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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-06 · Heft 522 (6.7.1920) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 522 (6.7.1920)
Date
1920-07-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wrerrer Morgerrzeitnus 6. Juli 1920 v Äeite 8 Wies. Dienstag »■—" - -- 3b. 522 Die Abtrünnige. Bon Hermann Blumenthal. (6. Fortsetzung.) „Ihr sollt Euren Bat-er jetzt tu Frieden lassen," erwiderte der Jude barsch. „Ihr habt ihm den -größten Schmerz, den ein Kind seinem Vater nntun ianu, bereit?^. Was wollt Ihr noch?" ■> x " . „Ich bin besorgt uni ihn, denn iich höre lüchts von ihm." sagte Nahet. „Euer Vater ist für Euch tot/Das merkt Euch wohl. Eure Verwandten und Bekannten und das Volk, dem Ihr früher angehört habt, sind' tot für Euch und darum verschonet, sie und auch mich verschonet// Nach diesen Worten schlüpfte der Jude aus der Tür und ließ Nahet allein und.verzweifelt zurück. /Tränen kamen ihr in die Ungen, als sie sich ans den Heimweg machte- Der Jude hatte recht,-sagte, sie-sich, sie hatte sich von den Ihrigen gewendet. Sie hatte es nicht besser verdient. XVI. In den engen Judengätzchen sah man zu gewissen Stunden einen müden, gebrochenen Mann dahinwanken. Es war Schachne, der ohne'Sinn für feine/Umgebung jetzt in diesen Stadtviertelnseine Tage verbrachte. Wenn er müde war, ließ er sich, auf eine Schwelle nieder, vergrub den Kopf in beit Händen und faß viele Stunden regungslos. Zuweilen ließ ein Vorübergehender eine Münze inseine Hand gleiten. Schachne achtete nicht darauf und die Münzen rollten zur Erde und wurden die Beute der | Gassenjungen.' Er versäumte jetzt kein Gebet. - Zu gewissen Stunden kamen die Chassidün, -um in den heiligen Büchern zu lernen,- und es war Schachlies größte. Freude, in ihrer Nähe weilen zu dürfen. - . „Den Frommen zu dienen, ist ein gutes Werk," sagte'er sich, und er begann den Chassidim kleine Dienste zu erweisen. V: An jedem Morgen füllte er den Kupferkessel, der zum Händewaschen diente, mit Wasser, reinigte die' Hängeleuchter und fegte den Boden rein. - l Es war feine größte. Freude, dem Disput der Chassidim zuzuhören. Wenn sie von erhabenen Dingen sprachen, erglänzte sein Auge, und er dachte an seine Knabenjahre zurück, die er. über den heiligen Büchern verbracht hatte. - Ihm schien, als» habe -er seither in einem bunfleu Schacht, ohne Licht und Lust,, fein Leben verbracht. / „^innrer hatte ich nur Geschäfte, Zahlungen, Liefe- ' rungen", murmelte er. „Wieviel braucht denn ein Meysch, um leben zu können?" Unter den Chassidim befanden sich auch zwei Greife, Chaskal und Mordche, die von der Mildtätigkeit, der anderen lebten, denn sie warenfür' jede Arbeit zn schwach. - -;• Auch sie hatten im Vorhaus des Bethauses . ihr Quartier gefunden und oft verbrachten sie halbe Nächte damit,! um über göttliche Dinge zu reden. . Schachne hörte ihnen gerne zu, doch sprach er nie- - mals; nur wenn sie das Wort an ihn' richteten, gab er Antwort.; ,; Und die Beiden erkannten, daß Schachne ein Büßet war. Sie schonten ihn und fragten ihn nicht nach dem Grunde seines Kummers, doch als Woche um WoHß verstrich, ohne daß. Schachne den Mund zu einer Klage anstat, erfaßte.'sie..ein tiefes Mitleid mit dem Unglück» üchen.und sie sprachen Worte des.Trostes z-u ihm. ... Schachlw aber verbsteb in seiner Schweigsamkeit, doch in seinem Herzen' /war er ihnen, für ihre Wtö dankbar. . \ V. -1 . XVII. ' Rahel lvar jetzt viel allein. Ihr Mann fuhr, ick die entferntesten Dörfer und kehrte oft erst spät in dev Nacht zurück. An manchen Tagen kam er nur zu den Mahlzeiten. Nahel erwartete ihn lange Stunden vergebens. Sie ging durch alle Stuben und suchte nach irgendeiner Beschäftigung, die sie zerstreuen sollte. Bald griff sie nach' einem Buche, bald setzte sie sich ans Klavier und schlug einige Akkorde an, bald schrieb sie nochmals ach 'den Vater. ' - , Oft, kam .ihr der Gedanke, nach 'Hause zu fahren und kni'efäÜig die Verzeihung des Vaters zu erbitten^ aber sie wagte es. nicht, ihm ins Auge zu sehen. Zuweilen fühlte, sie sich einsam und' verlassen. Dann ging sie in die Küche und begann mit dem Dienstmädchen ein Gespräch. ,; ’ . •, Bei Tag kam sie nur seltewauf die Gasse, aber wenn es zu dämmern begann, ging sie in -Begleitung ihres Mädchens, in den Schal gehüllt, vor der. Stadt spazieren« (Fortsetzung folgt.) Theater von heute. Burgtheater: Geschlossen. Operntheater: Geschlossen. Schönbrunner Schlotztheater: Geschlossen. 7 Volksoper: Iägerblnt- Deutsches Volkstheater: Geschlossen. YjS Wiener Kammerspiele: Theodore & Cic. 7 Iosesftädter Theater: Das Kind mit den vier Müttern. 7*7 Reue Wiener Bühne: Kohlen und Koks. 7 Wiener Stadttheater: Der Hüttenbesitzer- 7 Renaissance-Bühne: Die Blendlaterne. 747 Wiener Komödienhaus: Das Sperrsechserl. 7<7 Carl-Theater: Liebesrausck. 6 Theater an der Wien: Die blaue Mazur. 7,7 Raimund-Theater: Doktor Stieglitz. 8 Apollo-Theater: Reform-Ringkampfc. 7<7 Wiener Bürgertheater: Aw'chi tanzt. 7,7 Johann Strauß-Theater: Das Hollandweibchen 7,7 Metropol-Theater: Liebe auf den ersten Blick. 8 Sommer-,Arena Kouzerthaus: „Volando", Familie Kremos :c. 7 Lustspieltheater: Das Glnckslind. Vorderbrühl Bad und Sanatorium Mödling bei Wien Teiephon Mödling 45-i Verwaltung: B.JDoll; Aerztliche Leitung: Dr. Max Scheinpflug 5 Nächst der Haltestelle der Strassenbahn S ——Ganzjährig geöffnet. ——— : Herrliche Lage'Moderne Kurbehelfe — Gute, ■ kurgemässe Verpflegung 2516 S in Stoffen für Anzüge und Kostüme. 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Bl. 21s Gärtnereipraktikant, gegenwärtig in Grmüst- und Obst» gärtnrrei Bayerns beschäftigt, nach Wien zuständig, sucht, da von Bayem auSgewiesen, ab 15. Juli Posten, in hiesiger Gärtnerei, wobei Obstbauin» (und Beerenobst) Kultur womöglich auch Bienenzucht erlerne« kann.' Beansprucht volle Kost, Logis, Wüsche re. und zahlt monatlich Ja’. 10p.— Lehrgeld. Hilft eventuell auch bei Erntearbeirc». Gefällige Zuschristm erbeten unter »ffleißigerJudeSSSt* an dir Adm. dr» Blatter. . . ‘ sssr Eine vorzügliche, geübte Handarbeiterin sucht Beschäftigung in einem feinen jüdischen Hause mit Ausnahme Samstag. Geht auch aufs Land. mit. Macht keine großen Lohnansprüche. Hauptsache gute Kost und gute Behandlung. Zuschriften erbeten unter „Glückauf 3062" a« die Administration des Blattes: 3062 Qcssmaea Unterricht. Jgma-Schulen H., Obere Donaustrahe lS. Individuelle Vorbereitung zur Matura und zu Privattstenprüsungen. Sprache»» unterricht, Nachhtlfe^ für Bolks', Bürger- und Mittelscknler. 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