Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 481 (26.5.1920)
- Date
- 1920-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979559--04248-2989969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Ukraine 2× ep/1001131
- Kaunas 1× ep/1000678
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Preis L Krs«e prL»vmerationspreis e r rvie«: Amn Hbtolm irr der OxprditilNi» S. Bezirk, Tabor- »riiße 1 biS 8,' oter in einer verftzlrißstelke Grafik): Monatlich. . Krone» »8.— Vierteliohrltch .. VS.- Uktt Pöftversand ♦ftr Wien tml Oesterreich: VtamtUg .. Kronen ®5.~ Lschrcha-Elowakei: Monatlich .. Kronen 10 — VierteljüÄrlich „ »0.- I» tschrcho.slewakischer Mhnm- W»Sanu Mo»oBkich .. Krone« 2S.- VieÄSMrlich ,, »S.- 1» ««arischer WAiamg Aogoslatvie«: ,Monatlich .. Dinar 6.— ivittteliahrlich „ 18.- Grchetseempl«: ’ Urers PvLttzvMer-ti-KSpeeßfrr . Volen: M. »konatkich : . Marl?».- Vterteltavrlich;• in dolr>isch<ly WWnng ‘ Deotschlimd:; Monatlich . Marf V.— Äirmckreich: .■ M»»0tNch Ä> . Fra»c- 7.«*» ■ ■ Italien: . ■ •; Monatlich . Are. *v*j Schweiz:" ’-'J- < Monatlich.^.. . Für t>a»"Mr;ae Aaiktmd: | Bierteljäh rkich chMe« 108.— :7redaktion«.chki>Mi»rtstrchtion Wien.». Ve;.,Daborstr.l—I Postsparkaffentovto 13Ü^g> Nr. 481 Wien, Mittwoch, den 26. Mai 1926 2. Jahrgang Die kalte Schulter. —y. Wien, 26. Mai. , Die internationale Finanzkonförenz ist für den v. Juli nach Brüssel einberusen. Ihr hauptsächlichster Zweck ist nach einer Londoner Meldung des „Temps" die' Festsetzung der Art' Und Weise, wie man die Forderungen an Deutschland, über die nach der Konferenz von Spa der Oberste Rat Mitteilung machen werde, sogleich nutzbar machen könne. Vermutlich werde eine internationale Anleihe beschlossen werden, die zum wirtschaftlichen Wiederaufbau verwendet werden würde. Fn gut informierten Kreisen glaubt man, daß diese Anleihe hauptsächlich in Südamerika lrnd dann in den Verbürgten Staaten gezeichnet werden würde. Man nehme pn, daß die Höhe dieser ersten internationalen Anleihe. hie von der Konferenz zu bestimmen sein wird', sich auf 300 bis 560 Millionen Pfund Sterling belaufen wird. Außerdem werde die Konferenz überverschiedene besondere Finanzfragen einzelner Länder beraten, über Stellern, Schulden- Papiergeldumlauf, Wechselkurs. Einschränkung der Einfuhr und den industriellen Wieder» crufbou 'sowie Wirtschastsfragen allgemeiner Natur. Die Konferenz würde damit in erster Reihe ben fmanzielleu Stand Europas . sozusagen aktenmäßig konstatieren pnd sich über die Mittel zum Wiederaufbau einigen. Daß Hres erst jetzt versucht wird und so viel kostbare Zeit ynbenützt geblieben ist, in der die allgemeine Gäldentwertüng-.M überdie Grenzender. Mistelstaaten ausder FMbeüsvertrage eine Folge der. fo. unerträglich langsam arbeitenden Mühle des westlichen Bureaukratismus, aber auch ein Zeichen für die wachsende Erkenntnis der Gefahren dieser Verträge und der . Ärt ihres Zustandekommens. In den Vereinigten Staaten ist man schon lange zur Verurteilung dieses Systems gelangt, hat aber in der Verwerfung der Pariser Methode einen radikal entgegengesetzten Standpunkt erfaßt, indem man jede Einmischung in die europäische Politik überhaupt Mehrst. Ja, Amerika denkt, sogar daran, diese Freiheit des Handelns mit materiellen Hpfern zu erkaufen und den Alliierten euren Teil ihrer Schulden zu erlassen. Die Beschlüsse von Hythe. auf denen' Italien, Frankreich und England sich auf ein Ffnanzprogramm einigten, das die Bezahlung der Schulden an Amerika von dem Einlangen der deutschen Entschädigungsgelder abhängig macht, wurden in den Kreisen des amerikanischenKongresses als „sehrinteresiant aber sonst nichts werter" abgetan und das vollständige Desinteressement an Europa ist auf dem Wege zur Tatsache. Gründe mag es hiefür in Menge geben, nicht der letzte dürste in her weitverbreiteten Angst vor dem politischen Radikalismus liegen, der Europa immer stärker in seinen Bann zieht. Aber auch die krankhafte Lethargie Mitteleuropas, das seine inneren politischen und sozialen Wirren, der Rohstoff- und Kohlenmangel nicht zur^ Arbeit kommen lassen, wirken auf die amerikanische OejfentliKkest ungünstig, die nicht die Ursachen, sondern nur die Wirkungen sieht. Die Art, in der ein großer Teil der Presse der Mittelftaaten die inneren Vorgänge behandelt, ihre fortwährende Denunziation der Arbeitslosen als Arbeitsscheue und ihre aus reinste Sensation gestellte Berichterstattung über Streiks und Arbeiterfragen lassen eben in Amerika kein unbefangenes und objektives Urteil über Oesterreich und Deutschland äufkommen. Darauf ist es zurückzuführen, daß der Führer der Wilson-Gegner, Senator Bocah, im Kongreß erklärte, Amerika müsse verlangen, daß Europa sich selbst organisiere nnd an die Arbeit gehe. Er sieht in dem Drängen der Alliierten auf Eintritt Amerikas in den Völkerbund die Absicht, die erschöpften Finanzen der europäischen Rationen zu ordnen und neue Kriege vorzubereiten. 'Hiev tritt, am stärksten das. Mißtrauen Amerikas in dse Politik der von unverantwortlichen Personen'unheilvoll beeinflußten Stellen Frankreichs zutage, die sich jAt auf den Schlachtfldern an der Düna und Äeresnia eine schwere militärische Niederlage geholt haben, dfe dcK künftige Verhältnis zu Rußland für lange hinaus vergiften muß. Dre zerstörenden Wirkungen des Militarismus erkennt man in Amerika sehr deutlich. Aber anstatt offen den Uebergaug zur friedlichen Behandlung europäischer Probleme zu verlangen, treibt Amerika leider die Politik der Abstinenz und der kalten Schulter, wo .doch sein Wort so viel Gutes stiften könnte. I Kiew von de« Polen geräumt? ' F ü rr ch, 25. Mai. (Privat.) „Times" melden, daß die Pole» Kiew geräumt haben. Polnischer Froirtberrcht. Warschau. 25. Mai. (Funkspruch.) An der S ü d f r o n t wurden durch unsere Angriffe feindliche Ansammlungen bei Wiergowska und G o rd z e w s.k a zerstreut. Der Feind erlitt schwere Verluste. Oestlich B i a l a e i e r k i e w schlugen wir feindliche Abteilungen zurück, die sich Karapisee und Bogoslaw konzentriert hatten. Im Gebiet von Kiew längs des Dnjepr lebhafte Ausklärungstätigkeit. An der Nordstont unternimmt der Feind im Gebiet der Düna weitere Angriffe, die an unseren befestigten Verteidigungslinien scheitern. Au der mittleren Beresina versuchte der Feind unter dem Schutz der Uferwälder den Fluß zu überschreiten. Unsere aus Bobruisk herbeigeeilten Kolonnen ver-- nichtelen eine feindliche Brigade fast vollständig, wobei sie 400 Gefangene machten und zahlreiche Maschinengewehre erbeuteten. Ein polnischer FriedensvorschlKg zu erwarten. Kiew als Berhaudlimgsovt in Aussicht genommen. Lemberg, 22. Mai.Mrl. der. „Wr. Mor-enstc, ".) „Äurict LwowSki", das Organ D atzs k i ß, des polnischen B;nrnmflcrs des Aeußern meldet: Im Zusammenhang mir der. Erklärung des Ministerpräsidenten S k ul H k i über einen bald zu gewäriigrndrn Kreisen tmftfcaft die Frage des BtrhaüdlrmgSdrtes hesprochm. Es heißt, daß Polen' K i e w Vorschlägen ■ wird, welches für Rußland und Polen glerch günsiig gelegen ist. Odeffa —Freihafen für Polen? London,' 22. Mär. (Tel. der „Wiener Mor^enztg."^ „D^orning Post" schreibt: In dem Uebereinkommerr zwischen Polen und der Ukraine befindet sich eine wichtige Vereinbarung, daß nämlich den polnischen Kausleuten das Recht eingeräumt werden soll, Odessa als Freihafen für/ihren Handel.zu benützen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, so wäre dies für Polens Handel und Industrie von höchster Bedeutung. Polen wäre dadurch von Danzig unabhängig. Annäherung zwischen den Sowjets ttnh den Rechtsparteien i* Rrchland? Lemberg, 22. Mai. (Tel. der „W'e^rMorgenztg.".) Der gewöhnlich gut inf-'rmterte „Kurjer Polski" will aus Warschauer Laudtagsk^ifen erfahren haben, daß alle russischen Politiker, Safonow und Sawinkow an der Spitze, welche die a lte russische Politik in Paris vertreten, erklärt haben, infolge der polnischen Offensive und der Pläne Polens in der Ukraine, welche den Bestand des unteilbaren Rußland bedrohen, die Sowjetregierung als die berechtigte anzuerkennen. Diese müsse vom ganzen Volke gestützt werden, um Rußlmws Bestand zu verteidigen. Im Zusammenhang mit dieser Erklärung scheint die Nachricht zu stehen, daß eine Reihe höherer Offiziere der Denikin-Arnme in die Sowjetarmee eingetreten sind. Aus verschiedenen Duellen wkch übrigens bekannt, daß die Kosschewiken in der letzten Zeit den Rechtsparteien manche KouzessEN gemacht haben; so wurde gewissermaßen der fv-ie Handel wiederhergestellt, ebenso der Privatgrrmdbesitz u. dgl. Dadurch'wurde bie Verständigung zwischen den Sowjets, und den 9dechtsparteien ermöglicht. NerrerUche JudenmasiMers r« der UkraiHre. Paris, 23. Mar. (Tel. her „Wiener Morgenztg.".) Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris hat von M. Gern stein-Ko ha n, dem Präsidenten der Vereinigung her jüdischen Gemeinden Geßarabiens, das folgende, vom 14. d. M. ans Fass y datierte Telegramm erhalten: Seit zehn Tagen ist das Gouvernement Po d o l ie n neuerdings der Schauplatz gr o ßer Iuden'po gro rire. Die von Juden stark bevölkerte.Stadt Galt« ist in einen Trümnrerhäufen verwandelt worden. Aus Warschau wird dem Jüdischen Korrespondenzbureau in London gedrahtet: Laut Wer'chten poluischer Kriegsberichterstatter an dev ukrainischen Front waren unter der jüdischen Wevölkernnd oer Städte Litin und War während sthrer Besetzung durch die polnische Armee unter dem Kvmrrlando des Generals Llwaszk iewic.r. ^.a bl reiche Obi. er. zu beklaaen. England unterstützt die Anab-Lugigklett-» bestrebungen von ganz Litauens' Warschau, 22. Mai. (Tel. der „Wiener MorgenzLg."°f „Kurjer Polski" meldet aus Kopenhagen: Derilitaüischa Außenminister Waldemar erklärte dem Korrsspou« deuten von „Berlingske TidenLe", daß die fränzöfische Militärmission in Kowno in eine - tz i^stlvMMtsi^ e Mission umgewandelt werden solle. Französisch^ Kaprtalisten seien bereit, Kapital in litauischen Jndustrieunternchmrmgen 8u investieren. Ferner ..saM'i.WWKMstr5 „In England hat man volles Verständnis - für. die beginnenden Friedensverhandlungen zwischen >Litanen nnd Rußland. Die englische Negierung anerkchmt die litauischen Grenzansprüche und macht energische Bemühnngeö, um das Verhältnis zwischen'PÄvn und Litauen endlich zu regeln. Sie macht dabei ihren .diplomatischen und wirtschaftlichen Einfluß m: Warschau geltend, zumal Polens Abhängigkeit von der /Entente jetzt stärker ist als je. ^Lord HardingesteMärts; mir, daß England die polrmchen Fsrderutzgenstnach bwt Grenzen von 1772 nicht anerkennt. Ev -glaübt. daß' das unabhängige Litauen in wenigen MoEen anerkannt sein wird." , - W a l d e m a v erklärte übrigens in Lerstlitäuischertz, Konstituante, daß angesehene' englische StayMränner ihm versichert hätten, die englische Regierung wisse, daß' Posten re in l i t a ursch e Gebiete besetzt habe-und dis Entente werde'von PoW die Räumung dieser .Gebiete fördern, Dobest werde auch Wi l .fallerr. - - ' , .-- ' '' ZnLernatronaler Kongreß der Friedens-'^ gesellschafte«. j„ Bern» 25. Mar. (Funllvruch.s Der internationale Kongreß der Friedenssesellichaftev in Basel hat gekiern seine erste Tagmitz mit einer eindrucksvollen Kundgebung abgeschlossen. Der! schivrizeri^ sche Delegierte Dr. Haiderli (Zürich) dankte WAon? und de*i anderen Anregern der Idee des Bölkerbmrdes in herzlicher Weife.- Prosisior Quidde (München) und Lewyer (Paris) sprächen dir Hosimmg auf eine Annäherung der Rauonen aus. st ZnLernationaler Gerichtshof« Haag,25.Mai.Das NiederMndischeKorrespwchenzbureaumeldet: Beim Ministerium des Aeußern ist eiste Mitteilung des Sekretariats des Völkerbundes eist-- gegangen, nach der die Kommission zur Vorbereitung eines Entwurfes für einen ständigen internationakeu Gerichtshof Haag als Ort des Zusammentrittes hin Kommission gewählt hat. Das Sekretariat des Völkerbundes hat die Kommission zum 11. Iuni / in'den Friedenspalast im Haag eingeladen. Rittrs auswärtige Politik« . Rom, 25. Mai. (Tel.--Komp.) Der „Avanti" bei* offentlicht das Programm der neuen Regierstmg NW, der in außenpolitischer Hinsicht eine rasche und na>ch drückliche A u n ä h e r u n g an Deutschland und tOester* reich wünscht sowie die Wiederaufnahme der Wirtschastsbeziehungen. In' innervolitischer Hinsicht, sei Ritir geneigt, der Arbeiterklasse weitere Konzessionen 'zn' rnachen. . ' Das neue tschechische Kabinett. Prag, 25. Mar. (Tschecho-siowakrsches' Preßhur.! Der Präsident der Republik empfing gesternz den'-Ministerpräsidenten Tusar, der ihm über daL-Ergehms feiner Verhandlungerr mit den Parteien,, betreffend ihre Bildung der neuen Regierung, Mitteilung mächte.-Der. Präsident ernamtte hierauf über Antrag des'Mrmsierpräsideuten die folgenden neuen Mitglreder oes -Ka- 'binetts: .Ministerpräsident — T us-a r, deraÄh'Movisorisch mit dem Pprtefeuille des Ministeriums 'für Mrv- ' nale- Verteidigung betraut wird, Ministern^ desHnnekrr — S v e.h l a, Minister für Auswärtiges —- Dr^.AW'asr' Fiuauzmimster — Dr. E n g l r s, . Gesundheit--nutz XInifiZierunLsminister — Dr. Srobar,Ministersfi'w Post und Telegraphen — S t a n e k. Minister Mb Mialtz Fürsorge — Dr. Winter, Minister für Schulwesen — Dr. Habrman, Eisenbahnminister — Skri brny, Justizminister — Dr. Mersner, Minister für öffentliche Arbeiten — Dr. Vrbens k y, HandelsMimster -- San t a g, Approvisionierungsminister -4- I o h a p iS, Landwirtschaftsminister — Prasek, Ministerohne Portefeuille Dr. Derer und Dr. Hio:towetz, - mrr. .denen dein elfteren die Vollmachten für Me Slowakei, dem letzteren die Organisierung des Amtes für', dem Außenhandel übertmEi werden. . : "•* I