Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 543 (27.7.1920)
- Date
- 1920-07-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 5434 Wien, Dienstag .-------—— Mn unsere p. t. Abonnenten! * Lesterreichisches Postsparkaffrnüonto 150.693. * Tschecho-slowakischeS Postspark^ssenironto 150.093. Zahlstelle für Polen: Aviener Lombard- und Eskomptebankr, Krakau, Rynek 12. Zahlstelle für Jugoslawien! A8er KiZicky, dank, ein., Osijek!.. Gajev trg bros 11. Am 1. August beginnt ein neues Abonnement Hilf die „Wiener Modenzeitung". Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung ein trete. Abo'.:n;:uentpreise: Für Wien (zum Abholcn in den Trafiken oder mit Postzusendung) - Kr. 30.— pro Monat Mit Postzusendung: Für die österreichische Provinz . Kr. 30.— „ Für die Tschecho-SlomaUei . . . KL. 13.— ,, ,, Für Jugoslawien ..Dinar 6.— „ „ Für Polenpc In. Mark SO.— „ „ Für Deutschland.Mark 10.— „ „ Für daS übrige Ausland.... Kr. 45.— „ „ | In Deutschland abonniert man die „Wiener Morgenzeitung" bei dem Zeitungsvertriebsbureau f a m e w a s s e r, Berlin 0 64, Noscnthalerstrasze 43. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzcitung". sichert, nachdem durch ESkomplierung der Rübentvechsel durch das Bankamt di«e c . rsichen Kapitalien in genügendem Ausmaße beschafft n :. j Aus dem D t u i j ch e n Reiche laufen günstige Berichte Über die Entwicklung der Rübcnpflanzen ein. Der Rübenstand wird auch dort als vorwiegend gut baZeichnor -und würde in Pen nächsten Wochen andauerndes trockenes Wetter die Rübe weiterhin günstig beeinflussen. > In Frankreich stellt sich nach einer Umfrage des Syndikats der französischen Znckerfabrikanten die Zuckerrübenanbaufläche um etwa 30,4 Prozent höher als für die jetzt Ku Ende gehende Kampagne.! Einem Berichte der Herren Willet u. Gray, New-Dort, ßufolge, machen sich fortgesetzt Dteinungen geltend, daß die Kuba-Ernte die kürzlich veröffentlichte Schätzung doch noch überschreiten dürfte; es würden möglicherweise 450.00V oder gar 800.000 Tons mehr* zür Verfügung stehen, als zurtzert von Inhabern von Kuba-Zucker in Erwägung gezogen werden.. > . Die Auguft-FüMgl^iisn de? mLKirme'men und der österreichischen MaaLsfchuld. Die Finanzverwaltung wird die Auguft-Fättigkrilen der »-gemeinen und der österreichischen Staatsschuld unter den in der Kundmachung des Slantsamtcs.für Finanzen vom 2.1. Juni 1920 für den Ankauf der Jnh-FäÜigkc.ten bestimmten Voraussetzungen aykansen. I ‘ Jedoch werden seue Eilcichkerungen., die bis auf wetercs für den im Schaltervcrkchr zu bewirkenden Ankauf von fyaüic» feiten im Höchsibctrage von K 11 per Fälligkeit und für den bei der Depotstellc zuguustcn eines Depotfunden zu vollziehenden Ankauf von Fälligkeiten im Höchfibetra» »>» K 55 gewährt worden ftub, aufgehoben. Während bisher der Ankauf bis zu den bezeichnelen Höchstgrenzen ohne weitere Förmlichkeiten lediglich gegen Uebergabe der betreffenden Derturkundrn vollzogen werden konnte, haben nunmehr auch auf diese Fälle dir allgemeinen Bestimmungen Anwendung zu finden. Wiener Morgenzeitureg Bom Ankauf bleiben vorläufig die im. August d. I. cintrctenden Fälligkeiten folgender Schuldkategörien anSgeschloffen, und zwar: der 4°/<>igcn StaatSeffenbahn'Gcsellschafls-Prioritäten vom 30. September 1300, der 4°/<^gen Asch-Roßbach Lokal» eiscnbahn-Prioritätsobligationen vom Jahre 1903 und der 4%tgen Kaiser Ferdinands » Nordbahn - Priorltätsobligationen vom 28. Februar 1893, VIII. Emisston. Balatenftürfe. Im gestrigen freien Verkehr herrschte rege Nachfrage nach den meisten Valuten, besonders.nach Nudeln. Es wurden umgesetzt: M a r t sit K 4.55, 8 t r .e K 10.30, Lei K 4.81, R u b c l K 3.39, Doll a r K 183.—, P f u n-b S t e rling K 665.—, ts ch ech is ch e N o t c u K 3.83, Dinar K 10.10, polnische Mark K lC3,r-,. n ngarischk Noten Li 106.—, u n g e st r m p e l t e N o t r n l< 105.—. Angarische Allgemeine Keeditbonk. Zn der.Notn in unserem Sonntagsblatt wird nnS noch geschrieben: Durch die Transaktion der Kapitalscihöbung und die Begebung von 2000 00 Aktien an die Union Luropeonns in Paris werden die intimen Beziehungen, welche die Ungarische Allgemeine Kreditbank z»m Bankhause S. M. v. Rothschild und zur Oeßeneichischen K-.editanstalt tiir Handel und Gewerbe, Wien, seit mehr als elucin halben Jahrhundert unterhält, nicht berührt und blerben auch für die Zukunft unverändert aufrecht. Nach Durchführung der KavtalSeihöhuiig wird die Ungarische Allgemeine Kreditbank über 280 Millionen Kronen Akticnkapi'al und über zirka 600 Millionen Kronen ausgewieiener Ncierven verfügen. Auster den genannten Firmen find auch eine Reihe anderer Finanz'nstitnte und die hervorragendsten französischen Bankhäuser an dieser Transaktion interessiert. . Die Gelblnstitnte der Slowakei. Der Direktor der Börscnabteilung der Zrvnostenska Banka, R. P 11 a i, bespricht in dem Brunner „Rar. Hosp." die Entwicklung des Bankwesens in der Slowakei und.gelangt zu folgendem Resnitat: . Ende Juli 1920 zählte nvm in der Slowakei 3,9 selbständige Aktien-Geldinstitute mit 61 Filialen und außerhalb der Grenzen der Republik 8 slowa'rschs Instituts mit 4 Filialen. Im ganzen wirken slowakische Anstalten in 50 Orten der Slowakei. Tie Einlagen der slowakischen Geldinstitute auf Büchel und in laufender Rechnung wurden zu End? 1919.auf zirka 350 Millionen Kronen geschätzt. In den Jahren/19l9 und- 1920 wurden in der Slowakei 18 Filialen tschechischer.Banken . errichtet. Die Einlagen der nichtslöwakischen Institute in der Stowaker werden auf 1,25 tNiltiarden Kronen geschätzr. Das Wareneinsuhrverbot in Frankreich aufgehoben. Aus Paris wird gemeldet: Das „Journal Officiel" veröffentlicht ein Dekret, durch das das Einfuhrverbot für die meisten Artikel aufgehoben wird. Es bleibt für nur etn Anzahl von L u x u sartike ln, wie Perlen, Edelstein«, Stickereien, Antiquitäten,' künstliche Blumen usw., bestehen. Auf andere Luxusartikel werden erhöhte Zölle gelegt, die man Durch Die Höhe der Preise rechtfertigt. Es handelt sich um etwa fünfzig Artikel. Konkurse. M. K a r b a. Vom Wiener Handelsgerichte wmdc zur Pri'l'ung der im Konkurse der Holzhandelsfirma M. Karba, Wc n. V., Margaretengüctel Nr. 4. nachträglich onciemeldetcr und bis zur Tagiatzung etwa noch angimeldeten Forderungen eine Tagiatzung ans den 11. August, vormittags 10 Uhr. bei dickem Gerichte, Z'nnner.98, anacordneü — Vom Handelsgerichte Wien wurde auf eigenen Antrag der Konkurs “vciffuct iiiict die Firma Karl und Otto G 1 e s e. Vertrieb von Oelen. Harzen und Farbwaren an gras. Wien VII., Seidengaffe 4. Konkurskommisiär: Karl Biber,. Massenverwalter: Hugo Hanier, Wien, I.. Hcrrenarffe 2. Termine: 4. August, 10 Uhr, 20. September und 5. Oktober, 10 Uhr. Ausgleiche. Dom Handelsgerichte Wien wurde das Ausgleichsverfahren über das Vermögen der Firma G r u ch o l & v i r s ch b e r n. Handel mit, Papier. Textil- und Slahlwaien in Asten, lX., Servilcngasie 1, ringeleitek. AuZgleichskommistär: Karl Biber, AuSglcrchsvermalter: Fritz Fischl, XVltl., Tmkenschanzstraste 13. Anmeldefrist 20. September., Ausgleichstagsatzung 6. Oktober. Den Gläubigern werden 1O0*/, in zwei Raten geboten. — Dom Handelsgerichte Wien wnrde das Aü-glriekisoerfahren über das Vermötzen der Firma G a r d y, Melallgescllschait m. b. H> in Wren. X., Van der NÜllgasse 20. eingeleitet. A«sgleichSkomm'fsär Karl Biber, NuSgleichSverwaltcr Anton Seidl, l.. Zelinkagaste 10. Anmeldefrist 17. August. Ansaleichstapfatznng 13. August. 10 Uhr. Den Gläubiger« werden 60°/o geboten. Die Passiven werden 'auf zrrka 4f/2 Millionen Kronen geschätzt. Beteiligt find beinahe ansschließltch hiestge- Metallstrmen. 27. Juli 1920 Sette' Ü, Georg CcehpSals 3 v Wien I Uez. Telephon 18*1*35 Kulanteste Durchführung aller bankmässigen Transaktionen .sowie Besorgung von Zahlungen und Ueberweisungen an alle Plätze im In- und Auslande Eigene Korrespondenten in Berlin, Budapest Prag, Ksrafcxau, Agram m mmmsmmmtmsmm Wiener Börse. Die Nachricht, dast die russische Offensive eingestellt worden ist, wir auch der scharfe Rückgang der Krone auf den neutralen Markten haben auf der gestrigen Börse eine feste Tendenz hervorgerusm. Etaalsbahn-Aktien, die stark begehrt waren, profitierte» K 420.—, Dampsschiffahrt K 400.—, dagegen lagen Südbahnwertc infolge des ungünstigen Geschäftsberichtes schwächer. Injolge von Gerüchten über einen vorteilhaften Stand der Liquidationssrage der Ocstrirrichisch-ungarischen Bank und französischen Jntereffen an dem Institut sind die Aktien dieser. Bank um X 385.— gestiegen. Die Wassenstillstandsmeldung sowie 'starke Käufe bewirkten ein bedeutendes Anziehen der Petroleumpapiere. Fanto erhöhten sich um X 1300.—, Karpathen um K 1480.—, Galicia um K 1650. Die Aulagewrrte schwankten, ohne sich weicntlich zu.verändern. Ungarische Kronenwette sanken um 3*/* Jur übrigen verweisen w:r auf die nachstehenden Schlnßkurse: AnLustVi»-U»Ler«etzAr«»sen. Allgemeine Baugesells?ba,r 655.— Unionbau 600.— (4- 1.5V), Wiener Baugrsellschast —.— (— —), Königshsfer Zement — — —Perlmoeser Zement 2190.— (-f- 90.—), Wienerberger Äregrl —.— (— —Aefirrger Brauerei 1250.— (+ 40.—), Sarasevo —(-.—), Aussig Lhem. —.— (- "Brosche SpiritnS 2825.— (— —»—), Carborundum — (-.—). Clsrhrldc 2110— (-.—), A. E. G. Union Elektr. 1828.— (+- 28.—), Bereinigte Elektrrsche 1082.— (st- 3.—), 'Gltmrns Gchuckert 1565.— (st- 74.—), Aivine 36»St— (st- 85.— Bergnnd Hüttenwerke 8700.— (-.4-), Austria Email —.— (_ —Egydier —(-.—), Enzesfelder 1865.— (— —Festen & Guilleaume 3990.— (-), Greinitz Eisen 2230.— (— —.—). Hutter & Schrantz 1280.—(4- 53.—), Krupp A.-G. 1460.- (+ 19.—). Poldihülte 2400 — (st- 45.—), Prager Gnen 6200.— ist- 260.—). Rimamurany 2970.— (st- 90.—), Skodarverke 2260.— ^st- 20.—), Waffenfabrik 8875.— (st- 35.—), Bräxer Kohlen 5900.— (— —Gran- Szaszvarer —.— (— —.—), Rordung. Kohlen — (-.—.), Oberung. Hütten 5506.— (4- 180.—). Rossitzer (— —Salgo - Tarjaner 6570.— (— 265.—), Trifailer. Kohlen 3295.-(st- 50.-). Ung. Allg. Kohlen 7300.-(- Urikanh 4320.— (— —Bertscher Magnesit 13.600.— (— —\ Westdöhm. —.— Wolssegg 1430.— ist- 20.—), Darret Maschinen —(— —.—), Brünnrr Maschinen 1600,— (— 119.—), Daimler Motoren 1145.— (st- 10.—), Flatwerke —(-- —.—), Heid Maschinen 785.— (— 1.—), Hosherr & Schrantz 837.— (st- 11.—), Srgl Lokomotiv 1435.— (-st- 20.—), Rufton 2260.- ex Coupon, Simmerinaer 1190.— (4- 40.—). Elbemühl —(— —), Lehkam-Ioseisthaler 2110.— (st-10.—), Nrustedler —(— —), Apollo 3860— (st- 50.—),. Fanto 17.400.— ist- 1300.—), Karpathen 11.400.-.(st- 1420.—), Galizier 23.400.— (st- 1650.—), Schodnica —(— —.—-), Cosmanos. 2560.— (— 85.—), Fezfabriken —(-Schoeller Zucker 6750.— (st- 70.—), Schonpriesener 3150.— (— 50.—), Orfterr. Eisenbahnvrrk. 1865.— (— 13 —> Ung. Elsenbabttverk. 1050.— (st- 40.—>. Wremc Waggonfabrik 1190.— (— 80.—), Gernzrvß 672,— (st- 12.—), Holzhandel-geseÜschsft 2380.— (— 10.—), Türkenlose 1615.-— (st- 17.-). Trern«P»rt-^n4e«roh«»HMs«er. AdrialS.875.— (st-175.—), AnssiS"Trplrtzer — (— —Bvschtehrader lit A — (--.—), Hnschtchrader üt. B 1560.— (— —.—), Dona«- Dampf. 9200.— (+ 400.—), Ferdinands-Nordbahn 12.730 — (st- 335.—), Graz-Köftacher 4150.— (st- 100.—), Kaschau-Oderdrrger 1210.— (st- 50.—). Lemberg - Czernowitzer 1849.75 Don L. Schapieo. btm Jiddischen übertragen von Siegfried Schmitz. (4. Fortietznna.) r Sie tzilt nit‘3 der Stube und fällt in die AtrinL eines linden Windes, der wie ein Sonnnerregen iriecht. Unwillkürlich schließt sie die Äugen. Dann läuft .sie zurr Weide und blickt herab. |i . Das EiS bewegt sich. Beile bemerkt, daß unter fcettt Eis ein Riese kariert unb sich bemüht, mit der Kraft; seiner Schultern die schwere Decke zu heben. Dvs Eis biegt sich uitb birst an manch.'nstellen, dann senkt es sich wieder. Der gefangene Riese wird nntzebärdig wild und in Hellern Z-orn verdoppelt er seine Iraf4. Das Eis wehrt sich verzweifelt gegen die stem- Menden Stöße; vergebens: es bricht und kracht. Eis--^ stücke fliegen auf und fallen nieder wie tote. Fische, den ,weißen Bauch nach vben gehehrt ... Wasser fließt jaus den Wimden, umspült das Eis, reinigt es und — verschlingt es. Plötzlich erzittert die ganze Müsse und «bewegt sich. In . Hast und scheuer Eile jagen riesige l Eis stücke flußabwärts wie eine geschlagene Armee, ohne Ordnung, ohne Ziel. Die Sonne hebt sich immer höher und verfolgt die Fliehenden mit stech-rnü-heißen Pfeilem Hie und da verfängt sich ein Stück Eis in'erstem Üferwinkel und stirbt eines langsamen fchknerzlichen iTvbes. Mit trauriger Angst blickt es zu den Gefährten hinüber, die wie toll vorüeijagen. ' ' Die letzte Eisscholle ist verschwunden. Welle um Welle jagt heran. Das Wasser verschlingt-das uiedrigjgelegene linke Ufer und bricht in diö Seitentäler ein. Bei Nacht hört Bejle vom Fuße des Berges her ein kurzes, tiefes Gurgeln, als unterdrückte der Fluß ein Lachen und risse sich kichernd aus stark»asseuden Händen ... Wieder hat das Leben seine leuchtenden dlugeri ge- IM/ ' VII. Es gab einen einzigen Lebenden, mit dem Beste Freund zu sein versuchte. Das war I a s ch k v. das siebenjährige Söhncheu des Filip -Karpenko, des Bauern, der drüben jenseits des Ftnffes in einem kleinen Häuschen wohnte. Jaschko hatte eine niedrige Sinn, graue Augen, ein breites, kurzes Gesicht und weite Pluderhosen. Nie trug er einen Hut und sein weißes Flachshaar fiel ihm Aber die Augen tief ins Gesicht. Dcn Mund hielt er stets offen und sein kleiner Finger weilte immer bei ciiumcher beiden Nasenlöcher znm Besuch, lieber alles, was er sah, staunte er. Einmal stand Jaschko neben dem Friedhofzaun und guckte auf die grüngelben Birnen, die auf „Großmutters Daum" wuchsen. Er staunte, wie er es immer tat, und daS Wasser lief rhm im Muride zusammen: in seines Baters Garten wuchsen viele Arten von Birnen, aber gerade solche .nicht. Beste ging am Zaun vorbei und blieb stehen. Ja'chko stamäe. Beste lachte hellaüff ,Er hat weiße Haare! — ries sie lachend und deutete mit dem Finger auf den Jungen. , VWas?" fragte Jaschko und bl-ckte sich um, spähend und suchend, auf wen sie wohb deute. „Dü hast weiße Haare, ich habe schwarze!^ — sagte Bcijle nähertretend und zerwühlte ihr Haar. Jaschko streckte die Hand ans, um ihr Haar zu befühlen; er wußte noch mutier nicht recht, was sie meine. Beste lachte wieder hell aus, uud verlegen zog der Junge seine Hand zurück. Die beiden Kinder blickten einander an. „Gib Birnen!" — platzte plötzlich Jaschko heraus — uud staunte. Bejle stieg flugs aus den Baum. Jaschko kämpfte lange mit sich, dann sprang er über den Zaun und kletterle ihr nach. So .begann die Bekanntschaft. Dan wußte lauge nichts von der Freundschaft der Kinder. Er: «ar sehr überrascht, als ec eines Tages Jaschko unt Beste zusammen aus dem Friedhose sah. Jaschko entlref. Dan wurde rot: ^Was ist das für rin Beugel?" .Beste antwortete gelaffen: „Jaschko . . J „Jaschko? Was für ein Jaschko? . . . Pfui, mit so einem Brntzfl! . Bejle war verwundert: „Warum? . .." „Warum? . . . Wie denn? ... Du bist doch ein Judenkind, was läßt du dich mit ihm ein? ... * „Es ist doch Jaschko!“ — erklirrte Bejle. Ihre Verwunderung stieg. i „Hör an: du bist ein Judcnkind und er ist ein Goj; — verstehst du? ... '' Bejle verstand nichts. Als Jaschko am nächsten Tage wiederhmt,. spielte sie mit ihm wie früher. Sie war 'im Spiel stets die Führende, schlug Spiele vor, ersann neue und wichtige „Lebensfragen" entschied sie. Jaschko dagegen war faul, phlegmatisch und gehorchte ihr ohne Widerrede. Sein größtes Vergnügen war, mit gekrcusten Beinen, den Finger in der Nase, dazusitzcn und gedankenlos ins Blaue zu starren, Gott weiß wie lange. Da lkam es denn vor, daß er darüber einschlief; er erschrak heftig, wenn ihn dann Bejle mjt fröhlichhellrm Geschrei weckte. Er kam Tag für Tag Birnen vom Baum reißen, spielen und schwatzen. Die Gespräche der Kinder waren recht sonderbar, sonderbar auch die Sprache, ein Hilfsgemisch aus Jüdisch, Russisch. Gebärden und Lautnachahmung. „Hast einen alten Großvater?" — fragte Beste mit Jutereffe. Jaschko hielt den Finger weiter in der Nase und schüttelte den Kopf: „Nie. *) Bei mir Tatko *) und Mafias) und rin Brat <) und zwei Schwesterleiu . „Und Hruschki^) sind bei dir im Garten?" „Ja. Und Himbeeren und Korowa." °) „Korowa? . . .* wiederholte Beste in unsicher fragendem Ton; sie wußte nicht, was für eine Art Obst das sei. *) Nein. *) Vatec. s) Mutter. 4) Bruder. 5) Birne.:. 8 Kuh. (Fortsetzung folgt.)