Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 666 (2.12.1920)
- Date
- 1920-12-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 666 Dien. Donnerstag Mcrltung Mrdefl nur bei den Vorverkauf, stellen und im Sekrvtzmat der Hakoah entgegengenonimrn. HaKoah. T o u r i st e n s e k t i v n:. Unser der Leitung W8 H>?rrn Ins,enienr Ackerm nn werden zwüSkilurle m der Ämgrbmia von Marazell abgchasten werden, und mar der erste in der Zeit vom 24. bis 28 d. M.. der -weite vom 29. d. M ins inklusive S Jänner 1S?0. Anmckdungen pnfönlich im Sekret n>w per Hakonh, Cats-Industriellen, t. Konkordiaplatz 4, entweder.Fle-taq abends oder bis spä'estenS SamStag den 11. d. M. (Iran, Erlag von ll kO. - Mander u n s e n: Dr Erker führt um Sonniaa den 6. h. M. Treffpunkt 9 Uhr vo, mittags brm L>cbenbcrg-Denkmal. Wienerwaftwandcrung. Proviant milnehmen. __ r Gerichlssaal. ' Das Martyrium einer kranken Frau. Am 23 Avnl erschien m der Wohnung der verstorbenen W^igeWmsgqtlin Marie K n b i k, bi? am Page vorher i gestorbcu ww. der städt'i'che Ämtcant. um die Leiche 'be chin vor-! »ulirbliien. Er fand dieLeiä-e ru imchibar dcrw^hrlostcm Anstande. Djr F'an lag in einnn schmutzigen Btt. ihr Körper war mit einer SN'Nmkkruste hed^kl und in den. Kiatzwundcn am Körver fanden stch Fingenmad'n vor.' Der Arzt erstattete der Anzeige und wurde ge§cn den Galten du Krau» den 48jälniqen T»ch!er- - aebitfen Emannel K u b i f, dre Anklage auf Belgehen gegen die Sicherlie" des Lebens nHohen. Gestern liane sich Knbik vor dem E'm-elnchter Landesgrrichtsrat Tr. Dörr zu verantworien. Er pab den Ta Bestand »u und erzählte, dast seine Frau fett dem Hertfte v. I. bettlägerig , war. Sie litt an Wassersucht. Weil sie re klärte, nicht m das Spital gchen zu wollen, habe er stch nicht veranlaßt gesehen, e nrn Am zu holin Um die sonsttge Mege der Frau konnte er sich picht kümmern, weil er täglich um 6 lltrr morgms das Haus perl eß. tagsiiber schwer arbeitete und total ermüdet «ft um 8 .Uhr abends nach Hause kam. . Der Nichts verurteilte den AngeUagt-n w-gen Richtüerbei« schaffung Lrttlicher Hilfe z» euie.t Woche Arrests tun degrünocte dies S Urteil mit dem Hinwer e daran». daß nicht sscheisestellr werden konnte, o.'der Tod der F an eme umn tkelbare tttiache der Verwahr losung und vctnachläffigtrn Wege gewesen sei. BANKHAUS M. ROHATYN Wien, I., Maria Thereslensirasse 10 Telephon 20-3-63 Der Volkswirt. Eine Krone -- 1.9S Centimes Geld. Gestern notierte m Zürach: die österreichische Krone .... 195 ( 1.95 am 80. November) die österr. gcftemvelte Krone . . —(—.— am 3^ November die tschechische Krone , . « . 7.75 ( 7.90 am 80 November) die Mark » .. 922Vj 890 am 30. November Agram ........... 4 75 ( 3.— am 30 Novembers Bukarest.. . —am 30 November' Budapest - am 80 Nov mbrri Warschau . ........ . —am 80. November) Die Lage der EmailindLstrie Ita der Tschecho-Slowakei. Bo« unserem Brünnen l.. §..Berichterllatter. Nach dem Umsturz verblieben bekanntlich von den ursprünglich m der Monarchie befindlichen 2^t Emailfabriken, ggientt Morgenzettüng die stch mit der Erzeugung von Blech-, und Gützeisengefchirr beschäftigten, nicht weniger als 20 in der tschechoslowakischen Republik. Während schon in früherer Zeit die Emailindustrie mit einem beträchtlichen Prozentsatz auf den Export angewiesen war, arbeitet ste heute angesichts der bestehenden Verhältnisse bereits mit 80 Prozent für die A u s f u h r. Als solche sollte sie schon im Interesse der Beschaffung von Exportvaluten seitens der Regierung die weitestgehende ' Förderung erfahren. Dennoch macht der Staat gerade dieser Industrie in bezug auf Einfuhrbewilligungen von Rohwaren, deren Wert einen Bruchteil dessen repräsentiert, was die Emailindustrie dem. Finanzamt an Auslandsvaluten zur Verfügung stellt, große Schwierigkeiten. Ausfuhrbewilligungen hingegen werden durch das tschecho-slowakische Emailshudikat in Prag verhältnismäßig glatt erledigt. Die Zentralstelle für den Auslandsverkauf von Email ist die EmcAl-Union--A.-G. in Pratislavä. Als R o h m a t e r i a l i e n dieser Industrie waren vor allem Bleche und Chemikalien festzustellen. Letztere werden zum Großteil aus Deutschland und England eingeführt und die Preise haben vielfach phantastische Höhen aufzuweisen. Kobaltoxhd zum Beispiel, daS vor dem Kriege mit 10 österreichischen Kronen das Kilogramm gehandelt wurde, wird heute bereits mit 600 Mark ier Kilogramm bezahlt. Bleche werden zum größten Teil von heimischen Werken erzeugt, doch müssen Spezialgeschirrbleche, mit denen unsere Emailindustrie nicht in ausreichendem Maße versorgt werden kann, da sich im Inland nur zwei Werke, mit ihrer Erzeugung beschäftigen, notwendigerweise aus Deutschland importiert werden. Die Pvei.se dieser Rohmaterialien sind gegen. den Friedenspreis um daö Dreißig, bis Fünfzigfache gestiegen. . . Wa§ die Kohlenfrage anlangt, werden die Emailwerke seitens deö Ministeriums^f.ür öffentliche Arbeiten mit drei Vierteln ihres normalen Verbrauches beliefert. Freilich gelangen die zugewiesenen Quantitäten nicht voll zur Abgabe an.die einzelnen Fabriken und die Zuweisungen bleiben daher vielfach nur illusorisch. Dennoch rst heute der Kohlciikrisis für die Industrie zum größten Teile die Spitze bereits abgebrochen und für die Zukunft eine ' bessere Kohlenversorgung zu erwarten. ... Ein Abbau derPreise. wie ihn sich Optimisten vorstellen, ist. für die nächste Zeit wenigstens, kaum zu erwarten. Erscheint doch vor allem 'eine Verringerung der Kohlenpreise fast ausgeschlossen und ist die Ware nach wie vor int Inland durch die Warenumsatzsteuer, im Ausland durch die Äusfuhrgebühr übermäßtg belastet. Aber auch^die unausgesetzte Erhöhung der Gehalte und Löhne würde die Industrte schließlich nicht allzu hart treffen, wenn nicht die Leistungsfähigkeit des Arbeitsmatena'lS--auf -60 Prozent zurückgeganqen wäre, wa3 eigentlich einer quadratischen Verdopplung der Verdienste entspricht. - DaS Inlandsgefchäft erfuhr in den Sommermonaten eine große Abflauung. wenn nicht eine völlige Stagnation. Wenn sich auch.die'Preise infolge der wesentlich lebhafteren Nachfrage in der letzten Leit erholten, so spielt doch der Inlandsbedarf rücklichtlich der Gesamtleisrungs-- käbigkert der Emailindustrie nur eine untergeordnete Rolle. Biel wichtiger ist die äußerst rege Nachfrage von seiten deZ Auslandes, die sich durch Bestellungen größeren Stils bemerkbar macht. Wir exportieren hauptsächlich nach den CukzessionSstaaten, nach England Frankreich und llebcrsee, weiterS nach dem Balkan, der Türkei und nach Italien. Eines der größten Absatzgebiete vor dem Kriege. Galizien, ist uns leider verlorengegangen, wie uns auch der russischpolnische und ukrainische Markt infolge der Unzulänglichkeit htüte vollkommen verschlossen ist, obwohl, gerade in diesen 2. Dezember 1920 Seife? 3 Erstes Wiener Spezialhaus für Toilette-Seife Jeder Einkauf zeigt' unsere Leistungsfähigkeit ts« Ges. m. ft, tt. II., Taborstrasse 21. und XX, Wallensteinstrasse 56 Tef,4l78<De!-Ka> Ed MZil l!l.ll öä ljfÜS Tel. 460.84 Berkelhammer & Co. Gegenden großer Bedarf an Emailartikelnherrscht. Ansee gefährlichster Konkurrent auf dem Weltmarkt ist Deutsch» Md, das mit seinen 150 wohleingerichteten Emailfabriken außerordentlich leistungsfähig ist Und auch eine führende Stellung einnimmt. Dennoch erfreuen sich unsere Email» fäbrikate im Ausland einer großen Beliebtheit und werden wir nach Regelung der unerquicklichen NachkriegSzeit-ver» hältnisse sicherlich den vollen Konkurrenzkampf wieder nehmen können. , Die Befitzrechte von Oesterreichern in Rußland, Türkei, Deutschland u«d Bulqarien. Das Bundesgesetzblatt veröffentlicht eine Verordnung deS B.undLsministeriumS für Finanzen vom 80. November 1920 zur'Durchführung des Artikels 811 des Staa-tS» Vertrages von Saint-Germain. . j Gemäß Artikel 211 und unter Bedachtnähme auf Artikel 267 des Staatsvertrages von Saint-Germam hat Oesterreich dem Wiedcrgutmachungsäusschusse binnen sÄhS Moriaten nach Inkrafttreten des StaätSvertraqes eine Liste zu. übermitteln, enthaltend alle Rechte oder Beteiligungen österreichischer Staatsangehöriger an allen Unternehmungen von öffentlichem Nutzen (entreprises d'utilitee publique) uLex Konzessionen in Rußland, der Türkei, Deutschland oder Vfa Bulgarien oder in den Besitzungen und zugehörigen Gebieten dieser Staaten oder in einem Gebiete', das früher zu dieftn Staaten gehört hat und auf Grund der Friedensverträge ab» getreten worden ist oder unter die Verwaltung eines Mandatars, treten muß. Oesterrecchische Staatsangehörige, haben daher ihre Eigentumsrechte, Gesellschaftsanteile, Aktien' und Genußscheftle von Transportunternehmungen, die dem öffentlichen Verrichp dienen, und von Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerken und Wasserleitungen, soweit diese Anlagen von öffentlichem Nutzen sind, anzumelden, insofern diese Unternehmungen chren Sitz gnd Betrieb in den in Absatz 1 genannten Gebieten baben. Forderungsrechte (Obligationen. Pfandbriefe und . ähnlkAtz Schuldverschreibungen) sind nicht anzumelden.. j L» m BL, 2E WKJ&MJM f| I ÖIOEO^iCBP MH.,Ä Grosse Ausfall! in Fiiclisen, U^, | II dilv ÖEralll3f Herrenpclzen und Pelzsakkos Der König der Schnorrer. Bon Israel Zangwill. ^18. FortkeMmy.) --.Nächstes Mal werdet ihr mir vielleicht glauben, Wenn ich sag', ich Hab' einen Sitz in der Loge vom Herrn da Costa", antwortete Jankele mit sanftem . Vorwurf. „Nun, wenn ihr zufrieden seid, Jan7ele, so habe ich nichts^ mehr zu sagen", sprach Manasse mit einem Anflug von Verachtung. „Vorwärts, Mann, zeigt uns unsere Loge." , Der Diener verbeugte sich und führft: sie in den Korridor. Plötzlich drehte er sich um. „Welche Loge ist e?, bitte?" fragte er schüchtern. „Dummkopf", rtef Manasse. „Welche Loge sollte es'denn sein? Natürlich die leere." „Aber, Herr, ez. sind zwei Logen leer", sprach der arme Humorist demütig, „die Proszeniumsloge und die eine oben bei der Galerie. „Tölpel, sehe ich wie jemand aus, der sich mit einer Loge unter der Decke begnügt? Geht auf euren Posten zurück, Herr — ich werde die Loge schon selber finden — der Himmel sende euch Weisheit — geht zurück, sonst schleicht sich jemand in eurer Abwesend heit ein und das würbe euch recht geschehen." Der kleine Mann, froh, dieser überwältigenden Persönlichleil zu entgehen, schlich halbberäubt zurück. Ein paar Minuien später stolzierte Manasse in die leere Loge, g-'folgt von Jankele, dess.m Mund ein einziges Grinren und dessen Augen ein einziges Blinzeln waren. Gerade als der Spanier sich ans seinen Sitz niederlie». erbob kick ein leicktcs Klatsckpen und Stampfen, da das Hau§ das Errde des Zwischenaktes ungeduldig erwartete. ' Manasse steckte den Kopf zur Loge hinaus, um sich das Publikum anzusehey;- dieses, über jede Ablenkung erfreut, reckte sich ebenfalls, um ihn zu sehen, und einige Leute, die sich einbildeten, daß das Veifallklatschen dem neuen Ankömmling galt, dessen Kopf der eines vornehmen Fremden zu sein schien, klatschten mit. Das Kontagium verbreitete sich und im Nu war Manasse der Zielpunkt aller Augen und der offenbare Cinpfänger einer Ovation. Er verbeugte sich zwei- oder dreimal mit ruhiger Würde.' Es gab auch einige, die ihn erkannten, aber sie stümuten mit belustigtem Erstaunen in den EinPfang ein. In der Tat, nicht wenige unter den Zuhörern waren Juden, denn Goodmansfields war das Ghettotheater. Die Zuhörer, zumeist Deutsche und Polen, kamen wie eine glückliche Familie in das kleine, unelegan-te Theater. Man.gunterschiede^ wurden nicht beachtet und die Galerie verkehrte mit den Nangsitzen, baS Parterre fraternisierte mit den Logen. Auf den Büitken wurden Soupers abgehalten. In der Parterreloge saß steif eine nach der neuesten Mode gekleidete, stattliche Jüdin; sie trug ein Kleid aus beflittertem indischen Musselin, ein Halsband und einen Halbmond aus Diamanten und ihr Kopf war mit Terrassen von Locken und Blumen gekrönt. ,-Betsy", rief eine joviale Frauenstimme aus dem Parterre herauf, nachdem der Applaus nachgelassen hatte. Betsy rührte sch nicht, aber ihreWangen wurden rot und heiß. Sie tvar in der Welt vorivärts gekommen und halte keine Lust, die alte Kameradin erkennem „Betsy", wiederholte die Frau, die es gut meinte^ ,,ich und du sollen so leben, du mußt ein Stück vairi Meinem Fisch kosten." Und sie hielt ein schönes, ge-) braüntes Stück kaljer Scholle in die Höhe. i s Betsy zog sich zurück, indem sie sich ohne ErfolA bemühte, ahnungslos auszusehen. Zu ihrer Erreichte-, rung ging der Vorhang in ,die Hishr und das Schloßt, gespenst begann zu spuken. ' I Jankele, der kaum je etwas anderes gesehen hattet als Dilettantenvorstelluugen, welche die Niederlage des! bösen Hamann und den Sieg der Königin Esther dar-- stellten (eine Rolle, die ec einst selbst in den altens Kleidern seiner Mutter gespielt hatte), war von den! gruseligen und schrecklichen Vorgängen in dem Gespensterspuk MMentzückt. Erst nach Schluß des zweiten! Aktes quoll die Erregung, in die die schöne, aber fte* levdigte Heldin ihn versetzt hatte, wieder in das Gespräch! über das Hciraien über. ' , . . •i „Wirklich, das ist ein herrlicher Abschluß deÄ heutigen Abend"-sagte er.? > . „Es freut mich, daß es euch gefällt. Es ist wirk» Üch 'eine schöne Vorstelkmg,"- antwortete Manasse mit majestätischer Befriedigmrtzi ' . -i' : , /--i „And eure Tochiet DebHrah?" wagte sich Jaükela schüchterri hervor, „geht die auch manchmal W Theaters ] „Nein, ich führe meine , Frauenzimmer nicht herum^ ihre Pflichien sind zu Hause. Wie es geschrieben stehle, nenne ich mein Weib nicht ,Meib", sondern „Heim"p< „Aber hedenkt doch nur, wie sie sich möchten untere halten."? „Wir sind nicht ans der Welt, um uns zu unter-! halten."- (Fortsetzung folgt.)