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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-21 · Heft 389 (21.2.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 389 (21.2.1920)
Date
1920-02-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wiener 9f#¥gt*|tifttttft LI. Februar 1920 Nr. 889 Men. Samstag- Vor Stand der Ischecho-ilowakifchen Zuckerindustrie. „Eesla Demotracie" berichtet: Wie t'ef dis Zucker« »rvduktion auch in der T,'checho>S.'owakei gesunken ist, e?gt der Umstand, daß Heuer um etwa 120.000 Tonnen?ol.w.-re w?ni^er pro^u irrt wird als in der vorigen kampa'N'; die Zickermrnge gefügt dahrr kaum zur O JT^u 3 unserer f. Li Heren ^xpo^tvcrbindlichke'ten, zur Zeschafsnng der fremden Valulen und zur Deckung •.nie.«3 Inlandsbedarfes. Es bleibt also nur oie B-rch än^ung der zucker^erarbei en en Inoulri n und des kons'.mrS übrig, was bei'res seine groß n Mißstän.e hat. Die Dtkpa i ät zw'schen unsrem Inlandspr.is und «ein Weltmarktpreis entstand ei:erseitdurch die künstlch- E-Hil'uni 'es Inlandspreises auf einem n'etrigen rivcan un > du ch die Entwertung der Koonk Bei allerem muß e der Staatskasse die teilweise Deckung des «n Ceftrh:mgsklost^n en sprech nden Zucker reifes zuallen, und zwar 23 Kronen für je 100 Kilogramm. )arin ist freilich die Entschädigung an die Zucker- ,as,i..'.i a für ihre überholte Kalkulation und für die lnterbrech'lng in ihr n Arbeit?» n'cht enthalt:«. Rlch- Ige: Na e es, wcn.l der K.nsnm weni st n) den wirkichen Cr-euguaglpreiZ des Zuck rs selbst decken müß.e. luch erschwert dieser Zustand der Zuckerinbustrie den lebergang zur freien Wirtschaft. Ganz anders geht deUlsch.'an') vor. Wir haben bisher die n.ebrigsten lückerp.else, fast ein Sechstel der Preise, mrlche England ür fe'n: Einfuhren zahlt. Daran ist zu sehen, welch iroße Summen im Auslands wir durch jede Hebung er ZuckLcpr iduklion gewiunen können Dazu ist freilich in Antrieb im Pre se und eine allgemeine Erleichterung otrohl b im Rüb nbau als auch in der Zuckerindustrie wtwendig. Die künstliche Niederhaltung des Preises m In ande ist ebenfalls nicht zweckmäßig. Dadurch nrd jch ießlich nur d.e Produj.ionsfähigkeit gefährdet. Russisches Mineralöl für England und Frankreich» Laut „GoloS Rolfu" babeu inLondon Verhandlungen wischen cn^li dien und sanzössicken Komm stär.« über die Verorgunfl mit Mlneralölrn srar'gr'uudrn, >n welchem sich England aS Recht r g lmämk« Aus uhr von Minnalölcn aus Südu ß l a n d sicherte. In Batu haben sich intolgr der schleckten 3eförderungsve> hättnlsieblshcrungemhr tk '.VVnTounrnMmeralöle uanamnt'kt. Jetzt sind d e Verb.hcsvctdSlmrsse durch d.e eng« tfdnn L'npven bermt gcregckt worden, daßmonalvck 80 000 Tonnen richler O<le und ung.fäiir 80.000 Tonnen Äiückstände auSpejülirt »erden tönnen DaS nach Eng and und Frantre d) befttmmte £>el wird nlS tn Kesickwigen von Baku nach Batlim. teils ttm Hrtle d.r iShrenlenung Biku—Batum deiölden. Für Fiankruch dal die iückstandeausfuhr um tv mömre BedeuMng. als mfoiae Kohle«« »ang:ls ein T-e.l der französischen Loiomoüven für Oelfeurrnng ingeuchlet werben soll. Wirtschaftliche Nachrichten. ibbl, 0’n ttWrr'fbtr bn Moroeinm.-V Nach amtlichen Aufstellungen betragen die Guthaben ö rofj b r i tan n i e n u bei sei nen Verbürröelen: 470,5 RiHiöneit Pfund bei Frankreich, 470 Millionen Pfund bei Italien 88,5 Diillionen Pfurrd bei Belgien u»rd 71 Millionen rfund bei allen übrigen Verbündeten. Die für den Wieder« lufbau sowohl an die Verbündeten als auch, an andere Staaten ewährten Darlehen, die allein i:n laufenden Staatsvorair. chlag. 21,4 Millionen Pfund erreichen, sind hier nicht du« «errechnet. / Nach den Miiteilutlgen deS ErnährungSamteS sind dir 'ebenS mittelst re iss nunmehr um 135 Prozent gegen. >ber den Vorlriegöprcisen gestiegen. Die Lohne seien de«»- egenübcr noch um viel mehr erhöht worden, und die neuesten xorderungen der Hauptindustrien — Schiffbau, Maschinenbau, Spinnerei, Grubenarbeiter, Transportarbeiter und Tabak- «beiter — betrügen vier Millionen Pfund wöchentlich. In der »L^ibre Belgique" behandelt der belgische Premierminister den der Londoner Konferenz unterbreiteten Plan zur -ehung der Wechselkurse. Dieser Plan umfaßt die Gründung ineS Institutes für r n t e r n a t i o n a l e WertpapieruSgabe. Das Institut bringt Lbligationcn im Umlauf und. jeder Staat, der solche Obligationen verlangt, wird Naraniie geben müssen und sich cuict Aufsicht bezüglich ieser Garantie zu unterwerfen haben. Das Softem der xeuu Wechselkurs.' wird beibehalten, die Wechselkurse werden I dagegen nickt mehr tn die Höhe geben, da die großen Märkte Lbon einem Institut abhängen würden, das vermittelnd ein- ' greifen würde. Die schweizerisch-französischen Verhandlungen über ei« neues Wirtschaftsabkommen zwecks Kontingentierung der Uhren» und Stickereieinfuhr dürften im Laufe dieses Monat» rum Abschluß gelangen. DoS Kontingent für Uhre»: von bisher 800.000 Franken monatlich soll darnach leibehalten werden, während Frankreich eine Reduktion des Monatskontingents für Stickereien im bisherigen Betrage von I, 5 Millionen Franks verlangt. Die Firmen Gebrüder Thonet, Fabrik für Möbel aus gebogenem Holz erricktet demnächst auch in Graz, München und Hamburg Filialen. Die Aktiengesellschaft für Papierindustrie fo Olleschau (bei Schonberg in Mähren) hält am 29. d. M. eine außerordentliche Versammlung ab, tn der der Antrag auf Erhöhung des Aktienkapitals von drei auf sechs Rimone« Kronen gestellt werden wird. Krie^senleihekmrss. An der geäugen Börse notiertest: I. Kriegsanleihe 9150, II. Krieg-,inlrihe 67.—, Hl. KurgSanleihe «1.50, IV. 40jahr. Kuessinleihe —, IV. 7jähr. Schiitz'cheine 67.50. V. 40ja!»r. Kr eg-mleihe 63 75. V. 5jäbr. Cchatzschewe 6S.S5, Vl. 40i8hr. KnegSanlcide 68.75, VI. wjahr. Sckatzsckciae 66 —, VH. 40j3k»r. KnegSanlecke , Vif. 8V4iö&r. Schatzsch.'-ne 63.—, V11L Mjähr. KriegSanlelhe 66.-, VUk. Schatz che ne 67M. Wiener Lombard« «nd Kokomptedank.- »WarrenS Wochrnichnftschreckt: Die Wicner Lombard- und Eskornvle« bank, die früher vollständig mtto belgischem E nllusse stand, hat dieser Bepehnngen wegen vngewvbvlick große Balm«nengageme«tgehabt, als der Krieg zum AuSbmche kam. Wählend de- Krieges sind allerdings die Aktien deS Jnstttuiin andere Hände Über» gegangen. Dre hiesige Bav'-si ma ReiveS und die Fnma Aofcnberg in Zürich Übernahmen den größeren Teil der Aktien» doch sind die BalulenengagementS geblieben. Wre neuestenS verlautet waren Verhandlungen im Zuge, wonach italieurfche Interessenten die Aktien der Lombardbank zu übernehmen bereit nmren. Für d e Bank wäre die TranSakt'v» von erhöhter Wichtigkeit, «eil sie durch den Verkauf der Aktien an Ausländer in die Lag« käme, ihre ValMaverbindl chkeitea ohne allzu große Opfer erfülle» zu können. MiltlcrwcUe hat Lbrigeus dre Lombard- und Eskompredank für dir A u s g e st a I t» « g ihresJulandssefchäftes Sorge getragen. Valutenkurfe. I« gestrigen freien Vttkehr erfuhren fremde Zahlungsmittel nur geringe Veränderungen. Es notierten: L e i n o t e« 4.—» R u d e l n o t e n 80l. M a rknotengriin 8.46, Marknote« rot 8 60. Lrre s55Y. D o l l a r 288.—> Pfund v?0.— und t s ch e ch r sche Noten 8.10. Bund für Wirtfchaftsfreibrit. Am Freitag den 37. Februar l. I . '/,6 Ubr abrndS. sinder >m großen Saale der Handels- und Gewerb kammer. Wien, l.. Siudenring K. eine Bersammlung der Mitglied« deS »Bund iür WirrichaflSfreche't* statt. Tagesordnung: Die Zukttuft Weens alS H a n d e l S p l a tz. Referenten: Staatssekretär a. D. Dr. Io'ef S ch » m p e r e r, Nat onalrat Max Friedman n, Kommerzialra. Julius Meinl. Dia Siemen«'SchurKert-WerKe hohen erst vor Mgrfähr einem Vieit.ljahrc rmr K.iv>tal§e,h§httng von 82 auf50M lliom« Kronen vorgenommen. Nun bereiten sie eine neuerliche Kapitalseihvhung au» 75 Millionen Klonen vor- Zu'vlge den Angadr«! deS .Tails-An'.eigtrs" dri'age» die Schulde« der Gesellschaft ge»n»wä,«ia 80 Millionm Kronen. 11 Millionen Mark und e>ne h.ilke Million Schweizer Franken, was auf österre'ckiscke Währung umgerechni't. einem B> trage von etwa 150 Millionen 1 Kronen entiprrckt. Da die Aktien feit der letzten KaP'talSerhShung! bedeutend gestiegen sind, bofrt d t Gesell» ckast dre Kronen- «nd Mart'ckuld nbtragen zu können. Die Scknld in der Sckweir wll sie durch Erport ekekir scher Maschinen abstaiten. Don b*« neuen Aktien wird nnr ein Teil (w rhrscheinltck 40.0*10 Stück den j Aktionären zum Be uw awbotett werden, während sich die Ber- ' walrung wegen der Maikverschulduug übe, den anderen Teil der Neuemlssion das Berfügungsrecht Vorbehalte« will. Die «ngarische« Hypothekenbanken «vhohe« hie Annuitäten. Die ungarisch n Hyvolbekenbanken habm, wie aus Budapest bencktek wird, vor e n ge« Tagen den Beschluß g faßt, d eAnnn täten aui Hypotheken za erhöhen. Bn den 4*/.'geu Bodenkrcd tSricfm wurde die Annuität von 4‘70% auf 5%. bet den 4'/,°/o»gen von 485'/, aui 51'."/, erhöht. Von nun an werden 4'/,"/«iae Psandbrie e überhaupt n cht mehr auSgegeven. Konkurs. Pom LandeSperichte Dü» wmde her KopsÄ eröstntt über da» Nachlasivrrntögen der am sr. Rovencker tklß verstorbenen DetektivSaart,» Stdonw Böhm, VIII^ Kockgaffe M KovkurSkommtsiär: Oderlandekg'r'chtsrot Dr. Ludwig Latch Maffeverwatter: M ckarl Sommer, l^..Alserst,aße 88. Tenmnh 4. März, 11 Uhr, 8. April und 16. April, tl Uhr. Wiener BSrse. Die seit einigm Tagen vorherrschend gewesen« schwache «ch snstlo^e Haltung blieb auch a« der gestrigen Vörs, in Geltuntz. Ungünstigen E nsluß auf d e Teude», des Marktes übte» di« drückenden Gtldorrbällnisie, welche sich bei der stattgehah!« Bor» Versorgung -eigten. Das zur Bersorgmtg gelangt« Material sank» t* di« Banke« kein Geld zur BerfSgvng stellt«, nnr bei Privat« Unterkunft. Infolgedessen fanden abermals GntlastnugSahgab« statt, welche noch durch Abgabe« der Kontermiue auf emzelnen Gediet« verfckärft wurde». Wenn die Eiubnßm nichtko einschneidend waren, »Kintn letzte« Tagen, fo war die» de« Umstande zuzuschr eiben. daß die Dat e schlanke Aufnahme gefunden Hai. Die aufangS erzielten Vetknmgen in emzeln« Vankenwerte» ginge» im Verlaufe de» Verkehrebenfalls verloren. Bo« k» führenden Kul ffewerken waren Alpine % 180.—, Skoda L l8y.-v Staotsdahn tmd Oestrrr. Kredit je R »0.— und Talg» Kohle» K 140.— billiger erhältlich. Türkenlose verlorm 180.—. I» Schranke« üdrrwog ebenfalls die schwache Halmng. Stärker in Mitleidenschaft gerogen warm Wienerberger Kegel, Prager Eis«h Un«. Allg. Kohl« «nd die Aktien her Zuckerfabriken. Lediglich dkt Aktien der Allg. ssterr. Elek'rizittl und Galizia verüeße» «st ein« leichte« Besser««- den Markt. Do« den Rente« ermäßigte sich die Mairente um 2% wogegen Ungarische Ktonemente il/,V* höher bew^tet wurde. Z« übrig» verweis» wie «ch «achstehehendr Schlußkurs«: A»h»ftrte»U«eevneh»>mg«». Allgemeine 9mmM> schüft 1000 — (— 5.—), Untonban 790.— <— 9.90', Dirn« Baugrsrllschrst 700.— (— 10.—), Wienerherger Zegck 1970.— — 880.—), Lresinger Brauerei 1385.— (4- 85.—), Aussig Ehem. 6050.-50.—\ Brosche Spiritus 8900.— (- 10.-V HolzhaudrlsgesMchafr 8080.- (— 60 —), Siemens Schnckert 1600.- 70.-), A E G. Union Elektr. 1550.— (-4- 80.—).' Awrnr 3700.- <— ISO.—r. Austrta Emarl 8430.— k- 370.—h Berg- Und Hütten NZav.- <- IVO.- >. Poldihütte 8700.— 1— 95.—<, Prager Ersen 7050.— (— 800.—X Siimawurantz 2950.- (—SO.-). Ekodawerk« 2610.— (—130.—), WafiensahM 4*80.— (— 70.—', Salgo Tarjaver 5180.— 140.—V Tnfarlrr Kodl« 8180.- (+ 40.-), Uug. Allg. Kohl» 6050— (— 700.—\ Urckantz 8560.— (4- 80.—). Brünn» Maschinen 2700.— (— 100.-), Lokomotiv Sigl 160>.— (— 140.—), Simmering« 1260.— (— 80.-), EldemM 2500.— (— —.—X Leykam 1800.— (— —), Karnathm 9000.— (— Galina 10.480.- (+ 80.-), Fczsabttk« 8000.— (+ 20.->. Gchoeller Zuck« 4S.-H.- (- 850.-). Veste». E seubahuverk. 2300.- (-.-), Türkml»le20S0.- (-130.-2, Sruvv A.-G. 1505.- 35.-». Nuston 23ufc— (- SO.—), Ftatwerke 1700.— (+50.—', EchSnprirsener 8260.— {— 850,—i Sarajevo Akt.-Brauerei 2400.— (— —, TvanoPotee-Nnternrkmnng««. Aussig-Teplitz« 5890.— <— 510.—). Buschtthrader sie. v 2370.— (-Dona«- Damvf. 10.950.— (— 50.—), Ferdinand Rordbahn 12800 (— 1100.—), Lloyd 25.000.— (-Ravigaziom 15.600.— f— 500.—), StaatSeismbah» 3800.— (— 90.—), Lombarde» 683.— + 2.—). 8*/, Süddahn-Prior. 1110.— (— 15.-X StaalSbahn'Genußscheine 2315.— (— 166.—). Rente«. Mmrente 98 — (— 2.—), Februarrenlr 100.— (+ —.25), Oesterr. Kronmrmte 91.76 (— —.75). Oesierr. Goldrente 228.— (-Ungar. Krovmrrnte 128.— (+ 4LM&. Banken« Angls 920.— i— 5.—), Bankverem 845.— (— 25.—), Bodmkredit 2351!.— (— 445.—), Kredit-Anstalt 940.— {— 90.—), tingar. Kredit 1400.— r— 8.—), Derositen 865.— (— 60.—), Länderdank 1085 — (— 85 —1. Uaiondank 850.—. (- 20.—v Verkebrsbank 760 - (- So.—). Zivnostenska 1605.— (— 43.—), BoS«. Laudckbnnk 700.— {— 86.—). Iunshrucker Warenbörse. Innsbruck, Sk». Februar. An der heuttaen Damtbörse waren angeboren: Game» Sardinen. Pfeffer. Feigen, Kaprokantehl. Roktvern. Karros^lu» S'ahischaulelu. Slahlrechen, Beschläge, Borhänaschlösier. landwirtschaftliche Ma'ch'ne», elektrische BügÄe"'en, Hohlglas «nd HonrgolZier. Nachfrage zeigte sich nach Textilwaren. fs«,rn. Orlr«, Fette«, Lravgrn, Zitrone«, Kupfer« vittwi und Dyoamoöl. Prager Bbrse. Prag, 20. Februar. (Eftektenbörfe.) Dir Haltung fett heutigen Börse war man. < ES notierten <Geldkurse): 4*/, Frecheit-anlerhe 96JO, 4*/.% «ähr. Landrsanlethe 99.5t», dieselbe 5*/. 10325. 5*/„ Aul. neu BM.'aHiv'iWtrttMMiMMNoOioMWWWUmoiMMWWWUMMilBWEWEMoMWWwaoO^^ttMw^WMgK^WNDP^Fg^W Menachem Mendel. Ein Briefwechsel. Heiausgcgebcn von Scholem-Rlefcheni. «US dem I ü d r s ck e n übertragen von Sregsrred Schmitz. DaS dritte Bündel Briese. „Millionen.« (Händler, Maller und Spekulanlm.) r29 Fortsetzung.) 18. Brief. Scheme-Schnndel ans KaSriliwke nn ihren Gatten Menachem Mendel in Zehnpez. Dem hochgeehrten, edlen und mächtigen Herrn, wm weisen Kenner der Thora, dem hochgelehrten Reb Nenachem Mendel ehrfürchtigen Gruß. Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Bott sei Lank,- beim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns, daS Gleiche von Dir zu höre» fürderhin und nie Schlimmeres. . Zweitens teile ich Dir mit. daß meine Giiel W'itlve geworden ist mit sieben Waisenkindern, vnok kleiner als das andere! Mein Schwager ist gestorben -nlag es meinen Jahren zngezühlt "'"rden w.» ten Deinen) lange vor der Zeit. Das heißt, eigentlich., wenn man es so nimmt, war er nie recht gesund; er hat (nicht mir sei'L beschieden) ziemlich häufig Blut gespuckt: aber wir alle haben geglaubt, er werde sich doch noch fortfretten. Da läßt er sich einen Zahn reihen beim Feldscher Schmelke, legt sich hin und stirbt; wie sagt Sie Mutter (Gott verlängere ihre Jahre): „Keiner weiß, NW wen eS morgen trifft* . .. Und indes weint die arme Gitel die Welt atrs den Fugen: ihre Tranen sind nicht zu beschreiben! Wäre eS (Gott behüte) umgekehrt ge» Ivefen. meine Schwester (Gott verlängere ihre Jabre) wäre — bewahre! — gestorben und Meir-Salmen wäre als Witwer zurückgeblieben, er hatte gewiß nicht fo viel Tränen vergossen, sondern hatte bald nach den Trauertagen aus Berdiczcw eine Stiefmutter für feine Kinder gebracht. Ich sage eS ja immer auf alle Männer: das Sühnopfer wöget Ihr sein für Cure Frauen; denn wo hat man das gehört, -aß ein Vater von Kindern eine Narrheit sich in den Kopf setzt — Millionen! Jetzt lmt der Mann sein Glück gemacht: er steht an Brodzki's Tiir! Jch habe nur Angst, daß Du nicht weiter kommen wirst als bis zur Tür. Schade um die Schuhe, fo wahr ich lebe! Oder glaubst Du, daß Brodzki schon sofort die Millionen anspacken und damit nach Sibirien reisen wird? Warum? Nun, Menachem Mendel hat eS doch selbst gehört, daß dort irgendwo, wo die Füchse gute Nacht jagen, Gold und Quecksilber ans der Straße liegt! Wie sagt meine Mutter: „Ein Tattber hat gehört, wie ein Stummer erzählt hat, daß ein Blinder gesehen hat. zoie ein Krummer gelaufen W" . , . Doch ich weiß eS im voraus, daß Du im nächsten Brief mir sicher schreiben wirst, daß anS dem Geschäft nichts geworden ist. Es wird sich aber ein Unmensch finden mit einer neuen Narrheit, der wird Dir erzählen, daß eine Kuh onfs Dach geflogen ist und ein Ei gelegt hat. Und Du wirst Deinen Rock schürzen und wieder laufen wie ein Verrückter. Wenn Du Dir aber endlich einmal zu Herzen nehmen wolltest, daß Du zu Hause eine Frau hast (bis hnnbertzwanzig Jahre) «nd kleine Kinder, die «ach Dir auSfchanen wie nach dem Messias, so hattest Du kein Verlangen, Dich in fremden Häusern herumzufchleppen und Dich mit Narrheiten abzugebe«, die einem die Galle steigen lassen, wenn man dav«m höckt Noch hast Du nicht genug Lehrgeld gezahlt in de« tzehupez, das in Flammen ausgehen möge! So wünsckt Dir viel Gutes und dauerndes Glück Deine wahrhaft treue Frau Scheine-Sche'wdel. Eine schöne, kurze Geschichte: Erinnerst Du Dich an Reir-Schiklem? Er hat?ine Tochter namens Sprinzel. Das war immer ein gesundes, festes Mädel; schon ein wenig ältlich, ober ein wohlgeratenes Geschöpf! Da hat sich in sie ein Buchhändler vernarrt, der in den Häusern mit Geschichtenbüchern und gedruckten Romanen herum-» hausiert. Und die arme Sprinzel hat die Geschichtenbücher und Romane in die Hand gekriegt und hat sie alle durch» gelesen; es sind, so sagt man, beinahe hundert Stück gewesen. Und sie ist (nicht möge das mich treffen) seither nicht ganz richtig im Kopf; sie führt ganz sonderbar« Reden, die kein Mensch versteht; sie sagt, daß sie nicht Sprinzel heißt, sondern „Berta" und schaut jede Minute, jede Weile hinaus und wartet aus einen, der kommen soll, er heißt ..Lord^. ihr „Beschützer", und soll sie durch da» Fenster stehlen und sie iveiß den Teitfel wohin führen, nach London und von London nach Stambul... Soll nicht das Hirn «introcknen in den elenden Köpfen, welche solch« verrückte Sachen erdenken, die nicht Hand unitz Fuß haben? , *. (tzvuirtzmig folgt.), z

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