Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 568 (21.8.1920)
- Date
- 1920-08-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 568 ' Men, Samst >»■■! . .. , ----— H8 ersten Male auch ein Rückgang zu verzeichnen. Während bis ftm Montag für 1000 Stück Ziegel ab Werk noch K 2500 ^fordert wurden, ist nun der Preis auf K 20 0 hrrrlbgemmdrn »orden. ES ist dies immerbin eine' sehr bcmerkcnöwene. 20°/o «rfassende Reduktion. Der Anstoß hiezu ist von der Gemeinde Vieü ausgegangen, deren Werk in Oberlaa in der Lage |H»r,f alle übrigen Ziegeleien zu^ unterbieten. Ganz «nilch liegen die Verhältnisse beim Kalk. Der Preis iür Prima hinterbrübler Kalk, der die Hohe von K 240 für lOO iMo» «ramm schon erreicht batte, ist bis auf K180. gleichfalls durch die konkurrenz der städtischen Betriebe beruntergedrückt werden. Wenn ,uch diese Herabminderungen gegenüber den Friedenspreisen, wo vm Beispiel 1000 Stück Ziegel schon aus den Bau gestellt nur t 60 kosteten, noch immer nicht in die Wagichale fallen und die Ilnfnabme einer Bautätigkeit gewiß nicht ermöglichen, so sind sie »och sehr wünschenswerte Verbilligungen bei vielfach noch im 8uge bcstndlichen Reparaturen und vor allem anderen deswegen »emcrkcnswert, weil endlich die bisher ganz unun! erb rochen vollogene Aufwärtsbcwegung insbesondere durch das Eingreifen der Nememdebetriebe ein Ende erfahren hat. . Pelzfellmefse in Luzern. Die Exportabteilung der Handels- und Gewerbekammer teilt mit. daß vom 22. b-s 16. September 1920 nt Luzern die IV. Internationale Pelffellnessr abgehalten wird. Nähere Mitteilungen sind in der Kammer «hältlich. Die nngarische Getreideernte gesperrt. Me ans 6 u d a v e st gemeldet wird, nimmt eine gestern im Amtsblatt .rfchienene Regierungsverordnung die ■ Weizen-. Roggen- und Nengkornernte des Jahres 1920 unter Sperre. Die auf den Leien Verkebr-.dieser Getreidearten bezüglichen, bisher in Geltung lewesenen Bestimmungen werden außer Kraft gesetzt und noch ttcht effcktuierte Kauf- und Berkaüfsgeschäfte für ungüliig erklärt. Infolge der nunmehr erfolgten Sperre haben förmliche Nichtielbstversorpkr ohne Rücksicht aus ihr Einkommen Anspruch auf behördliche Versorgung. Die Ausfuhr und Einfuhr Frankreichs im Juli -11920. Wie aus Paris gemeldet lvird, beziffert eine amtliche llebersicht den Wert der in der Zeit vom 1. Jänner bis 31. Juli t emgeführten Waren auf 21.760,742.000 gegen 19 022,210.000 strancs zurgleichen Zeit des Vorjahres, den Wert der auS- «dfuhrten Waren auf 12.006.630.000 gegen 4.776.402 000 Francs im Vorjahre. vErsterer weist somit eine Steigerung um 2.738,602.900 wd letzterer eine solche um 7.230,228.000 Francs auf. Wiener Börse. Die Giundstlmmmig an der /gestrigen Börse war ziemlich fest mit Rücksicht auf dem neuerlichen Rückgang unserer Krone, doch war der Verkehr eng begrenzt, da sich das Hanptirueresie wieder dem Devisenmärkte zugewendet hatte.. Im Vordergründe des Interesses standen Alpine-Aktien, welche in größeren- Posten zu steigendem Kurse aus dem Markte genommen wurden und eine Avance von L20.—ankzuweisen hatten. Im Schranken zeigte sich wieder gesteigerte .Nachfrage nach Petroleumwerteu. So stiegen Fanto um K 400.—, Güizi, um K 410.— und Schodnica intt K 350.—. Von den Transportwerten prosttierten Adrra K 500 —, Dampfschiff K 240.— und Namgazione K 1025.—. Berg- und Hüttenwerke gewannen K 330.— und die Aktien der Ungarischen allgemeinen Kohlen K 120.—. -Späterhin verringerten sich die Umsätze und trat in der'Kuliffe eine Abschwachung ein, da des Wuchknschlusses wegen Realisationen zur Ausführung gelangten. Bloß Alpine behaupteten ihren Höchststand. Bon den Renten wurde österreichische Äoldrente 3l/a°/0 höher bewertet. Im übrigen verweilen wir auf ^--chsteheude Schlußkurse: Jndustvic-^lnternehmungen. Allgemeine Bangefell- Aüfl —Nnronbau —(-.—), Wiener Ballgesellschaft (-.—). Königshofer Zement — .— 17" T’~ Perlmooier Zement 2310.— (4- 60.—), Wienerberger Zregel 1665.— (st- 15.—), Liesinger Brauerei — Saraievo (-AussigChem. 6850.- l st- 60.-> Brosche Spiritus —(— —Carborundum — Clothiwe 2112.- (4- 7.-), A. E- G. Union Elektr 1ZOO.— (—40.—), Ver'ernigte Elektrische 1055.— (+ 1.—). Siemens Schuckert 1491.— (4- 7.—). Alpme 3495.— (4- 220.— Berg-und Hüttenwerke 8880.- (4- 330.—). Austrra Email 8595.- CT'ctrcr ' (4-. 75.-). Eghdier 1899.- (- 1.-),.. Eirzesscli>er - -Felten & Guilleaume —.— (— —), Grein,tz Ersen -- (— —Hütter L..Schrantz 1"66.— (4 6 -0, Kruvv Ä.'G. 1476 50 4 415(U BolKchütie 21025.—), Prager Eisen 6190.— ‘4 65.—). Rimamüräny 3049.— (4 149.—),Skodauier!e 2260.— I—4.—), Wast'enfab.rit 2840.— (— 25.—), Brürer Kohlen 6380.— (4 80.—),' Gran- Szaszvarer —(— —.—), Nordnng. Kohlen 2350.—'!— —,—), Obcrung. Hütren 3240.— (— 10.—), Rossitzer — l— —.—). Salgo - Tarjaper —(— Tnsarler Kohlen 3250.- (4 110.-), Ung. Allg. Kohlen 7100.- (4120.—), Urikanh 4325— (— Veitseher Magnesit — (- —Westböhm. : *--), Dolfsegg 1390f— 10.—), Danek Maschinen 2125.— (4 25.—), Brunner Maschinen 1835.— (4 5.—). Daimler Motoren 1119.— l4 19.—), Fratwerke 1260.— 1412.—), Heid Maschinen 746.— (4 5.—). Hofberr & Schrantz 796.— (— 21.—). Sigl Lokomotiv 1400.— (4 38.-). Rnston 2168 - (— 11.50)/ Simmermger 1105.— (-Elbemühl —(-.—), Lehkam-Iosefstbaler 2160.— (-Neusiedler 7990.— .(— —.-—). Apollo 4020.— (— —.—). Fanto 20.100.— 4 400.—), Karpathen 11.2-00.— (— 47.50), Galizra 21.870 - (4 410.—), Schodnica 13 000.— (4 350.—), Cosmanos 2595.— (4 20.-), Fezfabriken (— Schoeller Zucker —.— (-;—), Srbönpriesener —.— (— —.—), Oesierr. Eisenbahnverk. 2125.— (4 27.—V Una. Eisenbahnverk. 1020.—^ 44- 5.—), Wiener Waggonfabrik 1050.- (4*30.—), Gerugroß 695.— (4 1—), HolzbandelSgesellschüft —(— —Tmkenlose 2060 — (-20,-). Dransport-Auternehmungen.Adria 12.400.— (4,500.-), Aussig-Teplrtzer —(— '—.—), Buschlehrader lit. A 3580.— (4 180.- \ Busch(ebrader lit. B 1550.— (— 40.—), Donau- Dampf. 9200.— (4 210.—), fferdina'nds-Nordbahn 12.100.— (-Graz-Köllacher 3020.- (- 5.-), Kaschau-Oderberger 1320.— (4 25.—), Lemberg - Czenrowitzer 1860.— (4 40—), Lloyd —(— —), Navigazionr 9975.— (4 1025.—), Staotseisenbahn 3290.— (— 5.—), Lombarden 764.— (— 6.—). 3% Siidbahn-Prior 1033.-- (4 8.-), Staatsbahn- Genußscheine (-,—). Rente«. Mairente 89.— (-.—), Februarrente 89.75 (4- —.251. Oesierr. Kronrnrente 87.50 (-.50), Oesierr. Goldrmte 136.50 (4 3.50), Ungar. Goldrente —(— Ungar. Kronrnrente —(-.—).. Danken. Anglo-Dank 707.— (— 5.—), Oesterr.?-bosn. Bank 648.— (-.—), Ungar. Bank und Handels. 920.— 1- -.-), Bankverein 780.- (— 7.-), Bvdrnkredit 1652.— (4 4.—). Ocstcrr. Kredit 902.— (— 15.—\ Ung. Kredit. 1725.- (4 25.-), Depositenbank 730.— (— 15.—), Nrederöst. Eskompteges. 1105.— (— 5.—), Ung. Hypothekenbank 520.— ■.— 10.—), Länderbank 945.— (— 11.—; Bosn. Land cs bank 645 - (4 10.—), Mercuc 832.- (— , 3.—), Oesterr.-ungar. Bank 5350.— (4 5o.—, Univnbank 805.— ' (— 7.—), Verkehrsbank 614— (4 12.—). Zivnostenska 1610 (4 2.—). Berliner Börse. Berlin, 20. August. Die Alarm Nachrichten aus Oberschlesien über den Einbruch der Polen wurden v'on der Börse mit verhältnismäßiger Ruhe ausgenommen und übten eine Rückwirkung weniger auf die Kursgestaltung als auf die Geschäftstätigkeit aus. Diese hielt sich in engen Grenzen, da. die Spekulation mit Rücksicht auf die noch.unübersehbare-rr^ Folgen dieses Zwischenfalles eine stark abwarteilde HWMg zur Schau-trug. Oberschlesische Montanwertegaben anfangs rrur vereinzelt bis 5 Prozent,uach, doch vergrößerten sich dis Rückgänge zeitweije bis zu 8 Prozent. Später trat jedoch wieder eine Erholung ein, als auf Grund der weiter eingelaufenen Meldungen die Lage in Oberschlesien mit kühler Besonirenheit und eher günstig beürteilt wurde. Die anderen Montanpapiere wurden weitaus weniger in Mitleidenschaft gezogen. Thale-AMen zogen sogar wegen der sich in diesem Papier« abspieleyden Majoritätskämpse um 60 Prozeyt im Kurje an, mußten aber späterhin'wieder 20 Prozent abgeben.. Auf den übrigen Ilmsatzgebieten trat die Widerstandsfähigkeit ausgesprochener in die Erscheinung, indem Färb-, Elektvo- und Kaliwerte ihren Kursstand zumeist etwas aufbessern konnten. Die Erholung des Markkurses im Ausländ .bewirkte ein Nachgeben der ausländischen Devisenpreise und - im Zusammenhang damit trat auch in Valutawerten, vornehmlich in Canada Pacific-, Baltimore-, Schantungbahn-, Deutsch Ueber- 21. August 192,0 Seile see- und Türkischen Tabak - Aktien, ein ziemlich) empfind- ’ licher Rückschlag ein. Der heimische Rentenmarkt' zeigte nur wenige Verschiebungen; Mexikaner schwächteil sich etwas ab-. «> vil@n Georg . Cochplatz 3 Telephon 18-1 »35 Kulanteste Durchführung aller bankmässigen Transv aktionen sowie Besorgung von Zahlungen und Ueberweisungen an alle Plätze im In- und Auslande EBgerae ECorarssposadentcn En ßcrSiK, Budapest Pcag,. Krakau, ügram 409 Die Devisenkuvse. . Wie«, 20. August, kKurie der österr. Devifen^nuatr.- Amsterdam 7200.—i7100.—). Berlin507.50i50250'.Zürichs 3675.7- (3625.-), Chrrstiama 3850.— (3300.-), Kopeuhagtn^ 3300.- (3250.—), Stockholm 4675 - (4600.—X Mark-Noten 504.50 (499.—), Lei-Noten 480.— (470.—'. Levä-Noten 365.— (36h.—), Schweizer Noten 3650.— >3600.—). Französische Noten 1700.— (1700.—). Italienische Noten 1150.— (1150.—), Englische. Noten 790.- (780.-). Dollar-Noten 23).- (230.-), Rubel-Noten (Romanows) 290.— (290.—). . Wien» 20. August. (Kurse im freien V erk e h v.) Agram 237.—-bis 257.—, Budapest: Zahlung in Postsvarllisiageld 96.— bis 113.—, Büdapest: Zahlung in gestempelten Ncten 9K.—bis 113.—, Ungarische gestempelte Noten 98.*— bis 113. -, Warfchan, Krakau m poln. Mark 89.— bis 99.—, Vmg 899.-" bis 424.—, Tschecho-slow. Kronennoten 5000er 396.— bis 420.—. kleinere. 397.— bis 421.—, Neue Dinar-. Noten 975.— bis 1025.—. ' , Prag, 20. Anaust. (Kurse der Devisenzentrale.) / Amsterdam 2023.50 (1863.50), Belgrad 253.- (253.-), Berlin 121.75 (121.75), Bukarest 131.25 (125.25 >, Sofia 160.75 (101.25) , Zürich 1018)50 #78.50), Kopenhagen 908.50 \888.50), Stockholm 1248.50 (121Ü.50), Mailand 287.-!- (265.-), . Bans 439 - (429.-). London 223.- (219.-). New-Pork 60.— (59.--)/. Wien 24.25 (24.25^, Brüssel 469.— (455.-), Agram 62)50^42.50^ Warschau—.— (-^-.—)> Büdapest. 26.75 (26.75), Jugoslawische Noten 249.— (249.-4 Marknoten 120.75 (120.75), Rumänische Noten' 127.25 (121-25). Bulgarische Noten 98.— (98.50),- Schwerer Noten 1014.50 (974.501, Dänische Noten 904.50 (884.50), Schwedische Noten 1244.50 (1214.50), Italienische . Laoten 284.— (282.—), Französische . Noten 436.— (426.—), ' Englische Noten von 1 Pfund Sterling aufwärts 221.— (217.—),' bis ,1 Pfund Sterling ,220.—. (216.—); Amen-, kartifche. Noten von 10 Dollar' aufwärts- '59.— (58.-!-), von 1 bis 10-Dollar 58.— (57.—), 'Oestcrreichifcke gestempelte Kronen 23.25 (23,25),. Holländische 2018.50 (1963,50), Belgische 466.^i- (452.—), Serbische Noten —(—.—). . Berlin, 20. Ängust. (Devisenkurse-) 4 . Amsterdam 1613.35 (1648 35), ' Antwerpen 379.60 (387.10), Christiania 739.25 (740.25),' Kopenhagen 741.75 (744.26) , Stockholm" 10265.0 (1031.50), -Helsingsors 157.80 156.80), Italien 230.75 (237.25), London 179.80 (181:80), (New-Nork 50.07 l(, (50.07Vs). Paris 356.65(359 60), Schweiz 834(15 (831.65), Spanien 754.25.(749.25), Wien altes 21.22 (21.47), Wien abgestemvelt 22.09^2 (22^92), Prag. 81.90 (81.65), Budapest 21.09V- (21.47). '; Zürich» 20. August. (Devisenstlrse. — Mitgeteilt von der Schweizerischest 'Kreditanstalt.) ■ ’ " Brrlrn 12.— (1190), Holland 197.80 (198.—), New-Aork 601.— (601.-). London 2163 (21.70>. Paris 42.80 (42.90).' Mailand 27.75 (28.—),. Brüst;! 45.18 (46.—), Kopenhagen 89:50 (89 5.0;, Stockholm 124.— (123.50), Ebristiania 89.50 89-50), Madrid 90.40 (90.—). Buettos-Aires 230.— 230.-), Prag 9.50^ (10.-). Agram 6- (6^20), Budapest 2.65 (2.75), Warschau -- (-.-), Belgrad 24.- (25—); Söicn Geld 2.65 (2.70\ Wien Ware —(—.—), österr. gest. Kronen Geld 2.70 (2.75), österr. gest. Kronen Ware c)>!achdnuk verboten.) Marienbad. ^kstt Roman, sondern eine überaus verwickelte Geschichte, die Mlschtst Warschau und Marrenhad spielt, in 36 Briefen, 14 Billet-doux und 46 Telegrammen. Von Scholem Alejchem. Aus dem Jüdischen übertragen von S i e g f r i e d S ch m i tz. (7. Fortsetzung.) - Von tzben der Madam« 'Tschapnik. Wie l>as gekommen ist. das will ich Dir ganz genau erzählen, so wie es sich abgespielt hat. Zu lun gibt es hier «hnedies Nichts und mau kann vor Langeweile beinahe ver- (rückt 'werden; also will ich für eine Viertelstunde.Schriftsteller werden. Nur um eines hitte ich Dich, Schlojme: Mles, was ich Dir von den Dingen» die hier Vorgehen, schreibe, muß Geheimnis bleibem Da Du mir in Deinem Brief Vertrauen geschenkt hast, weil Du weißt, daß ich ein Geheimnis bewahren kann, deshalb will ich, auch Dir Dinge anvertraueu, die ich. sonst keinent anvertrauen würde, selbst' meiner eigenen Frau nicht; Und ich bin sicher, daß alles unter uns bleibt.; Vor allem muß ich Dir dieses Marienbad beschreiben, damit Du weißt, wie man das' ißt und was das ist. Hieher kommen.'Leute, welche Gott mit Geld fülle gesegnet und mit Leibesfülle gestraft hat: (ich glaube allerdings, daß es umgekehrt ist: Sie sind tzestraft mit der ^eldfülle und gesegnet mit der Leibesfülle. Denn sie sind die Unglücklichsten in der ganzen Welt. Sie wollen essen und dürfen nicht. Sie wollen igehen und können nicht. Sie wollen liegenr und dürfen nicht! „Sie müssen gehen, je mehr, desto besser, nur Bewegung machen" — sagen die Doktoren. „Sie Müssen abnehmen, je mehr, desto besser!" — sagen sie. „Abnehmen" heißt in unserer Sprache den Bauch verlieren, ein wenig magerer werten. Und fürs „Abre^uen" yibt es ein Mittel — Marienbad. Und es nimmt ab, es nimmt einen verteufelt ab! Und worin besteht das Geheimnis? Daß 'man hier ißt, was Pharao essen möge — etwas Anständiges läßt einen der Doktor!.tzrMt essen — und .nur davon sich nährt, daß man am Margen ein Glas von dem verfluchten Zeug trinkt, das sie ,-Kreuzbrunn" nennen. Ich sage Dir, das schmeckt, warm und auf nüchternen Magen, daß man ohnmächtig werden kann! Und während Du es trinkst, mußt Du spazierengehen, Bewegung machen, 'wie es der Doktor nennt. Und nach dem Getränk mit Bewegung Haft Du Lust, etwas in den Magen zu kriegen; deshalb gehst Du nach Haufe essen und da gibt man Dir e-jn „Frühstück", kein Essen. Sag' selbst: Ist daS ein Essen?^ Fleisch — nicht; Eier n nicht; Semmel — nicht; eine Schale Kakao" Md ein Stückchen Zwieback, das , ist das ganze „Frühstück". Und nach dem Frühstück schickt Dich der Doktor erst recht spazieren, Bewegung machen und da kriegst Du den richtigen Appetit; und wenn die-Zeit des Mittagessens-kommt, bist Dü bereit, einen ganzen Ochsen samt den Hörnern zu verschlingen. Aber der vbergescheite Doktor sagt: „Nein, lieber Freund! Wenn Sie so fressen"- — sagt er -- „so werden Sie einen Schmarren abnehmen und nicht einen halben Zentner Fett" — sagt er — „und werden nie in Ihrem" Leben Ihren Neisesack loswerden!" Kurz und gut, Du kannst mir glauben: Es ist eine Hölle. Die einzige Freude ist, daß man dem Doktor einen-Streich spielen kann. Er heißt, alles Uebel essen — das soll er nur selben. Er befiehlt zu gehen — soll er selber gehen! Wir setzen n/rs lieber zu einer kleinen Preferance hin. Nun hat das den Nachteil, daß nicht einmal ein Dritter da ist. So muß man zu zweit Sechsundsechzig spielen. Du weißt, daß ich dieses Spiel nicht hasse. Mit wem aber kann man hier Sechsundsechzig spielen^ wenn nicht mit der Madame Tschapnik? Das ist Dir.eine Madame! Berl Tschapnik, den Du doch kennst, ist ein Hund gegen seine Frau. Ich sage Dir: Das ist ein göttliches Frauenzimmer! Sie spielt einfach großartig. Da steckt sie drei Mannsbilder in die Tasche. Nur eines sie ärgert sich halbtot, wenn sie verspielt. Und wenn sie verspielt, zahlt sie nicht. ,^Zch bin doch" — sagt sie — „so ziemlich vertrauenswürdig und iG, Notfall" r— sagt sie — „wird das mein Mann"- sagt sie « „schon bezahlen." Wie gefällt Dir diese Zahlungsanweisung? Uber wenn sie, bloß gern Sechsundsechzig spielte, das wäre noch ein halber Kummer. Da' ist aber noch etwas Unangenehmes' — sie liebt es, daß man mit ihr in Marienbad spazieren, geht. Das bloße Spazierengehen wäre auch noch -zü ertragen; da ist aber noch etwas Unangenehmes —( Spazierengehen, heißt bei ihr. in alle Läden eintreteu, Okkasionen kaufen, die Deutschen beschwindeln >— und dabei schaut gewöhnlich ein Darlehen für kurze Zeit heraus, Las heißt auf Nimmerwiedersehen. Ich sag« Dir: dieses Weib ist eine Plage Gottes! Urch nicht loszuwerden! Dazu will es mein Pech, daß ich der einzige . auf dem Jahrmarkt bin! Sonst gibt's hier kein «einziges männliches Wesen von den Nalewki, lauter 'Weiber. Da ist zunächst Bronja Laufermann, Lejcie-Brauchstnhb, die Madame Schercnzes mit der Madame PeleleZ; dann die-Jamaikerin mit ihren drei übertragenen Main-- selten, deren Alter in Marienbad berühmt ist. Sie wären übrigens" ganz nette Mamsellen, wenn sie nur nicht die Nassn hätten. Dü siehst: In dieser Saison sind in Marienbad die Weiber vyn den Naleivki besonders gut geraten, und lauter Weiber, junge Weiber, Damen, unzählige Damen!' . Zumeist sind hier dicke Weiber ans Bialystok, aus Kischenew, aus Jeka-. jerinoslaw, aus Kiew, ans Rostow, aus Odessa.und Gott weiß woher noch aus der weiten Welt; sie kommen angeblich zur „Kur" her, in Wirklichkeit aber meinen sie Männer für ihre Töchter, die Mamsellen, die schon „fällig" sind. Sie gehen in Samt und Seide, tragen volle Hälse mit Perlen und stellen ihre Mamsellen aus.- Sie sprechen „Deutsch direkt aus Kamenetz" und mustern scharf jeden Mann, als wollten sie' sagen: „Bist Du unverheiratet, so konnn' 'her; bist Dü verheiratet,'.so geh', von wo Du gekommen bist . . Um diese Mütter kreist, mie eine Biene um Blumen, ein Mensch rnit einem Zylinder: er heißt Stoirski.. Hinter dem Stvirski steckt ein Jude, ein Schadchen. Er ist ans unserer. Gegend, aber er spricht, nicht Jiddisch, selbst wenn Du ihn er-' schlageii würdest, sondern nür Deucsch. " (FoMung fotßtO