Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 540 (24.7.1920)
- Date
- 1920-07-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 540 Wien, Samsta- Wiener Morstenzei-unq fcii -;-:-: :—.-:- —=:-!—;- BesonderenVrrhältnifiewurdebeschlosir«. keineDivldendr Wk verteile«, sondern den Betrag Tür den Reservefonds adznlegen, der sich somit gegenwärtig auf 35.854 Pfund Sterling beläuft. Das Zahlung-- und AnnahmeverboL im Verkehr mit Enttnteangehörigen. t Der Staatsvertrag von Samt-Germain nimmt für Kfe Abtragung der Geldverbindlichkeiten zwischen Angehörigen der Republik Oesterreich und Enrenteangehörifeen zwei Methoden in Aussicht: Den direkten Verkehr zwischen Schuldnern und Gläubigern oder des jClearing von Staat zu Staat. Die ehemals feindlichen Staaten haben sich innerhalb eines Monats zu Entscheiden, welche der beiden Methoden sie wählen fererden. Damit nun während dieser Zeit das Clearing!nicht durch private Abmachungen gestört werde, verpflichtet der Friedensvertrag sämtliche Vertragsstaaten tzur Erlassung von Zahlungs- und Annahmeverboten. Dieser Pflicht kommt die österreichische Regierung mit seiner Vollzuganweisung nach. Das Zahlungs- und Anßrähmeverbot bezieht sich nicht auf Schulden und Forderungen, die nach dem 4. November 1918 begründet tvorden sind oder erst nach Inkrafttreten des Staats- Vertrages von Samt-Germain fällig werden. Sie finden Anwendung auf die Angehörigen der Vereinigten jStaaten von Amerika, Großbritannien und Irland samt hen britischen Besitzungen Uebersee und Indien, Frankreich, Japan. Belgien. China, Kuba, Griechenland, Zticaragua, Panama, Portugal. Siam: ferner Italien, Polen, Rumänien, Königreich der Serben, Kroaten Und Slowenen, Tschecho-Slowakei: bezüglich der fünf letztgenannten Staaten jedoch nur, insoweit es sich nicht Um Schulden und Forderungen zwischen österreichischen jStaatsangehörigen und anderen Angehörigen der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie handelt. Rechtsgeschäfte gegen dieses Verbot sind nichtig. Wer hem Verbot zuwiderhandelt, haftet dem Staat für allen diesem hieraus entstehenden Nachteil und wird von den Gerichten wegen Vergehens mit strengem Arrest von «einem Monat bis zu einem Jahre bestraft. Neben der Freiheitsstrafe kann auch eine Geldstrafe bis zu ß00.000 Kronen verhängt werden. . , Pol«isch-it«lie»nsche Handelskammer. AnS Warschau Wird «nS gemeldet: Bor einigen Tagen fand hier du Eröffnung her polnisch-italienischen Handelskammer statt. j ttatatenfenrfe. Im gestrigen freien Berkehr notierten M ark»o ten K 4.50, Lei kl 4.93. L i r e K 10.20, Rübe! K 8.10, Schweizer frro« cdK; 30.75, DollarX 177.50' Pfund Sterling K 670.—, Dinars 10.10, tlchechifchr Kronen K 3.83. ungestempelte Noten K 100.—, «lkgarifche Noten K 105.—, polnische ,M a r k K ICO.-. I BalnteaauSfnhrverLat f« Jng«sla«ien. Ans Delarad wird nnS gemeldet: Der Finanzminister hat' die Ausfuhr von t s ch e ch o - f l o w a k i s chr u K r o u e n, deutschen Marknote u und rumänischen Lei .im Wme von mehr als 2000 Dinars verboten. Wiener Börse. Die gestrige Bö.kr «roffnrte in lustloser Halt««- mangels einer kräftigen Anregung. Zur Zurtickbaltung trug wieder der polnvch-rnsstsche Konflikt tri. Vorübergehend zeigte sich neüridin-S erhöhtes Jnterrste für Südbahnwerte, doch konnte sich die Avance ««ch in diesem Werten nicht voll behaupten. Dem Berkehr waren sowohl ,n der Kulisse wre auch im Schranke« enge Grenzen gezogen. Die anfangs stärker rückgängig gewesenen Petio'eumwkrte brächten einen Teil ibieS Verlustes wieder Herrin nm Rücksicht «uf daS WaffknftillstnndSanbol Polens. Aönigshofer Zement ' ermäßigten sich um K 210. Prager Ecken um K ioo, Dampfschiff »« K 150, Graz-Köflacher nm K 50, Nordbahn am K 105, Galizia wurden gegen die letztpemeldele Notierung um ll 800 HSyer bewertet. Rente« waren eine Kleinigkeit billiger erhältlich, Krirgsanleiben nnglrichmaßig. Im übrigen velweisen wrr auf nachstehende Schlußkurse: Lwdwsttir-rswtvWMetzMßM-eO» Allgemeine Bemgesell* schüft —(-.—), Ünioubem 598 50 (— 1.25), Wiener Vanaesellschsst —(— —X KSnigShofer Zement 2600.— (— S!0—X Perlmoofer Zement 2100 — (-.—h Wienerberger Iiegel —(— —.—), llirsinger Bremer« 1SI0.-7- (— —.—). Garojev» —.—° (— Auffig The«. 6850.— (— 100.—'s, Mrolche VpiritnS (— —Tarborvndnm 8000.— (-.-), TlothLdr -.-(- «. E. m. Untat Elektr. 1200.— (— 25.—), Vereintgte Elektrische 1073.— (4- 14.—), Siemens Schnckert 1491.- (- -.-), Alpine 2965.— k- 45.-', Versnnd Hüttenwerke —(-.—), Anfiria Email —.— (— —.—), Egtzdier —t— —EnzrSfelder 1865.— (-Kxlten L Guilleaume —(-.—), Greinitz Eisen —(-Hutter A Schrantz 1227.— (— 20.—), Krnpv A.-S. 1441.— H- 11.—), Poldthütle 2355.— (-.-), Prager Eise« 6000.— lfö.—), Rintamnrantz 2880.— (— 11.—), Gkodawucke 2180 — (4- 13.—). Naffenlnbrik 2840.— (— 35.—), Crärtc Kohlen 5900.— (4- 50.—', Gran« VzaSzvarer 2785.— (-f 35.—), Rorbnng. Kohle« — (-.—), Obern«-. Hütten 5820.— t— 55.—). Rossttzrr 2300.— (— 40.—), Salgo Larjaner 5305.— (— 20.—), Trifailer Koblen 3240.— (— 35.—). Üng. All«. Kohlrn —(-.—), llrikantz —(— —.—), Veitscher Magnesit —.— (— —\ Westk>öbm. 3450;— <-.—), DoliSegg 1410.— >-4- 25.—), Danek Maschinen 2400.— (— —.—>). Brünner Maschinen 1719.— (-> 6.—). Daimler Moore« 1135.— (— 10.—), Fiatwerke —(— —-.—), Heid Maschinen 786.50 s-4- 4.50), Holdere & Schrantz 826 — (+ 11.—), Sial stokvmvtiv 1415.-- (— 30.—), Änston 2189.— (+ 37.—), Simmenn-er 1150.— (-»*• 18.—), Elbrmüht —(-.—), steh kam«Ioseta tbaker 2100.— (— io.—), Neusiedler —(— Apollo 3810.— (-.—). Konto 16.ioO.— i— 100.—), Karpathen 9980.- (— —.—\ Galizia 21.750.— (+ 300.—), Echodnica —(— —.—). ToSmanoS 459,.— (-4- 3.—), Kezfahriken —f-.—), Gchvrller Zucket 6680.— {— Schi«- priesenrr 3200.— l— 40.—), Oestrrr. Eisenbahnverk. 1878.— (— 2.—' Uw«. Eckrnbahnvrrk» 1010.— (4- 5.—', Wiener Waggonfabrik 1110.— (— 82.—), Gerngroß 660.*- (4* 18—),' Holzdandil-geskllschaft 2390.— (— —Tnrkenrose 1698.— 1+ 48.-). Ln««sp«rt-U«dev>,»k«rmse«. Adrial 0.100.—(+160.—), Aussig-Tepbtzer — .— (— —.—X Bnschtehrader Ht. A —.— (-.—), Bufchtebrader lit. B —(— —.—), Dona«* Dambf. 8800.— (— 150.—), Kerdinands-Nordbahn 12.395.— (— 105.—). Graz-Köstacher 4050.7- (— 60.—). Kaschau-Oderbergrr 1160.— f— 30.—), Lemberg * Czernowitzer 1806.— (— 20.—). Lkovd —.— k— —.—\ Navigazionr — (-.—), Etaatsesienbabn 8?80.— (— 22.—). Lombarde« 839.— (— 1.—). 2*/. Südbdb^-Prtsr 1108.— t— 4.—). StIatSbahn* Venu-scheine 2153.— (— 19.-). Mairente 89.— (-.25', Kebrnarrente 92.75 (-.kV), Oestrrr. Kronrnrrnte 83.75 (-.50), Oestrrr. Gvldrente —(— —Ungar. Goldrente —.— (-.—), Ungar. Kronenrente 105.— (— —.25). Qftitfcett. Angls-Bank 725.— f+ 1.—\ Oesirrr.-bvSn. Bank 618 — (— 2.—). ünaar. Bank und Handels. — f— —.—), Bankver«« 775.— l-i- 6.—), Bodenkredit 1700— (-Oestrrr. Kredit 979.— (— 5.—), Una. Kredit 1754.—' (+ 4.10', Depositenbank 725.—- (4- 10.—), Nicderöft. Eskomptegrs. It80.— (— —.—), Ung. Hypotkrkenbark 560.— (-X Landerbänk 930.— (— 5.—;, Bostt. Landesbank 678 — (-»- 33.—). Mercür 810.— (--.—). Oestrrr.-ungar. Dank SS70.— (-4- 70.—, ünionbank 805.— (+ 15.—\ VerkshrSdank 605.— (+ 5.—). Zivnsstenska 1525.— (— 13.—). Derttxer BSrfe. Berlin, 23. Juli. An der Börse vollzog sich heute ein Kulissenwechsel insofern, als im Zusammenhang mit der starken Steigerung aller ausländischen Devisenkurse infolge der rirckläufigen Bewegung des MarNurseS daS Interesse von den seither begünstigten deutschen Kohlen--, Eisen-, Kali- und anta8 Schuber & Brenner Wien, I, 6eor| Cocbplati 5 / Telephon Rr. 1813Ö Jtalantistc vmMdrlwz aller kokmässtgon Traas&ktlcnon Im Innnd Anslmdo. ^5 24 IttN!U20 Seite 7 sonstigen Jnbustriewerten sich abwandte und bei lebhafter Geschäftstätigkeit auf die sogenannten Valutawerte übersprang. Die ersteren wurden stark realisiert und mußten einschließlich der Schiffahrts-Aktien bis vereinzelt 12 Prozent abgeben. Dagegen hatten Petroleum-, Kolonial-, Schantungbahn- sowie Baltimore-Aktien, ferner Deutsch-Uebersee-Zertisikate und die mexikanischen Papiere teilweise ganz stattliche Kursgewinne zu verzeichnen. Deutsche Erdöl-Aktien stiegen bis 1726, / Deutsche Petroleum-Aktien bis 830. Später konnten die f deutschen Papiere ihre Verluste zum Teil wieder hereinbringen, doch blieb die Tendenz auf diesen Gebieten bei stillem Geschäft unsicher und zurückhaltend bei weiter vorherrschender Neigung zu Rückgängen. Dagegen konnte sich die feste Stimmung für. Balutenwer^ unvermindert behaupte«. Der Renteumarkt lag still. Auf dem Markte der zu Einheitskursen gehandelten Jndustriewerte überwogen ebenfalls Realisationen. Die Devisenkurse. Wim, 23. Jult. CJtmfe der ssterr. DMmzuUM«.) Amstertza« 5600.- (5600.-), Verl« 443.50 (447.-), Mich 2750.— (2700.—), Christinnia 2600.— (2550.—), Kopenhagen 2*50.— (2500.—), Stockholm 3400.— (3350.—X Maeb-Aoten 439.50 (443.—), 8ri-Notr« 410.— (440.—), 810.— ,Y1S.—), Gchweizer Noten 2725.— . <2675.—), Gr«uöfifche Not« 1225.— (1275.—), -tolienische Noten 525;— (950,—), Englische Noten 595.— (585.—X Dollar-Skt« 160.— (150.—), Nudel-Noten (NomanowS) 290.— (290.—X Wie«, 23. Juli. (K«r s e. i« freie» Verkehr.) Agram 246.— bis 270.—, Vndapest: Lahlnng i» Dosispnrkasiagrld 100.— bis 112.—, Budapest: Zahlung in grstemvelt« Not« 100.— 5iS 112.—, Ungarische gestempelte Rot« 100.— bis 112.—, Warschau, Krakau in poln. Mark 88.— biS 100.—, Arag 871.— bi< 891.—, Tschecho-slow. Kro««n»t« 5000er 874.— bis 894.—. lleinere 875.— bi< 395.—» Rene Dinarnotkn 085.— dis 1035.—. Berlin, 23. Juli. (Devisenkurse.) Amsterdam 1508.40 (1368 60\ Antwerpen 854.10 (338.65', Christiama 709.30 (646.85X Kopenhagen 699.80 (614.35), Stockholm 939.05 (856-60), HelsingforS 155.80 047.80), Italien 232.25 (222.75), London 167.80 (155.10), Rew-Nork 45.46(40.20), Paris 333.65 (318.65), Schweiz 769.20 (69680). Spanien 697.30 (629.35), Wien alte- 24.02 (23.97), Wien abgrstempelt 25.09'/, (25.34'/*), Prag84.65(84.52'/,). Budapest 24.17 (23 92). Prag» 23. Juli. (Kurse der Amsterdam 1658.50 (1608.50), Belgrad 275.— (278.—), Berlin 117.25 (117.75), Bukarest 135.25 (136.25'. Dost« 10326 (106.75), Zürich 828 50 >808.50), Kopenhagen 778.60 (763,50), Stockholm 1033.50 (1013.50), Mailand 271.— (271.—), Paris 377 - (377.-). London 183.25 (17825), Rew-V»rk 45.— (45.50), Wie» 25.87(25.75), Brüstet 40 t.—(404.-), Agra« 68.50 (69.25', Warschau 25.- (26.-), Budapest 27.25 (27.25), Jugoslawische Noten 272 — (275.—), Marknot« 116.25 (116.75), NnmLnrsche Not« 131.25 (132.25), Bulgarische Noten 100.25 (103.75), Schweiler^ Noten 824.50 (804.50), Dänische Rot« 774.50 (759.50), Schwedische Noten 1034.50 (1009.50), Jtaliemsche Not« 268.— (268.—X Eranhöstsche Not« 874.— (874.—), Englische Noten von 1 Pfund Sterling aufwärts 181.25- (176.25), brS 1 Pfund Sterling, 180.25 (175.25); Amori« konische Not« von 10 Dollar auswärts 46.— (44)50', von 1 biS 10 Dollar 45.— (43.60), Oestrrreichckche gestempelte Krone» 24.87 (24.75V Holländische 1653.50 (1603.50), Belgische 401.— (401.-7, Serbische Noten — zSrich, 23. Juli. (Devif«?»xse. — Mitgeteilt von der bchweqerische« Kreditanstalt.) Berlin 13.50 (14.50). Holland 199.25 (199.—), New»Pork 578.- (574.-), London 21 99 (81.98. PanS 44.— (45.75), Mailand 31.— (32.—). BrSffrl 48 25 (49.25), Kopeuhag« 9150 (94.—), Stockholm 125.— (125.—), Ehriftiama 95 — (95.—), Madrid 91.— (91.—). BuenoS-AireS 225.— -?25.-). Praa 12.—! 12.30', Agram 7.50 (8.50), Budapest 330 (3.50), Warschau 3.— (3.30), Belgrad 30.— (34.-), Wien Geld 3.60 (3.70', Wien Ware —(—.—), österr. gefi. Kronen Geld 3.60 (8.80), österr. gest. Krone» Da« — Amsterdam, 22. Juli. (Devisenkurse.) London 11.05'/. (11.06'/.), Berlin 7.23^ (7.35), P«iü 22.95 (23.55), Schweiz 50.15 (50.32*/,), Wien 1.80 (1.87'/,X Kopenhagen 47.50 (47.35), Stockholm 62.85 (62.80), Christian« 47.30 (47.75), New-York 289.— (288.—), Brüssel 24,45 (25,50), Madrid 45.70 (45 30), Italien 17 — (16.70). Die Stadt der Toten. ' Bon L. Schapiro. 1N»S dem Jiddischen übertragen von S i e g f r i e d S ch m i tz .(st. Uortsetzsvg.) Auf dieser Weide sitzt die kleine Bejle gar gern And blickt auf den Fluß. Unten steht am anderen Ufer die dunkelgrüne Fährhütte. An ihren beiden Seiten wiegen sich Kähne nnd Flöße. Manchmal raucht ein Dampfer vorüber. Bejb guckte neugierig auf das Deck: Da steht eine Bäuerin, in ein rotes Tuch gewickelt.. . . Neben ihr ein Mann in einem runden, steifen Hut, «ine Brille auf der Nase . . . Wieviel verschiedene Menschen es doch auf der Welt gibt; bald grün, bald!rot, mit Tüchern und Brillen. Das find wohl dort fear keine echten Menschen, das ist nur Spielzeug. Wie schön wär's doch, solch ein Spielzeug zu öffnen und zu sehen, wie es innett au§sieht! Da müssen Rädchen Mnd Walzen und Zähne drin fern — wi^ in Großvaters salter Wanduhr, die einmal her ab ge fallen ist und seither .so krächzt. . . Sonderbare Geschöpfe, die Menschlein jbort und die Uhrrn . . . Manchmal verläßt Beile den Stamm der 'Weide, Mßt eiirsn Ast und hängt sich mit den Häliden an ihn. ,Die Weide wiegt sich nnd murmelt etwas . . . ja, sie ,Murmelt .etwas! . . . Bcjle schwebt leicht und frei. Äenn sie hinabschaut, sicht sie, wie der Fluß ihr entijgegrnwllt, auf und ab. . . Dan sah sie einmal so, schaukeln. Die Haare standen ihm zu Berge. I So wuchs Beste auf dem Friedhof heran. Säfte chvben sich vom Boden und flössen ist ihre Ader«, drangen in ihre Knochen und kräftigten sse. Die Sonne füllte und färbte ihre Wangen, wie sie die Aepfel füllt nd färbt. Blumen blühen und Bögel singe« des Sommer- Lied. Und die reinen, stille« Seelen d«r einst so. frird* ifeft» Stoffs« fcMte» m Seife mh Irde» ihrer Schritte; sie flüstern ihr ins Ohr: „Du Kind . . . Du Mädchen . . . Mädch.n . . . Kind ..." IV. Im Elul, als auf das heiße, erregte Antlitz des Sommers die ersten Spuren der Müdigkeit traten, da wallte das Leben in der Stadt dort unten stärker auf, brandete an den Hügel mit stürmischen Wellen und ergoß sich in die Stadt der Toten. Vom Morgen bis in die späte Nacht zogen über den Weg, der die Toten mit den Lebenden verbindet, Scharen von Männern, Weibern und Kindern zu Fuß und zu Wagen, bald vom Friedhof, bald zum Friedhof. Das graue Tor unter dem spangrünen Dach stand breit offen und das Leben strömte durch, das Leben als hungriges Bettlertum und als wohlgenährte Behaglichkeit. Beim Torweg stand eine Gasse von Bettlern und Krüppeln. Gekrümmte Greise und bleiche Weiber mit tränenverschwvllenen Augen streckten ihre Hände aus, ächzten ünd murmelten mit scheuen Stimmen. Manchmal wurden die Stimmen voll, wenn einer mit dem anderen um Gaben stritt. Hart am Tore saßen an zwei langen Tischen Juden mit Tellern und Büchern und Zettel« und Büchsen und schrieben den ganzen Dag. Von allen Seiten des FriedhvfplanS, zwischen den Grabsteinen, aus den fernsten Winkeln drang Gebet und Weinen und Schreien empor, langes, wehes, kummervoNes Schreien. Menschen stießen es aus, in Weh und Kummer und Sorge. Die Seelen der Totenstadt erschraken. Bon oben war strenges Gebot gekommen, dcn F iedhof den ganzen Monat hindurch nicht zu verlassen. Run bargen sie sich in ihren Gräbern und hörten all die Klage» und Sorgen, die alte» Leiden und daalte Weh, dem sie längst entrückt waren. Auf ußtäta» «»k Wachse« Md Ssele» lall starr und schwer ein zusammengewürfeltes Gemisch vvv Sonnengold und Menschenstöhnen. Ebenso wie sich der alte Dän nicht' an den Tod gewöhnen konnte, so konnte sich Bejle nicht an das Leben finden. Seit sie Leim Großvater wohnte, war sie vielleicht dreimal in der Stadt gewesen. Immer kam sie verstört heim. Wenn man eine» neue» Bel« wohuer zur Totenstadt brachte, versteckte sich' Bejle zwischen den Gräbern und betrachtete aufmerksam, mit wilder Unruhe, das Totengeleit, die Menschen . .. Sfe erschienen ihr alle fremd und fern, wie jene Menschlein auf den Dampfern, die sie von der Weide aus sahs. Es schien ihr, als seien das Menschenfiguren; und' keine ganz einfache Bejle war unter ihnen: sie tun so,'als ob sie gingen, sprächen und-weinten und lachte» - — doch das ist so mechanisch! ... Großvater, der ist ganz anders. Er ist — der Großvater, BejLes Groß«- .Vater. Sie weiß, wie er wirklich ist, ob er nun sich bemüht, böse dreinzuschauen, wenn er ftoh ist, oder froh zu scheinen, wenn sein Her^ schwer ist. Ja, Gxvß^ Vater ist fast wie Bejle, aber die anderen Mensche« — nicht. Wenn aber der Elul. kam, konnte Bejle keine Ruhe finden. Den ganzen Monat hindurch kochte und schäumte um sie das Leben. Immer und immer kreischten um sie die Rädchen in den sonderbaren Spielzeugen, drehten sich fieberhaft rasch; und die Menschen weinten, murmelten etwas und weinten wieder. In manchem Menschlein verrissen sich die Rädchen ineinander und standen einen Augenblick still; dann stieß bas Menschlein ein ersticktes Stöhnen hervor und fiel wie eine Glieder-« puppe vor dem Grabstein nieder . .. Oft glaubte Bejfe daS Spiel zu verstehen. Vergessene BiLer und üjzl*] furtPene Klänge tauchten in ihr auf, fern fejfe deutlich *» , I fö&rfttuuLfDlaU