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Wiener Morgenzeitung · 1920-09-02 · Heft 580 (2.9.1920) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 580 (2.9.1920)
Date
1920-09-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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s Wien. Dormersra- Der Volkswirt. M«e Krone --- 2.80 Centimes Geld. Gestern notierte in Zürich; die -sterreichische Krone Geld . . . 2 80 ( 2.8» am 31. August) die ßsterr. gestempelte Krone Geld . 2.50 ( 2.60 am 31. August) die tschechische Krone.1010 f 10,15 am 31. August) die Mark.12.30 (12.35 am 81. August) Agram . 5 35 ( 5.40 am 31. August) Warschau..—l—am 31. August) Ü^udapest .2.47( 2.50 am 31. August) Die Entente in Ungar». Anker diesem Titel veröffentlicht daS ..Prager Tagblatt" interessante Ausführungen ' seines Budapests Korrespondenten, herein Ziffernmaterial ein bezeichnendes Schlaglicht auf die gegenwärtige Wirtschaftslage Ungarns wirft: Vordem schon bemittelt, wurde Ungarn im Kriege reich. DaS Wunder, das; mit der Zerreißung seines Verkehrsnetzes das mrn klein gewordene Ungarn wieder fast ganz verarmte. Aber erst nach dem Verlust von 46,5 Prozent des gesamten Fahrparks in den abgetretenen Gebieten und nach der widerrechtlichen Plünderung weiterer 35,2 Prozent des rollenden Materials durch die Besatzungstrnppen trat auch' di« Erkenntnis von der wahren Sachlage ein. 3400 Lokomotiven, 6434 Persoueiuvagen, 2768 Post- und 87.827 Güterwagen wurden so lange nach dem Kriege verloren. Dazu ist gerade das niodernste Material aus ge sch reden, während don dem verbliebenen, nach Typ und Zustand veralteten Fuhrpark 70 Prozent der Lokomotiven (Neuanschaffungstvert Zirka 10 Milliarden), 80 Prozent der Personen- und 94 Prozent der Güterwagen laufunfähig und reparaturbedürftig sind. Wie der verstümmelte und verarmte Staat nur diesen Bedarf aufbringen könnte, bleibt unerfindlich. Doch ganz ebenso kranken Binnenschiffahrtsverkehr und Industrie, kranken die mit tausend verdorrten Fabriken liierten Banken. Die Mutlosigkeit, sich auf Nunipftmgarn einzustellen, wird / schließlich noch durch den Umstand erhöht, daß von den neuen Grenzen 76' Prozent (vordem 23 Prozent) künstliche sind, die einen Zolldienst in 41 bedeutungslosen Zwischenstationen (gegen früher '22 Grenzbahnhöfe mit bloß 8 Zollstationen) nahezu a umschließen. Es ist der völlige Zusammenbruch einer Wirtschaftseinheit, wie er in der Geschichte des jüngeren Europa «och nicht da war. Diese Erschöpfung und die bevorstehende Aufteilung des ungarischen Donauschisssparks unter den Sukzessionsstaaten schien der Entente der psychologisch günstigste Moment, das Land' botmäßig zu machen. Die britischen Reederfirmen Furneß, Withy and Co., Swan Hunter and Co. und Barrie mit den Bankhäusern Cox und Hambro erwarben — jedenfalls das kleinere Uebel für Ungarn — durch eine Kapitalsverdopplung der Ungarischen Fluß- und Seeschiffahrt - A.-G. '40 Prozent von deren Astien, gründeten als River-Syndikat zur Ausnützung des DonauschiffahrtsgefchafteS die Danube Navigation Co. und haben von Oesterreich dessen ganzen Anteil. Lefitz an der Süddeutschen Donau-Dainpfschiffahrt-Gesellschaft wie auch 25.000 Aktien der K. k.priv.Donau-Dampfschiffahrts- Gefellschaft an sich gebracht. Die Bemühungen einer deutschen Bankgruppe, die als Bewerber auftrat und ein günstigeres Anbot stellte als das englische, hatten keinen Erfolg. Fast gleichzeitig, schon um die alte Verschuldung Ungarns in England zu decken, erstand aus der Ungarischen Ban? und HarrdÄs-A.-G. in Budapest mit Zuwendung von 110 Millionen Kronen der Marconis Wireleß Telegraph Co. Ltd. die British «smfc Hungarian Bank Ltd. Die interalliierte (lies: englische) Donauzentrale wurde nach Budapest gelegt. Die Binnenschisfahrtslinie Aermelkanal—Schwarzes Meer—Goldenes Horn mit einem Durchgangsverkehr, wie er vor dem Kriege nie gekannt war, gelangte unter englische Patronanz. Der für Wiener Morgenzeitun^ die Schiffsparkverteilung an die Sukzessionsstaaten bestellte amerikanische Schiedsrichter dürfte nur wenig noch , zu tun finden. . . Ein Teil der Danrpfer wird von RegenÄburg bis Sulina unter englischer Flagge, direkte Personendampfer von Budapest bis Bbarla—Rustschuk werden unter internationaler Flagge fahren. Frankreich, dadurch um den Eipfluß im Südosten besorgt, entsandte nach Budapest den Grafen Saint- Sauveur mit einem ganzen Wirtschaftsstab und hielt geradentvegS um die ungarischen Staatsbahnen an. Behauptet und widerlegt und immer wieder behauptet wird ihre Verpachtung für die Dauer von 90 Jahren. Die in der Union Duropeemte -Industrielles et Finanziere in Paris vereinigten Geld'gruppen wendeten 120 MiMouen Kronen an die ohnehin schon in die Royal Dutch im Haag und in London, dem größten Petroleum. Konzern, einbezogen« .Ungarische Allgemeine Kreditbank und damit auch an alle wirtschaftlichen und industriellen Unternehmen des alten Ungarn, über welche' die Bank. verfügt. Italien machte mit '260 Millionen des Castiglioiie-Holzkonzerns Ungarn sein Kornpliment, für das Almosen von 80 Millionen Kronen wurde die Ungarische Aßrav-^uW Rentenbank-A.-G. zur Bauca Ungaro-Jtaliana. Fremdes Kapital strömt von überall nach Ungarn ein. Rechnet man den Wert' dieser Besitzteile ausden gegenwärtigen Valuta- Widersinn zurück, so sieht man, für welche Bagatelle, dieses zur Allerweltskolome gewordene Land dauernd überfremdet wurde. , Es wäre nun irrig, zu. glauben, daß die Entente sich für Ungarn etwa besonders interessiert. Die Benrühungen der Westmächte, gediegener Käufleute seit uralten Zeiten, sind vielmehr im ganzen Komplex weitestzielender politischer Bestrebungen zu werten und" Restnngarn, als Markt und Rohstoffgebiet heute gleich irrelevant, gilt n»r alSSprungbrett in den viel dankbareren (bisher auch deutsch gewesenen) Orient'. Irgendeinen Gefühlswiderstand gegen ' solche Einordnung schließt die fürchterliche Lage Ungarns aus. Man vergesse nicht: Don Ungarns 8,9 Millionen Hektar fassendem Waldbestrnd warf ein Federstrich 91,1 Prozent, von feiner Steinkohlenproduktion 90 Prozent, von den Bcaunkohlenfeldern 65 Prozent, ja 95 Prozent der Energie des Wassers, über hie Grenzen. Die Schulden dieses kleinen Landes betragen heute rund 60 Milliarden Kronen, ohne den jährlichen Zinsendienst von 1804' Millionen und ungerechnet die ziffernmäßig nicht festgestellten Gutmachungvpflichten. Wie grenzenlos zerrüttet die Verhältnisse sind, erweist, daß in den kotzten Monaten neue 6000 Millionär Kronen Banknoten in Verkehr gesetzt wurden und das Budgetprovisorium in geschlossener Sitzung, ein in Ungarns parlamentarischer Geschichte beispielloser Schritt., werden mußte. -_ Die Zahlung der deutschen Dorkriegsschulderu Wie auS L o n d o n gemeldet w:rd, hat die Zahlung der deutschen BorkriegSschulden begonnen. Im Juli wurden brreus mehrere hnnderttausind Psund beglichen, für August wird ein bedeutend höherer Betrag erwartet. Die englischen Privat-Borkriegsschulden an Deutschland werden insgesamt aus 110 Millionen Pfund geschätzt, denen SS'/« Millionen deutsche Schulden gegenüber England erugcgenstehru. DaS Ziel der britischen Gläubiger, ihre Guthaben anerkannt zu sehen, ist durch die Bemühungen der Aeglerung erreicht worden. Der Banknotenumlauf auf 65*31 Milliarden gestiegen! Der Ausweis der Oesterrrichlsch-ungarischrn Bank vom 23. v. M. zeigt einen Gesamtnotenumkaus von 65'61 M t lliarden, waS gegenüber der Vorwoche eine Steigerung um 903 Millionen bedeutet. Von dem Gesämtnolenvmlans von 65'31 Melkende« entfallen auf Oesterreich 19X9 Milliarden, um 424 Millionen mehr als in der Vorwoche. Auch die so ort fälligen Verbindlichkeiten in der österreichischen GelckättSilrbruns sind stark 2. September 192ft Rr. L8s '— ---~ , gestiegen (um 754 MillionenX Dem steht allerdings, eine stark» Zunahme (um 835 Millionen) an rskomptierten Wechseln »n» Effekten gegenüber. . _ T Aufschwung des Bankwesens in der Tschechow Slowakei. j AuS P r ii g wird berichtet: In der Generalversammlung de» Bcrbändes der slowakischen Geldinstitute, die vor ewige» Tagen stattiand, wurde festgestellt, daß das slowakische Geldwest», seit 1918 c'rnen bedeutenden Auffchnumg genommen habe. Da« Aktienkapital der' slowakischen Banken stieg im Jahre 1919 von 24 auf. 77 Millionen Kronen, die Reservefonds von 9 auf 44? Millionen Kronen und die Einlagen von 144 auf 351 Millione»- Kroneti. ' __ Baluienfturfe. Die fremden Zadinnflsttultcl erfuhren im gestrigen jrcieu Verkehr nur geringe Veränderungen. Das Geschäft! war eng begrenzt. Es notierten: 8 e i n o t e'n K 5.94,1 R ubelnoten K 3.30, Marknoten K 5.24, 8 i t f! K 12.15, f r a n z 8 s i s ch e N o t e n L 17.80, S ch w r i z e ri Nrottn K 42.60, Doll a r K 257-50, tschechische Roten K 4.29, Pfund Iv 905.--, Dinar K 9.69,j u n g a rischeNotr H K 106.—, polnische SD? d r t K 107.—, Auszahlung Agram 227.—, A u zah 1 ung Berlin K 5.26, Auszahlung Prag! K 4 29, Auszahlung SB u 5 ft D e ft K 104.50, A » S-! zahlungJtalien K 12.23 und ungestempelte! N o t e u L 100.-. Börse für landwirtschaftliche Produkte. Wie»,, l. September. lOrigmalbericht./ Die Hoffnung, daß bte Witterung! eine ennchiedrue Wendung .mm Bessern nehme» werde, ervneS sich als trmrnch. denn der nuZgirbifle Landregen, der m der Vorwoche horrchn. fchc.nt andauern zn wollen. Der Landwirtschaft! kommt die reguensäie Witterung sehr ungelegen, den» «och Lebe»! nmutfKrlei Früchte aui den Feldern. So wird zwetfelSöhne die, uaste Witterung die Zuäcri üben in ihrem Zuckergehalt beeinirächtrgen und auch b\i Kartoffelernte kann» insbesondere auf fetten Boden, geschädigt werde». Einzig und allem dem »och wachsenden Grummet kann das naffe Wetter nütze«, sostr»! nämlich noch genügende Warme einlritt. Ueber daS heutiae? Geschäft ist wenig z» berichten. Vorerst erwartet der Hgudel die? binnen kurzem zu verlautbarende Kundmachung bezüglich Freigabe! verschiedrner Produkte. Es wird allgemein angenommen, daß die! bishenge, bescheidene Freiliste «ne mesenülche Bevricherung erfahren wird. Eine Erwerterung der handelsfreien Produkte würde übugrns nur emem drmgtndrn Bedürftuffe des Publikums ent-! sprechen, welches dann am eine entschiedene Besserung der Versorgung hoffen könnte. Dtr heutige Verkehr hielt sich, wie berertS oben angcdeutet. in bescheidenen Grenzen. Abgesehen vo« einige» geringen Mengen von Hülsensrüchten und Adfallprodutte» sowre von He» und Stroh, ferner Mohn inländischer Provnnenz, für den man 60 bis & 65 zahlte, kamen keine Produkte in de» Handel. Indes muß bemerkt werden, daß der Markt nach wie vor für all» Produkte, insbesondere Hafer, aufnahmefähig ist. da gegenwärtig für alles greifbare Material große Nachfrage? herrscht. _ Wiener Börse. Mangels einer kräftigeren Anregung waren hem Geschäft an der gestrigen Börse enge Grenzen gezogen. Lediglich Lombarden setzten, unterstützt durch neuerliche Käufe für italienische Rechnung,' ihre AufwärtSbewegung fort und erzielten «inen Kurs vo« K1203,! vermochten jedoch den HochstkurS nicht voll zu behaupten, dä^ Gcwinnrealffationrn zur Ausführung gelangten. Gegenüber dem! vorgestrigen Schlußkurs betrug die Steigerung der Lombarde»? K 48. Erhöhtem Interesse begegneten die Aktien der Hofherr &: Schrantz, welche in großen Posten auS dem Markte genommen! wurden und eine Avance von K 178 auszuweisen hatten. Die! übrige» Kulrffewerte waren nur wenig verändert. Im Schranken, war eine schwächere Tendenz vorwaltcnd. Bloß Ungar. Allgew»? Kohlen wurden um K 320 in die Höhe gesetzt, ferner profitierte» Karpathen Petroleüm-Aktim K 800 und Ravigazione K 850. Bon den Renten gewann die Februarrente 2%. übrige»! verweisen wir auf nachstehende Schluhkurse: j Industrie-Unternehmungen. Allgemeine Baugesell»! schaft 700.— (-f 5.—), Umonböu Wiener, Baugesellschaft 730.— (-.—), Königsbofer Zement —: t-.—). Perlmooser Zement 2450 — (— 40.—), Wienerberger^ Zwgell798— (— 2.—), Lftsinger Brauern — (Nachdnick vrrbvlm.) Marienbad. Kem Roman, sondern eine überaus verwickelte Geschichte, die zwischen Warschau. Md Marcenbad spult, in 86 Briefen, 14 Billevdoux und 46 Telegrammen. Bon Scholem Alejchem. dt« Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz. (16. Fortsetzung.) Was für ein naher Verivänbber ist er von Deiner Belcie - Er muß es sich zur Ehre anrechmu, der Scharlatan, wenn sie ihm «auf einen Gruß antwortet,' nicht d-rß er mit ihr Marienbad anschant und sie in Restaurants führt. In meinen Augen ist das nichts Besonderes. Ich kenne Deine Belcie, Du verstehst, nicht seit gestern und ich, rveiß. daß Deine Belrie ihn kennt. Wer kennt Majerl Mariamtschik tnicht? Die ganze Sache ist nur — was wird die Welt sagen? Hier in Marienbad, mußt Du wissen, kommen Leute aus der ganzen Welt zusammen, zumeist Müßiggänger, die Herkommen, um, wie ich Dir schon geschrieben habe, abzunehmen. Man ist im'Elend vor lauter Behaglichkeit und WohlergehE. Das heißt: Mau ißt und man trinkt und man schläft und man putzt sich und man geht spazieren und man schaut, wer mit wem heruwg«ht, wer mit wem sitzt und wer mit wem lacht. Sieht man eine schöne junge Frau mit einem eleganten jungen Mann, so geht sofort daS Fragen *n: JBer ist er? Und wer ist ffc?" Und man fängt »n, Geschichten zu erzählen und Historien und Fabeln, Könau wie üet uns auf den Nalewki: Wenn einer hier in de« Mund 'der Leute gerät, bann kann er sich '^ajulicren . Vicht reden davpn,. daß die. majkerin da das große Wort führt — na, na! Ich meine, Gott behüte, nichts Besonderes, ich wollte nur wünschen, sie würde unerivünschte Bekanntschaften mit solchen Leuten meiden, wodurch sie zu Schaden komnren kann und Du und Ihr beide .. Und besonders nach Deinem Brief, in dem Du nrir schriebst, ich möge auf sie achtgeben, habe rch mtt gesagt: Sei es, wie es sei; zuerst muß man für Derne Belcte ein anderes Quartier suchen. Es gibt tit Marrenbad genug Hövels und genug möblierte Zimmer. S«r unbesorgt, ick) werde ihr schon ein Quartier besorgen samt Doktor und altem. Und wenn sie vielleicht Geld braucht, will' ich es ihr mit Vergnügen leihen, so wie Du es mir schreibst, nicht auf einmal, sondern ratenweise. Du kannst Dich auf mich verlassen. Ich habe auch ein Weib und verstehe das alles. Alle Weiber sind aus deinselben Teig geknetet. Wie ein Weib, und wäre sie noch so gescheit, an einem großen Schaufenster vorbeigeht, wo Fetzen ansgestellt sind, verliert sie den Verstand. Du darfst Deiner Belcie eigentlich davon gar nichts, schreiben. Vbeine Briefe müssen bei Dir, wie ich Dir schon geschrieben habe, tiefes Geheimnis bleiben. Sie soll nicht einmal wissen, daß wir über sie korresvondieren, Verlaß Dich nur auf mich, Schlojme; Du hast hier in Marrenbad einen guten Hüter, der aus und ein weiß; sein Name aber ist' Chaim Soroker. Nr. XI. Welwcl Jamaiker auS Warschau jaus den Nalewki) an feine Frau Perl Jamaikerin ia Marienbad. Der hochgejchätzt-cn Gemahlin, Frau Perl, meinen Gruß! Dein Schreiben habe ich am heutigen Tage empfangen. Ueber die Darlegungen, welche Du mir in Sachen Karlsbad auöeinandcrsetzt, daß Karlsbad besser ist als Marienbad, habe ich Dir schon tausend- und aber* tausendmal gesagt, daß Karlsbad nicht für alles Aeeignet ist. Zum ersten ist Karlsbad, wie ich cs eben mit meinem!' wägenden Verstand begreife, eine Oertlichkeit für Brest-, haste, für kranke Leute mit wirklichen Gebrechen, zw« allermeist.für solche, welche am Magen leide». Und der Verstand sagt mir demnach, daß es dort keine heiratsfähigen Männer geben kann, da, wie ich es mir wägende zurechtlege, mit dem Magen ältere Leute zn tu» haben, nicht j,unge Leinte. Und zum zweiten habe ich einfach noch nicht gehört, daß in Karlsbad vornehme Ehe» geschlossen worden wären, wie Du es sagst. Und bev-> jenige', welcher Dir gesagt hat, daß nach Karlsbad dieganze Welt kommt, ist entweder ein Lügner oder ein Narr. Und wenn ich/Marienbad gesagt habe, so habe ich es mit vollem Verstände, nach reiflicher Erwägung gesagt, denn ich bin nicht von Sinnen und weöß> waS! ich sage. Und vbwoh^ich in Marienbad bis zum heutigen Tage noch nicht ein einziges Mal gewesen bin, begreife ich dennoch meiner Empfindung gemäß, daß dieses^ Marienbad eine Oertlichkeit voll Vergnügen und Wohlergehen ist. Dorthin fahvc'n, wie es heißt, solcher^ Leute, die entweder fühlen, daß sie ein wenig nichts' bei Kräften sind, oder im Gegenteil solcherlei, die. zu> kräftig sind (und ihr ganzes Streben ist auf nichtSj anderes gerichtet, als sich ein wenig dünner zu machen, wie zum Beispiel unser Chaim Soroker, welcher Besitzer von viel Fleisch ist), oder solcherlei Arten vo« Leuten, wo einfach Freude der Sinne haben, sich die Welt ansehen öder derlei Vergnügen genießen wollen. Dessentwegen ist es unter derlei Arten von Menjchen viel leichter möglich, eine passende Eheschließung herbe« zuführen^ als. an einer anderen Oertlichfeit. ivj (Fortsetzung folgt.)

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