Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 496 (10.6.1920)
- Date
- 1920-06-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979574--04385-2990121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
[ Nr. 498 Wien, Donnerstag - -:—rr—:—---———- Der WasierLrKger. . Von I. L. Perez. Aus dem Jüdischen übertragen von S i e gfrird Schmitz <2. Fortfchttug.! Indessen war ein anderer Wasserträger einge 'treten/ Sein W'ftn woi^' gänz'!pc?W«Hrn,. .ickn dem Jochanaans. Er hörte nicht aüf den Setzensspruch, sagte kein „Amen" dazu un§ sah bi^ LeirntzüdM MichgMiig nn — ein Mann, der sine Guttat hrrzenSfvemb Übt. Und dieser Wasserträger hatte di« Kraft, zk dem^ jungen Mattn hinzuLreten. Er.' fragt« ihn „soAar, ober Wasser wünsche, blieb bei ihm stehen und -reichte ihm den Becher. Der Einsiedler war durstig und sein Mund strstkte^ sich hüstig dem Trünk eütgsgen. Dem „Bratzlawer" wäre ss schwer geweseni bestimmt anzutzeben, ob ber EiDedel den S«gettsfptuch über das ' Wasser gesprochen habe. . . , Der' Rabbi kack aits Heck Erstaunen sticht heraus/ 'Es ging ihm durch den.Kops, JychrnüaN Müsse wohl dem Einsiedlerseittb sein.. Seine Feindschaft stritt wohl in ihm mit dem Wunsch, eine Guttat "zu üben: Und di« Feindschaft siegte. Darum stieß es ihn fort. — Doch diese Gedanken wurden bald von anderen wichtigen verdrängt und der Rabbi vergaß, was er 'gesehen hatte. Ein anderes Ereignis abereriiin-rle ihn wieder daran —> — ., ' .. , in. ' '■■■ ES war vor dem Neumondtag«. Der „Brahtoteet" war zu früh in die Schul gekommen. Sie war leer: Im Fenstergesimse begrüßten die Schwalben den Morgen mit,lautem Gezwitscher. In einem Winkel stand Jochanaan und sagte Psalmen. Der Rabbi ging an ihm vorüber; Jochanaan bemerkte ihn nicht. Der „Bratzlawer" blieb. stehet, Hub hörte zu. Die unbeholfene Art, mit der der Wasserträger die hebräischen Worte aussprach, brachte auch den ernsten Rabbi beinahe zum Lachen. Doch plötzlich — was ist das? Der Rabbi fühlt, wie die Worte, die strotzend von Fehlern WrMer Mor-MrL^'^WK , . ■■■ii i, .Lk. c. tA *■-—r —i -- -- aus dem Munde des. Wasserträgers fallen, Leben be- ..‘ottttttl Häs sind feind gewöhnlichen feblofen Worte, es sind Wesen. Sie flattern Von des Beters.Munde zur Decke empor und rühren dort an die gemalten Instrumente ans König Davids ,-Hall«!n'ah"- die Instru'msM erbittern lebend urchhaucht,;tvetttt die Worte >ie tref'en. Da tönt eine Pauke," dort klingt «in« Flöt«, etzt singt eine Harfens-ibe' leM.'Wfe-,. daß nur das Ohr der Seele es hört .'. . Von -dort ziehen die Worte mit lautem KÄnst?MM/Fönstch; eitt«,Vogelschar fliegt ihnen voll mbrülkstiger Freude entgegen, .umfaßt sie innig und..tragt.sie..h'u/ den''HimmWhöhen empor! Immer größer tbirb dLß- Schar dev Röglein und alle fassen freudigdis, Klänge "und Töne. Als der ,^8ratzl«tver" heimkam, fragte - er seine Frau, wer Wasser ins Haus bringe.. Da sie es.!nicht, wußte, lief sie mdw'Küche und. kam von dort Mit dem Bescheid: ,Mn gewisser JcchänÄan." ,Menn. Jychänaan . wicher' kMmt, schicke ihn Ln MM Zickmet; ich habe'mit ihm zu sprechen." Der- . wundert blickt die Frau -ihren Mann an; doch »sie fragt nichts .! . ' :j . . -- . Der Rabbi saß in feinem Zimmer über den . Büchern. Da hörte - er/ «iu .leichtes Näuspern. Er sah. sich um: es wa'r Jcchanaaü. Der Rabbi bot ihm einen Stuhl an, choch) der Wasserträger wehrte bescheiden ab. „Ich befehle es dir!" — sagt der „Bratzlawer". Jochanaan setzte sich ans (§nde der Bank. „Jochanaan, ich hörte dich Psalmen sagen. ..." Jochanaan seufzt schwer: „Könnt' ich's doch besser, als ich eS kann." Diese Worte kommen so ernst und einfach aus dem Münde , des Mannes, daß der Bratzlawer meint, er habe sich geirrt, und nicht weiß, was er eigentlich! denr Wasserträger sagen soll. Da fällt ihm der Vorfall im Beth-Hamidrasch ein und er. fragt: „Jochanaan, was hast du gegen den Einsiedel, das du ihm kein Wasser reichen willst?" Jochanaan wird rot und blaß und schweigt verlegen. io. Juni 1920 Seit«?"'/ .■:’■■■■ Der Rabbi fragt noch einmal und der Wasser-: träger antwortet leise: „Rabbi! ich darf es nichts 'sagen ... es ist ein Geheimnis . . . „Und wenn ich dir befehle, zu sprechen? . ." „Dann muß ich wohl! — Wisset denn, Rabbrri Mich hat der Herr mit einem erfühlenden Sinn gesegnet. eine wahre Leuchte ^der Thora zu erkennen..< Ich selbst kanü nicht Thora lernen, ich'bin ja so unwissend in Gottes Wort; doch ich habe'jene Sinnesgabe, einen wahren Weisen'der Lehre' zu erfühlen." „Woher kommt dir diese Gabe?" „Zeit meines Lebens diene ich den Gelehrten der Thora, ein Gelübde erfüllend, Doch ich fürchtete, die. Weihe meines Gelübdes könn.'e an einem falschen Lichte der Thora zuschanden, werdeü. Darum bat ich Gott ~ itnb es war sein Wille, mir jenen Sinn zu ver» leihen, daß ich an jedem Lernenden den Geruch ferner. Thora, fühle . Und so oft ich seither an einecks Gdlehretn vorbeigehe, spüre ich die Stufe seiner Heiligkeit . Es gibt solche, deren Wissen mir entgegenduftet wie frischgebackenes Brot; das sind die, welche das! einfache Lernen des Wortes üben... Ist einer auf höherer Stufe, so strömt mir sein Lernen den Geruch frischer Aepfel zu . . . manchmal fühle ich! Blumendüft . . . bisweilen atme ich Len Du^t.seltener Gewürze . . > „Und was fühlst du in der Nähe des Einsiedels^ „Pech! Siedendes Pech der Hölle!" - Der „Bratzlawer" schwieg. Er glaubte nicht recht an das, was er gehört hatte. ) Und der Wasserträger sprach: „Es ist doch gut, Rabbi daß ihr es wisset. Ihr könnet ein Werk wirken.! Und wenn ihr meiner bedürfet, so will ich euch! gern, sehr gern helfen!" J Ter Rabbi starrte den Mann verwundert an. Der ' Masse.t 'äger bat, gehen zu dürfen. Der Rabbi entließ, ihn kopfschüttelnd, setzte sich 'zu seinen Büchern und!, -- vergaß das Gespräch. y (Fortsetzung folgt.) M LLUA.W Theater von heute. 6 Burgtheater: Liebele'. — Literatur. 7»7 Operntheatev. Vivlettq (1^ Draviata). 6 SchSnbruuner Schlotztheater: Candida. Volksoper: Die verkaufte Braut. 6 Deutsches Volkstheater: Peer Gpnt. 2 Wiener Kammerspiele: Kabale und Liebe. 7 — Schloß Wetterstein. 7 Iosefstädter Theater: Herkulespillen. '/,7 Nene Wiener Bühne: Doktor Stieglitz. 7 Wiener Stadttheater: Föhn. 7 Nenaissanee-Bühne: Die schwarze Dame der . Sonette. — Die Kulissen der Serie. Goethe. 7«7 Wiener Komödienhaus: Das Sperrsechserl. .6 t^arl Theater: Liebrsrauich. 6 Theater an der Wien: Die blaue Mazur. 7.7 Raimund-Theater: Wiener Voiksjänger. V47 Wiener Bürgertheater: Auichr tanzt. 7.7 Johann Strauß-Theater: Das Hollandweibchrn 7,7 Metropvl-Theater: Liebe ans den ersten Blick. 7 Lnstspieltheater: Das Glückskind. 7 Apollo-Theater: Fräirlcin Puck. WWW Tüchtiger Vvlhs» u. ebensolcher Sür^erschullehrer, mit staatsgil'sgen Zeugnissen, für halbe Tage gesucht. Lorzustelleu bei Frau Pnlak.XVIll »Hascuanersiraße 43, 7 bis 7,8 Uhr morgens. seiü sürHerrenanüigeund Damen» kostitme infolge kleiner Regien seht preiswert. ' Kann & Fried, VI., MWicnzeile 40, im §oft. Suclse ein füdigclies Kinderiräuleiii i zu drei Kindern, die auch im Haushalt behilflich sein muss. Offerte sind an Samu,Rauch werter, tiptovsky sv. Mikulas (Slowakei), zu richten. non and «braucht, iu allen Proislagen abxugebe«. Telephon 6571. ACnl-tmiri'f >•»Walfflschg. 4, Hofstiego Oül IfIllUl u.Vl.Harfahllferstr,47 Streng rit. Restanrant ™ *■ Hodemtt eingerichtete Zimmer Elektriaoits Vslvnvhtentz 6 «Inuterr vom Nord- und Scrdwctbalmhof goiagoR. Hotel Barsehak Wien, H., Grosse Schiffgasse 3 nächst ddr SWlimiebrllel« 917 Teiepfian Nr. 40.(39 Zivil« Pralse Bäder Im Hause Auktionshaus für Altertümer1 OlffickseSig & Wärnderfer Wie», IV., Mühlgasse Nr« 30 (Saal Ehrbar) VERSTEIGERUNG des Besitzes des Grafen G l, hau^Ssüchllch englisches Mobiliar (Chippendale, Hepple« white, Sheraton etc«), ferner Farbstiche, eine grosse Sammlung Wiener Porzellan, » Miniaturen, ßmplrebronzen etc. :: AUKTION: Heute, 3. Tug: Porzellan, Möbel, Bronzen, Silber Morgen, 4. Tag: Porzellan, Möbel Beginn 3 Uhr 84i Katalog auf Verlangen gratis »«ata» KAUFE Perser-, Smyrna- und Inländer Teppictn von Privaten zu konkinenitos höchsten Preisen M.LÄUFER i, teil, ii., Telephon 44737. i« (Bartfcld) Kuiltellliail (Slowakei) Saison erüffnung 1« lunS Pension wird reichlichst und billigst verabfolgt. Zugsverbindung Uber Pressburg indirekten Waggons bis Bartfeld. Bezüglich Pässe gibt Auskunft: Verband slowalc. Bäder, I., Teinfaltslrasse 1. Verlangen Sie sofort Prospekt! eiB9 g IS (Slowake!) ¥i!Sa Blau Elegante Ztminer mit oder ohne Pension, iu unmittelbarer Kälte des Parkes. 2931 Informationen et teilt Eigentümer Hadearat 2?r. Jl03i<EB yöjfBJnjjJ"» aDJijn»» j«j jrvi’» str'synajn «5?ß«t,3isi,7S .yonyit tyww'x -PL .öÄ'öODya pj'•’^Ti/e-oo Wegen Anforderung der Wohnung der Exzellenz Gräfin C.-E. gelangen am Dienstag d.15. u. Mittwoch d. 16. Juni ab halb 3 Uhr nachmittags 1. Bezirkt» Ssilerstätte 12 Mezzanin, Tür 12 (Ecke Welhburggasfe), die gesamten Möbel--.zur Auktion außerdem Bilder ^moderner und alter Meister), Seiden-, Perser» «.Inländer Teppiche, SchmucktBrillantringe,Perlenkallierre.) viele antike Mvvel, Einzelmötret, jl'lavier, eiserne Kassa, Sviegel, Vcrh 'nge und Portieren, Beleuchtuunskörper, Glas-u. PorteUanservices. RkpPeS, Miniaturen. Bronzen, echte Silber-, Cvinafilver-«Berndorser Kassette) und DekorakiottSgegenstände :c. rc. Lerzeichnis liegt auf. Moütbtlanna ljeute bis inklusive Montag den 14. Juni (auch «/kstulllgüllil Sonntag den 18. Juni) von 10—S Uhr. 39 Wien, 1. Bezirk, Seilerstätte 12, Mezzanin, Tür 12 (Ecke Weihburggafse) Bierfässer neu und alt, von 25 Liter aufwärts werden gekauft. «7 Fass- und Weinbandlang Adler & S o h N, Wien, Ul.. Rasumof3kyoasse 27. Tel. 3570 &!ft bewährtes, seil 50 Jahren beelehendeo ErzieSiungs- Institut beabsichtigt für das nächste Schuljahr neben den Stiftungszöglingen einige Zahlzogllngo (israelitische Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren) aufzunehmen. Anfragen II. Valerieslrasse Nr. 50 sr:z Sprechstunde von 2 bis 3 Uhr iiochherrschaftliche MILLI mit allem Komfort gebaut und eingerichtet, Dampfheizung, Warmwasser, elektr. Licht, Telephon, 12 Zimmer, Stall- und Garagegebäude, über 6000 Q^'iratmeter grosser Garten, 1 Au>^»<amle von Wien an der Sudbahn, T) Minuten von der Bahnstation, herrsche Aussicht, ist leer oder möbliert sofort krankheitshalber Lu verkaufen!!! Anfragen an Selbst 'erkäufer Ludwin Spitz« Wien, VI, Linke Kfienseüe 4 6605