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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-14 · Heft 294 (14.11.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 294 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Magyarische Märtyrer von 1849, welche gegen das absolutistische, klerikale Wien und das barbarische Petersburg heldenhaft gerungen haben; liberale Parlamentsmajorität: antiklerikale Gesetzgebung; Zivilehe; Budgets- Weigerung; israelitische Minister; volktümliche Aristokraten usw. Unermüdlich hat man diese'Bilder und Schlagtchorte dem Leser serviert, bald in dieser,bald in jener Form. Ungarns Bild erstrahlte immer im bengalischen Licht tzs „unbändigen, heißblütigen Freiheitsdranges deS ritterlichen Magyarenvolkes". Und nun wird der Leser Urplötzlich von -er Kunde vom „erwachendest", christlichen, stockreaktionären Ungarn überrascht. Er liefü vom ^reiben der Weißen Garden, von konfessioneller'Hetze, vvn Pogromen, von Polizeiwillkür» Massenmorden und Und den Ungarischen Juden ist eS dabei nicht schlecht -ergangen. Ihre guten Dienste wurden belohnt. Auch ihnen hat die herrschende Adelsclique ein gewisses Maß der Freiheit und viele wirtschaftliche. Privilegien eingerämsit. Ungarn galt als judenfreundliches Land. Nun hat diese Juden das härteste Schicksal ereilt, welches politische Handlanger erteilen kann: sie sind überflüssig geworden. Das nichtmagyarische Betätigungsfeld ist ihnen genommen, der magyarische Herr kann sie nicht mehr brauchen und behandelt sie darnach. Sie,, öie Schützlinge von gestern, werden heute mit Fußtritten davongejagt. Die Wut der besiegten Herren tobt sich an den jüdischen Knechten aus. Für die ungarischen Juden sind harte Zeiten gekommen. Wenn es ihnen nicht gelingt, rasch und gründlich uMznlernen, endgültig mit einer wenig ruhmreichen Tradition zu brechen, dem politischen Schmarotzertum ganz zu entsagen und sich ganz der produktiven Arbeit zirzuwenden, durch straffe Organisierung aller jüdischen Kräfte politisches. Recht statt Herrengunst zu erwerben, dann wird im „christmonarchistischer Agitation. Und als Träger dieser kchen" Ungarn kein Platz für sie sein, neuen Politik Me Namen aus der liberalen Glanzzeit: Wekerle und Andrassy plaidieren fürs christliche Ungarn. Er glaubt sich belogen, und doch erfährt er jetzterst : Wahrheit, jetzt erst zeigt sich ihm Ungarn,, wie es ivirklich ist: ein Hort der Reaktion. Das freiheitliche Ungarn war ein phantastisches Lügengebilde, das „christ- Hhe" Ungarn ist Wahrheit, ungeschminkte Wahrheit. K\ * Als Freiheit galt den magyarischen Führern immer j bps uneingeschränkte Recht, andere Nationen brutal zu Hlterdrücken, aus einem tiefen Kulturniveau festzuhalt^n * rücksichtslos.,auszusaugen. Eine ziemlich ausge- ''WM^^Obr^chichte' des magyarischen Volkes, der gpotze.^ und nnttlere Äpel, hat viele Jahrhunderte nichts audeßesbetrieben: Slowaken, Serben, Rüniänen, Rnthenen und Krpaten mußten einer Schar von übermütigen Adeligen, Itrulenzenden und schwadronierenden'Politikerfamilien und ihren Handlangern die Mittel für schwelgerisches, unproduktives. Dasein liefern. Am Gelde, das die magyarischen Herrenmenschen mit so großartiger Gebärde auf dxn Rennplätzen und an den Spieltischen , in London. Mris und Wien von sich warfen, klebte fremdes Blut stnd fremder Schweiß, gar wertig magyarische Arbeit Mckte darin. Sie schöpften aus einem großen Reservoir; \ die Arbeitskraft von über 60 Prozent Nichtmägyaren, ■ tzon bescheidenen, anspruchslosen und fleißigen Bauern (md Arbeitern stand ihnen zur Verfügung; fruAtbares slawisches uckd romanisches Land bildete den Hauptreichipm der' magyarischen Großgrundbesitzer, t.. Die Niederlage der Zentralmächte hat die Vasallen dex Magyaren von ihren Zwingherren befreit und bic ( Despoten sind ihrer Untertanen, ihrer Unterdrückungsttsth AusbeutungSohjekte beraubt. Aber die HerrentWntte sind ihnen geblieben und richten sich mangels frtzmder Objekte nunmehr gegen daS eigene Volk. Bisher hatten sich der magyarische Dauer, der Handwerker und Arbeiter eines gewissen Matzes von Freiheit zu W freuen. Die magyarische Oligarchie konnte sich den Lürutz erlauben, mit dem kleinen magyarischen Mann zu kokettieren. ihn zu bevorzugen, zu-, schonen. ihn als Dekorationsgegenstand bei nationalen Demonstrationen zu verwenden, ihm gewisse wirtschaftliche und politische Vorteile einzuraumen. Sie schaffte sich solcherart im LyNde die „volkstümlichen Einrichtungen", welche dem Auslande gegenüber gerade genügten, um ig den Geruch der Demokratie und des Liberalismus zu . kommen. Nun!-hyt dieser Luxus ein Ende, die Herren wollen herrschen -rtkyd leben, das magyarische Volk muß selbst verhalten. ' weil keine Knechtvölker mehr da sind. Das Joch der magyarischen Reaktion liegt nun auf magyarischem Genick. Die jahrhundertealte Lüge vom magyarischen Bollwerk der Freiheit ist erledigt. Auch die ungarischen Juden müsien daran glauben. Auch sie waren Nitgenießer.der magyarischen Herrentoirtschäft und ihres ScheinliberaliSmüS.Da» magyarische Judentum war eines der Instrumente, deren sich die Neuerung bei der Unterdrückung und Ausbeutung der Nichtmagyaren mit Vorliebe bediente. Die gröbere Vorarbeit verrichteten der Gendarm und der politische Beamte, die eigentliche Arbeit der Jude. Sin Heer jüdischer' -Journalisten, Advokaten und Beamten sorgte unablässig dafür, den magyarischen Einfluß - zu festigen, jede selbständige Regung der Nationen zu unterdrücken und vor dem Ausland? zu diskreditieren. Jüdische Kauftente, und Pächter wirkten in der Provinz als wirtschaftliche und politische Agenten deS magyarischen Zentralismus. Man. kann sagen, daß das ganze politische und wirtschaftliche Leben des größten Teiles der Judenschaft ^auf diese Auf- Labe chmcMt war. Vrr «Kffcatt PstlSftttza». Et« »tottifHftfee« fthtanaftonfoviium In Jaffa. London, 13. November. (Fnnkspruch.) DaS zkp- »istische Preßbureau meldet, daß sich im Zusammenhang mit der Gründung einer judischnationalen Heimat in Palästina ein Komitee für die Förderung der Bautätigkeit gebildet hat. Da- Finanzkonsortium wurde ans in England wohnenden russischen Zionisten gebildet und verfügt vorläufig über ein Kapital von 200.600 Pfund Sterling in Aktien z« 200 Pfund Sterling. Hauptsitz her Gesellschaft wird JasW seüü ' Eirre Drohung der Entente an RAMLnren." Mnsschlntz ans der Friedenskonfrrenz. Paris, 13. November. Der Oberste Rat hat abermals über die von Rumänien an die Friedenskonferenz gerichtete Note beraten. Die. Note zeigt in wichtMn Punkten Abweichungen von den Wünschen der Friedenskonferenz, besonders hinsichtlich der Räumung der ungarischen Gebiete östlich der Theiß, die laut der rumänischen Note weiter besetzt bleiben sollen. Der Oberste Rat hat über die verschiedenen Methoden beraten, die znr Aufklärung der Lage notwendig wären. Als mildeste Form wurde eine neue Note an Rumänien vorgeschlagen, in der jene Fragen, welche genau beantwortet werde« muffen, genau angezcigt würden und in der der rumänischen Regierung gleichzeitig mitgeteilt würde, daß Rumänien bei nichtentsprechender Beantwortung der Note von der FiedenSkonferenz ausgeschlossen werde» würde. _' . . Die WoWWge in Ungar», der Hovthy-Trupp?n in Vudap?ft. Vrridapest» 13. November. Meldung des Ung.Tel.-' Korr.-Bar.') Der feierliche E'n',ug der ungarischen Na iona^a mee mit ihrem Obe>kommandanten Nikolaus b. HoriHy an der Spitze wird Sonntag vormittags erfolgen. Wmital v. Horthy hat heute folgenden Aufruf erlassen: Ich habe der ungarischen Negierung und den Ententemächten gegenüber die Verantwortung dafür übernommen, daß die Nationalarmee anWlich der Bei fetzurtg von Budapest sich jeder Willkür und Gesetz- I Widrigkeit, jeder Pogwms' und provokatorischen Be-! nehmen- sowie jeder Vorgehens enthalten wird, welcher! deri für die Armee festgesetzten SRrkungSkpeir überschreitet. Ich. erwapbe, daß die Nationalarmee dieser! von mir überiwmmenen Verpflichtung in vollstem Maße Genüge leisten-wird. Im Vcwußtsein.dessen.-daß dieBerbrecher ihve^Missetaten bützen werden, rechne ich auf die Unterstützung jedes Offiziers, jedes Mannes, um so mehr, als die Einlösung meines Versprechenunser Vaterland vor Elend bewahren wird und für die Zukunft der Lander größt« Bedeutung besitzt. Dieser Befehl gilt sowohl für die Nalionalarmee wiefür di« einen Teil derselben bildende Brachialgewalt. Budapest, 13. November. Abteilungen iwr ungarischen Nationalarmce werden bereits morgen vormittags in Budapost einziehen. Den getooffsnen Bsv-. einbarung««' gemäß werden die rumänischen Truppen' morgen zwischen 4 und 7 Uhr früh den Ofener Gtadtz M räumen. Die Arüchenküpfe auf der Ofen« SeidL werden um halb 8 Uhr früh von den ungarischens Truppen-besetzt. Zwischen 7 und 10 Uhr vormittags räumen die rumänischen Truppen auch den'PestexStädt°i, teil und ziehen sich auf die Gebiete hinter der Ring-:' bahn zurück. .Bis 11 Uhr-vormittags nimmt die natio-; nale Armee von dem Pester Stadtteil Besitz. Mit derj Aufrechterhaltung der Ordnungwerden die ,- Truppeni der Blldapester Brachialgewalt besraut. Im Laufe de^ Tages setzen die rumänischen Truppen den Rückzug sort^ so daß Samstag die ungarische Notionalarmee bereits an der Rakoser Grenze stehen wird. ' , / > Morgen früh wird das ungarische Justizministe-; rium eine Kundmachung anschlagen lassen, wonach für- Hochverrat, Empörung, Mord, 'Raub, Brandstifftrng so». wie für die Beschädigung der Eisenbahnen, Schiffe und-. Telegraphen das Standvecht zu gelben hat. . t Budapest, 13. November. Die Truppen . der! Nationalarmee werden Sonntag früh auf dem Kelen^ sölder Bahnhof eintrefsen und über den Gellertplatz,; wo Bürgermeister Dr. Body den Oberkommandanteni Horthy begrüßen wird, vor das. Parlament ziehen. Hüerj wird Ministerpräsident Friedrich den Oberkommandanten!. begrüßen, worauf Kardinal Fürstprimlas Cfernoch ans einemauf der Haupttreppe des Parlamentsgebäudesj errichteten Altar eine Feldmesse zelebrieren wird. So» bann werden die von den ungarischen Damen gewiß-! meten Fahnen den Truppen überreicht werden. Um 8 Uhr abenbr findet in der ^Oper eine . Gäla-j Vorstellung, um 9 Uhr abends heim Ministerprasidenbyx'' eine Soiree statt. ' ' P»tschgerllchte i« B«vapeft. r Budapest. 13. November. „Az Eft" veröfienklicht eines. Untenedtma mir dem Oberkominan-anten ber,BupcrpcsterMxclchlM gewalt, Obcrst Ge.'.a D o b a k. der unter anderem erklärte, VaH er soeben e nen Bericht erhilken habd. daß für die-Rächt vd^ 13. auf den 14. d. M. em Putsch geplant sei.' Jedermann mW" 'zur Kenntnis nehmen, daß er jed? Ruhestörung rm Blute erWeyi. werde. Dre Brachialgewalt bestehe aus 30.060 gut bewaffnetes^ Männern und erhöhe sich mit der Armee auf 50.000 Mann, i D?e T^esiechen räumen ungarisches Gebiet. H Budapest, 13. November. <Ung. Tek.-Korr.-Bur.)1 „Magyar Orszag" will von verlätzUcher Seite erfahren haben, daß die T s ch e ch e n, einen , Teil des besetztem Gebietes binnen kurzem räumen-^verden. Die Uebekßabeö. von Parkany-Nana an die ungarischen Behörden steh^. bevor und die Regierung habe hierüber heute eme offizielle Verständigung erhalten. Salgo Tarjan urm die umliegenden Dörfer seien bereits vorgestern pon dlyr! Tschechen geräumt worden; Der Rückzug der Tscheche»; erfolge bis zur ursprünglichen Demarkationslinie. In» Zusammenhänge mit dieser Räumung gelange die'Eisen-f bahnlinie P r e tz b u r g—P a r k a n y - N a na unters englisch-amerikanischer Aufsicht. Die diesbezügliches Maßnahmen seien bereits im Gange. Durch das Frei- - werden dieser Linie werde ein starker Import vom Westen her ermöglichte und die Budapest—Brücker Lrnie entlastet. ] Dem „Pester Lloyd" zufolge ist die mWirisDf Evakuierung der Fünfkirchener Kohlenwerke betzE stehend. v Die V^rbandlungen Sir Clarks» Budapest, 13. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bu«.)' Bei Sir George Clark ivird am Sonntag nachmittag unter Teilnahme sämtlicher ^Parteiführer eine inter^' parteiliche Konferenz stattfinden. Die Einladung zu dieser Konferenz hat Ministerpräsident Friedrich Herste an die einzelnen Parteien abgesandt. Die linksstehendes Parteien werdest bei dieser Konferenz durch je ein Mftglied und die christlichen Parteien durch je drei gliedec vertreten sein. Eine Mission Appoatzis. Budapest, l3. Nommber. Graf Albnt ^-p p v n v i hat heute vormittags Besuche emvsangen und sich um L Usr nachmittags zu Sir George Clark begeben, bei welchem er bis bald 5 vrrblrrb. Sodann luchte Ministerpräsident Friedrich d» Grafen Apponyl auf. mit dem er über erne Stunde konstrierÄ Für halb 6 Uhr berrei der Mrnillerprändent eine M,nist«ü kvnierenz ew. an welcher auch Graf Apvony, terlnahm.^ Dst Konferenz dauerte, blö s Uhr abends. Die BeräNmg hastemformanden Charaknr. Etn Tee be;m Dem-Krats» Frisbrich. . ««tzäpest» 18. November. (Un,. Tel.-Korr.-Vlw) Mintstkkprändenl F r i e d r, ch und Gemahl,» haben Mittwsch »achMtkagS! >m Pä!a,r deS MincherprüsidiumS eisen Tee gegebew dem Er r h er»o g Josef und G mahln. Erz» her z o « t » LngustmErzh e r r » « I »'s e f F r der esglische Admnal ^^'oubidge rmd desicn Sshn, .mehrne Otsirs're der sreurdkändischen Mysiouen sowie Mganfchs - Pttlänlichkrlten geladen waren. . - *v

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