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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-13 · Heft 560 (13.8.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 560 (13.8.1920)
Date
1920-08-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Vkr. 560” Wien, FreÜag «rsstelldsn und z-^hlrnmäßig viel stärker vertreten waren irlL die meisten ««deren Staaten, jedenfalls aber stärker vltz sämtliche übrigen .S.nkzessionsstaaten. j!' Nnrr ist die Mark jetzt infolge politischer Ursachen Bolschewismus an Deutschlands grenzet), vor aMm aber infolge des Abkommens von Spa, das das deutsche Wirtschaftsleben her denkbar schwersten Belastungsprobe unterwirft, die Mark stark zurückgegangen rmv hat die Krone mitgezogen.! Die angeführten Ursachen haben genügt, um heim tz^'sden besten Vorstoß den Baisse auch den Kurs der österreichischen Krone zum Weichen zu bringen. [j Interessant ist dabei, daß die V e r m ögensabtzabe ihr« .Wirkung im,. verfehlt tzv haben scheint. Man hat anscheinend in den leitenden tziWflzsreisstz DeMPW Besserung des Krmenkurfes auf Wund der Vermögensabgabe erwartet r™ bgs Gegenteil ist eingetreten: Die. Vermögensabgabe äst Gesetz geworden und' der Kronenkurs vorläufig ge- Wlen. Womit neuerdings unsere Voraussage bewiesen erscheint, daß her Kronenkurs in weit höherem Maße vom Privatkredit als vom Staatskredit abhänge. i Ao ungünstig nun im allgemeinen die Wirkungen des gesunkenen Ackrses sein mögen, so wäre es doch verfehlt, anzunehmen, daß daS Sinken des Kronenkurs-es gerade jetzt nicht auch einzelne günstige Folgen haben könnte. Wohl wird Oesterreich wieder höhere Preise für sein« Lebensmittel- und Nohstoffimpor^ bezahlen müssen, die (übrigens noch gar nicht ab gebauten) Preise w erden neuerdings etwas in die Höhe gehen, die Gefahr neuer Streikstöße wird akut — aber andererseits könnte vielleicht doch das stagnierende Geschäftsleben durch neue Uusfuhrmöglichkeiten wieder gehoben werden, vielleicht wird doch — so ungereimt das im ersten Moment klingen mag —• auch die Produktion dadurch ein wenig gehoben Und Oesterreich entgeht dadurch vielleicht dev allerschlimmsten Gefahr, der drohenden großen Arbeitslosigkeit, dieser ärgsten aller Krisenfolgen, von der auch Deutschland jetzt in so hohem Maße bedroht ist. > Ueürigens ist es wahrscheinlich, daß. der Kronenkurs sich in absehbarer Zeit wieder halbwegs stabilisiert, Und schon eine verhältnismäßig geringe Erhöhung des 5 Kronenkurses würde ausreichen, um alle geschilderten bösen Folgen des. Sinkens der Krone zu vermeiden. , Die Leipziger Messen. s Leipzig, 10. August. Zu der vorn 16. bis 21. August stattftndenden technischen Messe und zu der allgemeinen Mustermesse vom 29. August bis zum 4. September haben sich bis jetzt 12.500 Ausstellerfirmen angemeldet, das find um 2000 Firmen mehr als zu der entsprechenden Zeit der Frühjahrsmesse. [ Das Erträgnis der indirekten Steuern in Frankittch. Aus P a r l s wird gemeldet: Das Ertragnis der indirekten Steuern und Monopole im Monat Juli d. I. beträgt FrcS. 1.109,011.200, übersteigt die budgetäre Schätzung um FreS. 838,684 000 und den vorjährigen Ertrag um Frcs.337,915.000. Die ersten sieben Monate erbrachten gegenüber dem budgetären Voranschlag einen Mehrwert von Frcs. 1.973.498 200 und übersteigen die vorjährigen Einnahmen um 2 Mrllrarden Francs. — Dieses ErgebmS >st ein derart günstiaes, daß die Hoffnung nickt unberechtigt erscheint, daß Frankreich sich aus eigener Kraft über die ungünstige Finanzlage hinweghelsen und seine devalvierte Valuta verbessern können wird. Die Red. i . Valutenkurse. Im gestrigen freien Verkehr unterlagen Dollarnoten mehrfachen Schwankungen. Die übrigen fremden Zahlungsmittel waren nach aniänglicher Festigkeit >m Himblick ans die Besserung unserer Krove^ nachgrbend. 'Es Wiener Moegetrzettung 13. August 1920 Seite 1' notierten: 8 einoten K 4.80, Rubelnoten K 8.42, Marknoten grün L 4.81V-, Lire K 11.25, Dollar K 219.50 nach K 221.- und K 216.-, Pfund K 795.-., Schweizer Noten K 36.—, polnische Mark K 99.—, Dinar K y.85, tschechische Nöten k 3.85, ungarische Noten kl 108.50, Auszahlung A g r a m K 252.—, Auszahlung Berlins 480,—, und ungestempeltes ot e y K 102.50. Bier-, Vranntweck-, Wein» oder Feuerzeug-Nachsteuer. Dw niederösterreichssche Hgnhels- und Gewerbewmmer macht darauf aufmerksam, daß zufolge Erlasses des Staatsamtes für Finanzen vom 6. August 1920 in jenen Fällen, in welchen an Bier- oder Branntwein» oder Weinober Feuerzeug-Nachsteuer ein Betrag von mehr als 1000 Kronen zu entrichten ist, es den- Parteien fveisteht, binnen der fest* geletzten. Frist HagW -im. HSlfW der Nachsteuer emzuzahlen, während der Restbetrag (2. Rate) binnen weiterer Pier Wochen'zu entrichten ist. . Parteien, welche van dieser Begünstigung ^DebrMchA machen wollen, Wüsten ihren Anspruch hierauf bei der Ueverreichung der Anmeldung her nachsteuerpflichtigen Vorräte, oder, anläßlich der Beamtß- Handlung der Anmeldung durch das Üeberwachungsorgan geltend machen. , 6« B mrner Börse. Günstigen Einfluß auf die Tendenz der gestrigen Börse übte der Beginn der Verhandlungen in Minsk, -ferner der Rückoang unserer Krone im neutralen Ausland. Auf Grund deS sinkenden Krvnenkursts waren namentlich die, Werte mit valntari'chem Charakter gefragt und Hoher. Zur Belebung des Verkehrs trug auch vielfach hie Wiederaufnahme des telegrciphnchen und telephonischen Dienstes bei. Nebst den Südbahnwerten waren von den führenden Kulrssewerten die tschechischen Papiere Gegenstand reger Nachfrage. Nach Erledigung der ersten Aufträge jrgt wieder Geschäslsstille zutage, ein Teil der ackanglickcu Besserungen mg verloren, was auch auf die mitilerwerle bekanntgewordene esserung unserer Krone zmückrwühren war. Immerhin behaupteten Skoda-Aktien emen Vorsprung von K lh0.—, Siaatsbahn gingen mrt einer Erhöhung von L 55 — und Nnstori mrt einer solchen von K 99.— aus dem Markt. Von den Sctirankenwerten setzten einzelne Kohlenpaviere ihre Aukwäitsbervcgung fort, auch Dampfschiff und Salgo-Kohlen wiest» Steigerungen auf. Der Gesanttverkehr blick bis zum Schluffe rühm/ Renten lagen still. Im übrigen verweisen wir auf nachstehende Schlußkurse: InLnstrie-Unternehmnngen. Allgemeine Baugesellsckast 720.— (4- 26.—), Unionbau —- (-.—), Wiener Baugesellschaft —.— (-.—), Königshofer Zement — (— -—.—), Perlmooser Zement —(-Wienerberger Ziegel —(— —.—), Liesinger Brauerei —.— (-- Sarajevo -.—), Aussig Chem. 6670.- l4-70.-1, Brosche Spiritus 2998.50 (4- 3.50), Carborundum —.— (— —.—•)# Clothilde 2150»— (-), A. E. G. Union Elektr. 1230,— (4- 15.—), Bereinigte Elektrrsche 1050.- (4- 20.—), Siemens Sckuckert 1515.— (-1- 10.—), Alpine 3190.— s— 30.—^, Berg- und Hüttenwerke 8500.— (— —.—), Austria Email — (•— —-.—), Egydier —(— —.—), Enzesfelder 1845.— (4- 25.—), Felten & Guilleaume —(--.—), Greinrtz Eisen 1990.— (— —.—). Hutter L Schrantz 1250.—(-.-), Krupp A.-G. 1435.— (— 15.—), Poldihütte 2445.— (4- 52.-), Prager Eisen 6395.— <4- 45.—), Rimamurany 3040.— (4- 20.—), Skodawerkt 2315.— (4- 130.-). Waffenfabrik 8850.— 4- 4.—), Brüxer Kohlen 6400.— (4- 250.—1, Grän» Szaszvarer 2910.— : 30.—), Nordung. Kohlen — l-.—), Oberung. Hüttm 3350.— (— 100.—),Rossitzrr 2640.— (4* 400.—), Salgo Tarjaner 5605.— (4- 105.—), Trifmler Kohlen 3170.- (4- 45.-),:Ung. Allst. Kohlen 7000-(- — Urrkany —(— —.—), Veitscher Magnesit (— —Gestböhm. 3100.-74-100.-). WoltSegg 1418.- >4- 23.—), Danek Maschinen 2025.— (4- 45,4-), BrÜnncr Maschinen 1790.— (4- 50.—)/ Daimler Motoren 1128.— (— 4.—), Fiatwerke1260.— (— —.—), Heid Maschinen 773.— (4- 8.—), Hvfhrrr & Schrantz 796.— (— -—.—), Sigl Lokomotrv (— —), Ruston 2199.— (4- 99.-), Simmeringer 1180.— (4- 1.—), Elbemühl —(-.—), Leykam-Josetsthaler (-Neusiedler —(— Apollo —(— —Fanto 17.350.— (— Karvathm 11.300.— (4- 100.—), Galizm —(-.—), Schodnica (— —.—), Cosmanos 2530.— (4- 20.—), Fezfabriken —(-Schneller Zucker —.— (-.—), Sckönpriesener —- (— —Oesterr. Eisenbahnverk. 1860.— (— 15.—\ Ung. Eisenbahnverk. 1020 — (— —.-—). Weener Waggonfabrik 1040.— (— 40.—), Gerngroß 720.— (4- 20.—), Holzhandelsgesellschaft 2397.— (4- 47.—), Türkenlose 1690.— (4* 84.—). Tranoport-Unternehmunsen.Abria 10100.— f4- 119.—V Aussig-Teplitzer —(— —.—), Buschtehrader Hi A —1 (— —Büschtebrader lit. B 1510.— (---), Dona»- Dampf. 9050.— (4- 90.—), Fetdinands-Nordlabn —: (*—Graz-Köffacher 3050.— (4- 80.—), Kaschau»Oderberger 1305.— (— —Ijemberg * Czernowitzer 1870.— (4- 20.—), Lloyd —>— —.—), Navigazione 8578.—- (l 75.—), Staatseisrnbahff32b0.—(4' 55.—). Lombarden 720.—' (—2.—), 3°/« Südbahn-Prior 1061.—(4- 17.—), StaatSbahn- Genußscheinc 2100.— (— 50.—). Renten. Mairente 90.75 f— —.—), Februanente 92.50 (•-Oesterr. Kroncnrente 88.25 s— —Oesterr. Goldrente —(— —.—), Ungar. Gökdrcmr —— (— — Ungar. Kronenrente —(-.—). Banken. Anglo-Banl 766.— (4- 12.—)« Oesterr.-boSn. Bank —(— Ungar. Bank und Handels. —^ l-7» —), Bankverem 761.— (4- 8.—). Bodrnkredit 1670.— (-Oesterr. Kredit 925 — (4- 15.—\ Ung, Krebst 1745.— (— 28.—), Depositenbank 749.50 (4- 1.50), Niederöst. Eskompteges. 1130.— (— —Ung. Hypothekenbank 510.— (— —.—), Länderbank 928— (— —.—), .Bosn. Landesbank. —(— —.—), Mercur 828.— (— —.—). Oesterr.,m,gar.' Bank 5055.— (4- 5.—, Unionbank 7^5— (4-- 2.—^ Berkehrsbank 593.— (4- 6.—), Zivvsstenskg 1570 (+ 24,—). Budapester Börse. Budapest, 12. August. An der heutigen Börse zeigte« die Kurse in der Kulisse und im Schrankrn bn geringen Umsaßew kmnn eine Veränderung. Nur in Südbahn-Äktien entwickelte stchl ein lebhafteres Geschäft. Ans dem Valutenmarkte zogen fast aste Notierungen bei regen Umsätzen irp Kurse an : Im ossiziellen Valutcnhandel notierten: Lei K 425.« bi-, K 435.—, Mark K 440 — bis 450.—, Pfund Sterling 725.-^! bis K 735.— , französische Franken K 1350.— bis 13904—J Schweizer Franken L 3350.-— bis 3450.—, Dollar K 195,—* his! K 205.-, Napoleons K 710.- bis 780.-, L>re K MO.— bis 1080.—, Rvmanow-Nubel K 310— bis 320.—, Sokols K 345.— bis 360.—, osterr. Noten 89.—bis 94.—, Kronen- Dinars K 895.— bis 910.—, Franken-Dmars 995,— hiß 910-, Leva K 385— bis 405.—. Von Devisen notierten: Amsterdam K 6200.— bis K 6409.—. Kopenhagen K 2900.— bis K 3100,—, Chrrstiania K 2900.— bis K 3100.—, deutsche Bankplätze K 425.— bis £ 445.—. italienische Bankvlätze K 1005.— vrs K 1035.—, Prag K 350.— b's K 360.—. Stockholm K 3900.— bis K 4100.—, Schweizer BankplLtze K 3300.— bis K 3500,— imb Auszahlung Wien & 90*/, bis L 94'/,. _ Berliner BSrfe. Berlin, 12. August. Da die Lage im Osten hinsichtlich einer Verständigung Rußlands mit den Weststaaten rvegm Polens in den finanziellen Kreisen im Auslande sowohl als auch hier als entspannt beurteilt zu werden scheint, trat an der heutige« Börse eine nicht uliwesentlrche Abschwäckung der ausländische» Devrsenpreise ein. Im Zusammenhang damit erlahmte das Interesse für Valuta- und Kolonialpapicre, deren Kurse bis auf die anfangs ungefähr um 10% höheren Schantungbahn-Aktien durchwegs nachgaben, besonders von Kolonialwerten und von diesem namentlich Neu-Guinea-Aktien. Auch Petroleumwerte halten bei kleineren Schwankungen stillen Verkehr. Deutsche Petroleum-Aktie» notierten 1250.— bis 1185.— bis 1200.—, Deutsche Erdöl-Aktie» 2100.— bis 2075.—. Ungeschmälert aber erhielt sich die Kauffust für Montanwerte, von denen Blsmarckdütte-, Bochumer Gußasthl-, Buderus-, Harpener-, Phönix- und Thale-Attirn 10% bis teilweise 25% steeaen. Eine ^Ausnahme bildeten Loihrmgerbütte- und Hohenlohe-Aktien, die mäßig nachgaben. Recht still gmg wieder auf den Märkten der Schlffahrts-, Färb-, Elektro-, Kali- und Bankwcrte zu, die im allgemeinen nur unwesentlichen Veränderungen unterlagen. AuÄ heimische Renten wiesen »nr ganz geringfügige Abweichungen auf. Nachtrag: Unter Bevorzugung von Petroleum- und Montanwerten schloß die Börse m fester Haltung. Die Devisenkurse. Wien» 12. August, lKurse der österr. Devismzentrale.) Amsterdam 6500.— ,6500.—). Berlin 479 50 (467.50), Zürich 332b.— <3325.-?), Christiane 3025.— (3025.—), Koveuyagen | Marienbad. Kein Roman, sondern eine überaus^ verwickelte Geschickte, die Lwffchen Warschau und Marrmbao' spielt. ' in 36 Briefm, 14 Billet-doux vnd 46 Telegrammen. Bon Scholen» Alejchem. r ^r. '; . ' Beleie Knrländer aus Berlin an ihren Gatten Schlojrye Kurländer auf den Naleryki (Warschau). Dem teuren Gemahl, Herrn Schlojme, ehrfürchtigen Gruß.! Ich habe Dir zu berichten, daß ich' vorläufig troch in Berlin bin und nach Marienbad nicht früher werde fahren können, als — Gott geb's — nach Samstag. Ich muß mich vor Dir nicht erst entschuldigen, Vber Du kannst mir glauben: ich bin ganz und gar nicht daran schuld, daß. sich alles so getroffen hat, daß ich nrich in Berlin eine ganze Woche aufhalten Muß. Wenn Du alles von Anfang bis zum Ende wissen wirst, was ich erleben mußte, wirst Du selbst sagen, daß man nichts ick voraus berechnen kann; der Mensch ^denkt und Gott lenkt. Die Sache ist so: i Ich habe gemeint, in Berlin nicht mehr als einen ^Dag verbringen zu müssen, höchstens zwei. Denn wie lange dauert denn eine Visite beim Professor? Das wäre alles schön und gut gewesen, wenn ich den Professor zu mir berufen hätte. Nun habe ich mir aber Überlegt: Wozu soll ich unnütz dreißig Mark hinairswerfen, dir zu etwas anderem zugute kommen können? -Ich-habe ohnedies so oft von Dir anzuhören, daß sehr viel Geld aufgeht; die Zeiten — sagst Du — sind jetzt auch nicht am besten und ich habe noch viel in dieser Art von Dir anzuhören... Deshalb habe ich auch nicht in dem Hotel in der Friedrichstraße absteigen wollen, das meine Base Chawele mir ausgeschrieben hat. Wie kann ich mich mit Chawele Tschap- Nik vergleichen? Chawele kann ausgeben, wieviel sie will und ihr sagt keiner was; bt\m Chawele ist nicht chje zweite Frau ihres Mannes wie ich, ihr Mann hat keine Kinder von der ersten Frau wie mein Mann und Berl Tschapnik zittert nicht um jeden Groschen wie Du und hat nicht Angst, in seinen alten Tagen betteln gehen zu müssen, wie Du sie hast. Ich meine damit Gott bewahre — nichts Böses, ich sage ganz ernst, baß ich Dir nicht mehr ausgeben will als nötig, und gerade deshalb bin ich dort abgestiegen, wo alle, die auf Nalewki wohnen, ab steigen, Lei der Perlzweig. Das ist eine Witwe, eine gute Jüdin und tükhtige Hausftau, sie kocht ausgezeichnet und läßt sick nicht viel zahlen und die Hauptsache ist: man hat es überall hin nahe. Für 10 Pfennig bist Du auf der Leipziger Straße, bei Wertheim. Und ist es möglich, in Berlin zu sein, ohne wenigstens für eine Minute zu Wertherm zu gehen? Wärest Du ein einziges Mal bei Wertheim, Du würdest selbst sagen, es sei unmöglich. Bon Wertheim habe ich noch in Warschau gehört. Aber ich habe mir nie vorgestellt, daß es auf der Welt so ein Geschäft geben kann. Was soll ich Dir erzählen, mein teurer Gemahl? Es läßt sich nicht beschreiben! Was bas Herz begehrt und was der Mund ausspricht! Und die Menge Menschen — keine Nadel kann zu Boden fallen! Und alles spottbillig, der halbe Preis gegen den bei uns auf den Nalewki! Denk' Dir nur. Ein Dutzend Taschentücher zwei Mark! 98 Pfennig ein Paar Seidensocken, die Du bei uns nicht um einen Rubel zwanzig kriegst! Oder um 68 Pfennig eine Wanduhr — wie kann der Mann dabei nur leben? Ich habe mir vorgenommeu, wenn ich, so Gott will, gesund nach Hause fahre, wieder über Berlin zu fahren, nicht über Wien — Wien ist, so sagt man, ein Dorf, eine Wüste im Vergleich zu Berlin — und dann will ich mich bei Wertheim einstellen und, da ich doch dann einen freien Kopf habe, mich gut umsehen und für den Haushalt einkaufen, was nötig ist: etwas Glasware und etlras Fayencen und derlei Zimmerschmuck; S' idenstofse, Möbel und Parrüm. Wegen der Grenze brauchst Du keine Augst haben; da schasse ich mir schon Rat. Chawele Tschapnik bringt jedes 'Jahr ganze Kisten durch. Jetzt habe ich noch gar nichts gekauft, außer ein wenig Wäsche, ein Paar Sommerschuhe, einen Hut, einen Flanellschlafrock, ein halbes Dutzend Unterröcke, einen grünen Seiden.- schirm, Handschuhe, Spitzen, Fichus und sonst einiges, was ich in Marienbad unbedingt brauche. Und da.ich. schon bei Wertheim war, habe ich mich schon nicht halten kö men und habe mir gleich < in halbes Dutzend Tischtücher, zwei Dutzend Servietten und eine Maschine zum Butterschlagen beipacken lassen. Jetzt tut es mir schon leid,j so wahr ich lebe, daß ich Dir nicht gehorcht und nicht noch ein paar Hunderter mitgenomnren habe. Es war sehr dumm von mir/ mich vor Dir schön zu machen, baß ich, nicht die Verschwenderin bin, wie Du meinst. Das Geld wäre besser bei Wertheim angelegt als beim Doktor (alle Krankheit über ihn!) .In Berlin habe ichf noch einen Doktor gebraucht! Zu wenig von der Sorte gibt es in Warschau?! Ich sage Dir: Die Berliner Doktoren hätten warten können, bis ich einen holen> lasse! Wem aber ein Unglück bestimmt ist — nun, Du sollst es gleich hören: " Kaum war ich in Berlin in meinem Quartier bei der Perlzweig angekommen, ich hatte noch nicht Zeit gehabt, mich ordentlich zu waschen und umznkleiden. da haben mich alle schon gepackt, welchen Doktor ichj mir holen lassen will. Ich sage: „Erstens, wer hat Euch erzählt, daß ich einen Doktor brauche? Sehe ich! so schlecht aus, daß man mir das an der Nase an- . sieht? Und zweitens," sage ich, „habe ich von Warschau! her die Adresse eines Professors." Da mischt sich einer hinein, ein Alter, mit einer Nase, auf der Ribisel wachsen: „Nehmen Sie es mir nicht übel, Madame," sagt er, „was ich Ihnen sagen will. Weil Sie," sagt er, ,Pie Adresse cilws Professors haben, müssen Sie vorher,"'sagt er, „zu einen: Doktor. Denn es ist eiw, großer Unterschied," sagt er, „was Sie dem Professou! sagen werden oder was," sagt er, „der Doktor ihrrM^ sagt er, „sagcn u?ird in seiner Doktorsprache." (Forrsttzung folgt.)

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