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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-12 · Heft 498 (12.6.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 498 (12.6.1920)
Date
1920-06-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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«t 498 Wien, Samstag Wiener 'Morgenzeitn'ttg Der Volkswirt. Eine Krane -- 3 8N Centimes Geld. .Geüern naiUtk in lliivit?): die östtrreiÄnchr Krone Geld .'. 3ÖÖ ( 4.— öf» 10. Jü«i die -Herr. «estemvettt Krone Geld . 4.»— ( 4,— am 10 Jnm) dir Mrcknfche Kwns . . -V'< . .12.45 12 40 ani 10. Juni' l^ie Mark ......... . . . 13.90 14 80 «m 10. Ju«i> Garant ............. 5.50 i 6.45 «Uff 10. Junr Budapest . , » ». . . . . . ♦ » 0-10 ( 4.15 am 10 fhim) MaWnu * . . . . . . , . . i . 810 v 8.15 am 10. Junst Das Dabakmsnonvl wird in Polen nicht eingrsiLhkt. Warschlttt. 10. Juni. (Tel. der. „Wiener Morgen« zeitung".) Bekanntlich hat das polnische Finanzministerium vor einige» Monaten beschlossen. dem Landtag ein Gesetz aus Einführung des Tabakmonopols in Polen vvrznlegen und bereits Vorkehrungen zur Ueber» nahm« Mer Tabük^abriken und Handels Unternehmungen mit Dabakfabrikaien getro'sen. Gegen das Gesetz waren jedoch von mehreren Seiten Bedenken erhoben worden, vor atteck die, baß es den Staatseinnahmen keine gwßen «Stimmen züführen» dagegen einen gut endwickelten Anbustrie- und Handelspreis des Landes in Mner EnkwiPung Unterbinden würde. Nun haben, wie „Moment" berichtet, auch die chaß^ebenden Faktoren im Finanzministerium die Berechtigung dieser Einwände eingesehen und vor allem erkannt, daß schon die Uebörnahme der Privatunternehmungen der Tabakindustrie ungeheure Kapitalien und die Einführung eines leistungsfähigen staatlichen Vtt.i'bes weitete bilossa^e Investitionen erfordert. Es WNrd« auch anerkannt, daß der gegenwärtige Moment nicht dex richtige ist, um die Privatinitiative in irgendeinem Zweige der'Industrie und des Handels zu hemmen. ' ' Deshalb soll das Projekt der Einführung des TabakMonöpols i«ll«n ge lässen werden. Ueber die Art, wie däs FiNaNzMünsterium seinen Entwurf zurückziehen wird» ist noch nichts näheres bekannt; wahrscheinlich dürfte die Regierung im Landtag den Antrag stellen. die Einführung des Tabakmonopols aNf MM günstigeren Zeitpunkt zü verschieben, womit das eben viel zu vorschnell, lancierte Projekt begraben wäre. Einschränkung der Kohlenausfrrhr in England. PariS^ 9. Juni. Pnvat? %\t ÄüS übt von Kokle aus England wird auf ein HöchstauStttaß von SO Milliöne« Tonnen jährlich eingeschränkt; davon müssen 45"/« nach Frank reich und 80-/-» nach Italien ausgeführt werden: der Rest darf iw freien Handel «ach andcrc« Ländern exporliett werden. Dse ruteienattöitale BaumwoAkougreß. . , Zürich» 11. Juni. Der m'enin^onale Banmollkongreh befante fick gestern unrer dem Borsitze M ff l i « S' Jtalen mu der Frage der Baumwollpslav.nngen» der Brebung amerckan sch>r Baumwolle und dem Eii'slnsse der Wech'eliurle ans den internal,ovale« Derkebr. Es wurde eine Entschliefrung bearnragt. rn der aM d>e schweren Grfalnen einer ungeniigeuden Banmw0vver'0»guNH für d-e ganreMelt bivtzewickm und bewnt wnd. daß sich «nt der Muderkeyr normale Verbälknfse in Eurova vömuSstchliich det Bo.umwollkonsum stemein weide, so daß «me wesentliche Vermehrung des Anbaues erforderlich sei. Staatssekretär ZerdiK in Padua. Padua» 11. Juni. Slaatsseklitär Ing. Z e r d i k &fc* stchtigte gestern auf der Internationalen Messe die österreichischen Stande und sodann die AuSstkllungSplätze vnsch ebener italienischer, englischer und deutscher Ftrnen. . Die deutsch-englisch?» WirtfchaftsverhandlunJeir. ' Haag» 11. Juni. (Tel.-Komp.) Zn der angeblich gcht'MeN deutschen W r r t s ch a f t S k o n s t r e n z m i l, E n gl a n d aui der bcuffd,crFdt-$ Gehe'Mwr Merz die Behandlungen führt, meldet »Daily Telegm!^ daß dre deutschen Delegierten darauf Hinweisen, daß für dre deutsche Schiffahrt m «bestens 350.000 Tonne« Sch.ff, am« «otw^vdia keim. AlS Mindestimport von Eisenerz, hauvt'cichlich ans Schweden stnd 6 Mrllronen Tonnen angegeben worden. Rach der Mitteilung des'»Daily Telegraf" ist es auch Tatsache, daß Deutschland von den Allrierten Kohle braucht. Ferner benötigt Deutschland bis nächstes Jahr Itz'/iMllronen P'vnd lediglich für L ebensmitte!, welcher Betrag wahrscheinlich auf die innere deutsche Schuld witb Übernommen werde« müssen, da vermwlich keme Möglichkeit für fremde Anlerhen besteht. Vorerst habe England 10.000 Tonnen Mehl zUgesagt. Ungarische Kreditbank — Credit LyeUnaiS. Aus Budapest wird, berichtet: In Finünzkreism verlautet, daß zwischen dev Ungarischen Allgemeine« Kreditbank und französische« Interessenten Annäherungsversuche unternommen wurden. Es heißt, daß die Ungarische Allgemeine - Kreditbank Mit dem Credit Lyonnais in nähere Beziehungen treten werde und daß s.ch schon in nächster Zelt düs französische Kapital an ungarischen JndustrieunternehMUngen beteiligen werde. Die jugoslawische Ausfuhr unter Reo.l'.rutrgskontrMe. Aus Belgrad wird uns vom 10. d. M. gemeldet: In der gestrigen Sitzung der- NatwnasversammlrMg wurde beschlossen, die gesamte Ausfuhr. Unter Negierungskontrolle zu stellen. Die Aussuhrzentrale muß ihren ganzen Gewinn an die Landwirte, die Kriegsschäden erlitten' haben, verteile«. Die Ausfuhrzölle müssen belmfs Kursbessenmg der jugoslawischen Währung ausschließlich in Dirtarnoten bezahlt tverdssir. ' Valutenkurse. Im gestrmcn freien Bekehr war das Geichäfl in sremdk« Zablungsmittcln gering. ES novrrten: L e i* Noten kk 368, Rubel not e n K 2.55, Mark « oteu grün L 4.37. Lire K 0.70, Dollar K 169.50, Pfund K 645.—, Schweizer Note« K 8f.—» Dinar K 685.-^, Holland K 68.-^, tschechische Noten K 3.77, ungarische Noten K 06.—» AuszahlugPraglii 3.73, AuSzahl nngAgrani K 175.—, Auszahlung Berlin K 4.32 und u ritz e st r mp e l te Noten K 89'/,. ankbans Schuber & Brenner Wien, I, Georg Gochpiatx 3 / Telephon Nr. 18138 Kulanteste DürcttfübrüDg aller hnferaässlges Transaktionen im In- und &nslande. «& Wien?« Börse. Ungünstige« Einfluß auf die Tendenz der gestrigen Bölst Übte der Aastnuch d?t Ksaliltonsknse söw'e die voibeirschende Gkldkuarphe.' bei der Borvci sorgung. Wenn die bcr De nun des Verkchles zum Vorschein gelaugt Ware schlanke Aufnahme gesunden hat, so war dies dem Umstande zuzwchreiben. daß die Abgaben von genngem Nmiange waren und den Markt Aui- «alnns'ähigkelt bekundete. Im Verlan>e des Verkelucs kam eine leichte Bessnung^nim Durchbruche, doch trat alsbald eine lustlose und gedrücktere Stimmung in de« Vordergrund, hervorgeru^en drt'ch Glanstellungen anläßltch deö WochewchlnsteS. so daß der Schluß in reirograder^ Nichttkng erfolgte Ledigl-ch emzelne Schraukrnwerlr wrc G stipa. K irpathen-Peirolenm und Bri'muer 9ftafd«ntttf waren gefragt und höher. Auf dem Rcmenmaikte ergaben sich nur geringfügige Verschiebungen. Nachstehend die wichtigsten Schlußkurse. Anvustrte-Vuternehmuntzeu. Allgemeine Baugesellschüst 7f 10 *— (-1- 20.—), Umonhau 6!5.— Wiener Baugrsellschalt 735— (— 15.—V Königshofer sjemeM — -1. Perlmooser Zement 2200.— (7s- 80.—>. Wienerberger Ziegel1620- —13).—). Lnstuger Brauerei 1250.— {— 40.—), Sarajevo 2015.- 55.—), Aussig- Chem. 6 >80.- — 220.—). Brosche SvirituS 2750.—- (— Carvornndum — -—). Clothstde 2080— (— 20.—), A. E G Union Elektr^ 12. Juni 1920 Gelte 7\ —_————-—5 1419.— (— 21.—\ Bereinigte Elektrische ‘lO^l.— (-f 1.—Ofl Siemens Schubert 1455.-— —24.—). ÄtviNe3O85.— 85.—^\ Der«- und Hüttenwerke 7900.— (— 150.-V Anstria Email 3470 - c- Egydier 1795.- (- 45.-), EnzeSseldte 1980^ l- 15.-1. Kelten & ©mflfcf.mtic 8950.- (- .60.-), GrttNÄ Eite« —(-—Hutter A Schrantz 1297.-* (— IB.^% RtttW A.-G 142!).*- - 20.-1, Poldihlllte 2175,— (— —> Prager Eise« 6195.— — —1, RMawuroMtz 2t9,5.*“ f- 95.-1, E^dawtkke 20R0.— f-* 42.—'.WMtttavkikLSSOr*-- (j-* 30.-*-), Blürtt Kohlt« 7060.— f— LYO,—i, Gran- Lzas'ivarer 24öi).— '■** Norduntz. KMen — ObttMtg. Hüllen 4i.0Ö — (— ——R-ssitzw 3498.-» — — —Saigs - Tarjanei 5310;— (— 30.-*), Trüaüer Koblen 2950.—Io«—), ütitz. Ällg Kohlen 6'0o.— Urikäny —k— —^ Beitfchei.' Magrkestt 14.300.— 1, Westböhm. 3300.— l-- 5.0.—), Tanek Maschme» 2100.- l-i- 6 Hrünner Maschinen 2460.*- i-> 100.-*^ Daimler Motoren 965.— l— 88.—), Fratwerke 1228.—1 — ,50.—), Heid Maschinen 265,— <— 15.—), Hofherr Schrany —(— —),• Stgl ^skomotiv 1390.— (— 40—). stiuston 1890.— (— 38.—), Eimmeringer 1038.— (—21.—), Elbe» n«iihl 2450 — (-—lseykachiJssejsthüker 2155.— (-f 5.—), Neuncdler —»•— (-°- Apollo —(-*“)>.J8aut* 13.700.— (— 250.—), Karvaldrn S-00.— (4- 100.—), Galrzicr lßOiö.— (+ 460.—), Schodnica Iü.cOö — CoSmanoS 8217.- (+ 17,-)» FeztabrifeN 3760.-- (- 190.-). Schoellee Zucker 60'»O.— (— —Schönprieseuer —>— —v—)» Oesterv. Eiseubähnveik. 2350.— t— 35.—), Ilng. Eisenbabnvttk. 970 — (— 85.-', Wiener Waggonfabrik WO.-- (-10.-), Gcrnaroß 689. - l Holzhaudelssesellschasl 2620.— (- 55.-', Türkenlose 151-2.— (+ 6S.-). . TuansportsAnternehttrünzen. Adria (— Aulstg-Trpl'tzer —(— Buschlebrader Ilt. A i— —Buschtrhradrr lit. 8 lfOO.— (-f* 80.—)» Dona»» Dampf. 8350.- (~ 530.—), Ferdtnands-Norbvahn 11.000v— 500.—). Graz-Köstachcr —(— —.—), KaschawL)der* berger 1155—!— 80.—), Lemberg * Ezernowitzer 1907,— 1— 3.~), Vtoljb —f— —\ Ätavigapom — <— '-.—). Staarsenenbahn 3525.— (—,50.—). lkombarden432.--, 6.-1. 8°/« Südbahn-Prior. 870.- (- 7.-1. Staatsbahn' Genusckcheinr — Rente«. Mairente 90.50 (——.25), fsebrrmmnte 91.— (--.25), Oesten. Kronenrente 87.— 1-.50), Oesterr. Goldreute — — (— —Ungar. GvldrtNtr —(— —1, Ungat. Kronenrente 111.50 (— 1.—). Bande«. Auglo-Bank 765.— ■'—* 5.—), Oesterr.--boS«' Bank 518.— (+ 13.—), Ungar. Bank und Handels. 1020.— — 20.—), Bankverein 855.— — 9.—), Bodenkredu 2035.— + 45.-\, Oesterr. Kredit 1636 — (— 24.—). Uvg. Kredit 15gz.— (U- 20.-'.' Deposttenbank 821.— s— 17.—). Niedervst. Eökompteges. 1350.— 4- 15.—), Ung. Hypothekenbank 495.— + 15,—), Länderbank 960.— (— 5 —. Bosn. Laudesbimk 541 - (— 9.—), Mercur 904.— (ck- 2.—), Oesterr.-ungar. Bank 4470.— (4- 40.—), Unionbanl 695 — (-Be»» lehrsbanl 699.— (— 1.—). Zivnostenska 1548.— (4- 43.—). Budapestev Börse. , Budapest. 11. Juni. Die Börse zeigte heute bei Beginn ein srenndl'ches Attsseben, da sowohl rn der Kuliste als auch am dem ^okalmark'e Käufe vo,genommen wurden, die zu Karsdessernnotn an) fast allen lÄebictc« führten. Im späteren Verlam t>at pdoch auf ungünstige Wiener StnUmungsberichte rin Tendenz/« Umschwung ei«, der sich besonders '« den führende« Kulisse papieren bemerkimr machte. Drt Zokalmarkt wurde hierdurch weniger beeimrächr-gr» da hier das Geschäft keinen großen Umfang erreich'«. Eisen- und Malch Neuwerte zogen im Kurse an. desgleichen Kohlen- und Ali'ühlrn-Akt-cn. Schistahrt-Aklien ne'gten zur Schwäche, wogeoen Holz-.und chem'sche Werte stch bebattpleN konnten. Der Schluß war ruhig. An der Nachbötse griff tttebefc e ne günstigere Anssassnng Platz, wodurch dre erlittenen Einbuße« w eder wet'gemach) Weeden konnten. Ani dem Dülutenmarkte schwächte sich die Haltung Nach festem Beginn ab. ' Im oksiz'rllen Balutcnhandel «otitt'len; üei R 370.— bis K 390.—, Mark K 465 — bis 480.—, Pfund Sterling K 620,— bi§ K. 640.-, fii)v)8Wir Franken K 1210.— bis 1300.—, Schweizer Franken l< 29 >0.- bis 3000.—, Dollar K 150.— biß K 165.—, N rvoleons 580.— bis 600.—, Ikn e K 1600.— biß 1040—, Romanow-Nnbel K- 290,— bis 300.—, Sokolß ki 370.— brs 390.—, östrrr Noten K 93.— bis 104 —. Kronen» Dinars a 680.— b s 700.—, Franken-Dinars L 680.— dis 700.-. Leva K 320.— bis 310.-. Von Devisen notierten : An'sterdam K 5700,— &iÖ- K 6500.«-, Kovenbag?« K 2650.— bis K 2950.—,. Christrania K SbbO.-^ bis K 3160.—, b utsche Bankplätze K 440 — bls K 460 ««, itallenrsche Bankplätze.K' 10^5.— brs K 0-45.—, Prag K 370.— d s K 890.-. Stockholm K 3400.- bis K 3700.-, Schwkiztt Bankpläge K 3050.— bis K 8350.— und Auszahlung Wien K108.»-» brs K 108. Der Wasserträger. Bon I. L. Peerz. Ans dem Jüdischen Überträgen von Siegfried Sch M i tz. (Schluß? ^Jeder bott uns wird tun, was ftittes Amtes ist. Jhr, Rabbi, wachet dött Kampf füh<-ff mit der Kraft epreS Geistes, ich >— mit der Axt. Haktet nur die Väste der Hütte von euch fern mit starkem Gebets fürs andere laßt rsiich sorgen." — — — Jochanaan öffnet die Tür, Sie erblicken eine' Hochzeit: Die Hütte ist hell erleuchiet. Air der Decke und an den Wänden hängen Tötenschädel, in deren Augenhöhlen rote Flänrmchen flackern . . . An einer Seite des Raumes stehen schwarze Musikanten und fiedeln auf schwarzen tz-nstrümenten. Feurige Flanimen zttn-' geln aus den Saiten, wenn sie darüberstreichen . . . Nackte Weiber tanzen einen tollen Neigen; Kränze blutroten Mohns flammen um ihr schwarzes Haar, rote Gürtel flattern um ihre Lenden und Funken sprühen untcr ihren nackten Ziegenbeinen. Flammen lodern aus' ihron Angen und tvllheißer Sang tönt aus ihrem Muttbe. . Auf einem Scheruel steht ein Hochzeitsnarr und ruftg. „Sabbatl Sabbat!" Furchtbar jhallt das Wort im Raume nieder. In der Mitte des Reigens ist der Brauttanz. Auf schneeweißem Tuch tanzt der Einsiedel mit Lilith, seiNLv Äraut. Er singt: „Die Braut ist gekommen, ich halte sie festst/ und zieht das Tuch an sich. Lilith^ bacht und sinkt ln seinen Arm. So tanzen sie weiter. «Sabbat! Sabbat!" kreischt der Badchen. Heller tönen die Geigen, wilder dreht sichder Reigen, gell tönt das Lied, hell lodern die Flamnien und Lilith zieht ihren Bräutigam lüstern-müd an' sich. . . Da bemerkt man die ungebetenen Gäste. Einen Augenblick herrscht zitterndes Schweigen. Dann tönen wirre, wilde Schreie, Zähne knirschen und Fäuste recken sich drohend. Die Schar stürzt näher. Doch der ^Bratzläwer" hast sie mit der Jnbrunstkraft seines Gebetes gebannt und sie können nicht in den Umkreis von vier Ellen Um den Rabbi treten. Starr stehen sie dar, wie Steingötzenbilder, die Hände drohend gestreckt, doch unbeweglich. Rur öle Zähne knirschen und die Augen sprühen Flammen unsäglichen Hasses. —-- „Zu Hilfe! Eilt herbei!" - schreit plötzlich Lilith. Draußen erhebt sich furchtbar dumpfes Rauschen. Ein Sturm reißt an der Hüthe und will hmeinfahren — doch der vermag es nicht. Die tzüttr bebt, Stimmen cheulen ijn Sturm, wütend drängt es von draußen heran; doch des Rabbi Gebet und B^fchivören bannt alles. Das Gebet füllt die Hütte und erstickt die schwärzen Schären. Breit öffnen sich die Mäuler, rote Zungen strecken sich vor... Weiter breitet sich das Gebet: Die schwarze Mauer" wankt, die Gestalten weichen, drängen sich ängstlich in Winkel und Ecken und zittern vor Schreck . . . Da hebt Jochanaan dir Axt, schwingt sie zielsicher und trifft Lilith mitten durch den Kopf. Vom Köpf bis zum Fuß spaltet die Axt das Weib.-- — Zugleich mit ihr stürzt der Einsiedel zu Boden . . . Der Sturm erstirbt, die Gestalten verschwinden, die Saiten platzen, die Schädel fallen nieder und zerstäuben^ — Tiefe Stille. Ein schwarzes Ungetüm mit ungeheuren, dunklen Flügeln liebt den liegenden Einsiedler empor, reiß^ ein Fenster'auf und entfliegt mit ihm . . . Durch dos Fenster dämmert heller Morgen.' V. r i So verschwand der falsche Einsiedel und' niemand wußte, wohin er geraten war. In der'Stadt meinte, man später, er sei weitergezogen, -um den. Galuth dek Welt zu lösen. Als. der. „Bratzlawer" und Jochanaan aus der Hütte traten, fanden sie den Gerichtsdiener noch dort, wo sie ihn verlassen hatten. Mit vieler Mühe brachten sie ihn zu sich und führten ihn heim. Er wußte nrchtÄ vön dein,, was geschehen war. Auch die Fxau des Rabbi hatte nicht gemerkt, daß'der „Brahlawer" fort gewesen war. Sie sah nur, daß er sehr bleich wa» und fragte ihn besorgt nach dem Grunde. Doch der Rabbi hatte — ebenso wie der Gerichtsdiener — dem Wäsie t äg^r da? Wort gegeben, zu schweigen, und tat, als hätte er die Frage nicht gehört. - „Das ist die Geschichte des Wasserträgers, die ich aus des ^BratzlawerS' hochheiligem Munde erfahre» habe" — schloß mein Gvoßvater die Erzählung -7. „des Jochanaan. d-ec mehr fühlte als der gboße ,Bratzlawer', des einfachen Mannes, btt die Kraft besaßt über die Hölle zu obsiegen, der mit seiner Hacke, ohn^ viel zu fragen, traf — und gut traf.mit der Jnbrunstkraft seines Psalmensagens." „Und als Jochanaan der Wasserträger auf jene Welt kam — weißt du. tver ihm da entgegenzog? . . , König David mit seinem Saiienspiel! Wirklich, so war'A.t Der „Brahlawer" hat es im Trarnne gesehen!" So> schloß die Erzählung meines. Großvaters-

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