Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 264 (14.10.1919)
- Date
- 1919-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zwar handelt es sich, in diesem Falle bloß um eine teilweise Blockierung, sie erstreckt sich nur auf di-e'Oskjec und nimmt die neutrale Schiffahrt aus,, aber die Maßregel beweist, daß das Mißtrauen der Entente Zogen Deutschland noch lange nicht gebannt 'ist und iiie: Herstellung ' rwrmaler Beziehungen zwischen Deutschland utzd den Westmächten bis atzf weiteres ein frommer. Wunsch bleibt. Die Veranlassung zu der Blockade geht üuf bas .Verhalten eines . Teiles, der putschen ArmW zurück. Es mag wohl, ein in der oolftischSn' Geschichte einzig -dastehender Fall sein, daß Hüppen des Be siegten gegen - alle Wmachungen im. beietzten Lande . bWßn -und sich.'weiterhin .als Herren ruffpielen. . . s..'•;•• - - -!s /'Deröeutschs General von .der ltz, einer. von Är 'Sorte -er''^ltschnk^urch.'-;DenMn/ hat ein regelrechtes . Bünduis-lmit.' den baltischem 'Junkern geschlossen/ Ävi-ist nicht' nckr mit-'! seinerx Armee :in den . ehemals, '.ussrfchen ' Dstsechrv^Ken^gebiieven;.-!uch,;wür. efr h'ießp fcie> deutsche Ostgrenze vor- - einem: - möglichen-' Bolsche- GNtteinfall zu schützen^ in Wirklichkeit aber, ..'uw..die. .WsHüfw der politischen Reaktionder.deutsche-baltischen Mnkor ztr besorgen, dieihn - als- Bollwerk gegen. die um ihre Selbständigkeit ringende esthni,'che und lettische OoWepubM! benützten; er hat'. sich einer, mehr . afä stillschweigenden Duldung der. deutschen .Regierung, zu rvfreüen. gehabt, die fortwährend Züschübe von Mate- ^crl'i-ünd Proviant nach dem.Osten rollen ließ und nngestort in Deutschland Werbungen für Goltz, vor- AW mehl, GM hat. M^MitHglMak, ichMts -jin Htz.Äneürsn teg^Mcht! fünktionisrenden löerbeüpparat in Betrieb setzG.'!L)er- Entente.- sinhdie .-Vorgänge'- im Osten natürlich: . nicht . verborgen ^blieben. ...__ y9frm hat man sich in Paris' besonnen und will!sechindern, daß eine deutsche Armee, die infolge der ' Mn'bstriebsnen^Werbungen täglich'.zu.wachsen, droht, in hie Siegeslorbeeren mit.- Koltschak. teile, falls' -rL'AnSml. so weit käme. Man befürchtet wohlin Paris,' rin''siegreicher Goltz-könnte eines :Täges . an der , Spitze s/riier Truppen in-.,'Berlin einmarschieren, und den nur Heintpteü Militarismus, zu neuem-Leben erwecken: _>? '.Die Nurstänhe scheinen -der Entente -.recht' zu -gelmr. Uvltz ^erklärt, er verfüge über' keine Truppen mehr, üe-'seien einfach-russische^^ Truppen. - Wer fie-finb von ientsch?n Offizieren:geführt,: gehen.offensiv ,ge»e lMga xor - undanH ■-• Lichendorff fühltlangsam ' seine. Zeit wvmren- - und -kündet!-in - einem!' Aufsätzeder - in - allen, -konse-rhativen .Berliner,? Blättern «Ln -leitender- Stelle v^nngt^ ^-ver-, -.gegeMartzgenMeNMd' unverhüllten Widerstand' an-. Wohl hat sich - die-- deutsche Negierung .Im letzten' AugenbM aufgevafst: und' die -Goltzarmee riErgifch. Mrückberuftu^ aber es istfraglich,- - ob sie -Mit Erfolg - haben -».wird,, :zumÄl -.- den. dsütschen .Ssl- MtzA- - ganz- - wie - anno, dazum-at " für •; ihre:^kriegerische Mtwirknug. Land verMochen wurde- Andett-.OHrfügun'geu der.Entente, -die, während'^sie Zkoltschak ihre lAterstützung '.züsagt, Deutschland:von -der. über Nußiairb. herftzgtsn.Blockade in Kenntnis.setzt unh ihm den haWel mit Rußland' untersagt,.- gleichzeitig.-die, Mit- ' wWrng deutscher Truppen an, de.n OpeEonen. gegen >en '.Bölschewismns zum Anlaß nimmt,; um eine Teilölockade gegen Deutschland zu verhängen »mrd in einer übrigens gemüßigten Note die Verantwortung, an dein Verbleib und den Taten der - Goltzarmee im. Osten Deutschland aufbürdet, wird - mancher die .Einheitlichkeit hermissen. ... '; - Mer jedenfalls ist eines Ltar: Man. wünscht itu Paris nicht, daß deutsche Heere--aktiv-.-gegeir die Bolschrjviken operieren,- weil man die Erstarkung des deutschen. MMtarismus fürchtet. Daran werden auch Noskcs Erklärungen nichts ändern, der bisher geduldet hat, daß sich in her deutschen Armee eine immer freche werdende reWionäre Propaganda .breit macht. Der deutsche Militarismus muß endgültig tot sein, damit Deutschland sich um das Vertrauen Ler bisherigen Feinde - bewerben kö.rnr:- Und.diefranzösischen Sozialisten^'dir auf Deutschlands völliger Abrüstung bestehen, wissen, daß nur ans diesem Umwege die allgemeine Abrüstung rrfqlgen.kant^.' .. . . - . Kümpfe zwischen Letzten und Deutschen. Die leMfche Regserutig verLLßt Mga. Paris, 13. Oktober. (Funkspruch.) Aus Stockholm wird gemeldet, daß die lettische Regierung Riga verluffen und stch nach Redenpois begeben hat. Die lettischen Truppen Haben Riga geräumt und die Düna Überseht, hierauf alle BrUcken in die Luft gesprengt.: Die Brnckentöpfe seren -nrch Artillerie und MaschLnengeWehre verteidigt. Die Kämpfe zwischeni ► ^€tien und Deutschen dauern an, beide Teile haben Flugzeuge und Panzerwagen znr Verfügung. . . Elemeneeau über den Friedensvertrag. „Deutschlands Zukunft Paris, 12. Oktober. Bei der Erörterung des^ Friedensvertrages im ' französischen Senat' nannte Ministerpräsident Clemen ceaü den Vertrag unvollkommen. Die Vertreter Frankreichs austder Friedenskonferenz hätten, keine Wunder wirken-'können. Die FrioLenSkonserenz vom Haag hätte sich ausgedehnt und sei als eine Folge des Krieges zu einem Vöskerb unde geworden. Den Krieg mit den Deutschen habe Frankreich seit einem halben Jahrhundert erwartet. Die Franzosen seien darin einig gewesen, diesen 5krieg niemal.s zu provozieren, und anderepseits hätten sie die Ueberzeugung gehabt, daß, wenn , der Krieg komme, sie alle Lasten tragen müßten. Aus'diesen Gedanken heraus sei die Allianz mit Rußland entstanden. . . - - : Clemenceau besprach sodatnr das /Verhältnis. Frankreichs zn England und sagte,'dje . Welt, sei groß genug, um .auch Frankreich einen..Plah zu la.sssn. Wilhelm H.. hatte gesagt, die - Zukunft seines- .Landes: liege ,a|t| Wasser. Engsäud^ -hqb^'. stchi eHnach dem Mnfall in Belgien zum Eingveifsn entschlossen: Es habe nur an Antwerpen gedacht. Heute wisse es aber auch, daß es au Calais denken müsse. Die Aufgabe sei gewesen, den deutschen Militarismus niederzufchlagen. Was die beutsche Einheit betreffe, so.sei er gewitz kein Anhänger derselben, aber wie man sich erinnere, habe , die Kommission, die die Vollmach len där Deutschen prüfte, die Frage, aufgeworfen, ob 'B ayern' nicht den Friedensvertrag mitunterzeichnen müsse. Die alli- . ierten Rech tslehrer hätten einstimmig.geantwortet, daß die Unterschrift des Herrn Ebert^das ganze Deutsche Reich verpflichte. Die'Niederlage habe die deutsche Einheit naturnotwendig. stärken' 'müssen.. Frankreich wolle die Deutschen.nicht beherrschen. Düe Franzosen wollen, frei sein, um zu befreien. Die Deutschen aber knechteten sich, um zu knechten. Es liege nicht in der Absicht der Franzosen, in das Herz Deutschlands ein* zudringcn. . .. , Was die Frage der Entw a.ffn ung Deu ts chlands betreffe, so müsse er zugestshendaß Zwischen fünf Millionen Soldaten und hunderttausend ein Unterschied sei. Man Habe die Militärpflicht gegen die Vorschläge der militärischen Sachverständigen beseitigt. Man chabe Die ganze Artillerie von 9000 Geschützen auf 288 .herabgesetzt. Warum habe .man Deutschland diese. Kanonen und die Festungen im Osten gelassen? Weil Deutschland ein Interesse daran habe, sich zu verteidigen, und weil Frankreich kei^n Interesse daran h a b e inbolschewr lisch es Deutschland zu sehen. .' Aus dem jüdischen Leb'err Aumärrierrs. Bon unserem rumarrifchen Korresponderrlen« Die rumänische Jndenheit, die 'während dreier Jahre arger Kriegszeit kein Lebenszeichen von sich geben konnte, hat in der letzten Zeit.wieder - sich zu regen begonnen. In den Gemeindostuben,; in den Vereins lokalen' und besonders in - zionistischen Kreisen, die alle Schichten umfassen, ist Reorgaüisationsstreben und Reorganifationsarbeit merkbar,) .Haben' die Friedcnsverhandlungen zu Paris der großen Mehrheit der Juden in Rumänien die.politische und soziale Emanzipation, bereits gebracht, ein Umstand, der bereits zur Hebung ihres Selbstbewußtseins führte, so war. die Annexion Bsßarabiens,der Bukowina «nb Siebenbürgens, die eine. Verdreifachung der .Zahl der' Juden in Rumäuien mit sich bringt, ein neuer Impuls, um.die etfinrrie rim'.ciui'che Judelcheii aufzurütteln, zur Aktivitäta-azutteihrn. Der „Verein einheimischer Juden",, der — unter hem Wasser." , ■ , Er müsse zugestehen, daß er.die Mentalität hes Deutschen nicht verstehe. In seinem Heina sei 'er ein liebenswürdiger Mensch mit anerkennerch^ werten .Gefügen, aber es gebe Unterhaltungen,' die mam mit ihm nicht pflegen könne. DieSoziaLemokratenseiem Rltiierte der militärischen Partei und regierten Deutschs land'. Er wisse nicht, ob '-die" SozialdönoWien ',sW- Mrlijarisierm würden, aber er wisse, daß Lis Militaristen - sich nicht sozialisieren würden. Glauben ' Sie, fragts Clemenceau, daß die Zukunft des d'e'ütscheiH Regimes ebenso sich er ge stellt ist, wie daH un j r i g e? Es vollzögen sich irr der deutschen Arme^ Evolutionen, deren Tragweite man nicht voraussehen könne. Aber was er wisse, sei, daß dieser Staat in d«r'v jetzigeu Weise " n i ch tVf o r t b e ft e h e n W rme. Krisen, seieu'unvermeidlich. j Wenn man ihn frage, welches dis Politik Deutsch-! land.5 gegenüber Frankreich sei, so antworte er: Zuersh nrüsse der Friedensvertrag ausgLführt werden; dasü s.HderDrüMist.MWWmmissisnv bHnde''fich^^ bereits iniBerlin. MW werüs sicher versuMn,. sie zu täuschen, aher bis zu welches Grade. Wenn' Deutschland seit-' dem WaffenftillstaE Tausende von Kanonen erzeugi h^oe, dann werde man? bie erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Wenn maw für die'Zukunft einen nützlichen Ausgleich haben wollet darin müsse man die französische Oberherrschaft sicher-i stellen. Aber damit Deutschland bezahlen^ könne/-müssees" arbeiten. Man dürfe" niemals vergessen, daß es! sich um : ein intellektuelles, ordnungsliebendes und methodisches Volk handle. Auch die Frage der WeraNttoortlichkeit müsse gelöst. werden. Das werde iw Deutschland Tatsachen zeitigen, die man nicht keutve^' Frankreich aber könne die widerwärtigen Verbrechens die man gegen Frankreich begangen hatte, nicht! amnestieren. Man müsse sich des Manifestes deröZ de u t s che n Intellektuellen erinnern, die erklärt hätten, .es sei nicht wahr, daß. Deutschiano dem Krieg provoziert habe. Sie hätten also, gelogen und! , das ließe daran zweifeln, daß die Besserung,, die Seuatori Debietre ar.gekündigt habe, sich vollziehen werde. Wilson,! der nicht deutschenfreundlich sei, habe gehofft, das; die! Deutschen baitigst in den Völkerbund eintretLir könnten^ : Wenn dies« Frage zur Debatte stehen werde, werde marrj sie befragen, was sie über das Manifest der,93 Jntell-rL-! tuellen benkön. Mit Haß löse man nichts. Die Deut-, schchr seien von den Franzosen nur . durch die Grenze! getrennt. Sie hätten Akte der Gewalt begangen, die die! gesamte Menschheit nur einmütig tadeln könne. Deshalt'! ' seren.mehrere Fragen aufgeworfen rvorden, so nament-! lick.!die Frage der WiederHUtinachungmnd der Garantien/ ' eigentlich für die effektive Gleichberechtigung nichts'! leisten konnte und durfte, begnügte sich damit, die ein-- zureichenden P-etitionen, beziehungsweise Optionsgesuche' zu sammeln und einzureichen, somit als politischer Faktor! im, Leben der rumänischen Juden sich zn behauptend Am eifrigsten betättgten sich die Zionisten.. Angesichts ' der Erstarkten Hoffnung auf Realisierung. des zionisti^! schen Ideals nnd angesichts der Opferfreudigkeit der ' Massen, der neuen Aufgaben, dir der Landesföderatiom : bevorstehen, setzte sich die Erkenntnis durch, daß eine! Umgestaltung der Leitung und der Organisation imi Laude, ein unabwendbares Postulat bedeute. »Trotz der!! vielen Hindernisse und schier unüberwindlichen Schwie-i rigtzeiten fand in den Tageh vom 3L August Bi« 2.; September in Bukarest ein stark besuchter zioni^! stischer Landeskongreß statt, von dessen Beschlüssen die! > xumänische Judenheit vieles erhofft. Der Kougreß, de« mehr als 200 Delegierte zählte, verlief würdevoll. Zumq