Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 527 (11.7.1920)
- Date
- 1920-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wieder eilen die brennenden Gedanken eines-ganzen Volkes zu der Stätte, an der der Schöpfer des'politischen Zionismus seinen letzten ewigen iSchlaf schläft und des Tages harrt, an dem das, was sterblich Wr an ihm, in-das jüdische Vaterland, überführt wird. Unsterblich-ist uns sein Nüme/ seine Erscheinung, sein Werk. Er hat zur jüdischen Äele gesprochen und sie getßp$t aus tausendjähriger ErmattrrNg. Wie einstmals Möses hat er in dürrer Wüste auf den Fels geschlagen, dHler-Wasser gebe, und der Fels hat'sich ihm geöffnet. Sem, Stab war das Wort,' die von Brokat glitzernde Rede.-die wie ein Königsmantel flößaber er wandelte selbst' das Wort zur Tat. Und dieses große Geschenk trügen die feinnervigeu Hände des Dichters dem. Volke entgegen, das mit dürftiger Seele die Rede in sich trank und daraus in leidvoller Zeit Trost Nnd-Ermutigung schöpfte und die feste Ueberzeugnng' daß es sein schweres Schicksal - wenden könne, wenn es nnt selbst wolle. „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen." Andere, wie Pivsker und Moses Heß, haben vielleicht' gedanklich das .Sehnen des Vdlkes nach Freiheit und Heim besser'durchdäM:' gesägt hat. es. aber heißer, ursprünglicher, blutpiDer^ der'Wiener Ächter, den das Drama des Dreyfns- H^özesses erschüttert hätte. Miemarid W' den Schmerz des jüdischen Volkes einfacher und klarer niedergeschrreben, wie er im ersten Satzdes ,^Judenstaates": ,^Alle.Welt widerhallt. vom Geschrei gegen die Juden."' DWttihatAchMjts Märchertz ÄutzeMftr wer Intensität. HW'i'Geschrei'wirdblutrünstiger,. vMMdÄ iürwieseM"Jahre wird, die-Feier an Herzls Grab zu einer tränenvollen. Klage um so viele, viele, die sterben mußten, weil sie Inden waren, die gefallen sind als streue Soldaten in dem schweren Kampfe unseres VÄkes-'UMWlN--Mben-Äy-?um sein Rocht. , Wie klar hat doch dieser Mann in die Zukunft gesehen! Wie sehr sind seine Verhandlungen, seine Reisen bekrittelt : unb bespöttelt worden. von den Brüdern vom kalten:<Schlag^ die in. sicherem Ugrt . saßen, und gemach sich raten konnten! Die Ruhelosigkeit des ahnungsvollen' Politikers, der die hippokratischen Züge seiner Umwelt erkannte und für sein Volk rechtzeitig das beste sichern wollte, ti-ieb 'ihn bald zu -Kaiser Wilhelm, bald zh . Joe Cstlambchäin, bald ^zu Plehwe. Ueberallhin spann her nimmermüde Geist Fäden, zog die geistigen Führer der Menschheit zurrte, überall'tauchte der riesengroße. , wunderschöne Mann mit den Kindesaugen auf und suchte Hilfe, Hilfe für das ewige Volk. In den eigenen Reihen, die fein flammendes Wort aus dem Boden gestampft hätte.'fand er den stärksten, skeptischesten, vielfach auch höhnischesten Widerstand. Aber das naive, hoffende, vor letzter Verzweiflung bangende, jüdische Volk sah mit heißen Augen und flackernden Wangen auf Herzl, dem es glaubte und vertraute, dessen Schild' so hell und rein leuchtete wie die Sonne. Die „SaäL, von Gott gesät, dem Tag der Garben zu reifen", hat er nicht bis zur Ernte begleiten können. Den weltumspannenden Gedanken des großen jüdischen Volkes und seines Rechtes konnte, er in visionärer Rede künden: er sah ihn. die Seelen erfassen und durchglühen. Als die Erfüllung heraugedieh). stand ihm der schwere Grabstein ZU HäupLen. Wir aber, Lenen die härteste, aber schönste Aufgabe zufällt, mit unserem . Volk den Weg aus . der Verbannung in die Heimat, aus der Sklaverei in die Freiheit zu gehen, wir denken doppelt innig im Jahre von San Remo an Herzl. Tausend sinnige und farbenfrohe Legenden hat die wache Phantasie des träumenden Volkes Um Herzl gewoben, der seinem Fühlen so nahe gekommen War, der.., auf der. marnwrweißen Dtirnedas »Adels- Zeichen des Dichters trug, den das Volk immer versteht. Herklärt und verschönt steht er vor uns und aus bewegter Seyle danken wir ihm-dasti-r,- daß e.r'uys' das-freie, stolze Bekenntnis gegeben hat. Er hat die Fesseln zerbrochen, die die .Assimilation um den Leih des alten - Ahasver geschlungenfliatte: er hat in schäumendem Zorn die Taktikdes Mntertauchens gegeißelt und die Lüge zerschlagen. Er hat mit hallender Stimme den Sammelruf in die Welt geschickt, der. sein-Vplk nlit Urgewalt auftrieb. Er hat fei^e -Kräfte erschöpft und seine Nerven ausgezehrt, so tzgß er als - juyger Mann ins Grab mußte. Wir werden feisten .Sarg im heiligen Boden-des jüdischen Vaterlandes biMy». . . Die deutsche Regierung lehnt die Vorschläge der Entente in der Kohlenfrage ad. Stinnes richtet heftige Angriffe gegen die ANierten Berlin, 10. Juli. Die „Vosiifche Zeitung" meldet aus Spa: In der heutigen Sitzung erklärte Minister Simons zunächst, daß die deutsche Regierung die Vorschläge der Alliierten .nicht annehmen k ö n n e, die Delegation sei aber bereit, Gegenvorschläge zu machen. Der Minister kündigte sodann ÄuMhrungen der deutschen Sachverständige«, sowohl von Seiten der Arbeitgeber wie von Seiten der Arbeitnehmer, an und erklärte, daß die Negierung für diese Ausführungen die Verantwortung nicht übernehme, . Die darauffolgende Rede von Hugo Stinnes erregte au? seiten der Alliierten sehr u n l i e L s a m e s Aufsehen. Stimres scheint eine politische Rede gehalten 'zu haben. Er sagte unter anderem etwa, er sehe den alliierten Vertretern ins Auge, um festzustellen, ob sie noch immer.nicht vom Siegeswahn s.inn geheilt seien. Der politische Teil der Rede war so heftig gehalten, daß der Präsident, der belgische Ministerpräsident Delacroix, es für notwendig fand, den Redner zu unterbrechen und ihm eine gewisse Mäßigung seiner Ausdrucksweise iw Interesse der Verständigung zu empfehlen. Sachlich machte Stinnes den Vorschlag, eine internationale Kommission einzusetzen, die die wirklichen jMfiduktjpnsziffern feststellen und die internationale. Ä^lenMteilüng überwachen solle. / Konkret?. Vorschläge d bezüglich der deutschen Köhlenliesernngen sind.ftp der Vormittagssitznng noch nicht gemacht worben. Paris, 10. Juli. (Havas.> Der Sonderkorrespondent der Agenee Havas meldet ans Spa: Obgleich Außenminister Simons erklärt hatte, daß Stinnes und Hue n«r ihre persönlichen Ansichten äußern würden, unterliege es keinem Zweifel, daß die Erklärungen der Sachverständigen bestimmt waren, besonderen Eindruck aus die Vertreter der Alliierten zu machen. Trotz einer Ermahnung des Vorsitzenden Delacroix gab Stinnes seinem Exposee eine sehr aggressive Fo r m. Er erneuerte die Angriffe gegen die s ch w arzeuTruppeu, versuchte die Zerstörung der nordftanzösischen Gruben zu rechtfertigen und drohte mit dem Gespenst der Revolution, ohne jedoch sachliche Argumente gegen die Vorschläge der Alliierten vorzubringen. Hue legte sich Zurückhaltung auf und erklärte ernsthaft, das einzige Mttel, die Produktion zu heben, sei die Einschränftmg der Arbeitszeit. Er schloß mit der Bemerkung, die Diplomaten kannten bestimmen, was ihnen bieliebe, schließlich hange aber die Entscheidung einzig und allein von den Grubenarbeitern ab. Hierauf wurde die Sitzung aufgehoben. Während der Abstattung der deutschen Exposees hatten die Vertreter der Alliierten, insbesondere Llopd George, Zeichen heftigster Ungeduld geäußert und man hatte den Eindruck, daß die Reden der Sachverständigen eine Wirkung hervorriefen, die der von den Deutschen beabsichtigten entgsgengescyr war. Eine Deratung der Regierung. Berlin, 10. Juli. Die »Bossische Zeitung" meldet: Heute vormittags von iltlO Uhr ab waren die in Berlin zurückgebliebenen M'tglieder des ReichskabiuettS unter dem Borfitz des Reichspräsidenten zu einer Sitzung versammelt, in der der ganze Ernst der Lage zum Ausdruck kam. Die Mitglieder des Kabinetts vertraten die Vkeinnng, daß die Kohlenförderungen von Spa den Wiederaufbau Deutschlands rmd die Existenz des ganzen WirtschastslebruS unmöglich machen und daher völlig unauuehmbar seien. Man schien enistlich genügt, de« sofortigen Abbruch der Berhaudlungen in Spa und die Rückkehr der deutschen Delegation empfehlen zu wollen. An die Kabinettssitzung reihte sich 11m die Mittagsstunde eine Beratung der Minister mit dem Hauptausschuß des Reichstages uud den Fraktionsführeru an. Auch in dieser Sitzung ist dem Vernehmen nach überwiegend die Meinung zum Ausdruck gekommen, daß die Kohlenförderungen unter feinen Umständen akzeptiert werden könnten. Die Lage ist mithin als äußerst kritisch a n z n s e h e n. Die letzte Entscheidung über das Verhalten .der Deutsche» wird jedoch durch die in Spa weckenden Kabinettsmitglieder getroffen werden. . Die Attgeständnisse an Deutschland. Paris, 9. Juli./(Wolfs.) Nach' einen Depesche des „Echo de Paris" wurden Denlschlaud bei den nr.iliiäri-- im. Be.rMg, von V.e.rjtttl(eZ i<r.Mld»r .tz r-. ümg in 5pa. l L ich t e r u n g e n gewährt', die die Mitteilungen' die getroffenen Entscheidungen vervollständigen:; 1. Nicht emgeschlossen in die 4000 deutschen Ofsi-i ziere, die durch/den Vertrag Deutschland zug^Myden^ werden, sind die Uerzte und BeterinLr'e,/tzere»; Zahl mit 400 und 300 festgesetzt wurde. ' / / ^'. / /! 2. /Nicht eingeschlossen sind ferner in ditzse./'DlW- Offiziere 735 'Verwaltungsoffiziere. ' ■ . (/, '.. . 3. Deutschland kann eine Reserve Post tausend "Gewehren und zwei Millionen Patronen'hül um die Verluste auszugleichen,, die fu feinem MrieK^1 Vorrat durch etwaige -innere Kämpfe en'tststhr«. / . 4. Geringfügige Erhöhung der Zahl der /Ma-! s ch i n e n g e w'e h r e, so daß alle. Formationen' ist de». Lage find, sich zu verteidigen. ' / .//! Außerdem hatte Deutschland eine Vermehrung der! -Waffen und Munition verlangt, damit alle Formasipne«,! . Ergänzungen und Schulen mit Waffen versehen werden,.! um Angriffe zurückweisen zu können, ferner.Mieder-! Herstellung einer kurzen M i l i t ü rd ieu st z e i £ mttrbeft Garantie, daß man die Begünstigung nicht mißbrauche« werde, um eine große Anzahl Deutscher rnflitarischi» auszubilden. Diese letzten Forderungen sind nicht ge>' währt worden. Andererseits erhält DLütschlanh' das/ Recht,, vorübergehend in der neutralen Zone ze^N Ba-r taillone, fünf..Schwadwuen und ein« .Batterie zst/Mter-i halten. - - b : ) Ende der Konferenz Montag.: Htz, 9. Juli/(Havns.) Reichsftiegsmimstet MjlyM GeßlTr, General v. Ueeckt und die militärischem Sachverständigisn werde« heute nachmittags/ «M-'OerM! abreisen. -- '/ / Es bestätigt sich, daß bi« Arbeiten der KvnsMnz^ nächsten Mo «tag b send et, werden. - , .x.[-; Die Fmanzkonferenz verschoben. Berlin, 10. Juli. (Wolff.) Nach Pariser Meldungen aus Spa soll die mteraMerte Fina«zkousereÄ» die sich in Brüssel hätte versammeln sollen, ans ein späteres /Data« verschoben worden sein. _ ' Der polnisch-russische 1 Krieg. Tschitscherl« für Friedens- Verhandlungen mit Polen. Berlin, 10. Juli. (Korr.-Dur.) Die Blätter melden aus Kopenhagen: Nach hieher s« langten Nachrichten soll Tschitscherr« bereit sei«, Friedensverhandlnuge» mit den Polen einznleiten. Ei« Teil der bolschewiAschen Kommissäre verlange jedoch die Besehnna Warschaus. Die Verbindung der lettischen und litauischen Front dnrchbrochen. Dünaburg von den Bolschewiken Wetzt. Reval, 10. Juli. (Wolff.) Rach eingegangenev Nachrichten rückten die bolschemikischenTrnpperl südlich Dü n abnrg bis zur lettikwe« Front vor und durchbrache« die Ber« bindnng zwischen der lettischen und Utanifchep Front. Die litauische Negierung wurde oost den Bolschewiken ersucht, den Durchmarsch durch litauisches Gebiet «ach Polen z» gestatten/ . > : -/•:■,? < Dünabnrg, das von den lettischen Truppen auf die Anffordernng der Polerk besetzt war, wurde von de« Lette« gerÄnni und von den Bolschewik e « b e s e tz t. Der polnische Frontbericht. : WnrschE, l '10. Juli. (Funkspruch.) Heeresbericht des polnischen - Generalstabes vom 9. Julir Femdlichi 5lavallerie, unterstützt von fliegender Jnfanttrstr, vtm ging Hw Unten Flügel unserer 1. Armee und/besetzte dtt