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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-08 · Heft 613 (8.10.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 613 (8.10.1920)
Date
1920-10-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Wiener Morgerrzeitimss vie Mhlen m ßatioitaiversaimtiluna. dchwarz-HMers Wahlaufruf. In -er „Neu>en Freien Presse" veröffentlicht bis Z'vbencmnre „Demokratische Partei", welche natürlich keine ist. sondern nur eine zu Wahlzwecken gebildete Kaffeebausgesellschaft, ihren Wahlaufruf für Dr. Schwarz-- Hiller: In diesem Aufruf wird behauptet, daß die Jüdifchnativnalen eine national-chauvinistische, für das gesamte Judentum gefährliche Gruppe sind, welche das Geschäft der Christlichsozialen besorgen.. Demgegenüber genügt es, festzustellen^ daß bei den verflossenen Nationalratswahle n Herr Doktor Schwarz-Hil-ler. sich lebhaft durum bemüh. Le, Listc.nf üh rer der jüdi sch national en, Liste zn werd e n.. Wir. überlassen es der Wählerschaft,, sich das.richtige.Bild von Herrn Doktvr S ch w ar z - H i l l e r z u m a ch e n, der noch vor Jahresfrist von diesen „national-chauvinistischen, für das Judentum . gefährlichen, das. Geschäft der Christlichsozialen besorgenden" Jttdifchnationalen gewählt werben wollte. Höchst erheiternd ist die Rechnung, die in dem Wahlaufruf aufgestsllt wird und in der der Wählerschaft. weisgemacht werden soll, daß die Jüdischnationalen gar leine Aussichten auf einen Wahlerfolg haben, hin- 'gegen.Herr.Dr. Schwarz-Hiller sehr große. Als vb die Wählerschaft daran vergessen hattedaß bei den letzten. Gemeinderatswahlen die Jü d i s ch- «ativnalen fast dreimal soviel Stimmen erzielt haben wie die ,^Demokratisch e Partei.des.. Herrn D r. Schwarz-Hillet".• Die nächsten Wählerversammlungen. Samstag den 9. d. M., Uhr abends, Rrstaumnt Strobl. TI,, Obere Augartenstraße 46 (Ecke Mießbachgasse). Referenten: Abgeordneter Stricker, Dr. I. W a l d m ä n n. . Samstag den 9. d. M., 7 Uhr abends, S v o b o d a s Phömrpalast, U., Prater. Referenten: Abgeordneter Stricker. Anitta Müller, Gemeinderat Dr. Ehrlich. Samstag den 9. d. M., i/98 Uhr abends, Restaurant LiLtman n, ttd, RadetzLystraße 21. Referenten: Anitta M ii 1.1 e i, Gemeinderat Doktor Ehrlich. Samstag den 9. d. M.. 7 Uhr abends, XVl., Lindmrergafse 5. Referenten: Dr. Martin Förster» Leopold S i tz m a n n, S. S t r a u ß. Sonntag den 10. d. M,, ^.11 Uhr vormittags, R e m o r a n d t k i rt or II., Malzgasse 2. Referenten: Gemeinderat Dr. Plaschkes, D. N e b e n z a h l. Sonntag den 111. d. M., V,1V-Ahr vormittags, Cafä Reif, II., StephMiestraße 4. Referenten: Abgeordneter Stricker, Gemeinderat Doktor Pias ch Ke s. ~T——r'i i - i '■iwiiirimmiw n n «» r »um ■ mnr wnei Sonntag den 10. d. M., 1/210 Uhr vormittags, L e o p o l d st ä d t e r Kino, II., Tabmflraße 75. Referenten: Anitta Müller, Gemeinderat Dr. P la sch k es. Sonntag den 10. d. M., ^11 Ahr vormittags, Cafö „Z u m l u st i g e n Finke n*, II., Fükusgasse 50. Referenten: Anitta Müllet, Dr. Heinrich Krämer. S o nntag, den 10. d. M., Vr10 Ahr vormittags, Cafe P r ü ck l,!., Stubenring 24. Referenten: Abgeordneter Stricker, Dr. D. Fried mann. Sonntag den 10. d. M., 10 Uhr vormittags, Neue Wiener .Bühne, IX, Wasagafle. Referenten: Abgeordneter Stricke^ Mitta Müller. Gemeinderat Dr. I. Ehrlich, Dr. I. Sch alit. Montag den 11. d. M., '/,8 Uhr abends, Restaurant »Feldmarsch all L a u d 0 n^, XVIl., Hernalsergürtel Nr. 11. Referenten: Abgeordneter Stricker, Anitta Müller. Montag den 11. d. M, 7s8 Uhr abends, Terrassenrestaurant, Margaretenplatz. Referenten: - Anitta Müller, Dr. Heinrich Krämer. Montag den 11. d. M, V28 Uhr abends, Restaurant „S u m grünen Baum*. VII, Mariahilferstraße 66. Referenten: Gemeinderat Doktor P l a f ch L e s, Dr. D. F r i e d m a n n. Montag den II. d. M, Vs8 Ahr abends, Cafs Kaiser Josef, ll., Kaiser Josefstraße 25. Referenten: Abgeordneter Stricker, A S ch wertst ng e r. _ SteLdichem Ln der ^Renen Freie« Presse". Die „Reue Freie Presse" wirbt für die sogenannten „Freiheitliches. Was sich unter diesem Begriff vereinigen läßt, uw gen folgende Beispiele illustrieren: „Freiheitliche" sind die „GroßdsuLschsw"' und zu diesen gehört auch! der Abgeordnete Stock e r. Benedikt rührt daher für ihn die Werbetrommel. Dieser nämliche Stöcker tritt in seinen Wahlreden für den Numerus clausus ein und forderte^ w'e das „Grazer Tagblatt/^meldet, zum Pogrom auf. Man solle nur ein Dutzend Juden an die Laternenpfähle knüpfen, dann werden schon die anderen Juden die Flucht ergreifen. In der „Neuen Freien Kresse" wird aber auch für einen..änderen^ „Freiheitlichen", für Dr. Schwarz- Hi lte r, Stimmung gemacht. Er soll die. Wiener Judenschaft vor Kunschak und Stöcker retten und die Wählerschaft möge ihn wählen, statt der Jüdischnationalen, die „den Mti'euriten in die Hände arbeiten"! Eine nette Begegnung in.de» Spalten der „Neuen Freien Presse"! Hier wird den israelitischen Lesern der Pogronl--Stocker -Lmpsohleu .und dort Schwarz-Hiller, der sie vom Pogvom-Stocker befreien soll. ■HBBMWwwBaBwwawManBawiMutfwiraija Inland. Die Forderungen der Staatsbeamten.;' . Im Staatsamt für Finanzen erschien gestern eine Abordnung von Vertretern des Ze.mr.'llve^bandes der Ntaatsbediensteten, mn sich Bescheid über den Stand brr Forderungen, die einzelne- Gruppen von Staatsangestellten vor kurzem wieder erhoben haben, zu holen. jSfm ,7. September "dieses Jahves wurde nämlich von Vertretern des 23 Organisationen umfassenden Verbandes der Staatsbeamten mit Bvrdienftzeir der Regierung ein .Memorandum überreicht/ worin verlangt wird, daß bei Vorrückungen die Vordienstzeit eingerechnet Zrnd .die Wartezeit abgekürzt werde. Bei einer weiteren Verspräche der Vertreter dieser Oganisationen am .18. September wurde mitgeteitt, daß der Kabinetts--' jtat noch nicht in der Lage war, sich mit der Angelegen-- heit zu befassen, und daher auch das Staatsamt für Finanzen zu der Sache nicht Stellung nehmen könne. Daraufhin hat der Zentralverband der Staatsangestellten in der Angelegenheit interveniert und von der Regierung verlangt, den Organisationen bis. 7. Oktober dieses Jahres einen Bescheid zu erteilen. In Abwesenheit des Staatssekretärs Dr. Reisch empfing Ministerialrat Wilfling die Abordnung und teilte derselben mit, daß bereits zwei Erlasse hinaustzehen mit den Nachträgen zum Juli-Avancement, wonach dasselbe bei den Gruppen T und ,D, in der gleichen!. Weise wie bei diesen Gruppen im PostdienstL geregelt werde. Die Beamten, die Ausgleichsrulagen.beziehen, werden entsprechend den höheren Raugsrlassen brh2n''e^« Ein gleiches Eutgegentviumen wurde Lei der Festsetzung der Wartefrisien ' für die Vorrückung, in die HWxen 9kangsklasse« beobachbet. Was die Einrechnung der. Vordienstzeit für - hie Gruppe E ä »langt, so werden hierüber erst. am 7Mrttt> woch den 13. Oktober Verhandlungen., geführt, zu denen die Vertreter der Organisationen eingrladen wurden. Im Laufe der nächsten Woche werden bis Staats- Leamt^lorgamsation^u i*tui§e große Veijammlungm abin welchen die Luaeftändnisse der Regieruna bespwchen Mtd die Beamtenschaft befragt werden soll, i ob sie sich mit denselben zufriehengibt. i Der österreichische Gesandte in Loudon bei Lord Eurzo«. London, 6. Oktober. (Reuter.) Der österrrichischr Gesandte und bevollmächtigte Minister ‘ GLtorg Fra»'cke n stein würde heute im Auswärtige» Amt von'Lord . Cu üzo n^empfangen. Damit erscheinen die diplomatische» Beziehungen zwischen England , und Oesterreich wieder ausgenommen. Telegramme. Die engNsch-russtschen Beehaudluuse». Mn-on, 7. Oktvber. (Reuter.) In einem Schreiben an L lo hd George legt Kras sin den Bedarf Rr-ßlandS ' an Rohstoffen' eingehend' bar und betont die Notwendigkeit. eines rdschen Abschlnsses des. russisch-englischen HandölsLbereirrkommens. , Lrttm<e« u«d Lettlands Mt»a, 3. Oktober. (Privat.) Die Jufvrmatvousabteilung des litauischen Außenministeriumteilt mit: Die Grenzfrirge'n zwischen Litauen und Lettland sind noch immer nicht bereinigt, Die Meinungsverschiedenheiten betreffen drei Grenzpunkte: Sa lange »„Maschejki (Murawiowe) und die Gegend von J lu ksch tt:'In Palangen befindet sich' jetzt lettisches Militär, Maschejki ist von den Litauern besetzt und iß Gebiet von Jlukschte befinden sich beide Parteien. Die Verhandlungen zwischen Litauen mrd Lettland über diese drei Punkte dauern bereits ein Jahr und sind 'noch nicht zum Abschluß gekommen. Bor kurzem ist ■ nun zur Erledigung dieser Frage der litauische Delegierte Nar» s ch kewi tz nach Riga gereist. In der Konferenz mit den lettischen Vertretern wurde beschlossen, die Frage eiirer sve^iellen Arbitragekomnlilsion zu üt.i-rgeben, welche in kurzer Zeit über bK Zimebö'riälelt' der erwähnte^ drei Gebiete S. Oktober 1920 Skr. 6131 ----l.M ■- Mitteilungeu aus dem Publikum. BRILLANTEN, Perlen, Ctold, Silber, PUttn a.Uitf:<mi kauft und verkaufi 774 ETTER Botentnrmstr. 23, USarlaMlferBt»«SÄ RILLANTEN, Perlen, Platin, Uhren, Gold, Silber und Juwelen (auch versetzt) kauft Juwelier FORST II,, SlisntNMB SamtMj e*80hIo«Bti / Silo Telepfeon 20787 pvtentz, T*r1 r eine endgLltige Errtscheidung tvefstn soll^- Es, ist daher zu erwarten, daß diese Grenzstreitigkaidech' bald erledigt' werden, tbotauf der Anbahnung mo v-) maler Beziehungen zwischen beiden Staaten nf.cht->s im Wege stehen wird. Ei» Sieg Wrangels? Aonstantüropel, 6. Oktober. (HabaS.) Nach dtrnff Letzten amtlichen Comvmniguee des Geueralstabes des Armee Wrangel haben die Truppen der fübrussischsnl Regierung Mariampol, das Zentrum des Gruben^ bsckentz im Donezgebiet, genommen und mehr als 10.000 Gefangene gemacht. - Die jvgoslawisch-ttatte«rschev 3$et$ftttbftfcttgeitJ Rom, 7. Oktober. (Stefan:.) Die j ug v s 1a w w sche Negierung hat sich bereit erklärt, eine Ln Nord-' italien liegende Stadt als Ort der Zusammenkunfß mit de» italienischen Delegierten zur Löfwrgj, der schwebenden Fragen anzupehmen. Man glaubt,) daß die Besprechungen in der zweiten Hälfte Oktobttls stattfinden werden. Generalstreik in Poringal. Madrid, 6. Oktober. (Wolfs.) In Lissabon, und allen anderen großen Städten Portugals ist Key Generalstreik auIgebLocheu. TelegrapheystreiK in tzollartd. Amsterdam, 7. Oktober. Gestern abends beschloss das Personal der.Post-,. Telegraphen- und Telephon«! betriebe, Neuerlich in den allgemeinen Aus stand M treten. Der Beschluß wurde sofort in Kraft gesetzt. Der Karlsbader Sozialistentag gegen die Fremdenhetze. 7. Oktober. Der Parteitag der deutsch^ Sozialdernokraten. in der Tschecho-Slowakei hat heute hie bereits gemeldeten EinigungsvorfchlLge einstimmig angenommen. Nach Annahme einer energischen Re«< so ln Lion gegen d^e Verhaftung und WuS-!. Weisung von Ausländern wurden die Wahle» in den- Parteivorstanh vorgegommen. Josef Selige« wurde zum Vorstand der Partei gewählt.. Am diel Mittagsstunde wurde her ^Parteitag geschlossen. .. Tagesbericht. Große Stiftung für de» Verein „Soziale Hilfsgemeinschaft Anitta Müller". i Eine Dreimillionenspend« für ei« jüdisches Land» erziehungaheim. . Unsere .Ander haben ein neues, großes Auslandsgescheyk echalten. Ein edler Engländer, Mr. I. Bogob^ hat in diesen Tagen dem Vereine „Soziale HilfS-1 gem-rinschäft Anitta Müller" den iMnhaften Betrag von drei Millionen Kronen überwiesen unö den Wunsch ausgesprochen, baß dieser als Grundstein für etzts LauderziehungSheim für jüdische Kind e « verwendet werden solle. ■! Mr. Bogvd hat selbst ein arbeitsreiches. Leben.und» eine harte Jugend hinter sich., Nun will er selbst zunt Helfer.und, Retter junger Menschenleben werden. Sei» Wunsch ist es, ein Landerziehungsheim zu gründen, in welchem Ander Wer 14 Jahre Aufnahme finden und in der Landwirtschaft unterwiesen werden. Harste mittelalterliche Gesetze, späterhin die eingewurzelte Tradition haben uns Juden von der Lairdwirtschaft fast völlig eck gekehrt. Dieser Mangel muß jetzt. beseitigt' werden. Wir. haben die Freistätte in PalÄstina tw halten, aber wir wissen, baß wir uns das Land erst werde» erarbeiten müssen. Nur ein Volk, das die Scholle bebaut, wird sich den Boden ganz zu eigen machen., Diese Erkenntnis hat vielfach, insbesondere im Osten, in de» Ländern des großen Judenelends und der grüßten Palästina-Begeisterung zur Gründung von landwirtschaftlichen Palästinä-Schnlen geführt. Nun soll auch Wie« durch die großherzige Spende des Mr. Bogvd eine solche Schule erhalten. Dennoch wird diese (Summe kaum! genügen, um den Ankauf emw großen Landwirtschaft und den Betrieb für einige Zeit sicherzusteslen. Es wäre zu wünschen, baß sich auch bei uns' soztaldenkende und kinderfreundlich« Juden finden, welche dem edlen Beispiele Mr. Bogvds folgend, dazu beitragen würden, den schöne,n Plan ehestens zu ve wirklichen..

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