Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 536 (20.7.1920)
- Date
- 1920-07-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ewcr Va.v.1 «US juau^acsraraii nm rviea» Diensta- Wintt Mprse»-Oit«»s 20. Juli 1920 Nr. 530. Ein literarisches Unternehmen. A«r dem Tohnmadoh» Sammy Gronsmanns. (7. FortieLllna? Ich komme vielleicht nie wieder zu Karger und Nvill gar nichts von ihm. Aber Ser Mann hat-mir soviel ^Freundschaft erwiesen." „Und das ist der Dank!" rief Jossel außer sich. . . „Gewiß ist das der Dank!" sagte Bert bestimmt- „Es gibt keinen besseren. Wenn der Mann den Brief bekommt, ist er glücklich! Er glaubt nun mal c.n solche Dinge und möchte Wunder erleben! Hast du eine Ahnung, was der alte Karger ist? Er lebt pur' für die Armen! Wer wird nach dem Nest, nach Garz an der Oder fahren? Kein Mensch! -Mer er hat »eine solche Reklame gemacht!" „Reklame? Wofür?" fragte Jossel erstaunt. „Für seine Herberge für Schnorrer. Mer es ist eine Herberge, wo man nicht zahlt, sondern noch Geld bekommt. Und man wird neu «ingekleidet. Man bleibt da drei Tage, vier Tage, und ruht sich aus. Da ist man, wirklich ein Gast, ein geehrter Gast. Und er ilst stolz darauf, daß manchesmal zehn solche Gäste da wohnender hat ein eigenes Haus für sie gebauL Dafür kennt man ihn auf der ganzen Welt, wohi.tr. nur ein Schnorrer'kommt! Warum soll ich dem asten Mann nicht die Freude machen? Und bielleicht komme ich doch mal hin!" „Und so eine dumme Geschichte glaubt der Mann?" sagte Jossel beklommen. „Kann ein. Jude so abergläubisch sein, so etwas zu glauben?" „Hast du eine Ahnung?" sagte Klatzke flachend. „Was deutsche Juden nicht alles glauben! Sie^glauben sogar an die jüdische Mission, von der ich dir erzählt habe." „Es gibt Juden Ln Deutschland," sagte Berl, „die glauben an alles, wa du willst, außer an die Thora. An die müssen nur die Leute glauben, die dafür besonders bezahlt werde>i!, Also her Rabbiner!' Wenn der Rabbiner nicht fromm ist, verdirbt er es mit allen, auch solche schimpfen auf ihn, die selbst nichts von allen Gesetzen der Thora.halten. — Und die Schnorrer! Es soll einmal ein' Schnorrer am Sabbat mit dev Eisenbahn 'ähren! — Oder ein Stück Schweinefleisch es'en. — Also es ist schon so: Der Schnorrer ist noch .der Erretter des bißchen Jüdischen in Deutschland!" „Nein!" sagte Jossel sich erhebend. „Ich kann mir das nicht denken — jüdische Mission —- Schnorrer, spazieren fahren — falsche Namen — ich will selbst sehen — mit eigenen Augen!" „Mit eigeuen Augen!" sagte Chane und blieb in der Türe stehen.. „Komm Jossel, Wir haben mit diesen Dingen nichts zu schaffen! Es kann.nicht so .sein! Und wenn es sv 'ist, wird es anders werden! Ich glaube,; das Schlimmste ist, daß die Juden in Deutschland von - uns russischen .Ju,den nur die Schnorrer kennen — und daß wO wieder bis ^jetztuduch nur einige Arten von deutschen Juden zu sehen, bekommen haben. Der : Schnorrer ijt nicht her russische Jute — und der Kre- - digerwird nicht.-der deutsche Jude sein; es muß auch! andere Juden, geben! Wenn aber alle Juden so wären ihr versagte, einen Moment die Stimme vor Erlregung — dann. wäre e's besser, wir verschwänden von : der Welt mit unserer Schande!" Und sie gingen.beide hipans. . ,Heutige Kinder^" sagte Berl Weinstein mit Nachsicht. „Sie werden schon selbst sehen!.-- Nun, ich gehe zur Börse." - - "... ,-Was willst dir auf der Börse?" fragte Klatzke und tauchte wie Fedet'ein. > „Mir einen Rock kaufen," sagte Berl. „Der Nock, : den ich von Karger bekommen habe, paßt mir zu gut. Damit kann ich nicht meine Besuche machen. Ich werde schon e)nen finden, der mir nicht paßt." Und daw.it ging er zur Altkleiderbörse in bcff Ü>äi 'icc WiliWn-SU aße. ■ V',\' ' i- IV. ' ■ 1 Klatzke mach!« sich ernstlich wieder'an die Arbeit^ die so la.k^> Unterbrochen - war. . Er... stacht', die.s Fehchch mehrfach in' den Aermel seiner wollenen Jacke, bis. endlich eine Faser hängen blieb und - schmiertemit!' der so präparierten Feder auf den vor ihm liegendes Briefumschlag in schi.'sen, unbeholfen ans sehenden Buch-, staben die Adresse: ' - . . an Hern laugerichtrat Levisvbn '' ' Berlin MaLttqikirchstraße 8. „Ser gehertör her wolgebnren forwas. si senen de» kent. fir a groisen filkantrop, fun idische orme laitwente» mich hi inen far groisen biternis nithybentig brut far esen di wab nn kiner gehörter her! wolgestnrew babenöig . gelesen iren gehörten aufruff an! di liberalen "fun voriges jor ich jenen imer für di liberale», forwas - ich hohe ich gefchriben faine bicher röwö inferen heiligen torasmoifche auf zi halten schabbys un. esen kuscher un bin ich fun: diebarimte idische gejertew rabmers, fun rusische. lau nor itz in groisen biternis u» iren wolgeburew in Lekenter grmsharzigkeit un< eddel» mitigkeit un idische frumkeit wulen stizen mit harzltH«, grisen. efraim Wchitz, Dragunersträße 44 a zu schtgM an-Bornstein fir Ufschitz." , Mit diesem an den Landesgerichtsrat Levysohw adressierten. Briese, hatte.Wolf Äatzke Mißgriff Mißgriff gehäuft: es -zeigte sich, daß er den Berliner' Verhältnissen doch-, noch rtrijt fern stand. Sonst hgttL er sich wohl gehütet, die-Ädressen für seine im Jnöev-«. esse Jossels und -int "Aufträge Berl Weinsteins zu» versendenden Briefe Einfach der langen Liste 'von Unter-« zeichiiern jenes Flugblattes zu entnehmen^. das er, unter! alten Zeitungen bei. Bornstein gestruden hatte. . " - lSwlnß folgt.) ■. Theater vsn heute. Brrrgtheater: Geschloffen. Operntheater: Geschlossen. Schönbrunner Schlotztheater: Geschloffen. 7 Bolksaper: Erde. Deutsches Bolbsttzeater: Geschloffen. 7 Wiener K»««erspiele: Theodore & Eie. 7 Iosefftabter Theater: Zaza. V,7 Reue Wiener Bühne: Klein Dornt. 7 Wiener Stabttheater: Sie. Renaissauee-Buhne: Geschlossen. '/«7 Wiener KomodienhanS: Das Sperrsechserl. Tarl-Theater: Geschloffen. 6 Theater an der Wie«: Die blaue Mazur. RaiMnud-Theater: Geschlossen. V»7 Wiener Burgertheater: Der Meineidbauer. Johann Strauß-Theater: Geschloffen. 7 Metrapal-Theater: Liebe ans den erste« Blick- 7 Lnftspieltheater: DaS GlÜckskmd. Bad und i Sanatorium I Mödling bei Wien I Vorderbrühl , Telephon Mödling 454 Verwaltung: B. Doll 8; Aerztliche Leitung: Dr. Max Scheinpflug s | Nächst der Haltestelle der Strassen bahn I I*—» GavtsJShrlg geöffnet —— | Herrliehe Lag« — Moderne Kurbehelfe — Gute, I | kurgemässe Verpflegung »u S ■—M Köchin gesteht! Für bcsiereS Privathan» in Bad I»i«tyÄn (Slotealet) wird gute Äochin zum sofortigen Eintritt gesucht. Jüdin, oder solche, Sie bereits in rituellem Haushalt tätig waren, bevorzugt. Cffertc, möglichst mit Referenzen und GehalttanhrLchw», sind za richten an Herrn S&mnel B. Bosaer, Mstj-in (Slowakei). 8233 G OLD Brillanten, Uhren kaufen und verkaufen Sie am vorteilhaftesten nur bei Reiskin IX., Seebieehinmelg. II i. MaMiertiriai iOO 7*i gftttn! Nsstz SWs! relichh« 7»tins/n. Jch kechie «d »edle die döchken Breite frir Herren-». 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V W Zützttche Illeitungav. VerlMgegesellschuftUt. d.H. BcraMWdMch« Redakteur: Samuel PvlaL. Buchdrucke^r m B.-A. Ignaz Strinmann. Wlen IX.' (vveantmartliw« Äeittt &an*3rnltee\ ß&^txt kÄ. <.: 6 094538