Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-08-25 · Heft 572 (25.8.1920) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 572 (25.8.1920)
Date
1920-08-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979650--05064-2990876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitrrrrg 25. August lÜ20 um sk. ml tNachdruck verboten.) Marienbad. Kein Roman, sondern eine überaus venv:ckelte Geichirlffk. die zwischen Warschau und Marienbad spult, in 36 Bre'cn. 14 Billet-doux und 46 Telegrammen. Bon Schalem Alejchem. Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried S ch m i tz. ilO. Fortsetzung.) . Die Pv'rlzwoig hat mir vor der Abreise eine Rech' nung gemacht, die mußt Du sehen; da gibt es — meine ich — nur zwricrtoi: Entweder träume ilch oder sie ist von Sinnen. Denke Dir: Die Milch hat sie nicht gerechnet: Tee -und Zucker hat sie vergessen. Hering. Rettig, Zwiebel, Leber und dergleichen — das beifit bei ihr „Vorspeise", und sie rechnet nur das Essen und Schtasen auf, sonst gar nichts: und das ewige ^Trinkgeld, das man im .Hotel geben muß, kann man sich hier schenken. Denn sie ist doch selbst Magd und Herrin zugleich. Ich sage Dir: Das ist kein Hotel, das ist ein Paradies! Nicht umsonst steigen bei ihr alle Damen von den NaT'wki ab. Und das Begleiten auf den Bahnhof! Sie hat mich nMit einmal einen (Gepäckträger nelnnen tasten. Altes besorgt sie selbst! Wenn Tn aber damit noch nicht zufrieden bist — also. einen Straus; Blumen bat man mir auch ans iwu fiof geschickt! Der war schon nicht von der Perlizw.'ig, sondern von dem Kommissionär, dem alten Narren mit den üvibi’efit, von dem ich Dir im letzten Brief erzählt habe. So ein Idiot! Hat die Antwort, die er aui der Iriodrichstraste von nur gekriegt hat. ganz Dcrg'sson und kommt gleich am nächsten Tag über mich: i'ch möge ifr.it sagen, ob cs wahr ist, was er .gehört hat: daß ich einen alten Trottel von achtzig Jahren znm Mann habe. Ich frage ihn: „Seid Ihr niemals in Odessa getvesen?" Drauf sagt er litauisch In allem Unglück ist er auch n.ch ein. Litwak): „Was; i?" Draus ich: „In Odessa gibt es die Pest und die Cholera. Eines von beiden wäre für Euch" — sage j ich — „ganz gut . . Glaubst Du vielleicht, daß | er beleidigt war? S-'it Gott Unmenschen in die Welt » gesetzt hat. hat er so einen Uninenschen noch nicht erschaffen. Der ist noch viel ärger als oje zwei Un-' menschen, die. der Herr im Himmel mir nachher der Reise aus den Hals geschickt hat, wie!ch schon im Wagen dritter Klasse gesessen bin. Aber von denM habe ich wenigstens was gehabt. Sie haben mir beide ihre stZlätze abgetreten, und ich habe nicht bloß sitzen können, sondern auch in ich schlafen legen. Ich - chatte aber Angst, sie könnten, am Ende Taschendiebe sem. Man kann nie wissen . . .!' Sie haben sich freilich) für sehr seine Lento ansgegeben. Der eine hat sich als Commis Voyageur aus Lodz vorgestellt, der für drei Fabriken reist, der andere hat gesagt, daß er eine Apotheke in Lo'mzä' hat.^ 'Alvel .Wichtige Unmenscheu! — Mich wollten sie nicht „Madame" nennen, und wenn man sie erschlagen hätte, sondern nur „Fräulein" und „Mamsell"! Ich sage ihnen: „Pardon, ich habe schon einen Mann." Draus sio: „Pardon, womit' wollen Sie unS das beweisen?" Ich zeige ghnen meinen Ehering und sage: „Genügt Ihnen das?" Da geht oer eine her — der Commis Voyageur von drei Fabriken — beugt sich über m'-.ch. betrachtet den Ring ttitV gibt mir einen Kuß ans .die Hand. Ich ncht saut, gebe ihm eine Ohrfeige, die war ordentlich, das sage ich; Dir. Und glaubst Du, daß sie mir deswegen' nicht geholfen haben, das Gepäck in Marienbad ans dein Wagen. zu werfen? . Sie haben sogar sehr gebeten, ickj möge ihnen meine Marirnbaaer Adresse angebens doch ich habe ihnen gesagt, sie müßten ein wenig Geduld haben. „Bis ich mich nach Euch sehne" — sage ich — „da will ich Euch gleich benachrichtigen, durch ein Telegramm -oder einen Boten. . ." Wie Du also siehst, habe ich feine gute Reife gehabt. Sie war voll Angst, Furcht und schlimmen Begegnungen, abgrsehcn davon habe ich eine Nacht nicht geschlafen: mir tut noch jetzt rwr Kopf weh und ich bin zerschlagen und. müde: deshalb schreibe ich' Dir auD, noch nichts i über Wtärienbad> Bis ich' ausgeruht bi» und mich umgrfehen habe, was los ist, dann gverde ich; Dir alles genau^schrosben. Indesscil..bleib' gesund zuich' gib' ans die' WWntilg acht, verlass' Dich ' nicht aH Snre-Rnchel. Sage ihr, sic möge noch'einmal alle. Teppiche und. alle- Wjnter.sach.en samt dem- Pelzw-n? herauSnehmen, gut au^lüftein lassen und dann noch'.ein?- chat mit Naphtalin bestreuen: .ich sende Dir hier Meiste Adresse und - .vergiß ckjach nicht, um Gottas'.Willen/. nti$ bald Geld zu senden. . .. . . e Von nur,' Deiner- Frau, - - - . .? J. ■ E ct c'i« K.u tf ä n - VII. ,.v Chinin Soroker aus Marienbad an söine Gattin Esthrk Soroker in Warschau (auf den Nalewki). ' Teure Esther' \] ■ Ich dank-' Dir vielmals, daß Du mir so oft unkn so liebe Briest schreibst. Du innßt nämlich wissen,- daß cs für mich keinen jchönervn Festtag gibt, als wenn' ich einen Brief von Dir habe. Die Post — das istz das einzige bißchen Vergnügen in dem öden Marien-« bad. Wenn die Post nicht wäre, könnte man ganzverrückt werden. Es gibt hier nichts zu tun. Es gibt! hier niemanden, mit dem man verkehren kann: nieman-- den, mit dem Uran ein Wort, reden kann. Und MarieyI bad selbst-ist dasselbe,-das es vor einigen Jahren war. Die gleichen Dickwänste, die. mit ihren voUgefressenett' Bäuchen hieher „abnehmen" 'kommen,, der einen Zentner, jener zwei. Die gleichen dirken Weiber mit den HälM voll Perlen, die mit ihren heicatreistn Töchtern hertommen, -um Schiviegersöhne zu sangen. Die gleiche^ wohlerzogenen Deutschen, welche sich für frommer als die ganze Wett halten, weit sie den Hut beim Essen, anssetzen und sich nicht das Kinn rasieren. ' (Fortsetzung folgt.) Vs i Vs7 7 "/<< lU~i */«7 V*7 6 VJ \/ä7 1 7 Theater von heute. Deutsches Vollrsthcater: Der Renegat..' Wiener Kammerfpiele: Schloß Wetterstein. Ioscfftädter Theater: Za,;>. 2^eue Wiener Dühue: Kean. Wiener Stadttheater: Der Totschläger. Ncnaissance-Bühne: Theodore L Cie. Wiener L^omödienhaus: Das Svemcchikrl. Carl-Theater: Licbesronsch.. Theater an der Wien: Die blaue Moznr. AaimunV-Theater: Wiener Bolksiängcr. Wiener Bürgertheater: Bruder Martin. Johann Strauß-Theater: Daö Hollandweibchen Metropol-Theater: Rebe aus den ersten Blick. Lustspieltheater: Der Filmsteru Israelitische Her r s chaitskö cliin mit langjährigen Zeugnissen wird unter günstigen Bedingungen itir Wiener Haus per September gesuoht. Offerten unter „Zuverlässig 1000“ an die Adm. d. Bl. **'■' Belehnung von eingelagerten Waren aller Art Verzollungen, Möbeltransporte, Loko-Erpressfuhren etc. Spediiioasöiiresu jfefipern & FriedlGmier Inhaber: HANS HEILPERN »3iä Wien, II., Taborstrasse 22 Tel. 41626 Reellstes Unternehmen, Sammelverkehr und Expressverfrachtungen von und nach allen Richtungen sofort greifbar Wien mehrere Waggons Waschseife von 45 bis 75 Prozent mehrere Waggons fia Kerzen rollend, bei f. Ger.nnri & Co., G. m. b. H., I., Lothringersirasse 3 (beim Schwarzenbergpl.) Telephon 407, V111 Tel.-Adr.: Gennarico BRILLANTEM ffirPerl^gohnttre, öclö,Silber,Platin, Oh?en, anoh verpfändete Pretiosen zahlt höohste Preise Juwelier 2856 rj»*H FORS iX..^lsei*sfrasse Aut Wunsch kommt Vertreter Telephon 20787 Separiertes Sprechzimmer »Sa kw Schone Perlschniäya ESnällcsDe-fneti Jnwelun zahltimölicr- »VSSScmttSn ,rr,ffei,c Preise nur « Juwelier ßabinowifsch H.Stepbanlest..Nr.3, nurNr.3(im eig Hause) Samstag geschlossen' L8 Ein jüdisches Blatt ist unsere beste Waf/e in allen inneren und äusseren Kämpfen LebonsbesStipfnis in unseren Tagen, da sich alles gegen das Judentum verschworen zu haben scheint, da die grimmigste Hetze blüht, ist für jedes jüdische Haus ein Blatt wie Pas Jüdische Echo I Das Jüdische Echo kommt dieser Aufgabe in vorbildlicher Weise 8 nach. Es unterrichtet über alle wichtigen 1 Angelegenhieten. es kiärt auf über die Bestrebungen in unseren Reihen sowohl wie über die der Gegner Wirksames Insertionsorgan Abonnement: Vierteljährig M.3.15 / Ganzjährig kl. 12.60 zuzüglich Postgebühr ¥erlag des Jüdischen Echo München E!i>* Herzog-Max-Strasse Wik», 4 SB it bitten unsere verehrte« Leier ficki bei allenSiukansen aitf die „Wiener Morqenzcitung" z« berufen. Sie trage« vadnrck viel zur Forrcrnnj, «nscrek ÄlntteS bei. WT Schreibmaschinen-Farbbänder MARSCE "M® Billigste*' u°ä Preise! Haltbarkeit! Telephon 24G6 V111 WaktOT L Co., Wien m. XsultQSSL-Sv 26 Vertreter gesucht! Wiederverkäufer Rabatt! Alte Farbbandspnlcn werden gekauft! War durch 20 Jahre in diversen Bureaus, zuletzt in leitender Stellung tätig. Bin gegenwärtig infolge Auflassung des Betriebes, in welchem ich zuletzt tätigte, stellenlos und siiclie Me SIS Kleiner Anzeiger Allgem. Verkehr Telephon 40137. isahle 75»'Prozent mehr alS jeder ,'ür «Siyeltfltc ftleiier, Uutiornicn, Srfm&t Wäiche, Miibel. Beiisederu und' Berlassenschafleil. Fahre srdtmärt?. ' f?. Voidberg, Trövler. 2. Dez.. Taborstratze öS. 105 Zähne Plomben ZI Besitze erstklassige Zeugnisse. — Gefl. Zuschriften unter „Zufriedenstellend 213“ an die Adm. d. Bl. * «»«Oft! : t«ßR«e*r^ UND . VERLAGSGES.M.BH. WSCM, IX. UECHTENSTEIHSTR.21 TELEPHON 32 014 “jjcck "yi'-ir Alte mhche Zahne Kotd, TUber und Platin, auch Slntiquitäte» kauft zu hüchsteu Preisen SvezialtstBraunstein, l. Bezirk. Welddnrggasse kv. nur S. Stiege, Tür *>. Wege» Warenmangel zahl« höchste Preise. 80 t« $ \q s a la su ri v» ‘jr «f Oi Ft A i Ol Zi s. mit Narkose *16 IX., Althanplav Nr. 4 (»eb'rn Franz IosefS-iLadn) Horrende Preise zahle nur ich für Herren« und Dameiikkeider, Möbel, Tevpiche, Kaffen Klaviere.Uniformcn,Prerdegeschirre, Stoffe, EchrilnL, Antiquitäten, über« baup« gaiizr Berlaffenschaften, Schreiben, lorniue pünktlich. Gold» staub, 1. Bezirk, LandeSgerichlS' straffe iv. «79 Mm! Mgffh jlmit! Telephon 728t und ÜSK/TI. Ich faurc tmb zahle die höchsten Lceiic sür Herren» u. Dainenkleider, Unijonnen. Schuhe, Saltel«»(i, Velze, Möbel, Teppiche, VTititnui* täten, Klaviere, insbesondere ganze Berkuffenichaften. 77 Karle aeimgr. Köinuie ichon. m\ L*udtiD»'j.W£U» IV.. Rechte Wienzeilc Bo Straffklibabillinst «l und 6". Brillanten, (tzoldunfi Silbcnoareii sowie falsche fjabne werden zu den denkbar höchsten Preisen bezahlt. Adols Kallai. Inwelier, 1. Bez., Rote», ttirinstr. 20, Gaffenladen. Telephon Nr. 5212/V. *i OLD Perlen, Platin,Silber, Uhren, n BRILLANTEN kantl reell nfltyeleiigeJcMU Up8chitz,l. Brandstätte 5 Ecke Baurrnwartt. Tel. 65965 Billigste Bezugsquelle für neue »nb von Kerrschafte» abgelegte Herrenkleider R. ReimannK Nachf. E. Golvverg, Weib. bnrggaffe 9. 2?ir;;anin. 101 CTffEBWH Käufe, Verkaufe Zuckerwarenerzevgnng samt Berknufsranm, auch istr andere Erzcuq,mg geeignet, ist zu verkaufen. AnSkuiist: Friedberg & Cö., 9. Bez., Dreihakengasse 12. 8298 Gebrauchte, gut erhaltene Hausnöhuiaschine (Singer«Ringschiff) preiswert zu kaufen gesucht. Gest. Zuschriften unter „Beainnr lL5>"'an die Adin. de» Blattes. 125 Allerlei jiid. Bücher kamt Spitzer. tl„ istegerlegaffe 5, 2. Stock 1t. Karte genügt.?.»71 Peusionen. Mittagspension Deutsch Menü K50 u. K SS IX., Alserstrasse 12 mmm Wohnungen. . ftabtuett dringend geinckt von soliden! Herrn Gest. f!»schri'lkn unter ..M. Ol. 1121 an die Sftmi. des Blatter. 112 Offene Stellen. Suche für größeren Haushalt perfekte jüdische Köchirr mit guten Zengnisten. Sehr gute Bedingungen. Lorzusprechen täglich 2—9 llhr. 2. Bez,St''pbaniestr.12/f5 9891- Stellengesuche. Alleinstehende, iuteMz. ksra». ans gute« Hause, arsetzlc» Alter-, sucht Stelle als Wirtschafter!« bei alleiustehcndenr Herren oder iai imitteuloicm Haushalt. Zuschriften au M. S., lv.. Goldeggaffe *7/14. ■ ISO Suche Stelle als Köchiu ffirDreivierteltage. Zuschriften unter ..Koscher 8182* an di« kldmin. deG Blatter. *218 u n t err r ch t. Steuographie Maschinschreibe« kaufmännische Fächer Sprachen ««« Schule GUTSCBI 2. B., Leopoldsgusse ÄN Wiener Studnerlokalc. IN.» Rudolf v. Altplatz S Borbereitimg zu allen Prüfungen nach den Ferien, Durchgesallene und solche, welche nicht die nötige» Bore fludien haben,können in eine Handelsakademie, Technvl. Gewerbevstsevm«' SlaalSgelorrbeschnle und verwandte Lehranstalten gebracht werden, Eprcsti iiunden: DienStag bis Freitag 7. bi : 5 Uhr. BollcS Honorar nur „ach Erfolg. Referenzen. SS0« Wohnung» 8. Bezirk, Rühe Arrnbergring, 2 od. 5 Zimmer mit Badezimmrr, von einzelnem Herrn gesucht. - Offerten unter „ö. 100* an dl« Adm. d. Bl. io» Gebe Unterricht im Fuamästfcheu unt» Nnmänischeu <Kon»ersatiorr). Gehe auch al» Wirtschafteri« odev Gssettschafterm evruiuell;u Hinderir, Deheursche dir polnische« eusstsche und slowenische Sprache und bin in nUtm häuslichen Arbeiten demaudrrt. West, Jusäsik« unter .ArboitamrUiK^ a« die Adm. d. Kl.;is Familienanzeiger. Meinem Bruder und Lchwiigeri» Simon nnd Berta (YkiiikSmann wünscht zur Eeüiirt ihres TSchierleinS Lara Liba .'«in »erstilves .Maseltos". Chouinah Lezaisk. ' itot JAKOB GELLES Spezialist kür Stninipfu«S Wirkwaren I., Kotgasso 1 (Ankerhof). T»l. 19310. Jüdische Aeitungsu. Verlagsgesellschaft m.b.H. Beramworülchür Redakteur Samuel Polak. , Buchdmckerei u. B.-L Ignaz*1 rt ar -, WM.cn. pCj ■, (vmmtwsrüichtt Leiter HausFolteri. G. m.b.H. 6 B22C

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.