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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-31 · Heft 547 (31.7.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 547 (31.7.1920)
Date
1920-07-31
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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F' Nr. 547 _ Wien, Samstag Der Volkswirt. >Ei«e Krone -- 3.42'/° Centimes Geld. t Gestern notierte in Zürich:, die österreichische Krone Geld. . . 3.42Vr ( 8.45 am 29. Juli) pte österr. gestempelte Krone Geld . . 8.50 ( 3.50 am 29. IM die tschechische Krone ....... 11.15 11 80 am 29. Jul,) pie SJtorf . . ... 13.80 (13.90 am 29. Juli) ,«gram . 7.75 ( 7?0 am 29. Julü .Warschau. 2.95 ( 2.95 am 29. IM -Budapest ... . 8.40 ( 3.45 am 29. Juli) Die Generalversammlung der Südbahn. umrer dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Weeber fand die Generalversammlung der Südbahngesellschaft statt. Der Vorsitzende teilte mit, daß nach einem Erlaß der Regierung dom 15. Juni die Gesellschaft von der' Verpflichtung zur Abs Haltung der Generalversammlung bis Ende des Jahres enthoben wurde. Dr. Weeber erklärte unter anderem,) daß es gegenwärtig nicht angängig sei, hinsichtlich der mit den Cukzeffionsstaaten schwebenden Fragen nähere Mitteilung zu Machen, die Verwaltung halte an der im § 27 dev Konzessionsurkunde normierten Unteilbarkeit des GesamtnetzeS fest. Was die italienische Annuität anlangt, sohabe die Associazroni Nazionale, an die sich' die Südbahn in der allerjüngsten Zeit mit einer Anfrage gewendet habe, Mitgeteilt, daß die Verhandlungen zwischen der italienischen intb französischen Regierung noch schweben. Die Wiederaufnahme des P r i o r i t ä t e n d i e n st e s hänge ■ davon ab, welche Beträge nach der Rechtslage für die einzelnen Obligationenkategorien verfügbar sein würden. Hiebei werde es sich in erster Linie um den Eingang der italienischen Annuität und des Staatsbeitrages zum 5prozentigen Anlehen handeln. Das Sanierungsübereinkommen wurde jam 29. November 1915 nach Erfüllung allsr formellen und materiellen. Voraussetzungen, die das Gesetz vorschreibt, rechtskräftige abgeschlossen und zum großen Teil bereits durchgeführt. Es ist daher Unseres Erachtens kein Grund vorhanden, den Nechtsbestand des SanierungsübereinkonnneNs zu bezweifeln. Auf die Ausführungen des Aktionärs ■ jOskar Be r l erwiderte der Vorsitzende, daß die Verwaltung 'alle menschenmöglichen Anstrengungen machen wird, um die Kohlenversorgung der Südbahn stcherzustellen. Der Vorsitzende betonte, daß die tschecho-slowakische Regierung der Südbahngesellschaft wiederholt Hilfe habe angedeihen per Südbahngesellschaf wiederholt Hilfe habe angedeihen .Die Neuwahlen der Handels- und Gewerbe- , Kammern. r D.e' Hauptwahlkomntüfion der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie m Wien hat am28. d. M. ihre konstinncrende ^Sitzung abgehalten und die für die Neuwahl im September not> wendigen Termine festgesetzt, wie folgt: Am 4. August erfolgt die Expedition der Wähleilistkn. Die Einspruchsfrist dauert vom 9. bis 16. August. Die Wählerlisten sind bis 21. August an die Hauptwahlkommiision zurückzusenden. In der zweiten Sitzung derselben, am 25. August, werden die Einsprüche erledigt. Die Ansstrt'lgung und Versendung der Ansrveiskarltn erfolgt am 28. August. In der dritten Sitzung der Hauptwablkommission am 10. September wird die Prüfung und Verlautbarung der Bewerberl'stcn vorgenommen werden. Für den 20. September ist eine vierte Sitzung der Hauptwablkommission 'ünhcraumt. in welcher bic allM'geUeberprüsung der Ergänzungs- Vorschläge zu den Bcwerbnbsten stattfindrt. Am 26. S ep t e m b e r ^ist Wahltag deS vrerten Wahlkörpers von Handel. Gewerbe und Industrie nnd der zweiten bis sechsten Wahlkateaorik der Fmanr-- und Derkcbrssektion. Am 87. Sep- Das Kreuz. , Von L. bchapiro. N»S dem Jiddischen übertragen von SiegfriedSchmitz. (1. Fortsetzung.) ,. Die Lust in unserem Hause wurde noch kälter vnd trockener als zuvor. Ein halbes Jahr später ging §ch fort „in die Welt". Wie es mir dann erging, das hckt wenig Interesse. Kurz>— fünfzehn Jahre später wohnte ich in einer großen Stadt in Südrußland, studierte Medizin und lebte vom „Stundengeben". Meine Mutter nahm ich zu mir. Doch sie wohnte bloß mit wir zusammen und erhielt sich selbst. Sie handelte mit alten Kleidern auf dem „Alten Markt". Ihres Erwerbs schämte sie sich nicht; aber auf die anderen Trödler sah sie > mit Verachtung hinab. Sie wußte, wer sie war. Mir begegnete sie kühl, wie einst, wenigstens 'äußerlich; ebenso ich ihr. Ich glaube sogar, ich haßte sie im Stillen. klebrigen? kümmerte ich mich wenig um sie; ich lebte in einer anderen Welt. III. Um Großes ging's. Wir w ollten Pie Welt uw» schafsen. Mit Rußland begann es; das übrige sollte folgen. Das Land fieberte damals vor Erregung. Größer nnd größer wurde der Strom und zog mehr und mehr Massen an sich. Da und dort flammte das rote heiße Feuer einzelner Heldenta'.en empor und verzehrte bald Hohe, bald Höchste, Kopf nach Kopf. Die alte Ordnung mußte antworten und antwortete treffend nnd gut, unter anderem auch mit Judenpogromen. Auf mich wachten diese Pogrome keinen Eindruck: Denn wir -hatten dafür ein Wort — „Konterrevolution" es — das erklärte ülleä.und. berubtate alle. Auch Miener Morsenzeitung teinbtr finden die W a h l e n a u s d em ersten W ah lkörper der Finanz-- und VerkehrSsektion statt: anschließend erlolgt am selben Tagt in der fünften Sitzung der *HauPiwahtkommission d'e Festst e l lung des Wahlergebnisses. Am 23. Sepie m b e r wrrden die Wahlen a u s d e m 1. W a h l k 8 r v e r v o n H a n d e l, G r w e r b e und In d u st r i e vorgcnommm das Wahlergebnis auS den Wahlkylperil wird nt; der für denselben Tag embercuiuileri. 6. Sitzung der Hauptwahlkommisßon scstgestellt. W a h l t a ft d e r 2. W a h l k ö r p e r für Handel, Gewerbe und^ Industrie ist der 29. S e p t e m b e r. In der tags daraus statinndenden 7.^itzOg der Haüpt'vakilkvmmifston erfolgt die Feststellung des Wahlergebnisses. Am i. Oktobe,r werden die W a h l e n a u-S d e lii 8. W a h l k 8 t per von Handel, Gewerbe und Industrie vowenorumen/ das Wahlergebnis in der am nächsten Tagestattfindcndcu 8. Sitzung der Haiip!- wahllommission sestgestellt. . - v , NsLenziritulation : 62 86 MiLiarven Keonerr. Dem letzten AuSweis der OesttneiMch-lMSattsMs/'PäM/ zufolge bcüägt der- Notenumlauf 62 96 M lüarden und ist gegen die Vorwoche um 3a9 Mill onm Kronen gewachsen. Von Merer Ziffer enkfallen ans Oesterreich 17'78 Mist'a'.dcm Eredttanstäst. Unter deni Vorsitz deZ ' Dizeprästbenten Dr. HanS--Mauthner wurde gestern iin tzrstzÄr Festsaal' deS Oesterrelchtschrn ^Lfüßenieur» und, ArHitektenvereins die 64t ordentliche Generalbersammlung der.'Astr'onäro der Oester-/ ' reichische'n Creditaustalt für Handel itHb Gewerbe abgehalten?' Anivesend waren 35 Aktionäre,. die 3353 Stimmen verträten. Der Geschäftsbericht wurde einst i mutig zur Kenntnis genoimnen. In den BerwaltttngSrat wurdeir wiedergewählt di» Herren Dr. Moriz Lederer, Dr. Hans Mauthner, Alexander Mereh, Erwcin Nostitz-Rieneck und Emanuel Baumann; ncu- . gewählt wurden die Herren Max M. Warburg rmd Siegmund " Metz, auch der kooptierte Herr Rudolf Kailsinanil in seiner Funktion bestätigt. , Konstituieren e G 'eralversarnn.lung der Kredit- Anstalt in Lc-rbe.r. 'A - 23. d, M. tat.d^ in Laibach die konstierkndr Genrralvris n.mfiiig der Krcdik-Anstalt für Handrl und Industrie statt. D'e ans wtnde mit einem vollemgkzabltrn Mienkapital von S. H. '-'..j' 30.000000.— ms Leben gern'en, hat die Akriva nuv Passiva' der bisbkr'gen Filiale der Oesteritichlschen Kedit-Anstatt für Handel und Gewerbe übrrnommen und dak Geschäft seit 1.'Jänner 192 > für Rechnung' dcs neuen Instituts betrieben. In den ersten Verwalrnugsrat wurden btc Herren Ivan Kne rr. Pmüdrnt der Handels- und Gewerbekanimer in i'a'bach,a!S Präsident, die Heu'.'«: Pct'r K o z i n a, G'.oülnduslrieiler m lüi-bach. und Jo'es L u ck m a n n, biLherioer Dungent der Filiale der Krrdu»Anstalt, als Virepräsitenlen, ferner d e Hctren Tr. Jofei A z m a n n. Advokat m Laibach, Dr. Karl Baron Born, Großindustvteller in Nenmarkth Fritz E h r e n t e st. Direktor der Kredn-Anstalt in Wien. Josef L a v,x t n c i c, Groß ndnstrirller in AdclSbrra, Jokel Ritter v. P o a c n 'i k,- iügosläwischer Gesandter z. D. in Podnart. Dr. Franz Wü n d i >' ch e r, Sekirtär der Handelsnnd Geweibelamn'er in Laibach, bnuien Zum Direktor der Bank null de Herr 'August T o st t, hslier Direktor der Adriavschen Bank in Laibach, rum Direktorstellvertreter Herr Viktor Reich, dlSher Prvkutist der Filiale der Kiedlt-Anstalt, ernannt. Dalutenkurfe. Im gestrigen freien Verkehr wurden umsefetzt:Marknoten zull 455. L e \ K 478.50, Lire K 1025, Dollar K 186.50, schweizerische Francs K 8250, R u b c l K 334. Pfund Sterling K 700, Dinar bis K 1015, Agram K ^53, tschechische Kronen K 3S6, ungesteni pelle Noten K 104.50, ungarische Noten L 108.50, polnische Mark L 102.80 . A.-G. für chemische Etroßindustrie in Blumau. Gestern fand die konstituierende Generalversamrnlung der von der Pulverfabrik Skodawerke-Wetzler A.-G. gemeinsam mit der Staatsfabrik Blumau errichteten A.-G. für chemische Großindustrie im Blumau statt. Das Unternehmen wird sich mit hatte ich noch keinen Pogrom miterlebt; unsere Stadt war erst an der Reihe. Ich war Mitglied in einem Ortskomitee irgendeiner Partei. Das war mir nicht genug: Ein Gedanke, messerscharf, schnitt langsam und tief in mein Hirn. Was für ein Gedanke? Ich wußte es nicht klar, ich wollte erst davon nichts wissen. Ich hatte bloß das Gefühl, meine Muskeln würden plötzlich steifer und straffer; einmal merkte ich, daß ich ohne Grund, ohne es zu wissen, mit meinen Fingern die Lehne eines Stuhles während einer Lektion zerbrochen hatte — und verlegen stand ich da. Ein anderes Mal fragte mich einer meiner Schüler plötzlich verwundert: „Was, Minna. . .?" Ich begriff: ich hatte in Gedanken den Namen „Minna" ausgesprochen. Ich begriff auch, daß mein Gedanke ein beständiges sei, ein Gedanke an eine Sache; und „Minna" sei der Name eines Mädchens. Und dieser mein Gedanke wird ständig begleitet von Minnas Bild, von dem Klang, der den Namen „Minna" bildet und von einem eigenen Gefühl von Bedeutung und Würde, das st^'ts in der Luft zu spüren ist, wenn Minna anwesend ist. Unser Kontitee bestand außer mir aus vier Männern und einem Mädchen. Was für Augen die Männer hatten, weiß ich nicht; Minna hatte blaue Augen, hellblau; manchmal konnten sie dunkel werden, dann schwarz und endlich finster und tief wie eilt Abgrund. Sie hatte schwarzes Haar, eine kleine aninutige Figur; etwas Langsam-Ernstes lag in ihren Bewegungen. In unseren Versammlungen debattierte sie wenig. In zwei oder drei knappen Sätzen machte sie bisweilen einen Vorschlag oder sagte ihre Meinung üb.ee. eine schwebende Frage. Dann saß sie still und aufmerksam da, ibre etwas kurzsichtigen Augen verschmälerten sich. Es kam oft vor, daß wir dann in langer, hitziger! Debatte die Frage, über die wir berieten, von all ihren 31. Juli 1920 Sette 7 \ der Herstellung von Produkten der anorganischen chemischen Richtung befassen, welche als Ausgangsmaterial der ein» heimischen Industrie dienen sollen mrd teilweise auch als Vorprodukte für' eine chemische Präparatenindustrie Verwendung finden werden. Die Gesellschaft, welche mit einem bolleingezahlten Aktienkapital von Nom. 4 Millionen Kronen gegründet wurde, hat eine Reihe von Anlagen der Staatsfabrik Blumau, welche früher ausschließlich für Kriegserzeug» nisse in Verwendmtg standen, auf längere Zeitdauer gepachtet und sie auf die Friedensproduktion umgestellt. Die Anlagen wurden bereits in Betrieb gesetzt Ist 1>en Verwaltungsrat wurden gewählt: Ministerialrat Dr. Max A l l m a h e r» Beck, Direktor Ingenieur Otto Engländer, Generaldirektor Alfred G'ünth er, Sekttonschef sM." Ferdinand Grtmm, Direktor ' Maxime Kraßnh-Krassien, Cektionschef Dr. Arnold Krasnh, Finanzrat Dr. Franz Leise, Direktor- Ingenieur Isidor P ö l l ä k, Direktor Leopold Steiner, Direktor Dr. Josef Wenisch, Ministerialsekretär Dr. Wilhelm Klauber und Finanzrat Doktor Petschan. Zum Präsidenten der Gesellschaft wurde Ministerialrat Dr. Max Allmah e r -B e ck, zu Vizepräsidenten Ferdinand Grimm und Generaldirektyr Alfred Günther bestellt. Ans der internationalen TcxtMndustrls. 'lieber die augenblickliche Lage "des Webwarengeschäftes in England wird berichtet, daß sywohl die Wollwie die Baumwollfabrikanten zwar Arrfträge noch zu erledigen haben, daß aber neue Orders nur in mäßigem Umfang eingehen. Die Warenpreise sind gesunken, doch nicht in dem Maße, wie dir Notierungen für Wolle nnd Baumwolle zurückgegangen sind. Aehnlich ist die Lage - in der nordamerikanischen Textilindustrie, die überdies über recht umfangreiche Lager verfügen soll. Ungünstige Berichte liegen aus Japan vor. Auch in Schweden, Norwegen und Dänemark hat sich die Lage tveniger günstig gestaltet. Gebessert ist die Situation in der italienischen und in dev . französischen Seidenindustrie. Auch die nordfranzösischen Woll-, Baumwotl-,' Leinen- Und Jutefabrikanten haben im ganzen gut zu tun. Der Geschäftsgang, in fast allen Zweigen der schweizerischen Textilindustrie muß als schleppend bezeichnet werden. Die Berichte aus der südamerikanischen Textilindustrie lauten nicht ungünstig.; Deutscher Reichsbankausweis. Der Metall« bestand der Deutschen Reichsbank betrug am 23. d. M. 1.097,800.000 Mark, davon Gold 1.091,715.000. Der Notenumlauf stlcg gegen die abgelaufene Woche um 136,441.000 Mark. „Iemish Journal of Commerce" Die neueste Nummer enthält als Lettartilel: „Der wirtschaftliche Wiederaufbau Palästinas" von, Sir Herbert Samuel, High Commiffioner in Palästina, „Die Aussichten deS Handels am europäischen Kontinent* vo« Str Thomas Barclah (Paris'; ferner: Text'lien und Plaschinen für den Export, Jüdische Kolonisation m Palästina, Handelswirt'chaftlicher Brief aus Amerika. Marktberichte und Inserate aus allen Handelszentren. Einzelvetkaus im Zeituttgsbuteau Goldichmidi, l.. Wollzecke 11. Inserate und Abonnements: Vienna Office, lX., Maria Theresicn-Straße 11, Tel. 12054. Wiener Börse. Die gestrige Börse litt uuter einer außerordentlichen Stagnation. Die bevorstehenden Steuern in'Verbindung mit den Nachrichten über den russiichen Vormarsch veranlaßten znr weitestgehenden Reserve. Südbahnwcrte lagen wieder schwächer, Lombarden waren um X 38.— niedriger gehalten (Schlußkur- K 658.—) Prioritäten erlitten eine Einbn^ von X 53.— lSchlußkurs X 1001). Die Pctroleunlpapiece waren wieder verschieden bewertet. Karpathen verloren X 100.—. Die Aktien der Oesterr.» Ungar. Bank sanken um weitere X 240 — auf K 5090. Anlagewerte zeigten geringe Veränderungen. Im übrigen verweisen wft ans die nachstehenden Schlußknrse: Mißverständnissen und Unklarheiten reinigten und dann, ein wenig verwundert und verlegen, zu demselben Gedanken kamen, den Minnas drei knappe Sätze formuliert hatten. Sie war die Tochter eines hohen russischen Beamten; das war alles, was wir Won ihr wußten. Hinter der Tür unseres Konspirationsquartiers warf jeder von uns sein Eigenleben ab, wie man einen Mantel im Vorzimmer ablegt. IV- Die Wolke eines Judenpogroms rückte gegen unsere Stadt. Eigenartige Töne durchzogen die Stadt, scharfe, gehaltene Töne — das Zischen einer Schlange. Die Menschen gingen herum mit gespitzten Obren, warfen schiefe Blicke, zogen die Nasen, als spürten si» einen verdächtigen G.eruch. Alles war still, verbissen. An einem heißen Nachmittag war außerordentliche Dersatnmlung in Minnas Wohnung; diese war unser Konspirationsquartier. Die Sitzung war kurz: knappe Beratungen ohne Debatten und ein Beschluß — möglichst schnell eine Selbstwehr zu organisieren. Während der Sitzung fühlte ich einige Male Minnas aufmerksamen Blick auf mir ruhen. Als die Komiteemitglieder einer nach dem anderen gingen, gab sie mir einen Wink, zu bleiben. Ich blieb stehen, den Hut auf dem Kopf, mit Rücken und Händen an den Tisch gelehnt. Minna ging mit gesenktem Kopf, die Hände über der Brust gekreuzt, im Zimmer auf und ab. Wir schwiegen. Dann hob sie den Kopf nnd blieb stehen und sah mich an. Sie war blaß, sehr blaß — und ihre Angen — schwarz und finster; Minnas, Augen . . . Mich fröstelte; und in einem Augenblick, erleuchtet vom Schein jäher Feuersglut, stand mein dunkler Gedanke klar vor mir: Eine der Leuchtkitgeln sein, die den Weg der Revolution erhellen und den Preis dafür zahlen. r, _ (Forqetzuvg folgt.) i

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