Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 509 (23.6.1920)
- Date
- 1920-06-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Wien, Mittwoch Beim Doktor. £ Von Schalem Al:jchem. (Aus dem Jüdisch-Deutschen von S a m u el M e r s'e l 9.', (1. Fortsetzung.) Aber ich bin nun einmal so ein Mensche der jedes Geschäft, das sich ihm darbietet, in die Hand nimmt- Für niich eristiert nämlich kein schlechter Schnaps.. Ein Handel mit Säcken — meinetwegen; mit Holz — meinelwegen: mit Eisen — meinetwegen . . . Sie. glauben luabrscheinlich. Herr Doktor, ich habe außer der Nähte leine Geschäfte mehr? Da sind Sie aber stark im Irrtum. Wie Sie mich da l^hen, handle ich auch mit Waldungen, zusammen mit einem anderen nämlich. 'Aiugordern bin ich auch an der „Akzise" beteilig!. Ich wünsche Ihnen, das jeden Monat zu verdienen — Schlechtes ' wünsche ich Ihnen gewiß nicht — was ich an diesem Geschäft jährlich verliere. Sie... werden lnahrsch inlich fragen: Wozu brauche ich das? Nun, damit sich die Klille ärgert! Wie Sie mich sehen/ bin ich ein großer Draufgänger. Wo es gilt, einen Sieg zn erringen, kann meinetwegen die ganze Stadt zugrunde gehen und ganz „Kahal" begraben werden — ich muß das meinige ausführen! Ich bin eigentlich, wie Sie mich sehen, von Natur aus kein schlechter Mensch, nur — wie nennt man das — „kapriziös". Versuchen Sie es doch, mich zu beleidigen, meine Ehre anzutasten, so sind Sie Ihres Lebens nicht Wiener Morgenzeitrmg sicher! . . . Was kann ich machen? Das ist das Blut 'in'mir. Nerven, sagen sie, die Doktoren nämlich, und!dies. sagen sie, steht, auch mit .meinem Magen im Zusammenhang... Zwar der einfache Menschenverstand kann das nicht begreifen; es ist auch, verzeihen Sie, ^in wenig Unsinn darin. Denn was haben die Nerven mit dem Magen zu schaffen? Nerven sind Nerven und Magen ist Magen. Wo' sind die Nerven? Und wo ist der' Magen? Die Nerven sind doch — nicht wahr — nicht Meit vom Gehirn Und wo ist der Magen.. . . ' Von den Nerven bis zum Magen — na, ich danke — eine schöne Strecket Aber sie, die Doktoren, meine ich, sägen, daß mein -Magen" von den Nerven kommt . . . Meinetwegen, auch recht! . . . Einen Augenblick nur, ich bin bald zu Ende. Haben Sie eilig? Warten Sie doch noch eine Sekunde! Ich will Jh.nen doch alles „akkurat" . erzählen, damit Sie wissen, wie ich zu diesem Unglück, s meinem Magen nämlich, gekommen bin . . Vielleicht! kommt es daher, weil ich so ein unstetes Leben habe, weil ich nie zu Hause bin. Ich schwöre Ihnen — 's ist freilich eine Schande, es zu sagen —- wenn ich zu Hause, bin. so bin ich doch nicht zu Hause. Ich wollle, daß Sie einmal in meine Wohnung einen-Blick tun. Ein Schiff ohne Ruder! Tag und Nacht ein Getümmel und Getöse. Gott soll hüten! Ist leicht gesagt, unbeschrien elf Kinder! Das eine ißt, das andere trinkt, das dritte betet, das vierte schläft, das sechste 23. Juni 1920 Nr. 809 . -i ' ..ui.'- - — —i.i<m.i.iin—■»—| ii ■■■..« frißt Kuchen, das siebente einen Hering. Wer Jktti* das alles aufzählen? Zwischen solchem Kleinkram, gibt's, wie gesagt, ein Zanken und Streiten, ein wirres Durchseinander, daß man am liebsten in die weite Welt laufen inöchte. Und weshalb,, meinen Sie, ist ein solches Getobe und Getöse in meinem Hause? Nur weil ich keine Zeit habe. Hütte ich Zeit, da war' es selbstverständlich anders. Sie,, meine Frau nämlich, .ist uübeschrien sehr eine! gute Frau; das heißt, sie ist nicht so gut, aber sie ist sehr weichherzig und! versteht nicht, mit Kindern umzugehen. Das heißt, schimpfen kann sie, tdbetn, schelten, Ohrfeigen'austeilen, -aber was nützt es? Doch tzine Mutter! Und was eine Mutter ist, ist noch lange kein Vater... Ein Vater, das ist ganz was anderes, der kann prügeln,, und das auf-die richtige Stelle... Ich erinnere mich noch jetzt, wie mich mein Vater zu prügeln Pflegte/. . . Ihr Vater hat Sie wahrscheinlich auch geprügelt/ Na, Spaß, er hat Sie nicht geprügelt!... Glauben Sie etwa, es wäre für Sie besser gewesen, wenn. Sie nicht geprügelt worden wären? Bewahre, das tut den Kindern ganz gut. — Haben Sie's eilig? Ich bin bald fertig. Ich erzähle Ihnen doch das nicht mmsvnst!) Oer > Zweck meines-Redens ist, daß . Sie verstehen spllen, wie ich lebe. Glauben Sie, daß ich weiß',, wieviel ich in meinem Vermögen habe? Keine. Spur! (Schluß folgt.) Theater von heute. 6 Burgtheater: Weh dem. der lugt. , s/,5 Opsrmtheater: Die Walküre. 6 Schönbrunner Schlotztheater: Der erste Beste — Es hat nicht sollen sein. 7 Bolksoper: Föhn. 5 Deutsches Bolkstheater: Faust. 727 Wiener Kammerspiele: Schloß Weiter firm, 7 Iofefftadter Theater: Herkulespillen. G Neue Wiener Bühne: Hamlet. 7 Wiener Stadttheater: Kmdrnragödir. 7 Renaissanee-Bühne : Die Blendlaterne. 7-7 Wiener Komödienhaus: Das Sperrsechsrrl. 7,7 Tarl-Theater: Liebesrausch. 6 Theater an der Wie«: Die blaue Mazur. 7,7 Raimund-Theater: Doktor Stieglitz. ‘'*7 Wiener Bürgertheater: Uuschi ranzt. V27 Johann Strautz-Theater: Das Hollandweibchen 7,7 Metropol-Theater: Liebe am den ersten Blick. '8 Apollo-Theater: Reform-Rmgkämpfe. 7 Lustspieltheater: Das Glückskind. Vi6U8tnK 29. 'Ililli 1920 ünäet im grossen Garten und in den Sälen d. Restaurant „Praterfee“, II., Prater Hauptallee 5, ein mit reichhaltigem Programm (Gesang, hehr. Deklamationen, Turnübungen von Kindern) nnd anschliessenden TANZ statt Anfang am 3 Uhr nachmittags Karten a K 15. — im Vorverkauf sind zu haben: Buchhandlung LÖwit und in allen Heimstätten der Jfid. Kinderfreunde Der Reinertrag dient zur Unterstützung der Tagesheimstätten der Jüd. Kinderfreunde 3004 Stickereien — Textilwaren Batiste, Etamine, Lüster, Cl-rtH«, Acrmelfuttev» Oxforde, Barchente, Wollstoffe. Weitzlvare ringelangt E. Fenermann "'iS Erklärung Ich gefertigter Ascher Goldenberg, Oberkantor in Lundenburg, ziehe meine in der Nummer 497 vom 11. d. M. eingeschaltete Einwendung gegen die Ausschreibung der Stelle eines Oberkantors in der Israel. Kultusgemeinde m Lundenburg zurück, weil gegen deren Besetzung ein ■roa iwn nicht mehr vorliegt. Lundenburg,.am 20. Juni 1920. Ascher Goldenberg. «BPwmiftanB ' KL «v»LAL«UL»s» Bei der isr. Kultusgemeinde Lundenburg in Mähren gelangt die Stelle eines der zugleich Schochei und Bodek, Koreh uud event. Religiönslehrer ist . mit 1. September 1920 zur Besetzung. Gehalt nach UebereinTcomm^h.' ln Betracht kommen nur tschecho-slov;: Staatsbürger. Musikalisch gebildete Bewerber wollen ihre Gesuche mit Zeugnisabschriften, Angabe des Alters,. Familienstandes und Lebenslaufes bis 1. Juli an den Kultusvorsteher einsenden. Nur dem Akzeptierten werden die Reisespesen vergütet 8235 Der Kultusvorsteher: Karl Frank. MI, IW ■WIM 1111111 ■ Neue» Palästina - Postkarten erhältlich bei Benno Bernstein, Wien, IX. Porzellangasse;19 M pt# Stile* j^j osa oceB Schöne Perlschnüre am l " ■" Smaragde, Platin, Hold | ■ Silber, «ersetzten MM L zahlt bekannt höchste Preise 1 Juwelier Rabinowitsch H 2. ÜT TJ 3* O s /> II., Stephaniestrasöc Nr. 3, nur Nr. (in eigenen Haue) bees GErz^ Samstag geschlossen Möbei'Gßlepnheitskauf in grosser Auswahl »so Billigste Preise II. Praterstrasse 83 und II. Weintranbengasse 2 Für Export trawslto **mit Durchfuhr mehrere Waggons « 50-807° mehrere Waggons la bei A. Gennari &. Go. G.nt.b. H. I., Lothrüngerstrasse 2 (beim Schwarzenpldizj. Tel. 407/VIII. 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Ignaz Steinmaun» Wien. IX. (verautwnrtllchpr Lecker Äans^oltevl. 60. nt. h. ß. D1C 1