Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 693 (30.12.1920)
- Date
- 1920-12-30
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 693 Men, Donnerslag Wiener Morgenzettung ~ 8v. Dezember 19*u /Sette Slöbelretiitfn am Annlnger. Der Anümge^ Rodel, »erem vcranllallet am 1. und 2. Jänner Nüdclrcnurn, in deren Rahmen auch die Rodelumsterschast von Nnderösterrelch zur Bus- Krakung gelangt. Boykott auch innerhalb der Entente. Die Prager Sparta woll'e aut dem Wege «ach Spanien auch in Straßburg »nd Paris Wettspiele auSlraam. Das Projekt iche-terte aber daran, daß die Tschechen nicht der »F-fa* angedLren und diese nach den Bo> fällen bei der Olympiade auch keineswegs die Ne,gung hat. die Tschechen auf-unchmen» Die TorinthtanS in-Prag. Die CorintbianS. die be° rrihmte englische Amat-nrniamischafl, loll im Frühjahr in Prag Wertl viele austragen Im Anichluffe daran sollen sie auch in der Provinz gegen tschechische Vereine spielen. Gerichtssaal. Dis Depots der russischen Botschaft. Bei der Speditionsfirma HanZnerLCo. wurden von einer Einbrecher platte mehrere Dutzend Koffer-vnd Kisten gestohlen, d.irunler Zahlreiche Koll's, die von den ehemaligen Mitgliedern der rusff chcn Botschaft bei der Firma e ngelligeit worden waien als sie nach Ausbruch des Krieges Wien verließen. Der Inhalt w ir von großem Wert. Einige der E nbrecher wurden bereis vom Schwurgerichte aber« te il. der Rest halte stch gestern vor dem Schöffengericht zu verantworten Der G rlchrshof denn teilte vDn den zehn Angeklagten neun zu schwer c» Kei kerstralen ,n der'Dane, von sechs Monaten bis zu drei Jahren', rner wurde freigelprochrn. BANKHAU? M. ROHATYN Wien,!., Maria Theresienstrassa 10 Telephon 20-3-63 4!; Der BEsVirt. Sitze Krone - 1.50 Centimes Geld. In Ljurlch nolierte: dre österreichische Krone . . . .150 am 28, Dezember) die österr. gestempelte Krone . . 1.05 ( l io im 28 Dezember die tschechische Krone . . . . . 7.49 ( V.80 m 28 Dezember) dre Mark ..* 8 hö 8.90 am 28. Dezember Agram .. 4 ....... . 410 ( 410 am 28 Dezember Biikarest ... .Ä. 8.10 ( 8 30 am. 28 Dezember - Bndavest ... ./* . . * . 1.15 C. 1.12^» am 28 Dez-mberl Warscha» . . . . ..... . .1,10 ( l.w am 28. Dezember) Der Kurssturz der Währung und Oesterreichs RettMg. V-on geschätz!er Seite wird uns gesch leben: Während ti;glich aus L-ondon und Paris Zeltungsstimmen gemeldet werden, die es als unbedingte Notwendigkeit erklären, daß Oesterreich durch die Entente vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch bewahrt werden müsse, Und während der Borsitzende der Neparationstzomnufs vn für Oesterreich, Sir W'-lll-am Goode, persönlich bei de». Ententeregürungen tätig ist, ihr Einareisen . in. -diesem Sinne zu bewirken, greift in Oesterreich selbst .ein bedenklicher P e s s i m i s m u S um sich, der seinen Aufdruck mittelbar und unmittelbar in der f-orlschreitendetr Entwertung der österreichischen Valuta findet: ntiiteL bar durch die ungünstige Beeinflussung des österreichischen Valntenkurses in Zürich, unmittelbar durch die in einem wilden Speknlatiansfieber erfolgende, täglich sich vollziehende Hinaufsetzung der fremden Valutenkurse im Wiener Ve'ke)r. In be'deu F'Illen ist der eigentlich treibende Beweggrund spekulativer Natur, wenn auch nicht übersthen w^roemda f, daß düse Speiulütion unterstützt wird einerseits durch unvermeidliche Anslandskäufe von Nahrungsmitteln und Rohstoffen, andererseits durch Valutenkäufe aus dem Beweggrund der Steuerflucht. Nichts ist für einen Staat gefährlicher und dein Unglück, das 'ihn treffen kann, ist folgenschwerer als eilk solches^ Verzweifeln der Besitzenden unter seinen. Bürgern. Wir in Oesterreich müssen, rßts doch vor allem immer wieder daran erinnern, baß, so schlimm auch unsere Lage sein mag. wir von Schicksalsgenossen umgeben sind, die den gleichen Knmcker »tragen, und daß selbst die Siegerstaaten J'.al'en, Frankreich und England, ganz abgesehen van den Nachfolgestaateü, unter schweren Bürden seufzen und einen harten Kampf um ihre Zukunft führen. Der Weg aber, der iw siebzehnten Jahrhundert van den europäischen Staaten' eingeschlagen wurde, um wieder emporzükoMMen, ist in der Wirtschaftsgeschichte als jener des Merkantil'.smuö bezeichnet, und das Rettungsmiitell dessen er sich bediente, ist die . sorgfältige Pflege des Außenhandels bei der eifrigsten Fürsorge für die Hebung der inländischen nationalen Produklionrkiaft. Engländ r^ar am Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts du ch den Merkantilismus wirtschaftlich geheilt und erstarkt. Einer der feinsten Köpfe . der merkantilistisüM Richtung wür Thomas Murr. (Er lebte 1V1 bis 1641. Sein Hauptwerk „Englands Schutz durch seinen Außenhandel" ist von Dr., Rudolf Bida^h 1910 vartre'f.ich übersetzt und etngelcitet lvorden.) Erschreibt an einer' Stelle seines, berühmten Werkes.einige Bemerkungen, die geradezu auf' unsere Lage gemünzt, scheinen: „Ich möchte nun zunächst hervorheben. daß der Kaufmann bei seinen höchst liöbl'ch'N Unternehmungen Waren sowohl ausals einführen soll, damit er in der Lage ist, seine Waren nicht nuc zu seinem Vorteil zu verkaufen, sondern auch am Ende seines Geschäftes mit gutem Nutzen einzukaufen, selbst wenn es mit dem Staate abwärts geht und durch Un.uhen im Volke eine allgemeine Verarmung erntritt, wenn Hochmut und Ausschweifung mehr an fremdländischen E.z'Ugn'ssen verbraucht, als das Land mit der Ausfuhr eigener Erzeug-. nisse bezahlen kann, ein Vorgehen, das für den Verschwender bezeichnend ist, der über st ine Mittel lebt. Der König (als Empfänger der Zölle und Abgaben) möge sich aber darüber klar sein, daß beim Außenhandel stets seinen Vorteil habe, wenn, auch S'.aat und Kaufmann, sei es nun nur einer von ihnen oder auch beide zugleich, ihr Geld verlieren. Es könnte sich nämlich auch ereignen, daß die .Handelsbilanz zur selben Zeit einen Ueberschuß an eingeführten Waren ergibt, da das Geschäft in der oben beschriebenen, für den Kaufmann ungünstigen Weise «bläust .., Und der Kaufmann ist vielleicht im Verlust trotz des größeren Vorteils des Königs. Aber am Schluß wird dieser doch das meiste cinbüßen, wenn er der Verschwendung seiner Untertanen, die deren Vermögen aufzu^ehren droht, nicht rechtzeitig Einhalt tut." . . . .Das Heilmittel, bas -wir aus diesen Worten ziehen können, schmeckt bitter. Trotzdem werden wir es schlucken müssen. Der Staat-muß vor allem die künstlichen Behinderungen des Außenhandels.fallen lassen und Nicht den Handel, sondern den Luxus beschränken. Er rstuß die Wäreneinfuhr f.eigeben, damit die Warenausfuhr ihren natürlichen Aufschwung nehmen könne. Das wird natürlich nur in der Form des Durchfuhrhandels geschehen kö men, nämlich ganz in d-ers.lben S:tt, die Thomas Mun in seinen eben angeführten Bemerkungen vor Augen hatte. Lassen. wir nur wieder tmgefjcntmt die Wellen des internationalen Handelsverkehrs zwischen Ätz st und Ost du ch unser Land fluten, und wir werden alsbals deren. Lefruch ende Wirkungen spüren. Sie drängen und stauen sich ja schon an unseren Grenzen, die wir sperren, um unseren Währungskurs zu schützen! Welch klägliche und kurzsichtige Politik, die. Iiag für Tag in der Züricher Depesche und im Wiener Kursblatt ihren Mißerfolg verzeichnetfindet., Oesterreich muß sparen-arbeiten,.arbeiten, um den Ausfuhrhandel zu . steigern, und sparen, indem eszunächst einmal den Luxuswahnsinn der Verdiener und Schieber bändigt Md die erzwungene bescheidene Lebens-' führung des Mittelstandes zur allgemeinen LebeNsführrurg macht..Das ift wass es .stlb-st-tun muß. Den anderen Teil dör ZkettungSarbeit haben die Ententestaaten zu leisten. Sie. wollen es'ja tun, nur ist es für sie gar nicht so leicht, einen gangbaren Weg für diese Hilfeleistung zu. finden. Wir würden.ihnen das sehr erleichtern, wenn wir durch das zielbewußte Ein,chtagett des angederrteten Weges es ihnen ermöglichen würden, den Kronenkurslzustützen - und?vielleicht allmählich auf eine Gleichstellung dieses Kurses mit jenem der tsch.cho-i .slowakischen Krone und.auf eine Annäherung an jenen der Mark hinzuarbeiten. Wir müssen bazu den Anstoß geben. Das können wir durch Bekämpfung^ der Verschwendung und des Luxils, durch Bekämpfung .der wilden Baissespekulation in Valuten und durch scharst Maßregeln gegen die Verbreiter böswilliger Gerüchte, welche dieser Spekulation zu dienen pflegen. Statt der Steigerung des.Pessimismus durch solche Gerichte soll täglich in-jeder Art'den Ve.zagencen die unumstößliche Wahrheit ins Gedächtnis gerufen werden, daß nur derjenige zugrrlnde geht, der sich selber ausgibt.'Nur wenn wir selbst an uns glarwen, wird uns geholfen werden. Diese Zuschrift geht mit dem angegebenen Heilinittel an dem Grund des Nebels vorbei. Mit Bekämpfung und scharfen Maßregeln ist nichts getan, weder gegen die Teuerung noch gegen Gerüchte noch gegen Wucherer und Preistreiber. Die Politik, das System muß sich ändern, das zn dieser Gerüchtepanik unaufhörliche Anlaß gibt. Der . Kab mettschef, der zugleich Minister deS Aenßern ist, preist die Freundschaft mit allen Staaten, seine Partei verhandelt sich mit Ungarn und hetzt uns -damit die Feindschaft der für Unsere Industrie' wicht^en AnraMer in Prag und Belgrad auf den HalS. Der Finanzminister und der Ernährnngsmiuister reden vom Sparen und die Bauern liefern Nichts ab. An unseren Grenzen stauen sich die Waren, aber die Kreise, die den internationalen Handelsverkehr durch Oesterreich leiten, die Juden nämlich, werden sekkiert und förmlich unter Polizeiäufsicht gestellt. Wt' brauchen im Ausland Vertrauen und es vergeht kein Tag, ohne daß die Regierungspresse nicht neues Gift mischt , und bald Italien, bald England oder Amerika anpöbelt: Weshalbmnd wozu brai'cht LXst r.eich die Paßschikanen? Die Gauner, und Valutxnhhänen kommen trotz aller Sperrmaßregeln ins Land und das übrige Publikum wird verärgert. Oesterreich soll den und den Verkehr freigeben, es soll frei werden und eiM Politik der Vernunft betreiben. Dann wird es im Jnnerv Vertrauen und im Ausland Kredit und Arbeit find««j Reuregel««?! der Ei«-» A««» ««d - - Durchfuhr. ' In der ..Wiener Zeitungwird eine VermLnung M Dnndesmimsterien für Handel und Gewerbe, Industrie nE Bauten und für Finanzen, betreffend die Ein-, Au8nrch D u r ch f u,h r v o n Waren ül>er die Grenzen Oesterreich» verlautbari. Diese Verordnungbringt in meritorischer Hin. ficht als wesenÄiche Neuerung einerseits die Er^tzung de» bisher bestehenden allgemeinen Einfuhrverbotes durch rtn, nicht allzu umfangreiche Liste jener Waren, deren Einfuh» über die. Grenzen Oesterreichs ohne besondere VewiMgün» verboten rst, andererseits, die Ausdehnung diese» schränkten Einfuhrverbotes auch auf di« Einfuhr cmS d« Tsctzecho-Slowakei, aus Polen und Ungarn, welche stishe, keinen Beschränkungen unterworfen war und deren Gleich, stellung mit der Einfuhr auS dem übrigen Ausland durch d«A FriedenSvertrag bedingt ist. Für die Zukunft wird da» Einfuhrverbot außer auf MonopoLartikel und KriegSmateriat nur für solche Waren aufrechterhaltrn,. die un Inland« 5>«» wirtsclicvftet sind oder deren Einfuhr aus Gründen der Rück« stchtnabure auf die Gestattung unserer Handelsbilanz weg<w ihres. Luxusäiarakters, ihrer besonderen Hochwertigleit «de, einer ausreichenden und preisangemessenen Deckung hek Inlandsbedarfes durch die inländische Erzeugung nicht w* kontrolliert gelckssen werden kann. "Gleichzeitig erfahren die. bestehenden AusfwhrverKott einen wesentlichen Abbau, so daß künftig azltze» Lebens- und Futtermitteln nur mehr industrielle Rohstoff, und solche Halb- und Fertigfabrrkate in der Ausfuhr verbotrn fein weiwen, die im Jnlandc in einer im DerMtniff, zum. Bedarf nur beschränkten Menge vorhanden sind tut» Mcht ohne Schwierigkeiten durch die inländische Erzeugung oder di? Einfuhr aus dem Ausland beschafft werden können- Die Durchfuhr ist in der neuen.-Verordnung 1« de« Weise geregelt, daß auch für dve Durchfuhr der in der Ein», ftrhr oder m der AuSftchr verbotenen Waren keine besonder» Bewilligung erforderlich sein wich, wenn sie wahrend de» Dauer ihres Aufenthaltes im Inland unter Zollkontroll, bleiben. Als Durchfuhrsendungen werden auch die in de» Einfuhr verbotenen' War^n dann behandelt, wenn sie ohne Einftrhrbewilligung an der Grenze einlangen und eS sich nicht um dem Einfuhrverbot unterliegendes frisches Obst und z^McheS Gemüse, Zitronen, Orangen oder frische Blumen ' handelt. Die unter gewissen Voraussetzungen für solche Sen» düngen - angedrohte Einziehung ohne Entschädigung bezweckt die. Vermeidung von Stauungen im Güterverkehr, wie sie sich, wiederholt ereignet habrn. — D»e Verordnung tritt MN 1., Jänner 1921 in Kraft. Um die Einfuhr im Postverkche möglichst zu erleichtern, hat die Zentralstelle für Ein-, Tu»» und Durchfuhrbewilligullgen mit dem gleichen Zeitpunkte die. Zolloberämter ermächtigt, für Einzelsendungen Postver» kehr im Bruttogewichte bis zu fünf Kilogramm und mit einem Wxrte bis zu 5000 Kronen die Einfuhrbewilligung gegen Beibringung eines Stenrpels im Werte von sechs Kronen auf Sen Zolldokumenten im kurzen Wege zu erteil«», wenn nicht der Verdacht vorliegt, daß eine Teilung der Sen« düngen zum Zwecke der Umgehung deS Emfuhrverboic? vorgeruunmen wurde. Die Frage der Liquidierung der OesterrerHifLungarischen Bank. Paris, 29. Dezember. (Havas.) Die WiedergukmachttuW' kommission hat nach Anhörung der drei Liquidatoren der Oesterreichisch-rulgarischen Bank, der Vertreter der WiedergutmachnngSkommisston in der österreichischen Sektion Und des Gouverneurs der Oesterreichisch-ungarischen Bank die .Liquidatoren beauftragt, am 10. Jänner 1921 in Wien «ine Konferenz ab zuhalten, in die die Kommission ein oder mehrere Mitglieüen entsenden wird» die mit den nötigen Vollmachten ausgestattet sein werden. ES tverkm» eingeladen werden: 1. Vertreter der Glänbiger, cinschließlich der aus der dualistischen Monarchie hervorgegangenen Sttttltrn, sowie jener Staaten, denen ein. Teil österreichisch-ungarische« . Gebiets zu gefallen ist! 2. Vertreter der Oestcrreichisch-ungari»- schen Bank und der anderen interessierten BanZrn? 3. Vertreter der österreichische» und der ungarischen Regierung. Bon allen interessierten Tei.'en, einschließlich der Vertreter der Gläubiger aus den ncntraler, Ländern, wirb die allgemeine Lüge geprüft werden.' ErLolkvuzefstonen zu Palästiya. Londv«, 26. Dezember. (Jüd. Korr -Bur.) ^Sunday Times" bringen ernen Arnkel von Mr. Sydncy BröokS über Erdölfragen mrd. rhre Rackmrkung auf die murnakionalert Berillmngen. m dem der Berfaffer ' sagt: ^Der FricdrnSverttag bestiyrmt an-drücklch. raff nur j-ne Konzcrfionen, die als solche ratfinkrl wurden, a!S gültig zn bcuachlensind. Die Stand ä r-- O i l C o m p a n y erhielt gcwrffe Orlr chre in Palästnia, die vsn^ der türkischen Negierung g hörig bcfiätigt wurdrn. ES rft voravrzusryrn, d.rß di se siechte rcsprltrcrt werden." -W »Sn er Spezlalhans fftt ToUftte En ^ro© en sjetasfi « ck u «r »» L» «s «, ra V «2» L-L u L tztz jed^ in Vtxbchi <1uivn Ofiü«hc», uusserätzm AleüizmaU und ."pesiaiseuen — ^.chlvorr.liges vrirU schnellster^ b »sor«t E®s5tes?s5 LÄZZr unsere r.«zLLuugs!?Z8,?Akrskt Z ' Serkeihammer L Co. fiß.l.l.t