespielt worden. Frankreichs Politik wird von den swet Momenten der Angst vor der deutschen Revanche und des Hasses gegen den russischen Bolschewismus getrieben. Da Deutschland ungefährlich geworden ist und durch seine inneren Krisen an dem Aufbau seiner stühereu Macht für lange hinaus verhindert ist, kouzeumert die französische Politik all ihre Kräfte und. ihre Hilfsmittel gegen Rußland. Wieder werden Rumänen und Polen vorgeschoben und die Rechnung soll . durch die Magyaren vervollständigt werden. Tschechen und Jugoslawen kommen hiefür ihrer starken Sympathien für Rußland wegen weniger in betracht und so ist es verständliche wenn Frankreich die Budapester Kreise bei guter Laune zu erhalten versucht. :i Die ungarische Regierung ist von dem ihr ans Prag zugegangenen Ultimatum nicht überrascht worden; sie hatte, noch ehe e» ihr direkt überreicht worden war, die Mobilmachung in Angriff genommen. Und da Rumänien seine Kräfte in ganz anderer Richtung zu verwenden gedenkt, standen Prag und Belgrad isoliert HerrBenesch mußte den ungarischen Eventualvorschlag auf Rückgabe des Oedenburger Gebietes Herrn Schober in Hamburg vortragen und damit das . Spiel aus der' Hand geben. Die Frage ist nun, was 'Oesterreich beginnen wird. Die Parteien, such wie immer, bei uns in schweren AugeMicken, uneinig und " »ort ihrem Egoismus zu sehr verblendet. Die Sozialdemokraten wünschen eiue Volksabstimmung indem zurückzustellenden Oedenburger Gebiet, die Großdeutschen lehnen d-n neuen Vorschlag ab und die Christlichsoziale» — blicken auf die Znsurgentenbanden, die ihnen die Reaktion auch in Oesterreich bald bringen sollen. ■ Das Entscheidende, Wichtigste stellt keine Partei in de« Borderaruud: Soll sich Oesterreich in die Hände! mm Prag, 24. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung") Die Vermittlungsaktio« de- Außen» Ministers Benesch wird trotz der heutigen Ereignisse fortgesetzt. Die Entente wird sortlaufend über die Verhandlungen informiert. Wie Ihr Korrespondent erfahrt, «erden Be « esch und Bundeskanzler Schober Dienstag in einer südböhmischen Stadt zu neneu Besprechungen zusammentreffen. Desgleichen ist in de« nächsten Tage« eine Besprechung Benes ch—B anfsy projektiert. Verständigung zwischen München und Berlin. Berlin, 24. September. (Tel.°Komp) Der neue bayrische Ministerpräsident Graf L e rch eufeld ist heute morgens in Begleitung des bayrische« Iunenministers hiereingetrofferr und nahm die Verhandlungen mit der Reichsregierung auf. Aeber das Ergebnis der Besprechungen verlautet, daß eine Verstandigungsdasis gefunden wurde» die es beide» Teilen ermöglicht, die noch bestehende» Konflikte aus der Welt zu schaffe». Der AuSnahmSzustand in Bayern wird aufgehoben und die Verordnung de^ Reichspräsidenten i« eiue FaMng gebracht werden» Ae. die Derwattungshotzeit der Landesregierungen mehr berücksichtigt. .__ Blutige Kämpfe in Marskko. Madrid» 24. September. (Havas.) Nach einer Mitteilung des MinisterprasiLenten sind die Operationen in der Zone von M e l i l l a heute w i e d e r a n f g en o m m e n worden. An der Börse verlautet gerüchtweise, daß Zeluau wiedev eingenommen wurde. M e 11 i t a. 24. September. (Havas.) Gestern wurde in der Richtung von Zslnan eine furchtbare Explosion vernommen. Man glaubt, daß die Rebellen die Festung vor der An Kunst der spanischen Truppen in die Luft gesprengt habe«. Spanische Truppen haben die Brunnen von An g raz und T a mim a trotz des erbitterte» Widerftaudes der Riffbewohner beseht. In Nador wurden zahlreiche von den Anfftandischen verstümmelte Leichen von Zivil- und Militarpersouen aufgefnuden. Nblehnnng des polnischen. Ultimatums durch Rußland. Moskau, 24. September. (Funkspruch.) Tschitfcherin hat in einer an den Vertreter Polens in Moskau» F i l i p o w i e z, gerichteten Rote die befristete Rote Polens der Form und dem Inhalt »ach als u n a »- « e h m b a r bezeichnet. Die Wjlnaer Frage. Genf, 24. September. In der heutigen Sitzung der Völkerbundversammlung entwickelt H y m a n s in zweistündiger Rede die.Geschichte des lttäuisch-pol-.. nischen Konflikts wegen W i l n a. Die beiden Par-' teien, deren Stxeit durch Herstellung eines Bundes zwischen ihnen gelöst werden solle, seien heute so weit, daß sie das Projekt des Völkerbundrates — basiert auf einer kantonalen Verfaffung für Wilna m Rahmen des litauischen Staates, einer MMär- und Wirtschaftskonvention beider Länder und gemeinsamer Behandlung der auswärtigen Angelegenheiten ~ <m» genommen haben, fo daß sich die Meinungsverschiedenheiten nur a u f. d i e D u r ch f ü h r wy g "M s schränken. GeyfP. 24. September. In der NachnnttWsitzung der. Völkerbundversammlung hiett ÄsKenVsH (Polen) eine Verteidigungsrede für das polnische Vorgehen in der Wilnaer Sache. Die polnische Regierung stehe auf dem Standpunkte, daß in jenem Augenblick, da der Bevölkerung des Gebiets von Wilna das Selbstbestimmungsrechr gegeben werde, die Armee d<s Generals Zieligowski sofort zurückgezogen werhe.. Ce eil stellte daraufhin fest, daß mau> m Ettgland die Haltung Polens in der W r l n a e r Frage n i ch t o e r st e h e. Es Müsse eine versöhnliche Haltung annehmen. Schließlich wurde ein Antrag Cecils angenommen, worin Polen uud Litauen ausgefordert werden, sich zu verständigen. Die nächste Sitzung findet Montag statt. ' ‘ . § Dr. Wirth über DentschlLudÄ Leistungen. Paris, 24. September. »P e t i t P a r i f i c uA veröffentlicht ein Interview mit dem Reichskanzler Dr. W i r t h, der Lluf die Bemühungen der gegenwärtigen Regierungen hinwies, die Verpflichtungen Deutschlands nach besten Kräften zu erfüllen. .Der Kanzler könne nicht versprechen, daß es Deutschland gelingen werde, alles z u z ah l en, was man von ihm verlange; doch könne er verfichern, daß das Land loyal bemüht sein werbe, sein Möglichstes zu tun. Es sei wünschenswert, daß die V o l k s p a r t e i in der Regiemng vertrete» sei. Dadurch würde der Regierung eine breitere und ftftere Grundlage gesichert. Schließlich wies Dr. Wirty auf die schwierige Stellung der Regierung hin. die häufigen Angriffen ausgesetzt sei, und sprach die Erwartung aus, daß die Regierungen der Entente künftighin der deutschen Regierung ein größeres Vertrauen entgegenbringen werden. Die Entscheidung über O bersch testen. London, 24. September. (Wolff.) ^Exchange Telegraph" meldet aus Gens, rs sei wahrsättinlich, daß eine Entscheidung in ' der oberschlesischen Frage vom Völkrrbnndrat. noch vor dem 1. Oktober, vermutlich einige Tage vor Schluß der Tagung des Völkerbundes, getroffen und bekanntgegebe«' wird. \ der großen Welt einrnengen? Soll es nicht vielmehr die gute Gelegenheit ergreifen, wieder zur Ruhe zu Kommen und den Frieden in Mitteleuropa dadurch zu sichern, daß es jegliche Aktivität in dieser Frage aufgibt und es der Entente überläßt, ihre Autorität wieder herzuftellen und den Friedensvertrag von Trianon auszuführen'? Das gestern im Ausschuß für Aeußeres beschlossene Vertrauensvotum gibt der Regierung Schober alle Eine 500-Millionen-DoLar-Anleche. Paris, 24. September. (Wolff.) Wie ,New Nork Hiratd* aus Ncw-Dork müdet, wird von internationalen Bankiers die Auflegung einer Anleihe von 5vd MillionrnD» l l a r zu Zwecken der Krediterleichterung hauptsächlich für das c-'ttj o* psische F'c st l a « d beabsichtigt- ' Vollmachten. Es ist jetzt möglich, daß Oesterreich der Entente die Weiterführnng der Angelegenheit Hergibt und sich auf die Sicherung seiner eigenen Grenze» beschränkt. Es kann nicht die Aufgabe Oesterreichs fein, das Leben und die Gesundheit seiner Organe mchsdie Ruhe des Staates für die Autorität der kleinen ynd großen Entente einzusetzen und sich im Kampfe' MM die von Paris kommandierten Räuberbanden Zmthys. oder seiner Rivale« m verblute».