Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 539 (23.7.1920)
- Date
- 1920-07-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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wnc o rcex* tf-rtuag iwvrwfw ar«.^ov6ptr<«yrg»wwy c<(y. s.vtxi> Vtt» mmh Die Stadt der Toten. Bo» L. Schapiro, kl«§ dem Jiddischen übrilrageu vonSiegf r i-e d S rf> m i jj. (1. Fsrtsey«o«.) Einmal freilich, da ist das Häusch-'N nicht so feer gew^e^u! Söhne. Töchter, Schwiegertöch-er und Schwiegersöhne waren darin. .Alles fort, zerronnen wie Wasser! Einige sind tot, andere in Amerika, rrn^- dere — Gott weiß wo! Nicht gar lang ist's her, da hat noch Dans Frau gelebt. Da' war es doch iii - dem kleinen Häuschen viel traulicher gewesen als jetzt... tzlber vor etwa drei Jahren, als man nach „der" Geschichte, die kleine Bejle herbrachte, da ging's zu Ende mit der.Alten. Zwei Monate nur.vergingen seit dem Tage und die Alte zog aus der Stube, dorthin unter den alten Birnbaum, der neben dem Zaun steht .> Wenn es dem Alten gar zu sehr das Herz abdrückt, da schleicht er sich leise, daß Bejle nichts merke, zum B-aum. Er - liest, als wäre es rum ersten Male, die Kopfe drängt sich etwas — nicht Gedanken, eher närrisches Zeug: und das Herz, zittert ein wenig. Einmal' merkt der Alte: Neben Molke ist so ein schönes Plätzchen, ein stiller, friedlicher Winkel! . . . Doch! — sein. Ruhort wird ja dort sein, zwischen den Männern!'. Bevor er vom Grabe geht, streicht er jedesmal' mit den Fingern über die Buchstaben des Grabsteins.' Dann geht er langsam dem Hause zu.. So wohnt der alte Dan mit Bejle, seinem Enkelkind. Als sie in die Totenstadt kam, war. sie still und scheu und ging wie träum wandelnd, umher. Jetzt uhe.r klingr ihr' Lachen durch den stillen Ort der Heiligkeit. Sie hat schwarze Locken und .in ihrem blassenGe-: sichtchen lachen zwei hellblaue Aeüglrin. „Ein Königskind!" geht es dem Alten durch den Kopf, wenn tt sie sieht. Es wird ihm eigen ums Herz vor ihr, als wäre er jener altgetreue Diener int Märchen, dein .dje hohe Ehre-zu fiel, eine Prinzessigzu hüten. Der alte Dan hat graue harte Augen und einen böKborstigen Bart. Er weiß es uüd versucht vor Bejle' ein grimmes Gesicht zu machen, wenn ec streng sein will. Doch die Kleine suhlt- Großvaters gutes Herz..' und lacht. — sie lacht so freudig helli baß der alte' Dan mit den Augen blinzelt; dann brummt er etwas und —?seine Finger streicheln ihr seidenweiches Kinderhaar.;; ' D-och'<hDr'. Me..-'seine '-lreb< Sorge mit idem Kind. „Ich weiß nicht — das Mädel kennt keine ^Furcht!. Da klettert, sie schon wieder auf die Bämne! 'Aetzt '-springt>s.re /.Mer'den 'Zaun! Hui, da rennt sie -.zwischen..den.. 'KiräKeM' stMhHr.; .i'ich.- versuche es nicht -erst, sie einzuholen! Vergebene Mühe!..." : ' Dort wo" der. Fluß am Fuß des . Hügels fließt, sauf dem der. Friedhof liegt, ist.die Totcnstadt nicht mmzäzmt. Doi't . stürzt der. Abhang jäh zum Flußufer hinab. Dän hat: Furcht, jenem Orte auch nur -nahezukommen. - Doch ,Bejle springt. furchtlos den Whang hinäh, urch - . wieder zurück und badet und, schwimmt, lustig im-Flusse . Noch eines beunruhigt den Alten: .„Drredet - sie 'mir wieder .mit jemandem; jetzt lacht sie gar. Sie 'ist mit .ihnen!-zu dertvgut. Sieht sie sie denn? Es 'ist kein gutes.'Zeickken, wenn ein Lebender mit ihnen' 'so vertraut..ist ... . Sie ist'ein Kind, noch rein von Sünde. Da haben'.sie' keine Mach^ über sie. Aber Jetzt'. redet sie schon wieder! . . . Bejle! Mit mm sprichst du dort? . . Argen Schrecken abeMfteht der Alte aus, wenn Bejle ruhigsitzt: — das kommt wohl nur sehen vor W und in - Gedanken persinkt. Dann runzest . sich ihre : weiße,-glatte Kmbevstirn.wie bei eittchn steinalten Greise. ' Zwischen den. schwärzen schmalen Brauen zeichnet sich ejne lange dunkle Furche-und wirft einen Schatten auf das Helle Gefichtchen. Und ihre Hellen, blauen Augen werden dunkel 'und 'finsten, beinahe schwarz wieein grundlos tiefer Bergser. Der Alte zittert: er sieht, wie das Kind sich -quält,- um sich an etwas -zu erinnern. .Ihr-Gesicht wird -blaß und alt. So hat ihre Mutter ausgesehen, ja, ihre Mutter 7— sie ruhe in Frieden! DaK Bild 'seiner,, TDter Mt M rLans Äugen ... Bejle!" — ruft der Alte - mit zitternder Stimy« lkllg f» it ".\V* »rf» f ff hin 3 ' minir '' " - idnDicht etwas^Men,'inerrl^Kind? . -.V- III. Aufdem 'Friedhof stehen einige Birnbäumeäusw st'Idenen kleine, hckrte Birnen wachsen. Bejle hat Dergnüg-m dar^rr, die herben. Holzbirnen zu essen.'Keine-' änderest schmecken, ihr so gut. Noch mehr Freude. niaMji es ihr,: einen-Ast zu fassen, und ihn .zu schüttel^...'. Die Birnen -hüpfen herab, tanzen , um Bejle herum wie Hagelkörner und manch schelmisches Birnlein versteckt sich im Grase und-ist nicht mehr zu finden, mag'S auch-vor B^es: Füßen .liegen. Bestes höchste Lush^ aber ist'es, ans den alten Birnbaum zu klettern, der neben.Wco.ßmsttjers Grah steht. Sie steigt bis zustr höchsten,, Wipstl,, reißt die /Birnen von den' dichten-, Zweigen und ' '.wirft sie /hinab nach rechts und links// Die Welt sielst' tzänz anders aus, wenn man' sie 'pqn/ der Spitze des Baumes besieht. Der Himmel weitet-' sich.' Dst..Erde.Mrd größer und der Friedhof kleirveL./ Man' Estnn N^Madtganz deutlich sehen: Sie sleM ' aus tviq-' eiü .stlttzs Kleid, aus grünen« roten,. tveißim^ und ' viehen/' schmsttzigen Kappen. Der Fluß ist gko^'.' und, -t^lustlts,sH..,ycäge, 'daM!, Wenn Großvater unten! vorbeHeh't, sitzht/er stö, .klein aus!' Und die .Füße sMts er so. Eigenartig^7--' es' ist -zum Mächen!! —, .«einen ,vör>/ den anstch-en uNHsex selbst pendelt in der Mitte . > . ' '! Ärn höÄschio'ch über sich Helles- Lachen. ErschwWt" -.blickt '^"rnrpÄr.. 'Sekten /gelingt es ihm/ mit BiWtz' Bchle' p-om BchlM zu ' bringen ... . , - . Ho. her' Abhang desF.LiedhdfS-zuM Flusse abfällig . wächst^sekne.j'rlüütne/Weide, Sie hängt über dem-.^ Mgruud? .Doch /sie steht sest;, denn ' mit' ihren Wurzytz /. fingeM. -hät-M-''Eich tjef in den'Lehmboden gegraLest.' und. ihre laugest ' bünneu Finger.ineinandergeschlungeu^,! 'Der HM chjMt/ihr!: Ztpeige in liebendem SpM'ÄM" die Weide träumt in stillem Glück . . D . ’ % :, * : : :: ' (Fortsetzung folgt.) . mmmmemia 7 7 V.7 7 *! 7 6 VJ VJ 7 Theater von heute. Bnrgtheater: Geschlosie«. Operntheater: Geschlvfse». Schöndrnrrner Schloßtheater : Geschlvsim. Volksoper: Der reiche Aehnl. - Deutsches Volkstheater: Geschloffen. Wiener Kammerspiele: Theodore & Ar. JosefftLLter Theater: Zaza. Neue Wiener Bühue: Uriel Acosia. Wiener Stavttheater: Sie. Nenaiffanee-Buhne: Geschloffen. Wiener Komodieuhaus: Das Sverrsechserl. Larl-Theater: Geschlossen. Theater an der Wien: Die blaue Mazur. Raimund-Theater: Wiener Dolkssängrr. Wiener BLrgertdeater: Der Memeidbauer. Zohan« Strauß-Theater: Geschloffen. Metrspol-Theater: Liebr aaf dev ersten Blick. Lnstspieltheater: Der Filmstern. Freie jüdische e. Eamkiag >ea 81 Juli UMJO, «achmittag- */43 Uhr» im Wiener Bürgertheater?14S Gedenkfeier für Jakob Gordifl Programm: Lortrag der Dr. L. S. Juri^ a«r Werschau: ^Eordi« vnv dar jüdisch; Drama" GaMirl L. Zungwirth LNLav LLn»«s«»«vU»s»a»A»»O«v« Drama in i Akten von Jakob Kordiu .. Ende nach Uhr f.4> IGmWm, BüllllMtl «NrSßte Auswahl! Billigst« Preise! Leopold St ei« hart Wien, 1. «ez . Biberstraße S. Telephon 4073/VNI Vir kau56n; Iiager- und Transportfässer stets lagernd; Adler«:Sohn SÜ;:I'i4”r»Sr'’«; WUMWM mmmm MWWWLM sei 11; Mzmmc MW r«^sh< < sri» t-r erteilt Unterricht in Volks-, Bürger* und Mittelschule, bereitet auch zur Aüfnahmsprüfung ln das Jüdische Realgymnasium vor. — Gefl. Zuschriften unter „Gründlicher Unterricht 595an die Administration des Blattes Gesucht für Holland! Jüdisches Öienstmldchen oder Witwe ron 80 dis 40 Jahren, die aueh streng rituell kochen kann. 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Telepbouistiu «it Praxi» - münfcht LtÄ" aröstrre« Unterneh««. .Fluit 914* an die Sd«i, des «latteS. -st» Unte rricht. Deutsche Sprach, mud i BUduugs-Kurse i fstr «chSler und Erwachse»» Tn»eld»vg:. > 1, Fleischmarkt 15, t-L UHrnaättm. Ob. tzonanstr.41.7-SNHrLMl W., »ohUe»e«^ 10, lC-U tem. •wo trt. SoidhM». «kEdemtter t erteilt Unterricht, 6cm reitet auch gründlich tz«d AusnahmSprÜsuuMiudle 1. VymuastalÄaste vvr. Gest. Zufchrifteu unter „Tüchtig und Verläßlich Nr. 615" a« di« Ad», des Blattes. . su C7a Vr bitten, ä/cä Her IXs Einkäufen, dfe Sie auf Grund von Anzeigen in oteiseremBlatte machen, aufdie,Wtigtiep Morgenzeitung‘ zu berufen, da Sie uns damit nützen und.sich nicht schaden TTTTTT JAKOB GELLES SpezUHM ffir'Stritnpf'Uttd Wirkwe».Jirie«i ti «ettifiuiee i CAakerftsf). ,td«. Td. 1S810 ALdßschft -WchWWGfte» G«rlMDAWEsc«sch»ft «.b.H. Leraatwocchchei: töebafteur: Sumuel Polak. Bmhdrmbi»i DLsiumKun, Wie«, lX. 49