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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-07 · Heft 434 (7.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 434 (7.4.1920)
Date
1920-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrgang V Die Besetzung Frankfurts. . ... . —y. Wien, April. Die Revolution von rechts hat in Deutschland die Revolution von links zur Folge gehabt. Nun ist auch fie Intervention. der Entente erfolgt und die französichen Truppen haben Frankfurt besetzt und führen, die Okkupation der gesamten Zone Frankfurt—Darmstadt— Hanau durch. Diese Maßregel war am 4. April in einer Verlautbarung der Agence Avas angekündigt worden ßnd der französische Ministerpräsident Millerand hatte jn einer Note an den ^deutschen Geschäftsträger in Paris »klärt, der Vormarsch der Reichswehr im Rhurrevier M eine ' ktasfe Verletzung des Friedensvertrages und laufe auf eine Störung des Weltfriedens hinaus. Diese lkusnützung der Notlage Deutschlands zu einem billigen ßrilitärischen Erfolg der französischen Kolonialtruppen fft ein neuer Sieg der Pariser- Imperialisten über die Mtzigung der Londoner Regierungskreife. Ob diese ihre , Zustimmung, gegeben haben,. ist noch' unbekannt. 8s ist aber eher anzunehmen, daß Marschall Fach das Prävenrre gespielt und das Einverständnis der Alliierten nnfach eskomptiext hat, rndgm er durch feinen Marschbefehl eine irreparable Situation geschaffen hat. Die Vesetzung Frankfurts war schon bei den Versailler Friedensverhandlungen von Frankreich stürmisch , gefordert, von Amerika und England energisch abgewiesen porden. Daß Frankreich früher oder später unter irgendeinem Vorwand den alten Plan wieder ausnehmen hH^Wav MWvMem Es ist eine unglückliche Fügung Reaktionären und Extremrabikalen gelungen ist, den Liegfriedlern in Paris eine gewisse juristische Stütze für ihren neuesten Gewaltstreich zu bieten. Es ist zuverstehen, wenn manin Paris den Mannschaften,/ die heute für Wilhelm, morgen für Ebert. zu marschieren oorgeben, auch,öen. Wahnsinn eines Angriffes auf Frankreich zutraut. Die Besetzung des Frankfurter Gebietes ist ein Beweis dafür, wie sehr man außerhalb Deutschlands die Wirksamkeit der politischem Kräfte in diesem Lande unterschätzt. Es ist sicherdaß das deutsche Volk in den letztvergangenen blutigen Wochen seine Entschlossenheit bekundet hat, einen Sieg der Rechtsrepolte nicht zuzulassen. Die Vorgänge im Rhurrevier sind nichts weiter aW das scharfe Ausschlagen des Pendels nach links, und daß, dort vielfachverbrecherische Elemente einer Tätigkeit, sich hingeben, die mit Politik nicht das geringste zü/-tun hat/ gehört in das Bild solcher Entfesselungen derMasseninstinkte Es.rst auch im Krieg, der von allen Beteiligten für die Kultur und für - das Recht geführt wurde, genug geplündert worden, und ' alles hat sich damit zufrieden gegeben, daß das Klappern zum Handwerk gehört. Aber politisch betrachtet, scheint sich Deutschland doch auf dem Wege zur sozialen Demokratie zu befinden. Daß sich dies unter so starken Krisen vollzieht, ist eben aus die . totale Vernachlässigung des politischen Denkens der Deutschen zurückzuftihren, die Stimmungsmenschen sind und viel leichter noch als andere Völker zur Demagogie neiggn. Aber doch war die Beruhigung der Bevölkerung nicht mehr zweifelhaft, zumal die Regierung den Termin für die Neuwahlen bereits fixiert hat/Die' französische Regierung greift nun gewaltsam in ^diesen Gang der Dinge ein .und wirst neue böse Gärnngskeime in das bis zum Wahnsinn exaltierte Volk. Wie, wenn..nun wirklich der deutsche Nationalismus, diese böseste Giftschlange, das Haupt erhöbe?; Die Maßregel Millerands läuft in ihrer Wirkung mit den' Separationsbestrebungen! des katholischen Südens parallel. Diese Tendenzen der politischen Trennüng in Nord- und Süddeutschland haben stets'in Frankreich ermunterndes Echo gefunden/ und es liegt auf der Hand, daß man von Frankfurt aus, dessen, wirtschaftliche Bedeutung im Westen stärker ist als die Berlins, dem Hebest viel energischer wird ansetzen können. Frankreich steht jetzt in offiziellen Friedensverhandlungen mit. dem Vatikan und es würde darum ülle Mittel spielen lassen, der Kurie ein religiös geschlossenes und womöglich noch durch die vom der Wiener „Judenrepublik" abgesprengten Teile.Tirols und Salzburgs vergrößertes Gebiet hinlegen zu können. Die/ alte Gefahr für die deutsche'Einheit wächst wieder auf und damit eine große Gefahr für Europa, weil ein Zerschlagen des deutschen Wirtschaftsgebietes in feine Teile die Balkanisierung Europas überhaupt einleitet. €$$en von der Reichswehr besetzt. Berlin, 6. April. (Privat.) Spät nachts wird gemeldet: Die Reichswehr truppen sind 1« Esien einmarschiert und habe« die Stadt besetzt. - Der französische Einmarsch ins Frankfurter Gebiet M a L n z, 6. April. (Wolff.) Eine VekünntMachung des OKerkoMMandierenden der BesatzungsLrupperr.Generals D e g d u L itf besagt, datz die Städte Frankfurt a. M., H o w b u r g, H a n a n, D ärmst a d L und D i eh u t g durch französische Truppen besetzt wurden. In den besetzten Gebieten wurde der Belagernngszustand proklamiert. Die deutsche Note. Berlin^ 6. April. Die in derdeutschen Mitteilung über den Einmarsch der französischen Truppen erwähnte deutsche Note betonte pMrfäch, daß ohnevorübergehen- "WMntzreifM.' mWatWU^räfte- MMi^WerstMmg- .der Ruhe unmöglich sei. Die deutsche Regierung habe geglaubt, dieformelle Zustimmung der alliierten Regierungen zu dem Einmarsch deutscher Neichswehrtruppen in die neutrale Zone nicht mehr abwarten und den Vormarsch der Truppen nicht weiter aufhalten zu dürfen. Sie wiederhole eindringlich ihr früheres Anerbieten, jede denkbare Garantie zu geben, daß.die Truppen unverzüglich nach Wiederherstellung - der-Ordnung zurückgezogen würden. Besonders würde sie auch bereit sein, der Entsendung einer interalliierten Kommission zuzustimmen, die. sich überzeugen Minie, bis wann die- Gegenwart der Truppen durch die Verhältnisse gerechtfertigt sei., Die Besetzung wird aufgehoben, sobald die deutschen Trrchperr das neutrale Gebiet raumen. Paris, 6. April. (Havas'.) Ministerpräsident Mill-erand richtete hsube vormittags an den deutschen Geschäftsträger Dr. Meyer nachstehendes Schreiben: Jn meinem Schreiben,.vom. 2. d. M. hatte ich Sie gebeten, bei ihrer Regierung auf den sofortigen Rückzug der deutschen Truppen zu dringen, die in ungehöriger Weise in die im Artikel 42 des Friedensvertragxs bestimmte neutrale Zone eingedrungen sind. Da mein Ersuchen bisher ohne, Erfolg geblieben: ist, habe ich die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß der Oberkommandant der Nheinarmee den Befehl erhalten hat, Frankfurt, Homburg, Hanau, D-armstadt und Dieburg unverzüglich zu besetzen. Diese Besetzung wird aufhören, sobald die deutschen Truppen die'neuträte Zone vollkommen geräumt haben. Die Proklamationen des französischen * Kommandanten. Paris 6. April. Zu der Besetzung von Frankfurt ünd Darmstadt, die heuG um 5 Uhr früh erfolgt;, melden die Blätter des näheren, der Kommandant der französischen Truppen, General Degoutte, habe an die Bevölkerung der zu besetzenden Gebiete eine Proklamation gerichtet, worin' erklärt wird, da die deutsche Regierung eine der entscheidendsten Bestimmungen des Friedensvertrages verletze, sehe sich die französische Regierung gezwungen, .sich ein, Pfand zu verschaffen, um die Berliuer Negierung zur Beobachtung des unterschriebenen Vertrages zurnckzuführen. Gen.ral Degoutte fügt hinzu, er habe den Auftrag erhalten, unverzüglich zur Besetzung der Städte Frankfurt,-.Hanau, Darmstadt und Dieburg zu schreiten, und versichert, daß diese Besetzung Leiuerlei. Feindseligkeit gegenüber der arbeitenden Bevölkerung bedeute, sondern nur den Zweck \ habe, die Durchführung* des. FriedenövertrageS .zu H'sichern. Die Besetzung werde in dem Augenblick ein i Ende nehmen, wenn die Reichswehr die neutrale Zone Ü voUstälidia..aeräumt Laben werde^ Verhängung des Velagerungszustandec-. '. Eine, zweite Proklamation bringt. der Bevölkerung eine, Reihe von Maßnahmen zur Kenntnis, die vom General Degoutte zur. Aufrechthaltung der Sicherheit^ und Ordnung getroffen worden seien. Darnach werde m den Kreisen Frankfurt, DarmstadL, Höchst, Königstein und Dieburg der Belagerungszustand erklärt. Ditz deutschen Behörden könnten unter Kontrolle der französischen Militärbehörden ihre Tätigkeit sortsetzen. Streik werde nicht geduldet cherden. Von 9 Uhr abends! bis! 5 Uhr früh sei der Aufenthalt in den Straßen untersag ebenso sei der Verkehr zwischen der neubesetzten Zone, und Deutschjand int Prinzip verboten. Die ZeitungM werden eingestellt, die Benützung des Telephons und des. Telegraphen sowsie der Post unterliege-der . Zensur. Alle! Waffen seien abzuliefern, ausgenommen diejenigen,», welche die Sicherheitswache für ihren Dienst benötiK.- Eine ähnliche Proklamation wurde auch in den Kreisen . Großgerau, Langevschwalbach, Wiesbaden- , Stadt und Wiesbüden-Land bekanntgemacht. Millerand hofft, datz dieVerbündeten Mitwirken werden. Gegenüber dem Vertreter der „United Preß" äußerte sich Ministerpräsident Millerand, die französische Regierung hoffe, daß die Alliierten bei dem Vorgehen' gegen die deutsche Regierung Mitwirken werden, jedenfalls müsse'die französische Regierung handeln, denn sie könnenicht dulden, daß eine feindliche Armee an den Toren'. Frankreichs stehe. - Er glaube, daß die Amerikaner diese Haltung verstehen würden, und hoffe, baß die amerikanischen Rheintruppen an dieser Aktion teilnehmen werden. ' Der Ministerpräsident verwies sodann darauf, daß das Vorgehen der deutschen Negierung eine Verletzung, der Artikel 42 und 44 des Friedensvertrages bedeute und daß es notwendig sei, den Ausflüchten Deutschlands ein Ende zu setzen. ' Wenn nämlich Deutschland alle Bestimmungen des Friedensvertrages, airsgeführt hätte, wäre die ganze Bewegung im Ruhrgebiete nicht möglich gewesen, denn die beiden miteinander im Kampfe befindlichen Teile bedienen sich Waffen,, die Deutschland bereits längst hätte den Alliierten ausliefern sollen. Er nehrne die Erklärung der deutschen Delegation, daß die Besetzung Frankfurts und Darmstadts eine Revolution in Deutschland Hervorrufen würde, nicht ernst. Er glaübr nicht an eine solche Gefahr. . Amerika gegen die Besetz?;:- \ Nach Washingtoner Telegrammen seien die Fii!,.rr des amerikanischen Senats der Ansicht, daß sich der Senatgegen die Verwendung amerikanischer! Truppe» im Nnhrgebiet aussprechen werde, falls es zwischen französischen nnd dentschen Truppen zn einem Konflikt kaure. Näch^ einer Meldung des Ncw-Norker Korrespöndenten der „Däilli Chrouicle" sei Präsident Wilson nicht der Ansicht, daß die Entsendung dentscher Truppen in das Nnhrgcüiet eine Verletzung des Friedensvortrages öcbente. Seiner Meinung nach gebe die Notwetzdigkeit, die Ruhe und Ordnung nufrcchtzuerhalten, Deutschland das Recht zu dieser Maßnahme. . Wie verlautet, hätten die Vereinigten Staaten von Amerika Deutschland bereits ihre Ansichten über diesen Gegenstand bekanntgegeben. Darmftadl von den Franzosen besetzt, Darmstadt». 6. April. (Söolff.) Eine kleine .franzipürl r Trupponabrerlung hat heute früh um 4 Uhr den Bahnhof vo r i Därmstadt besetzt. Der Staaispiuiident hat daaegm protestiert. Negicnnia. und Obc^bülgermMer ei lassen ..eine»' Ausruf an die Bevölkeiung. die R u h e zu, bewahren. Die Franzosen haben erklärt, sie würden die Behörden e t u st-!

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