Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 590 (12.9.1920)
- Date
- 1920-09-12
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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fette 8 Wien. Sonntag -;- H«« ciwn Versicherungsverträgen ein M oratorium erworden, welche- bis zum 81. Dezember 1920 läuft. > [ OA ««« Schiefer. Die ^Franllurtn Zeitung" berichtet- »Ach Juragrdnge kommt stellenweise ein eigeurümlichr- Schiefer' tzestsm vor, dar über 6*/, Orlgehalt bat. Schon, vor Jahren hat Man. a«S diesem Schieber Oes gewonnen, mutzte d'es« Gewinnung jedoch wieder erstellen, da de Kosten rm BerhällniS zu dem billig« amrcikanrschrn und russischen Petroleum zu hock Mren. Bei dem heutigen Mangel an ausländischen Oelen wollen nun m« Bavrnschen Mineralölwerke an eine rationelle Verarbeitung dlkfrS Schiefers «eben. Es werden in Odrrfrank'N in der Gegenvon BayrtUlb umf-mg'.eiche FabrikSanlagrn errichtet, in denen daS Schieferöl gewonnen und durch Destillation in seine ein' aelnev Bestandteile. Broun. Leuchtöl. Motoröl. Schmieröl. Paraffin und Hezöl. zvlrgr weiden toll. Bon besonderem Werl find auch die mimraisickrn Rückstände deö Schleiers: sie liesern »inrrsritS für die Landwirtikdaft Srickstostdiingemirtel. andererseits ^die kalkigen Ueberbleibiel) Material zur Herstellung von Zemenü Den Bayerischen Mineralölwerken ist zur Bearbeitung «in Gebiet von rund 7100 du zugewresen; man schätzt dir Menge deS OllschielrrS auf diesem Gebiet auf 823 Millionen Tonnen Würden täglich, wie geplant, 10.000 t gewonnen, fcaifn würde dieses Mineralöl siebzig Jahre ausrerchen. Dieser Oelschiefer besitzt auch einen Heizwert, der dem der schleckten Braunkohle ntchk «achsirdt. Er eianet sich, da er auf jedem Rost brennt, ganz gut zur Heizung industrieller Anlagen und wirb in Sachsen bereits praktrlck »u diesem Zweck verwertet. Vielleicht führt die Gewinnung dieses OelrS dazu. Deutschland von dem Bezug auSliiudischer Oelr mehr als bisher mradhängig zu machen." ' _ Negelu«s der Boebrirs-verbindlichLeite». Am Donnerstag deu 9. d. M. fvrach eine Abordnung. bestehend aus, Vertretern der niederosterrrlchiichen Handels« «nd Gcwerbekammer/ der Wiener Börfekammer, des HaupwerbandeS der -Industrie, des Zentralv rdandeS der Kaufmannschaft, drS NiedrrSsirrrnchi' fchen GewnbcvtreineS und des VerbandrS der PovatversicherungSanstalten unter Währung deS Herrn Direktors Dr. Hammerichlag beim StaatÄrkreiar für Finanzen Dr. Reisch vor. Die Bertretrr der Korporationen. insbeondrre drr Herren Krauß nnd Kuisier. spitzer und Dr. Hall, wirsen nachdrücklichst daraus hin» daß dir ^'iirlung deS Derhälimster des Staates zu drr» Balutaschulbnern a-Gläubigern, ganz d<-sorideiS mt Hinblick aus die m zdrn mmen mü Frankreich und Großbritannien geplanten privaten Ausgleiche, keinen Aufschub mchr dulde und daß eine ähnliche Losima. wie sie rn Deutschland durch das NeichSauSglrchSgeietz geschaffen worden ist, anmstrrben sei. Der Staatssekretär stellte % Aussicht, bei den im Zuge befindlichen Arbeireu der Rejerenten de3 SmalSaurirS in enger Fühlung mit den Vertretern drr industriellen, gewerbliche» und lommrrzirllm Korporationen vorzugehe». ' Prlvatverkehr. Da bei der siaitgchabten Versorgung für kombardrn ei» Leihgeld vv» L g bewilligt wurde, wären im gestrige« Prwaiverkrbr Lombarden gefragt und erhöhten sich bis t 1845. Als jedoch die Steigerung unserer Krone in Zürich de-- tzanni wurde, ermäßigte sich dieses Papier bis K 1820. SüdbahnjprJontfittB warn» K 1885 mn K 60 billiger gegeu d« letztßnurldet« Stand. Alpine t 4880 nach K 4220. UOalaiea&arfe. Fm gestrige» freien Verkehr warm fremde ingSmittel, namentlich Dollar, md Rücksicht auf die Lästige Steigerung unserer Kroue m Zürich stark angebat«. ES »otrertm: Leinölen K 6.98, Rnbrlnvtrn L 8.88, Mark»oten K 5.85, Dollar K 8SS—, poluifch e matll 120.50 i Wahlordnunge» de» Kammer« für Handel, Ge» Werbe and Industrie. Das Wiener Kammeramt hat ene Zusammenstellung dcS KammelgesetzeS und der Wahlordnungen der österrelchischen Kammern fär Handel, Gewerbe un- Industrie veranlaßt, welche im Verlage der Wiener Kammer erscheinen wird »mb von Interessent« zum Selbstkostenpreise bezogen /Wiener Morgerrzeitung werden kann. Bestellnngen sind an daS Expedit der Kammer zu richten. Tiroler Bank. AuS Innsbruck wird unS gemeldet: Am 14 b. M. findet dier die konstituierende Versammlung der Oraler B>ink statt. Den »Innsbrucker Nachrich'en* zufolge ist daS. Aktienkapital der Bank mit 80 Millionen Kronen in AuS-. sicht genommen. Daran wird sich mit einem Drittel das Land Xitol beteiltnen; ein »mere» Drittel soll die Deut'che Bank ieichnen. mähend daS letzte Drittel von itäkrenischen Finanzkreisen aufp-bracht werde» wird Die neu- B,nk bezweckt in erster Lin« die Unierststtzunfl deS Tlansttgeschäfres, wobei die Einfuhr von Lebensmitteln und di« Ausfuhr von Holz usw. i» Betracht kommen« Di« ungarische Ernte. Einem vom ungarische» Ackerbaummistermm veröffentlichten Berichte zufolge wird der Ernteertrag folgendermaßen geschätzt: Weizen 84 Millonen, Roggen 4 2 Millionen, Gerste 4.4 Millionen. Hafer 3.4 Millionen, Mal- 12.7 M'llionr», Karrofftl« 20.9 Millionen, Zuckerrücken 8.6 Millionen Meierzentner. Warenmnstermefse tu Budapest. AuS Budapest wirb vom 11. d. M. gemeldet.' Heute vorm'ttagS fand in der Jndustrrehalle deS Stadt,oäldchenS bte Eröffnung brr rlflrn Budapester Warenmustrrmeffe statt. Börse für landwirtschaftlich« Produht«. Dir geplante Neurinführung drS TermindaNdelS in Devisen i« Deutschland dürfte zweifellos eine Belebung deS JmporthandelS rm Gefolge haben, da nunmehr für de» Importeur die Möglichkeit bestehe« wird, feinen B.llutrnbkdarf m decken, ohne sich dem Risiko vo» Dalutaschwankunge» auSzusetzeu. Dt« G«treideer»t« t« Kraudretch. Wie dt« .Librrtö" meldet, beträgt die bisherige ftanzösifchr Gerrridrervte rund 68 M'Vionk» Mrterzenmrr. 8e«rg Coehplat« 3 »Wien 11.8ez. Tttl«phon 18-1*35 Kulanteste Durchführung' aller bankmlssfgen Tran»« aldionen sowie Besorgung: von Zahlungen und Ueberweisungen an alle Plätze im ln« und Ansland« eigene Korrespondenten In SerNn, Budapest Prag, Krakau, Agram «o» i Berliner Börse. Berlin, 11. September. An der heuftyen Börse vok^og sich die AufwartSberveanrig nicht mehr in einem so stürmischen T«r>po uüe gestern. .Die Grundstimmung blieb jedoch recht fest/ roenn sich auch dir Spekulation tn der Hauptsache nur in eimgen Papieren und sonst überwiegend auf dem Markte der Montamverte reger betätigte. Hier erhielten die sogrnonuten Ankaufswerve, wve Bochumer-, Hösch-, Harpener» und Phönix», ViSmarckhütte» und Rarmesmann- sowie von Kcvliroerten Westeregl. Ntali-Aktien erneute und -um Teil beträchtliche Kurssteigerungen. In den übrigen Montcrnpapiecen sowie auch auf den sonstigen Marktgebieten waren die Befferungen «ringfügiget und. überschritten nur bei Th. Doldschrnidt» und Felten u. Guilleaume-Aktien 10 Prozent. Von Maschinenwerten glichen AugSburg-Nürnberger- und Gebrüder Bühler- Aktien anfangs erlrttrne Einbutzcn später nahezu wieder auS. Biel bemerkt wurde die wesentliche Vefferung des österreichischen KronenkurseS infolge der sprunghaften Erholung der Devise Wien im AuÄande. Die» erweckte spelulative Kauflust für die österreichischen Werte, so daß StäatSkxrhn-Altien und Lombarden gang beträchtlich und österrrichische Renten mäßig 12. September 192Ö Nr. 5Ö0 stiegen. Sonst hielten sich Valutawerte infolge einer neuerlichen Steigerung der ausländischen Devisenpreise auf dem bisherigen, Stande. Die mexikanischen Papiere stiegen erneut kräftig. Heimische Rewten wiesen wieder nur geringfügige Veränderungen auf. Wien, 11 September. Kurte der östcrr. DevffenzeutrÄe^l Amsterdam 86b').— 8100.—-. Berlin KS8.S0lÜSg.—)»Zün« 41C5.— (4150.—), Ehristiama 3725.— (8760.—), Kopenhagen 8725.— (8750.—). Stockholm 6176.- (6800.—), Mark-Not« 6?8.60 682.—), Lei-Notrn 636 — <630.—>. Leva-Rotrn 380.—! (»So.—>, Schweizer Noten 4100.— (4126.—). Französische Noten 1760.— (1778.—). Italienische Noten 1185.— (U50.—li Englische Noten 880.— (865.—), Dollar-Noten 286.— (846.—)i Rudel-Noten (NomanowS) 880.— (880.—i Wien» 11 Sepirmbrr lK»rke i« freiea Ben? k r h r.> Aaram 346.- d,S 866 -, Budapest: Zahlung tu PoK sparkaffageld S9.— blS 10S.—. Budapest: Zahlung in aestem Noten 0S.— bis 100.—, ungarisch« gestempelte Noten VS.--, MS 100. -, Warschau. Krakau tn poln. Mark 105.— bt| 117.—,1 "rag 486.— bis 46t.—, Tsckecho-slow. Kronmnatrn 6000er 432.— biß 460.-, kleinere 488.— Hl 460/-, Neue Dman uotrn 1086.—dtS 1086.-.. Prag» 11. September. (Karst der DevifeützenPalr.) Amsterdam 8048.60 (80481)0). Belgrad 88V.— (848.—V Berlin 128.86 (191.76), Bukarest 18926 (189.86), Sofia 97,— (97.-), Zürich 1058^0 (1068.60). Kopenhagen v 18.60 (919m Stockholm 139840 (1298.60), Mailand 880.— (881.—). Pang 686.— (486.-). London 839.— (229.—). Rew-Vork 64.— (68.60). Wien 82 87 (88.18', Brüssel 461.-(466,-). Agram 69.-(«0.-H Warschau 24.— -84.-), Budapest 88.76 (28.—), Jugoslawisch? Noten 235.- (289.-), Martnotm 121.25 (181.76), Rumänisches Roten 185.26 (186.15), Bulgarische Noten 94^0 (94.80U Sckweezer Noten 1054^0 (1064.60), Dänische Note« 909.60 (909.50), Schwedische Noten 18941SO (1294.60). Jialiemschr Noten 877.— (878.—\ Französische Noten 432.— (488.—% Englische Note» von 1 Pfund Sterling aufwSrt» 887.-* (337.--)» diS 1 Pfund-Sterling 826.— (826.—); ftmeri» kamsche Noten vo» io Dollar auswärts 68.— (68.50), von 1 di- 10 Dollar 68.— (61.60), Oesterreichifche gestempelte Kronim 81.37 (81.12'. Holländische 8088.60 (8048L0). Belgische 46^ (461,—), Polnische Noten 28 — (23.—). Bertts, 11. Srptemda. (Devismkmse.) Amsterdam 1690.80 (1689.88), Antwrrp« 887.1» (880.80), Chrtsttaum 761.70 (766.86), Kopmhaacn 769.80 (748 35), Stockholm 1108.90 (107890), HelstngforS 174Ä 073.80), Italien 584.76 (28976), London 189.60 (187L5).' New-Bork64^44 (58.07*/«), Paris 863.10 (867 66), Schwerz879.10 (871 60). Spanien 799.80 (786.70),- Wrea alte» 86.47. M 78',Wien abgestempett L6L7 (38.847«), Prag82.16(82.08*/,)/ vndapkst 20.08 (19.48). - Ä'kÄ *****' - «“»*»•“# Berlin 11.48V« (11-40). Holland 198.60 (198.80),^New-yÄ 618.— (610.—), London 21.44 (21.67). Pans 40K6 <4110)3 Matlmrd 26.60 (3«.«0). Brüste! 48.40 (48.90). Sope»ba«ck 87.- (87.-), Stockholm 125.75 (124.—), Tbnstianiä 87 86 J87.20), Madrid 90.60 (90.60), BnenoS-AireS £80.— i240.-), Prag 960 (9.50), Agram 5.66 (8.60), Budapest r.25 (8.95), Warschau —.— (—.—), Belgrad 88.— (2160)’ Wien Geld 8.06 (2.65), Wie» Ware —österr. ml Kronen Geld 8.60 (2.80), Sstrrr. gest. Krön« Ware — «msterdan», ia September. (Devisenkmfe.) London 11.21'/, (11.28^, Berlin 6.97'/, (6.07*/,). ParÄ 21.87V» (21.60). Schweiz 51.98 (51.96). Wien 1.87*/, (1.85),Äobo3' bogt» 46.- (46.12‘/,), Stockholm 64.77'/, (64.277,), Christ,amck 46.46 46.70), Nev-Aork 817.60 (817.-). Brüssel 82.78*2 (28.85), Madrid 47.-(47.-). Italien -.- (1436X 2 LoMMerL.-ii.vi8k0llzto-NLiik-z.ll. rvvtrsis Pressbnrg°Filiale Wien,!.,Wipplingerstrasse 24-26“Telephon 12358,18296,17408 B«sorfr«nf «Her bankfeieMfU. Tnuisaktldaen« Bnfc| fe^ennalOn« tob Oeldeinls^eit. Aaarabe ron bQohera. Uebernahme ron TerttSffensrerwaltiuig«** Warenabteilung» . | Deport ron SeiWm8t»«ln «. laadwtrtoebafU.Oerlteaj d Import ron dentsehen Helamateiiall«n «tc, q _ ORo^bwi / Marienbad. Sit in Roman, sondern eine überaus verwickelte Geschichte» die -wischen Warschau und Marienbad spielt, in 36 Briefen, 14 Billet-doux und 46 Telegrammen. Don Schalem Alejchem. Aus dem Jüdischen Übertrage» vo» S i e g s r i e d Schmitz. (28. Fortsetzung.) W »mg sein, daß sch nicht allzu spitzfindig bin, obwohl die Leute, so glaube ich, mich nicht für «inen allzu großen Narren an sehen. Es mag sein, baß Du recht hast, daß jeder sschürzenjäger und Lump, er mag noch so alt sein und noch so viel Ribisel auf der Nase haben und mag groß Und klein um Geld prelt-en, sobald er nur in Berlin wohnt, sofort zum Kavalier wird und fremden, Zungen tzrauen erzählen darf, daß sie ihm vom ersten Augenblick an gefallen haben; und wenn ich ihm auch ins Gesicht sage, er sei ein Idiot und ein Tropf, so darf er mir doch am nächsten Tag Blumensträuße verehren und ich muß sie sehr liebenswürdig annehmen und darf sie ihm nicht an den Kopf werfen. ES mag sein, daß Du recht hast: Wenn ich im Wagen mit weiß der Teufel wem sitze und ich zeige ihnen den Ehering und fie öenützen das, um mir die Hand zu küssen, so darf ich ihnen nicht alle Knochen brechen oder sie aus dem Magen hinausschmeißen oder wenigstens den Zbondukteur rufen und sie abführen lassen, sondern ich muß sie dwch im Gegenteil auffvrdern, daß sie mir daS Gepäck aus dem Dagen bringen helfen, und ich bin verpflichtet, mir von ihnen tausend Komplimente anzuhöven, von denen einem die Galle steigen kann . . , Es kann -sein, baß ich altmodisch und übertragen bO und deshalb nicht ve^stchen kann, daß ich, wenn mir auf dem Bahnhof ei« junger Mann entgegenkommt. ein Od<'ss':te, von dem ich weiß, daß man ihn als Scharlatan ansieht, sich herstellt und m'ch auSsragt, wer und waS ich bin — daß ich ihm nicht antworten darf: „Oer seid Ihr, junger Mann, und was seid Ihr?" Rein, Mott bewahre l 3m Gegenteil, ich. itui| ihn an Ort und Stelle sofort zu meinem Ritter machen, mich mit ihm tn einen Wagen setzen und mit ihm zusammen vom Bahnhof in die Stadt jagen, so daß nicht nur die Jamaikerin, di« allein so viel ist wie die ganze übrige Welt — nein, baß die ganze Wett sehen muß, wie Schlojnve KurländerS Weibchen von den Nalewki in Marienbad frank und frei mit einem Odesfaer Scharlatan fährt urck» der ganzen Welt eine Nase bveht. DaS alles ist aber noch zu wenig! Wenn Majerl, der Scharlatan, schon so freundlich ist und sich bemüht hat, mich vom Bahnhof abzuholen, mip das Gepäck besorgen hilft und sich mit mir zusammen in eine Droschke setzt, dann darf ich nicht fahren, wohin-ich will, Gott bewahre! Sondern ich muß — die Gemeinde hat'S beschlossen! — unbedingt im selben Hotel absteigen wie der Odessite, unbedingt mir mit ihm zusammen Marienbad anschauen, unbedingt mich von ihm in ein Restaurant führen lassen und wahrscheinlich an einem Tisch mit ihm zusammen speisen, damit nur ja die Jamaikerin, samt der Tschapnik» samt der Laufermana, samt der Brauchstuhl, samt der ScherenzeS, samt der Pekeles —also die ganzen Nalewki von einem Ende bis zum anderen — sehen, mit wem Schlojme Kurländcrs Frau Bclcie ein deutsches Mittagmahl ißtl Und wenn ein guter Freund des Mannes kommt, um mir einen Gruß vom Mann auszurichten, so muß ich unbedingt sehen, ihn so schnell wie möglich loSzuwerden; denn des Mannes guter Freund ist doch kein Kavalier; der anders aber ist ein jkavalier und ein Odessite und ein Gentleman dazu, überhappt ein Juwel eines jungen Mannes, der, kaum daß er die Mitgift in der Tasche hatte, sich den Teufel mehr um sein Mid gekümmert hat; denn in Marienbad gibt eS doch ander« junge Frauen, bedauernswerte, hilfsbedürftige, die allein in einer fremden Stadt ankommen, allein einen Wagen nehmen, allein ins Hotel fahren, allein ins Restaurant gehen iHüsfen — schickt sich daS? Ob aber der andere ein Auswurs der Mcttichhcit ist, von dem ganz Warschau spricht — waS geht da» mtch an? / Doch warum sollte ich, meine teure Beleie, über jemanden. Uebles Men otzne Grund und Ziel? Da hast Du -um Beweis die Briese m«iu«S Freundes Chai« tVoroker; lies, waS er, der eigene Schwager, von Deine« seine« Kavalier und Gentleman schreibt, den man bet «n» auf den Nalewki nicht anders «ermt als Mater! Scharlatan. Ich bin überzeugt, teure Beleie, baß 93», wem Du SvrvkerS Briefe liest, selbst sehen wirst, daß es für Dich viel gesünder gewesen wäre, mir zu folge« und Dich an meine guten Freunde zu halten, nicht «l Odesfaer Scharlatans, welche ihre eigenen Frauen fitze, lassen und in Marienbad herumbummeln und auspassen ob vielleicht ein schönes Weibchen ankommt, an bei sie ihre Freude haben könnten. Und wenn Dir bü Jamaikerin Romane von meinem Freund Ehaim Sorok« erzählt, daß er Tag und Nacht mit Deiner Daft Chaweb Tschapnik Sechsundsechzig spielt, so sage ich Dir, teu« Beleie: Erstenist daeine Lüge, und -weiten-, folld eS vielleicht wahr fein, ist daran Deine Bast fchull» nicht er. Beweis dessen — lies selbst, WaS Ehaim Sovokei mir darüber schreibt. Sie spielen hie und da SechSs undstchzig, weil er Langweile hat, und da' er -einer anderen Partner hat. so spielt er mit ihr. Aber er hä' so Lust, mit ihr zu spielen, wie ich Ltzrst habe, zr tanzen; denn wenn sie verspielt, zahlt sie nicht. Fstil Dir Thaim SorvkerS Briest nur gut durch, bann wirf Du sehen, baß er mir über alles schreibt; er läßt best Stückchen aus. Undwenn Du die Briest durchgelefer hast, dann schicke sie mir sofort zurück; den« ich hast ihm mein Ehrenwort gegeben, baß keine Seele wisse» darf, was er mir schreibt. Ich meine, Du siehst selbst ein, baß er in alle« WaS er mir schreibt, recht hat; Venn er ist wirklich ei» guter Freund und ist nicht „übertragen". Er ist ei» lluger und praktischer Mensch. Er weiß w-hl, wo ei» und aus. Deshalb bitte ich Dich, teure Belcie, so wb Du diesen Brief erhältst, um Gottewillen gleich meine: Freund Chaim Soroker aufzusuchen. Aber erzähle ihn ja nicht, wie und waS; er darf gar nicht daran denke» Du könntest etwa-, von feinen Briefen an mich wisst