Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 430 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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$SfST Freitag ,Ä.H>ÄW0 Die Gholera. 'v Erzählkma vnn I. L. Perez. iA«s de» Jüdische» von Siegirted Schmitz.') ' (Schluß? ' - Zoffrls 'Hoffnungen schwanden.' Der alte - hurypfe Trübsinn kam Mieder. Die Bilder der Bräute waren zerronnen. An ihrer Stelle -iah Jossel wieder das Bild'des Strickes, den er auf bfcirt Dachboden versteckt hatte. Er zappelte und lockte: „Komm! So wirst du allen Kummer los?" Ein Trost hielt Jossel noch. aufrecht: das war Sawitzky. > Der blieW bei seiner Meinung nach wie vor!'-„Und der muß 'wohl wissdn; mas er sagt. Ec ist doch Doktor!"-. ' Eines Tages traf Jossel den Doktor nicht am gewöhnlichen. Zrisammenkunstsort. Gerade an diesem Tage bedurfte er am meisten des.Trostes. Denn) am frühen Moren — es war noch vor Sonnenaufgang — war der Gcmeindediener mit fröhlichem Lachen ins. Peth-Hümidrasch gekommen und hatte Jofsel geweckt: „Ivsiel, hörst bit? Joffes! Aus Bratkotu ist der Doktor vud der Trudent fortgefahren! Und heute nachts,^— oörst du, Jossel? — heute nachts, gerade am Vollrn.ond. war prächtiger Frost! Nun ist's aus mit der. Sruckn!" Mit. diesen Worten schlug der Diener die ~"au* hrurer sich zu und eilte fort, um zugleich mit.dem' Harnmürfchlag, der zum Morgengebet rief, seine Freuoenbolschaft bei alten Haustüren anzubringen. Jofsel sprang hastig, auf, warf den Rock um, der' ihn; als Drcke gedieni halte und ging erregt im Bethcha7ni0r?gch hin und her. Voll Ungeduld erwartete er >cr späten Sonnenaufgang, um zu Sawitzky eilen zu löuüen. Als es endlich, endlich hell wurde, verrichtete' er hastig fein Gebet und lief, ohne erst zum Frühstück zu geben, gleich vor die Stadt. Er fühlte, daß er fetzt Sawitzkys' Trost wie einen Bissen Brot broncho. ' ' ■ Er wartete bis zur Mittagszeit. Doch Sawitzky ließ sich nicht blicken. Unentwegt wartete Jofsel wei^r; denn es war ofr vorgekommen, daß Sawitzky erst nach-, mitrags kam. Der Hunger wühlte in ihm. Doch er dachte nicht daran, zum Essen, zu. gehen. Er mußte Sawitzky sprechen/ seine Ansicht hören, sich von ihm trösten lassen! Wenn- Sawitzkynicht käme, wäre die Nacht schrecklich! Der Strick! Der Strick!" Die Dämmerung brach herein. Die matte Winterrsonnenscheibe sank mehr und mehr und war nal/e daran,' ^hinter ckdier.. KtzhLe am Fluß zu verschwinden. Jossel zitterte vor Kälte und lief auf ürch. ab, um sich' zu er-, warmen und feine trüben, bleischwer lastenden Ge-' Hanken abzuschWt^ln. Bon Sawitzky keine Spur! So Mnge hatte er nW nie auf sich Warten lassen! „Sawitzky^ Muß' etwas zugestoßen -sein!" — ging .es Jossel ' durch den Sinn? „Vielleicht ist ec krank, vielleicht ^ist er gar ^gestorben! Oderck^ — Jossel wurde ärgerlich — „er spielt Karten-, das sähe ihm ähnlich!" ' Die chlasfe Schöbe, sank'noch tiefer und - auf'derf'anderen Seite. d-s bltzdriKonts" erhöh "fi<$ auf reinem dunklem Gründe eine schmäle Sichel. . . Es war Zeit zum -Abendgebet!. Jossel gab alle Hoffnung' aus, Sawitzky noch heute zu sehen. 'Er brachin Tränen/aus. Hungernd und frierend lief er ins? Beth-Hamidrasch zum Gebet. Auf der Gasse traf er kerne Menschenseele. Die Männer waren schon alle zum Gebet versammelt. Nur durch die offenen Fenster drangen fröhliche Frauenstimmen. Sie jagten Jossel bis ins Bekh-HamLrafch nach. Er zitterte vor Müdigkeit und Schreck. Diese unbegreifliche Fröhlichkeit ließ ihn ahnen, daß eine ncue FreuM d'enbotschast, gekommen sei. - Mit Mühe erreichte er die Tür des Beth-HämÜ)- rasch. Er hat nicht den Mut einzntreten. Er blickt durch das Fenster .und sieht, daß das. Gebet noch nicht begonnen hat. Die Juden stehen in Gruppen umher und besprechen in freudiger Erregung irgendein Ereignis. „Gott weiß, was es wieder Neues gibt, daß sie so froh sind!"" , . - a Zornig reißt Jossel dj^ Tür auf •— — —. „Und Sawitzky" — das sind die ersten « Worte, die an Jossels Ohr schlagen — „Sawitzky sind wir — Gott sei's gedankt — auch los; er ist durchgegangen!" > .>•* ■ »Mißt du das gewiß Ak — fragt jemand/;Jch habe es mit eigenen Augen' gesehen!^ —* ' antwortet , es laut aus einer anderen Gruppe. — — —; Jossel hörte nichts mehr; , hie-Füße versagten ihyi 1 den Dienst; er sank auf eine Bank nieder und starrte , mit stieren Augen vor sich hin. —-- ' V .,.....■-/. yt v '!:r-V. Diefrerwig erregte. Menge beachtete Jossel mt . nicht. . ' M Nach dem Gebet leerte sich das Beth-Hamidrasch bald und' Jossel blieb" unbeachtet allem wie .immer, Nicht einmal, dem Manne, bei dem er heute hätte'essen' sollen, war es auch'nur im entferntesten eingefallen/ - ihn zu fragen, warum er sich nicht gezeigt hatte und' ' weshäch er nicht zum Abendbrot komme. Auch er eilltz/ hünr, umMit Wan und Kind sich darüber zu 'freuen,!' daß' der Löse Dorn nicht mehr im Fleisch deck Stadt stecke/- / " ' / . - > v' '■ Erst am ^nächsten Morgen bemerkte man Vas FehlenL Jossels, La. das Beth-Hamidrasch nicht geheizt warJ Am dritten Tage fragte einer den andern, qb> er. nichKj Jossel gesehen habe. - Man machte sich aber weniH Sorgen. ,-Unkraut verdirbt nicht!" Der Tempeldienerp hatte» diesmal eingeheizt. Da der Ösen rauchte, sä?« sprachen , die Leute den ganzen - Dag von Jossel., So! lange er' eingeheizt hatte, warr-dasnie vorgekommen.^ Sie erwogen die Möglichkeit, daß Jofsel wohl wachs /Amerika oder Palästina ausgewandert sei. Man wußte, zwar, er habe keinen Groschen Geld; doch ..—, ^r wird? sich, schon durchbetteln!" . ‘ Erst am sechsten Tage, als sich, die Kunde vvN's einer bevorstehenden poliMlichen .Hausdurchsuchung': wegen ) Schmuggels ausländischer Waren 'verbreitete.) fand ein Kaufmann,,der ein Stück ausländische Seide: auf dem Dachboden des Beth-Hamidrasch: versteck^ wollte,, oben Jossel — steif und starrum S//^ hängen. m~ Sämtliche -»s Cbeater bleiben beute aeseblossen Oslemeinc ®ct6 und rot, Süßweine rc. en flros en detail L. Groß 7o« r»?ai Hegpaljaer Weinhrndlung. Kien, r. Be.)., Prrterstraße 13. AW«s! WM Wtm,! Tetevdo» 7231 uu» IL32/n. 0ch laufe uru> -ahle die höchste« Äreife für Herrenu. Damenkleider, N.nifnrmen. Schiihe, Sattckzerrq, Lel;e, Möbel, Tepdichc, Antiquiiör-n, Klaviere, insbesondere ganze Gerlassenschasttt. 77 .'tacre gniüar. Uoiuw.e sofort. L?. :vM4»3*m IV., Rechte Wienzcile 35 Stratjeteannlinit 61 nn.b 55. 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Bl. 2S1K Die Tage^eitung „Hazestrah" (69. Jahrgang) kann abonniert werden. Der Prannmttaüousprris betragt für: . Oesterreich ........ 75 Kronen monatt. Deutschland ..40 Mark H Frankreich.8 Franks ’ „ England. 4 Schilling „ Palästina ........ 4 , „ Amerika . ... . 2 Dollar Zuschriften und Geldsendungen find..an die Redaktion der „Hazefirah", Warschau» Lesna 54, Postfach Nr. 18» Postscheckkonto Nr. V3S, zu richten. *i± WIRKWAREN ALBERT MATZNER, Wien,l.,Kohlmesaergas<e & Kandel««» Anstand! Soeben Sie Oeseb&fteverblndaniren nlt Sagland. Amerika, Pal Estin», dem Orient, dein Wsttonelstaaten «tew Inserieren Sie »ittek der W f e n e r F i U a I e der V lewlsh Adoertlslng Agency, Loiidon () fi di i c h e Annonce nagentu r) m den jüdischen und nichtjfidischen Blättern des in und Analendes. Rmoho und znvftrlättige Betfieiwiol fifinatlgq Tsriftl VerzUgliet« Placierung wi ratlamteelmladlta Asutattung l. 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