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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-12 · Heft 262 (12.10.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 262 (12.10.1919)
Date
1919-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Deutsche Schiffe dürfen die J& iiten w oder v erl affen «och a «l a «s e «. Die Entente nimmt das Recht für sich in Anspruch, die noch in See befindlichen S ch i f s e z n b e s ch l a g « a h m e «. Rach einem Londoner Telegramm hängt die n e n e rl i ch c M a b u ahme der Entente mit de« A n g r r f f e « auf R r g a zusammen. Balfour will zurücktreten. Lord Curzon B e r l i n, 11.. Oktober. iKorr.-Bur.) Der „Lokalarrzsiner" meldet aus Bott erd a m r „D a i l y M a i l" berichtet, datz B a l f o « r den Ministerpräsidenten gebeten habe, ihn sobald als möglich vom Amte des Ministe SS d e s Ae n tz e r n zu e n t h eben, WM er sich znrückzuzlehen «Ünsche. Lord E n r z o n gelte als fein sicherer Rachfolger. - y.i ■ - "* •' ' - '' Memr sich diese Meldung bestätigen sollte, dann wD der markanteste Kopf aus dem englials Nachfolger. >; schen Kabinett. Er wird in der Regierung eine Lücke zurücklassen, die nicht so leicht auszufüllen, sein wird. Balfour hat für: die zionistischen Bestrebungen großes und werktätiges Interesse bezeigt und mit seiner seinerzeitigen Erklärung für ein; jüdisches Palästina den Willen Englands in/unzweideutiger Weise kundgetan. Obzwar bei seinem hohen Mer ein Aücktrittswunsch begreiflich ekscheint, bleibt dennoch abzuwarten, ob Lloyd George sich entschließen wird, auf die Mitarbeit dieses erfahrenen Staatsmannes zu verzichten. Der Mecho-DwMsche Gesandte bei Dr. Nenner. KmAuftrag desHchMo-flowaNschM Außienmiulsters. '1^ Oktober. De^e ' GeschSstSträger ^er E^ü-slowaNsch«r Mpubttk, W. Olledet> hat heute im Auftrag des tschecho-flowakischen Ministers W Äeutzern, $f. B « « efch, bettn StaatsKanzler Dr. R e « n e r vorgesprochen und Nrie R e i $ e v o n F r a a e n zur Sprache gebracht, die zwischen der tschecho-slowakischen Republik nud.Deutsch- Ssterreich schweben. Die Unterredung ergab eine erfreuliche A ober einst i m m » n g in asten entschtidestben Pnnkten. .. ■■?! Derükin, der Judeuschlächter. Ernzelheiten über die neue« steörr bfe ttcuen Pogrome i« SüdruAank verSffentllchorr - die französischen Zeitungen grauenhafte Einzelheiten. Obwohl, man angesichts, der tenbenstösen Berichterstattung, alles, was Rußland betritt, irgendwie färbt, bei Aufnahme 'solcher Nachrichten sehr vorsichtig sein muß. so geht doch. aus dem Nemelbeten zur tJenüge^hervor, baß die, Vorgänge.in Südrußlanb entsetz''ich waren, auch wenn man einen. Eetl als Uebertreibung subtrahiert^ „Humauitß" vom >8. d. M. schreibt: Diesmal sind es die Soldaten des-Erzreaktionärs Denilin, die sich mit einer unerhörten Wildheit - Schrecken und Tod verbreitend — auf die jüdische Be, vylkerung stürzen. Die eingelangte», durchaus verläßlichen Acachrichten geben ein düsteres Bild über die.judenfeindlichen taudkungru dieser „Retter" Rußlands. Ueberall, wohin die olontäre auf ihrem..Sieges?«Ze" eindrangen, fanden to t l d e Pogrome statt. In Charkow, Iekaterinoslaw, Krementschug dauerten die Massakers mehrere^ Tage; aber auch eine ganze Reihe kleinerer Orte, als Mrichrno, Awdewsk> Gnrkrewo, Wä^ki, Bogoducho usw, waren der Scha«platz furchtbarer Ereignisse.. ' Namentlich' in Iekaterinoflaw wurden die jüdischen Häuser in den vier Straßen der -Stabt: geplüüdert, zahlreiche Männer massakriert und Hunderte von jüdische« Frauen vergewaltigt. In Charkow dauerten die wilden Vorgänge eine ganze Woche, ohne daß von irgendeiner Seite eingeschritten woxden wäre. Ganz besonders aber'arteten in Krementsch ug bis Exzesse in Grausamkeiten unbeschreiblicher Art hus.. Hier floß Blnt in Strömen. Hier würden alle Häuser ohne Ausnahme geplündert.' Die Juden wurden der Reihe nach hingemehelt und die Frauen zu Hunderten vevgytvaltigt. die 12jährigen Mädchen und die 60jährigen Fräuen. Die ^kleinen Mätzchen wurden nach der. Vergewaltigung — jp wird erzählt —. irr die Aborte geworfen. , , . Die, Soldateska tobte sich auch auf den Eiseubahnzügen aus. Eine wahre Jagd auf jüdische Reisende wurde'organisiert und die Opfer zumeist auf der 'Stelle totgeschlagen. . In. der Station S u f a r (bei Arementschug) hieß man alle Juden die Waggons verlassen.-Man beraubte sie bis auf - die> Haut,, züchtigte sie und pferchte sie dann in einen Waggon. Niemand weiß, was aus diesen Leuten geworden ist. „Rettet Rußlands „Erschlaget die Juden!" scheint der Vchlachtruf der Demkin-Lmte geworden zu sein. Eine judenfeindliche, -offiziell begünstigte Propaganda wird in der Armee in Szene gefetzt. Zeitungen.- Plakate, Flugblätter, fordern offen zu Pogromen auf» Bet den Soldaten, erregt durch Kümpfe und Metzeleien, fiildet diese Propagandir fruchtbaren Boden. 1 Man ist geneigt, die Richtigkeit dieser Nachrichten in » Zweifel sieben, ahsr iy der kankajiMe); Kresse, findet! * Pogrome in Südrutzland. man eine Bestätigung - dieser Anschuldigungen. Und nicht nur die Deuilin feindlichen.Zeitungen bringen. diese Nachrichten, selbst das Organ „Slowo" in Tiflis, das Denikin freu-nblich gesinnt ist, Mlt sich verpflichtet, gegen die Vorgänge zu protestieren. , . „Es ist traurig" — heißt es an einer Stelle „daß der Antisemitismus selbst bei den russischen Truppen Eingang gesunden hat, die sich die Wiederherstellung der/staatlichen Ordnung, den inneren Frieden und den Triumph der Gerechtigkeit zur Ausgabe machten. Die I u d e n e x z e s f e in Charkow und Jekaterinoslaw, tvenn jte auch von unverantwortlichen reaktionären Elementen provoziert wurden, sind ein Schaubck für die küd ruUrschen S t r e i t k r ä f t e, die die Wiederherstellung des Staates anstreben ..." „Slowo" hatte ganz richtig beobachtet, - haß die Bewegung von den leitenden Kreisen der Volontärarmee ausgeht, den« diese Kreise sind wirklich aus jenen Elementen zusammengesetzt, die sich während -eS zaristischen Regimes durch gewalttätigen Antisemitismus bemerkbar machten. Die Ofsi iere, die sich um Denifin scharen, besonders jene, die eine hervorragende 'Stelle in . der Armee einnehmen, und eine , wirkliche Diktatur ausüben, stellen die Auslese der mililärichcn Diktatur der Zarenzeit dar. Diese Ofsiliere, Antisemiten schon von Gebürt, züchten einen furchtbaren - Haß gegen die Revolution- Berschlimmernb aus die Lage der Juden wirkt ein, daß mit dem Dorrücken der Bolontärtruppen all« reaktionären/Elemente aus ihren Verstecken herauskomme» und in die Reihen Denikins laufen, wo .sie mit offenen, Arme» empfangen werden. Die Südarmee ist in der Tat ein Anziehungspunkt für alle GegenrevolutionÜr« geworden. Die ganze Demokratte Rußlands ist in Befahr, am meisten aber die so schwer heimgesüchte jüdische Bevölkerung. Europa muß sich über dies« schreckliche Lage klar werden. Wie denkt darüber die Entente, -wie der Oberste Rat? Warum wird den Denikin-Truppen im Menschenmorden freie Hand gelassen? Man darf nicht vergessen, daß die Diktatur DenrkinS und feiner Offiziere beinahe mit Gewalt vo» der Entente der Bevölkerung in den Kösakenstaaten ausgezwungen wurde und die Entente ist eS, die sie mit Kriegsmaterial, versieht. Daher ist es «in« elementare Pflicht der Ententeregierungen,, rasch und energisch einzugreisen. Gegen Denikin müssen , sie sich mächtiger Mittel bedienen. In ähnlichem '.Sinne äußern sich ' andere; französische Journale, die in Denikin und seinen Leuten das alte Rußland mit seinen - bestellten Mord- «nd WeULltahru. Veilisprozesse» «sw, verkörpert sehen. / Ussischkm. ] ' ''■ ■ 1 : w W i c'ti, 12. Oktober.!: Im Osten ist ‘ er einer der populärsten jüdischen Männer und.der erklärte» anerkannte Führer der östlichen Ziotristen. Fanatisch und unbeugsam» ein Genie hes Willens, hat er sich, bevor der Krieg. und der Zusammenbruch Rußlands den aktivsten und lebendigsten Teil des jüdischen Volkes lahmlegte und auseinander^ riß,' eine Machtposition.geschaffen, die zu seiner Zeit lm Wischen Volke nicht ihresgleichen hatte; mit feiner schier.' .unerschöpflichen Arbeitskraft und seiner ausschließlichen . Hingabe , an . die eine Idee her-Wiedergeburt des. 'jüdischen Volkes hat er dA W.erk der russischen Juden für. den nationalen. Wiederausbaü Palästinas , geleitet .und forderte unerbittlich die'Unterstellung aller Interessen unter das eine Usfischkm steht. seit seiner frühen Jugend im Dienste der-zionistischen Idee. Schon, in den Neunzigen-Hren wurde er einer der führenden Männer des russischen Zionismus, der damals »Chibar-Zion", „Zw/isliebe",' genannt wurde und gehörte zu den Gründern des Odesiaer Komitees, das als Exekutive dieser Bewegung füngierte. Die Zionsliebe hat bekanntlich trotz den imihrer Führer sowohl auf. kolonisatorischem als. auch auf, organisatorischem Gebiet ziemliche Mißerfolge gehabt;' dennoch darf nicht vergeffen werden, daß biefcj Bewegung den Grundstein für die paläsiinenstschen Kolonien gelegt hat.. welche heute das blühende jüdische Leben Palästinas bilden und ohne die niemals irgendeine Großmacht den Zionismus ernst genommen hattet . Der politische Zionismus Herzls . hat Zunächst die M^höden ^der EWat-AioN j bekämpft und. sich insbesondere gegen eine. Jnsiltratipn» gegen die WAWlonWichL vor^ Erlangung^^ PoWscher Konzessionen ausgesprochen. Durch den großen Schwung des-Herzlschen. Zionismus kam auch in die 'Chibat« Mgnbewegung neues Leben und der erste Zionisten- Kongreß in Basel ist gleichzeitig das bedeutungsvolle Ereignis der Wiedervereinigung der getrennten Teile des' jüdischen Volkes, des Ostjüdentums und Weftjüdentums. der Wiederherstellung der idealen Einheit des Mischen Volkes.. In der Geschichte des Zionismus gab' es später noch heftige Reibungen und' Kämpfe. Das Ostjudentum stand dem Nationalismus der Westjuden mit einem gewissen Mßt'rauen gegenüber, fürchtete, daß durch den formalen Rationalismus und durch das Ueberwiegen der diplomatischen Aktion das Verständnis für die kulturellen Eigenwerte, des jüdischen Volkes» für seine ideellen, historischen Forderungen zurückgedrängt würde.' Dieser Konflikt kam zum offenen Ansbruch; als Herz! dem Zionistenkongreß das Anerbieten der englischen Regierung zu , einer Besiedlung Ostasnkas unterbreitete., Dieses Ansinnen betrachteten die östlichen Zionisten, denen Zionismus Zionsliebe, Liehe, zu Zion und nichts anderem, war, als einen Bruch der Prinzipien und des Programmes. Der Kampf wurde mit größter Erregung, mit Entfesselung qfler Leidenschaften geführt. Der Führer in diesem 'Kämpf um die Reinheit des Zionsideals war Menachem Mstschkin. Er war inzwischen Präsident des Odeffaer WmiteeS geworden und war während des sechsten Kongresses, auf dem das Uganda-Projekt auftauchte^ in Palästina. Er kam zurück, oraanisierte in einer Konferenz in, Charkow die Opposition, stellte Herzl ein scharfes Ultimatum. Im April 1904 wurde Dar scheinbar ein Ausgleich erzielt, dennoch Lam es auf dem siebenten. Kongreß nach Herzls Tode zur Spaltung der. Partei, aus der die Territorialiften aüstrvten. Der Sieger dieses Kongresses war Utstschkinzugleich aber der gehaßte Mann in den Kreisen der »östlichen Zionisten, die ihm seine Gegnerschaft gegen Herzl sehr, verübelten. Während der ganzen zweiten/ her, „Kölner" Periode des politischen Zionismus, stand Üssischkm inDcharfer Opposition gegen Wolssohn und sein Odeffaer . Komitee leistete inzwischen nach den alten Prinzipien» wenn auch in modemisierter Form, prakLWe Arbeit in Palästina. Ussischkm hat sich noch bei Herzls Lebzeiten stets um die Aufnahme der praktische« Palästinaarbeit im Zionismus bemüht und sein aus dem. fünften Kongreß angenommener Antrag, in Palästina eine Filiale der Kolonialbank zu schaffe^ bedeute tatsächlich, den ersten Schritt in dieser Richtung; die dann 1908 nach dem Haager Kongreß durch Schaffung des Palästinaanües in Jaffa ihre desiuitwe Ännahme fand. Während Tschlenow» der andere Führer des russischen Zionismus, wegen seines überlegenen/

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