Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 445 (18.4.1920)
- Date
- 1920-04-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nril« 8® Heller Cfujcln 44 »cOcv >. 1fr!;. W str8««Me»ationspveise: i Bm Mch-lex te bet Heu, 2. Sezirk. «aber-! I Mt 8, ob« bt eintet M JflMHIMe «wTO: HMMtHÄ. . Krone» »«».— diertrljÄrltch „ ««.- «tt Vefttttfa* ffltOlen und _ . . veftrrreich r - WwMIch ^. 8ronr»L0.-' r,«tq».A°wakrr: Krone» V. tterteljShrNih 1schecho.sl.wZis «her «S-runs K-»fl«wievr «« SeDrr ^str;scho-SLowaket: Einzel»44 $»ftevi,WM 9iiwniitrt LMWGWMl!. -WYLAMM t» 0 WS«I IMMB Nr. 44S Wien, Sonntag» den 18. April 1920< 2. Jahrgang Die jugoslawische Staatskrise. f- . j —7. Wien, 18. April. Wr morgen ist das Belgrader Parlament einberufen, um in der Lebensfrage des jugoslawischen Staates Üne Entscheidung - zu fällen. Der - parlamentarische Konflikt-zwischen den Konservativen und den Demotaten; der sich formell um die Frage des.Quorums dreht, das heißt darum, ob eine der beiden Parteien die qualifizierte Majorität erreichen und damit eine stegierung stürzen.oder wählen kann, ist letzten Endes, der Entscheidung darüber gewidmet, ob Jugoslawien konservativ oder demokratisch, ob es zentralistisch oder sydttlüiv regiert sein soll. Es ist also ein Kamps um die Ltaätsform, jn dem einstweilen die beiden großen Parteien die Arbeitsunfähigkeit des Parlaments herbeittfiihrt haben. Gegenwärtig sind die Konservativen am Kuder, das heitzt sie sind im Besitze der Regierung und Ke wollen, wenn der morgige Tag keine-Entscheidung -ringt, in einem Appell an das Volk die Entlassung des Parlaments aussprechen und rechtfertigen. Die Konfertzativey kündigen an, daß sie bis auf weiteres entschlossen.find, die Gesetze im Wege -er Verordnung, zu erlassen. Der Z 14, Jbcffcn Anwendung die südslawischen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates so oft mit herbeigeführt - haben,, feiert also eine fröhliche Auf. Erstehung. Die Regierung will als erste ihrer Maß» regeln eine Besteuerung der Krieg sgewinnein der Höhe . deS zwölften Teiles der Gewinne im Verordnungswege verfügen dann in einer zweiten Kundmachung dis für eind Abstimmung notwendige Präsenz der Abgeordnete« von 149 auf 10Q herabsetze«. Das Parlament pM-M morgen mit dreseuMdtzn ANgelegeUe'iten zu; ^-Die Staatskrise ist also aus einer sozuscigeN'tech-. Nischen Differenz zwischen den Parteien entstanden. In den.Grundzügen, in der Bildung eines südslawischen Einheitsstaates, sind die Parteien scheinbar einig. Beide Wösten ein Reich, ein Parlament und einen König. Die Konservativen stellen aber außerdem roch dre Forderung - der Verwaltungsautonomie für die drei Landesteile quf, wobei die früheren politischen Grenzen weiter bestehen bleiben sollen.. Dieses Streben, das" sich uns die politische Theorie von der Bildung eines Großserben, reiches stützt und hauptsächlich von Pan:, einem der .fähigsten Politiker seines Landes, vertreten wird, hat das Mißtrauen der Demokraten hervorgerufen, das sich gegen die Gefahr einer> nationalen Absperrung zwischen Slowenen, Serben und Kroaten! wendet; aber auch' die Kroaten, obwohl konservativ gerichtet,. fürchten einen zu weitreichenden Einfluß der Serben auf die Verwaltnngsahtonomie. Kroatiens und verlängert eine gewisse Selbständigkeit ), ihres Gebietes. Die gleicheFörderung stellen die slowenischen Klerikalen auf. Obzwar also nun überall der Wille besteht, den in der Revolution errungenen Staat auszubauen und' zu befestigen, ist doch in der ärmeren Pblrtik durch diesen Streit Me^füst uMübersteigbare ' Mauer ausgerichtet^ worden. Alle Bemühungen, dem Konflikt auf außerparlamentarischem Wege die Spitze abzubrechen, sinb-aufdem toten Punkt angelangt.' Dieser Kampf, zu dem noch finanzpolitische Momente, wie der Krieg der Krone gegen den! Dinar, hmgutreten, berührt natürlich auch die Nachbarn Jugoslawiens. ' '• ,.^ . ■ -.' '... Pas' in diesem. Staate vorgeht, ist eigentlich dasselbe,^ wäs in allen Staaten geschieht, ' die auf dem Boden, der Monarchie eyfltayden sind. Uralte SchicksalsgemeinschKften sind geM worden, ahne daß man an .die Zukunft gedacht hat. In der Tschecho-Slowccker sehen ' wir einq tiefe Kluft zwischen Tschechen und - Slowaken,, BBlkerteilen gleicher Art und gleicher Zunge. Serben, Kroaten und Slowenen sprechen , die gleiche Sprache, wenngleich sie verschiedene Alphabete anpenhen und sich - auch religiös voneinander unterfcheide«7^. Die natio-- . nW Homogenität reicht.also hier nicht.aus, wirtschastspolitische Mornente zu überwinden, und man wäre fast versucht, das sprachliche Bekenntnis überhaupt aus den ' zur Begriffsbestimmung der Nation notwendigen Elementen anSzuscheiden. Die Sprache erscheint lediglich als technischer Behelf für Äusdrucksform und gegenseitige Verständigung. als Vorarkssetznng für einen ge- Wissen gleichartigen Aufbau der Kultur, aber nicht als Voraussetzung für eine Staatsbildung. Die Elsässer, - die' sich.ihrcr politischen Richtungnach als. Franzosen ' /^'klarem ivrechen deutsch. Die Aofener Bolen fvrecken Montag noed An ZiiOadnvMchk den SKddrhner« führten zn keß Z SiS-f’ Die gestrigen Verhandlungen mit Ergebnis, Die Situation hat sich infolge weiterer Unstimmigkeiten noch & schlechtert, so daß mit der Wiederanfnahmr des Verkehrs am Man' nicht zn rechnen ist. Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Zs Der des Morde» i» vierzehn Fällen angeklagte F-ldzengmeistsr des Sk-hest-nde» Stephan. L-inb i ek« «»»de bei der gestrige« Schlnßvsrhsndlnng vor'de« Senat d«t Obersten Gorichtshofss frsigefprochen. . HmrdeLsfteihett zwischen Frankreich und Mitteleuropa. Par iS, 17. April. lFunkspruch.) Eine heute verVffentlrchte Verordnung stellt die Haritz e LS f? e itzeit zw i s chen Frankreich und den L L n d e r n Mi t t e l e u r 0 p a s wLeder h e r. Bisher warr ker Handel mit Waren» die Ms DeuischlLnd,W e sterr e iS, fcer Tschechv-Elvivakei und Polß« stammte«, besondere« EinschrLnkunzen unterworfen. Die Vertreter der Alliierten bei PateK. W a r sch a u, 17. April. (Privat.) Vorgestern erschienen die Vert«etet der alliierten Staaten der Reihe nach beim Minister des Aentzern P a L e k. Zn politischen Kreisen wird angenommen» daß diese Besuche mit der l e tz t e « Note Tschitsch erins Zusammenhängen. Gegen die Politik der Gewalt. Ein Protest der französischen Arbeiter» ' fchaft. '' Paris, 17. April. (Tel.-Komp.) Die P«ist§riM tron generale du travail hat ei» Manifest mit dem l^Mai befaßt»; : Der Aufruf fordert einen allgemein»« Z gen Streik, damit die von der EonsederMon.: Gtz' wünschte Politik dnrehgeführt werde. Die ictzigeOsinW der Gewalt müsie verschwinden. Die bewaffnete Be» setzung müsse aufhöre« ur.d alles «nlerbteib«»». wall Deutschland herausfordern konnte. Die Consederati»« verlangt Zurückziehung der Truppen, dlß auf das rechte Rh.'nufer gesendet wurden. Auch iflltz kolonialen Unternehmungen müßten eingestellt werden In dem Manifest wird weiter gesagt, daß alle Vkaiß» nahmen e'mvernehml'rch mit de» Arbeiter« der anderen Länder vorgeschlage» wurde«. Her türkische friedensvertrag. H a a g, 17. April. (Tel.-Komp.) tzollandsch Menms Bnrean meldet ans Paris: $ie Statt« ferenz in San Rem 0 wird den in London vorbereiteten Wortlaut des Abkommens mit der Türstel revidieren. Die Türkei wird die Hälfte ihrer früheren Einwohnerschaft verliete«.' Die verkleinerte Türkei wird unter genauer Kontrolle der Alliierten stehen. Der türkische Teil von Thrazien fällt an Griechenland. Das Hinterland von Adana und Adalia wird für Frankreich und Italien reserviert. K0nstaniin0pcJ wird internatiotta 1 ifietfi1 poluflch, fordern aber ebenso wie die galizlschen ihre verwaltungstechnische/Autonomie. Der Krieg hat eben auch hierin revolutionierend gewirkt. Vielleicht ist . die Er», kenntnis nicht mehr weit, daß in der. überstärken Be° tonupg der. sprachlichen Sonderart eine der vielen Lebensquellen der nationalistischen Bestie zu suchen ist und daß in der Beschränkung der Sprachpflege auf die Er-. Ziehung der. Jugend und auf die Kunst ein Mittel zur.' Erreichung der VölkerversölMmg und damit zu einer höheren Menschheitsgesittung liegt. Die Vereinigung^ von Volksteilen. auf - Grund ihrer Geschichte und ihres; Willens, zu einer Gemeinschaft mit gleichen natonalpolitischen - Zielen, also .die Bildung von Nationen, ist erne Voraussetzung Jir die Organisierungder Menschheit in der Form der Völkeriamilie. Wenn aber die Nationen durch die Ucberhewertung ihrer sprachlichen Sonderart - eine Mauer um sich ziehen, dann wirb der Zweck der Höherführung der Menschheit verfehlt und es kommt lzü. mehr oder minder heftigen 'Zusammenstößen, denen man dann leicht ein'idealistisches Mäntelchen - umhängen. und die man ebenso leicht zn einem wirtschaftlichen Konkurrenzkaw.ps nmfälschen kann. , Die Wirtschaftsgeographie, die den Bedürfnissen des täglichen Lebens entspringt, ist stärker als der Na° i tionalismus. Das lebe« wir in Volen. das sich sowohl östlich gegen' Rußland wie westlich gegen Deutschlant»> handelspolitisch orientieren mutz; wir sehen dies in der Tschecho-Slowakei, deren Politik, zwischen den Interessen des Elbe-Moldau-Gebietes und des Donau-GÄiÄVs schwankt: Wir erkennen-dies nun auch in Jugoslawien, dessen Dreigestaltigkeit durch das verschiedenartige Ion« sessi'onelle Moment, aber auch durch bte Differenzen zwischen bem Donau-Save-Gebiet und der Adria an der Erzielung einer^ einheitlichen Politik verhindert wird'. Auch hier zeigen sich die zerstörenden Wirkungen. des aus' dem Weltkrieg hervorgegangenen Friedensvertrages, der große, historisch , gewordene und' historisch entwickelte Wirtschaftsgebiete.in Trümmer geschlagen hat. auf denen kein staatliches Leben ungestört gedeihen kann, Die inneren Vorgänge in Jugoslawien» der Fiume-Streit und dazu noch , die Groteske, des deutschen Klagenfurter Beckens sind genau so Beweise für die NotwenditzkD der Neviston 'der Friedensverträge, wie die VoWptze in Vorberasien. und in Deutschland,.. wie die Not" .irr Wien. Der Gedanke der Donanfoderation stößt - Wst. noch auf den l'lnabhäugigkcitsftolz der NationaWäte«' er wirb vielleicht morgen in der Idee einer miWenropaiicheN Tarifunion sich wieder hervorwagen. Jeder! Tag aber, der eine Fortdauer der heutigen Zustand bringt. M ein Verlust für die Sacke des.Frieds