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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-26 · Heft 423 (26.3.1920) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 423 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wl^«er Myr-enzewm- 26. M«y 1920 ttam SklS Dke Cholera. Erzählung von I. L. Perez. am Jüdischen von Sieg fr i e d Schmitz.) <4. Fortsetzung.) Einige Tage später zog es ihn unaufhörlich' zum 'Lade. Allmählich gab er nach. „Was tut es denn? Ich kann doch Hinge Herr?" Er ging zum Bade hin. Doch er trat nicht ein. Er fühlte, daß er nicht mehrt, urückkommen würde, wenn er einträte. Dieses Gefühl schreckte ihn. Stundenlang stand er nun vor dem Bade, beugte sich, über das Geländer und starrte auf sein dunkles, schwaches Spiegelbild, das ihm Wasser zitterte. Ihm oünkte es, das sei nicht sein Bild, sondern das des Schneiders Chaim, der ihn lächelnd rief: „Komm,, tomm! Hier ist es still und kühl! Ein neues, kühles, gutes Leben! Komm!"- Entsetzt rannte er fort. Erst auf dem Marktplatz wurde er ruhiger und verlangsamte seinen Schritt. Bi-im Laden eines Seilers blieb er stehen. Er merkte, der Seiler sei nicht im Laden. Die Stricke lagen öfsien herum. „Warum ist er nicht im Laden? Wo ist er?" Wirr drängten sich derlei Fragen in Jossels Kopf. Indes ergriffen seine Hände, ohne daß er es wußte, einen Strick, der an der Türe hing. Als Jossel ins Beth-Hamidrasch eintrat, bemerkte er den Diebstahl. Er wunderte sich und konnte sich nicht erinnern, wie der Strick in seine Tasche gekommen war. ,Aas ist Gottes Wink!" — fuhr es , ihm durch, den Sinn. Tränen füllten seine Augen. „Gott selbst will, d aß ich mir bas Leben nehme, daß ich mich ^erhänge!" Und ern eigenartiges, beinahe bitteres Gefühl des Mitleids mit sich selbst ergriff ihn: Gott selbst, der ihn geschaffen, der ihn zur Waise gemacht, der ihm Pockennarben und ein Hinkebein beschert hatte, Gott selbst wollte jetzt'noch, baß er sich erhänge! Nun wollte er ihm auch noch die I e n s e i t s w e l t. nehmen, da er ihm diese-Won,versagt hatte. „Warum?" , — fragt er sich verzweifelt. „Wohl darum, weil ich den argen Sehnsuchtstrieb, nicht besiegen konnte!" — antwortet sich Jossel selbst. „Doch wie hätte ich es können? Ich allein, ohne Vater und Mutter und Freundes, gegen die Uebermacht des bösen Triebes, der ein höheres Wesen ist?" Jossel ist verzweifelt: „Gott ist ungerecht gegen die arme Waise, da er will, daß ich mich erhänge! Doch er will es. Wie kann ich mich dagegen auflehnen, ich Wurm, ich arme Waise? Ich gegen Gott! Ich darf und will es nicht erst wagen, nicht versuchen!"- . Jossel faßt den Strick und geht auf den Dachboden. Das Beth-Hamidrasch selbst will er nicht entweihen. Auf dem Dachboden findet er in der Wand einen eisernen Haken. „Der Haken ist für mich bestimmt! Wozu wäre sonst hier ein Haken? Der wartet schon ans mich'. Den hat vsxlleM Gottselbst hier ffcj mich angebracht, noch lange, ehe. ich zur Welt lern** Er befestigt den Strick. Da. fällt ihm plötzlich einr „Vielleicht ist das aber Blendwerk des Satans?' Ä? hat mir die quäleriden Gedanken - geschickt, um dstrrös willen ich mein Leben hasse.'Kämmen nicht auch jetzt von ihm?" 1 Jossel löst den Strick: „Ich MUß es tvohl fe»; denken! Diese und jene Welt verlieren ist arg! . . /t - Die.Uhr im Beth-Hamidrasch schlägt die Mittags«' stunde. Jossel fühlt, wie sich .sein Magen hungrigj krümmt. Er verbirgt den Strick, steigt vom Dachboden hinab und geht zum Essen. ‘ Doch des Nachts zieht es ihn wieder zürn 'Strich hin . . . Er flieht, soweit er bann; er . birgt sich Hel der Lade , der heiligen Schriften, um dort Schütz urchl Hilfe zu finden, klammert sich. an. die Bücherschränke und hält sich am Ofen fest, üm nicht der Versuchung zu erliegen-- — Gott weiß, wie dieser Kampf geendet hätte, wem* nicht die Seuche genaht wäre.;• Jossel atmete frei: vorbei ist's mit -Traum undk Leiden und erhängen! Jetzt wird es Hochzeit gebe« und nicht mit der Königin von Sabal . . . Denn eine Maisenhochzert muß sein, wenn die Seuche »ein bricht. Sie muß sein. . lUertsetzmrg iolgt.) Theater LUlgidesref. k. Brstellbüreau: iri 8B>6 Die Schwester«. t.fan Vj6 Ube S«d« 8 Uhr Opernidesrek. ' öestslkbnrkav: Tel.SO.«78 Nigoletto. *'.* ttdr Gnb* S Uhr üoifcsoper. Trrftan und Isolde. 0egnm '/.4 Uhr Snv« 8 Uhr Uo?k$th:aicr. . Trlephen 9i't. 3-VS.' Beer Gynt. u»»v End« 3 Uhr £arl=Cbeater. . Der Rastelbinder. . Beginn '/.S Uhr Ende 8 Uhr Cbeater att <Ur Ulten. Dorfmusitanten. Beginn */,6 Uhr Ende 8 Uhr Ra;munü°Tvraler. Saflen-Trlepbon Kr. 8S30» 16064 Die Dollarpriuzesstn. Begmn ^/,S Uhr Ende S Uhr Ullcner LSlgendealer. Orpheus in der Unterwelt Beginn '/,S Uhr Ende 8 Uhr Altner sfa««en-lelr. ifUtmtamüragt so. Die dreihundert Tage. a«gmn S Uvr Ende 8 Uhr ^-ssmäöter idealer. Der Echrci nach dem Kind. Brgin» e Uhr Ende 8 Uhr Fese Meser Wtzne IX., Saiagafio 13 Der Feldherrn Hügel. °e«i»n */t6 Uhr (fnbe 8 Uhr Ulfener Stadttbeatcr. Das Weib «nd der Hampelmann. '•t ,rnn 6 Ubt Ende 8 Uhr Fesairrance-SSdne. VII.. Seubaftgufie UL Komödie der Worte. ^e-inn S Uhr Ende 8 Uhr Alener RomöSielidasr. fr.,?iu>ii^rs?rstrc8« 4—8. Der Bogelhändler. •'• tgan;' '//, Uhr 'inhr .8 UV. Für Export! Essbestecke mit Alpaka*, Stahl* «ad Holzheft Löffel, inn. aasländische Stahlwaren, Kochgeschirre, Haasand Küchengeräte, greifbar ab Lager. frössere Quantitäten sofort ieferbar. Persönlicher Besaeh empfehlenswert SIGMUND BONDY Wien, I., Gonzagag. 12, im Hofe ho —iirniM 11 w> jFfpolio-theattr Rnnd mit die Bühne. — Die Klette. und der Internat MSrz.Bariättteü Beginn *1.7 Utiv. OabamiStraMS-Cbeater DaS Hollandweibchen. Beginn '/«6 Uhr Ende S Uhr Lsrtr-ieMeater. Die Königin der Luft. Beginn '..6 Uhr Ende 8 Uhr KAUFE PERSER-, SMYRNA- UND .. INLÄNDER- TEPPICHE TOR Privaten zu konkurrenzlos höchsten Preisen M. LÄUFER Steil, ItfJprlMsltf Telephon 44737. Ein Lokal das sich für Magazin oder Bureau eignet, in der Nähe der Prater* oder Tabor stresse zu mieten gesucht» Vermittlung wird honoriert. 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