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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-05 · Heft 816 (5.5.1921) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 816 (5.5.1921)
Date
1921-05-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Setze 6 'Wien. Donnerstag Wiener Mor^^ernrng 8. Mai 1921 M 81tz ittrilllngkll aus dem PubM«. Frieda Gelbfarb XX. Jakob Beiser ir; Verlobte Mai 1921 ■»60 Tony Bergmann Ing. Norbert Spira Wion, III. Wien, II. empfehlen sich als Verlobte 187 S u c h e für meine Schwester (Israelitin), 39 Jahve alt, geschiiltstüchtig, Mitgift K 500.000,. passenden Bewerber kauf in. gebildet, im Alter von 30—34 Jahren. Krönt. Existenzgründung Ausland. Gefl. Anträge möglichst mit Bild bei strengster Diskretion unter „C. 486?/' an die Adm. des Blattes. «63 ,ima,SKT5M, Perlen, Gold, Silber, Platin u.Uhren tauft und verkauft 778 'iETTC^? Kctentnrmstr. 23, SSariahilferstr. 98 Grösster und bester Käufer Wiens «go a,Ä“ PepSeni'uwelen, Edelsteinfcändler‘l^isso^sissh, Juwelier l. Kaxirr.ilianstrasse 5 II. Stephar.isstrasse 3, nur?Jr.3 (jetzige Kahlerstrasse) (jetzige Hollandstrasae) Tel. 8541 und 45146 im eigenen Hause Haltgstelie Opernring, Zeig, liürntnerstr. Samstag geschlossen. 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Nach der stürmischen, löstündigen Sitzung am Samstag eine neuerliche Dauersitzung, doll von Lärmszenen und — Sensationen. Die ganz nutzlose und groteske Obstruktion der Christlichsozialen hat eingestandenermaßen ihre Ursache in der angeblichen kommunalen Steuerpolitik der Sozialdenrokraten. Ihr ohnmächtiges Gefühl treibt sie zu Wutausbrüchen, aber auch zu Beschuldigungen, die von den Sozialdemokraten an der Hand zahlreicher amtlicher Protokolle leicht entkräftet werden: Auch gestern kam es wieder zu großen Sturmszenen, zu einer großen Abrechnung zwischen denbeiden Parteien.' Bei jedem Gegenstand der grüßen Tagesordnung ergreifen zahlreiche christlichsoziale Redner das! .ort, um die „parteimäßige" Kommunalpolitik der Sozialdemokraten zu geißeln, .was natürlich bei diesen'heftigen Wrdersp^'-ch erweckt. Bei der Beratung über die Straßenbespritznng ergreift Bürgermeister Reumann das 'Wort, um in einer großangelegten politischen Rede unter Hinweis auf di, f' ühere parteimäßige Herrschaft der Christlichsozialen dis großen Richtlinie:: des s ozialdemorra l-ifc'; en WirtschaftsprogrammS darzustellen. Seine Ausführungey wurden selbst von .den Christlich sozialen mit gespannter Archmerkfamkeit angehört, und der mächtige Eindruck, den-sie ausübten, konnte durch die Matte Antwort Kunschaks nicht verwischt werden. ^Sensationell. tzevcchezst wirkten, die Ausführungen des Stadtrates Speiser irr seinem Referat über die Abänderung des Kollektivvertrages der städtischen Gaswerke. Unter tosendem Beifall seiner Parteigenossen weist er an der Hand bis ins kleinste Detail gehender Erhebungen der Straßenbahndirektion nach, daß die Anschuldigungen der Cristlichsozialen, christlichsoziale Straßenbahner seien cmS parteipolitischen Gründen versetzt und dadurch noch obendrein materiell geschädigt worden, unwahr seien. Zu stürmischen Kundgebungen kam es, als Stadtrat Speiser eine ganze Reihe Protokolle aus der Zeit der christlichsozialen Herrschaft zur Verlesung brachte, denen zufolge auf Grund von Spitzel« berichten sozialdemokratische Arbeiter und Angestellte gematzregelt wurden. — Wir lassen hier die Rede des Bürgermeisters im wesentlichen folgen. Die Rede deS Bürgermeisters. , Die Diskussion, welche die Erledigung dieser Tagesordnung gezeitigt hat, hat in der ganzen OeffenÜichkeit ein Bild von den Schwierigkeiten entrollt, unter denen die gegenwärtige Mehrheit zu arbeiten hat. Als wir ans Ruder gekommen find, haben wir die Verhältnisse, beziehungsweise die Betriebe in den denkbar traurigsten Zuständen vorgefunden. Wir haben von der Minorität nicht erwartet, daß sie Mitwirken will, wir haben ihr aber die Mitwirkung ein» geräumt, denn es gibt wohl nichts zu verschleiern, wie die Herren immer sagen, wenn 42 christlichsctziale Gemoinderäte in den Ausschüssen sitzen, und wenn 4 Mitglieder in den, Stadtsenat entsendet find Wsr sind an die Arbeit gegangen, und es ist richtig, daß wir schwere Belastungen auf einen Teil der Bevölkerung wälzen mußten. Wenn Sie sehen, wie das Ausgabenbudget van 880 Millionen auf 6 Milliarden hinaufschnellt, dann müssen Sie es begreiflich finden, daß wir Vorsorge treffen, daß dieser Betrag wirklich annähernd bedeckt wird. Unser Bemühen hat eins mit sich gebrächt, baß die Finanzwelt keinen Augenblick daran gedacht hat, daß es die gegenwärtige Majorität zulassen wird, daß ein Bankrott in bet Gemeindeverwaltung stattfindet. Wir haben uns nach und nach ein großes Vertrauen erworben, das nicht allein maßgebend ist für die Gemeinde, sondern das auch für den Staatshaushalt von besonderer Bedeutung ist. (Zustimmung bei den.Sozialdemokraten.) Dieses Vertrauen ist so groß, daß man sich überhaupt noch einläßt, über die Finanzlage des Staates Verhandlungen anzubahnen. Was Sie bis jetzt gemacht haben, war leere Kritik. Im Stadtsenat habe ich den Herren wiederholt gesagt, sie mögen Vorschläge machen. Solche haben aber das Licht der Wett hiß jetzt nicht erblickt. Wenn wir also mtt Hintansetzung unserer eigenen Popularität arbeiten, jo kann Man an9 nicht sagen, daß wir egoistischen Motiven nachgehen. War die Herren der Minderheit von der Verfolgung einzelner Geschvftsschichten durch die Sozialdemokraten gesagt hat«!, ist lächerlich. Sie haben alles gemacht, damit diq SanierungSbestrebungen der G emeinderatSmehrheit unmöglich werden. Erinnern Sie sich nur cm. die einzelnen "Demonstrationen gegen die einzelnen Steuerprojekte. Sie haben Wahlpoliirk getrieben mH die Gemeinde hätte heute oder morgen bankrott fein tonnen, das wäre Ihnen gleichgültig gewesen. (Ruse bei der Mehrheit: Sehr richtig!) Wir müssen den beschritteney Weg unbekümmert um all das, was Sie unternehmen, weitergehen, im Interesse der Gemeinde« Wenn Sie seit dem Jahre 1886 am Ruder gewesen sind, st waren Sie zu glücklicheren Zeiten am Ruder. Sie konnten nicht allein eine ganze Reihe von Einrichtungen im Interesse der Bevölkerung treffen. Sie hatten auch die Einnahmsquellen in einer bedeutenderen Weise erweitern können. Das haben Sie unterlassen. Wir haben ein Recht gehabt auf unsere damalige Opposition, denn das was wir verlangt haben, war die Mitwirkung an der Gemeindeverwaltung. Wir haben erklärt, solange Sie uns nicht Mitwirken lassen «m der Verwaltung, solange werden wir opponieren. Wir waren sieben Leute im Gcmeiuderat und das war eine Schmach und Schande. (Rufe bei den Soz-ialdemokvaten: Sehr richtig!) Es wäre von uns geradezu ein. verhängnisvoller Fehler, wenn wir zu ■ den 6 Milliarden noch weitere Milliarden anschlketzen mühten, so daß wir zu einem Ausgabenbudget gelangen, das in det Tat mit einem schweren Fehlbetrag endet. Da§ können .wir nicht im Interesse der Gemeinde Wien, sondern wir müssen trachten, daß wir unter diesen schwierigen Verhältnissen -, keine Bankrottwirtschast, sondern eine geordnete Finanz, Wirtschaft treiben. (Lebhafter Beifall.) Im Verlause der Sitzung werden auf Grund der Referate de§ Stadtrates Speiser nach längerer Debatte, an der sich ausschließlich Christlichsoziale beteiligen, Maßnahmen zugunsten der städtische» Heimkehrer (Kriegsbeschädigten) beschlossen, ferner ein Nachtragsübereinkommeu zum Arbeitsv ertrag für die Braunkohlen-Bergbaugewerkschaft Zillin^dorf und eine Arbeitsvereinbarung für die Belegschaft des ungarischen Bergbaues genehmigt. Weiter werden diq Anträge, betreffend die Zuwendung an städtische Pensionsparteien aus dem Stande der KollektivbertragSbediensteten, Zuwendungen an städtische Angestellte angenommen. Ebenso gelangen Aenderungen der Bestimmungen über die Unfallfürsorge der Gemeinde Wien für die städtischen Bediensteten und einige Bestimmungen, betreffend die Krankenfürsorge für die städtischen Arbeiter, zur Annahme. Eine sozialdemokratische Demonstration. Als znm Schluß der christlichsoziale 'Gemeinderat Doppler, welcher in der letzten Sitzung einen sozialdemokratischen Zwischenrufer aufs gröblichste beleidigt hatte, das Wort ergriff, verließen die Sozialdemokraten demonstrativ den Saal unter dem'Ruf: «Einen solchen Menschen werden wir doch nicht anhören!" Erst nachdem er geschlossen hatteerschienen sie wieder im Saale, worauf die Sitzung geschlossen wurde. DereruSnachrichte«, ZionistischeBrzirkSfektionLandsirabe. H eu te, 8 Ilhr abends, Hl., Untere Biaduktgasse 13, Ausschußsttzuug. — Jüdische Tischgesellschaft AlserstraßeuudUmgebnng. Heute, nur bei schönem Wetters statt der allwöchentlichen Zusammenkunft um S Uhr vormittags TageSansflug nach Baden. Treffpunkt: I., Giselastraße, Badener Elektrische. Nächste Zusammenkunft am IS. d. M., 8 Uhr abends, im Weiße» Saal deS Ried Hof. UnpolitischerBortragdeS Herrn Schwertfinger über die Bedeutung Theodor Herzls für das jüdischeBolk. Gäste erbeten! — Jüdischer Hochschulausschnß. Die hieswöchentliche Sitzung findet ausnahmsweise heute um 1 Uhr abends statt. —. Zionistische Sektion für die westlichen Bezirke. Heute kein Vortrag. Die Ernährung. Der Marktbericht. Ungeachtet der schlechten Witterung war gestern der Verkehr; ans de« Märkten sehr lebhaft. Eine Besserung der Lage Ist auf keinem emsigen Marktgebiet eingetrrten. Mit Ausnahme der bereits in dm letztm Tagen eingetretenen Ermäßigu « g fär Spinal» n d Koch f a lat ist kerneSorte von Gemüse anchnnr etwaSbiikige» geworden« Kartoffeln md Eier find in genügenden Mengen zu baden. Alle Gattungen von f r i f ch e m F l e i s ch notierten unverändert hoch. Heute gelangt wieder Rindfleisch gegen Marken zur Ausgabe. Fleischabgabe in Wie» ln der Woche S. bis zum u. Mat 198JU »»« t in u§- per fite Kopf zvm Presse von K 102 für 1 kg Vorderes. K 1Ö8 l kg Hinteres und K 136 ftzr l kg Biafipflnsch. Der Verlaus erfolgt gegrn Abtrmmma des Mt Wer .14" bezeichnten Abschnittes deS NlndfleischelnkaufschemeS. Ab Samstag den 7. d. 9JL 7 Uhr abends, dürfen die Abgabrstelleu das eiöbrigte Rindsteisch an die bei ihnm rahoniexten Kuudrn. ohne Rücksicht darauf, ob diese ihre ^uuote bezogen Häven oder nicht, verkaufe«. Die Köpft quote betthat auch in diesem Falle 10 dkg und erfolgt die Abgabe zu den gleichen Preise«. Beim Bezüge der Zusatzquote wird der nnt dejeichpste Abschnitt drS PrndsteijchemkanjschnnsS akoetromt. 5

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