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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-30 · Heft 221 (30.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 221 (30.8.1919)
Date
1919-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-„SSÖte* 4 Hw—-- Wien, Samstag f In dem Badeort Balaton-Lelle wurde Zoltan Szamuely, ein Bruder des berüchtigten Tibor Szamuely, verhaftet. Er hatte sich unter falschem Namen in Balaton-Lelle aufgehalten. In seiner Wohnung wurden K 140.000 in blauem Gelde vorgefunden. Zoltan Szamuely war seinerzeit zum politischen Hauptbeauftragten der oberungarischen Revolutionsgerichte ernannt worden und hatte in dieser Eigenschaft eine Anzahl von Gegenrevolutionären ermorden lassen. Hierbei war ihm der gewesene Ministerialsckretär Ladislaus Zilaghy behilflich gewesen, der die Flucht ergriffen hat und sich gegenwärtig in Wien aushalten soll. Die wirtschaftlichen Vertragsklauseln angenommen. . Paris, 29. August. (Funkspruch.) Der Oberste Rat hat gestern die wirtschaftlichen Klauseln des deutsch österreichischen Vertrages in ihrer Gänze angenommen und heute vormittags über den Text der Marüelnote beraten. . Die sofortige Heimsendung der deutschen ' Kriegsgefangenen beschlossen, i Berlin, 29. August. (Kor.-Bur.) Die „Vossische Zeitung" will aus einer unbedingt zuverlässigen ^Quelle erfahren haben, daß der Rat der Alliierten gestern die soforttge Heimsendung der deutschen Kriegsgefangenen, dies wäre demnach noch vor Ratifizierung des Friedensoertrages, beschlossen habe. Zu diesem Zwecke soll sogleich eine Kommission, bestehend aus Vertretern der deutschen und alliierten Mächte eingesetzt werden, um entsprechend dem von ^deutscher Seite wiederholt geäußerten Wunsche, die '-notwendigen Vorarbeiten für den Abtransport der Kriegsgefangenen unverzüglich in Angriff zu nehmen. Ausrufung einer „Freien pfälzischen Republik". , München, 29. August. Das Süddeutsche Korreispondenz-Bureau meldet aus M a n n h e i m: Der seit einigen Tagen erwartete bereits angejkündigte Putschversuch der Landauer Hochverräter scheint heute nachts in der R h e i n-!p f a l z in Szene gesetzt worden zu sein. Bis jetzt fliegen nur Nachrichten aus Ludwigshasen -vor. Dort, machte um Mitternacht eine Anzahl -er Anhänger von Dr. Haas den Versuch, -as Hauptpostamt zu besetzen. Der Versuch lscheiterte zunächst am Widerstande der 'treuen Beamten. Zwischen 3 und 4 Uhr morgens wurde der Versuch von einer größeren Menge wiederholt, wobei die Hochverräter Handgranaten verwendeten. Die Beamten leisteten wiederum kräftigen Widerstand, wurden aber überwältigt. Der -Vorstand des Hauptpostamtes sowie ein Unterbeamter wurden im Kampfe getötet. Heute morgens wurde das H a u p t p o st a m 1 von französischen Soldaten besetzt. j In Ludwigshasen sind Plakate angeschlagen, aus welchen die „Freie pfälzische Republik" proklamiert wird. s Russischer Frontbericht . Moskau, 29. August. (Funkspruch.) Im Ab- -schnitt von Pskow geht unsere Offensive weiter. — An Der Südwest- und Südsront machen sich die von der sibirischen Front eingelangten Verstärkungen unserer Armeen geltend; die Truppen Denikitts werden fast überall zurückgedrängt. Im Abschnitt von Nowograd- Wolinsk verfolgen wir den Gegner. Iin Rayon von Fastow eroberten wir die unlängst geräumte Bahnstation Bojarka zurück. Bei einem Vorstoß unserer Reiterei südlich von Usti-Busulisk wurde die Eisenbahnbrücke von Monom von uns gesprengt. 45 Werst südwestlich von Krasnoja-Zana vernichtete unsere Reiterei eine -feindliche Division, wobei sie 2000 Gefangene machte. Im Rayon von Zarizyn rückten unsere Truppen;45 Werst südlich von Kamischin vor. f , Moskau, 29. August. (Funkspruch.) Aus Tjumen swird gemeldet, daß ein am 7. August von Omsk ab- 'gereister Kommunist berichtet, man habe sich schon zu -dieser Zeit in Omsk auf die Räumung der Stadt vorbereitet. Bolfchewikifche Agitation in China. ,, . _ Nerv-Bork, 29. August. (Tel.-Komp.) „Associated Preß" berichtet aus London, daß die Bolschewiken beischlossen haben, ihre Ägitationstätigkeit auf China auszudehnen, um, wie sie sagen, diese Republik „vom Aremdenjoch zu befreien". Sie haben nach China ein Manifest gerichtet, worin sie betonen, wie große Fortschritte die bolschewikische Idee in der jüngsten Zeit in Sibirien gemacht habe und in dem sie weitere Erfolge in Aussicht stellen. Fünfnndvierzig Kommunisten in der neuer bulgarischen Sobrauje. LBukarest, 29. August. (Tel.-Komp.) Das Rumänisch Zprchbureau meldet aus Sofia: Das endgültige Ergebnis de Wahlen in die bulgarisch e Volksvertretung ist folgendes: 110 Bauernkandidaten der Partei Stambulinski 35 K o m muniften, 30vereinigteSozia listev 20 Rationalisten, 20 Demokraten, 10 Fortschrittler, 7 Radikal »mb 3 Parteigänger StambulowZ. Es verlautet/das neu' Kabinett werde hauptsächlich aus Männern der änsi erster ' ’. Wiener Morgenzeitung .30. August 1919 . Nr. 221 :’;v_ Der Proteststreik der tschechischen Bergarbeiter beendet. Die Teschner Frage «och nicht entschiede«. Mährisch-Ostrau, 29. August. (Korr.-Bur.) Gestern vormittags fand sich bei der internationalen Kohlenkommission eine Deputation unter der Führung des Mitgliedes der Nationalversammlung, Dr. Witt, ein, die aus den Sekretären der Fachorganisationen von Mährisch-Ostrau. bestand. In Abwesenheit des Obersten Goodyear würde sie von Kapitän Sturlevant empfangen. Die Deputation teilte mit, es sei ein Streik, welcher sich, noch ausbreitet, aus gebrochen und ersuchte, nach Paris telegraphisch zu berichten, daß die Arbeiterschaft des Ostrauer Reviers aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen aus der Unteilbarkeit des Kohlenreviers und ganz Teschens ''und seiner Zugehörigkeit zur tschecho-slowakischen Republik bestehe. Kapitän Sturlevant forderte die Deputation auf, ihr Anliegen beim Obersten Goodyear vorzubringen. Nachmittags eröffnete die Kohlenkommission unter Beteiligung aller Mitglieder ihre Beratungen. Die Vormittagsitzung war ausgefallen, weil der Vorsitzende, Oberst Goodyear, auf seiner Reise von Kattowitz durch einen Unfall rechtzeitig zu erscheinen verhindert war.. Kurz nach Eröffnung der Sitzung erschien neuerdings die Arbeiterdeputation, der sich diesmal das Mitglied der Nationalversammlung, Prokesch, anschloß und ihre Forderungen vortrug. Oberst Goodyear empfing die Deputation und erklärte, daß laut seinen autoritativen Meldungen weder itber die Teschener Frage poch über die. Abstünmung entschieden worden sei. Er machte die Deputatton darauf aufmerksam, daß durch den Streik die tschecho-slowakische Republik, welcher 85 Prozent der Kohlenförderung im Reviere gehören, am ineisten verlieren würde und erklärte, der Streik würde in Paris einen schlechten Eindruck machen. Die Deputation versicherte, daß der Streik eine spontane Kundgebung der ganzen Arbeiterschaft sei und eine Steigerung der Kohlenförderung nur dann eintreten könne, wenn das ganze Teschener Gebiet mit der tschecho-slowakischen Republik vereinigt würde. Oberst Goodyear forderte die . Deputation auf, ihm ihre Wünsche schriftlich vvrzulegen, um sie nach Paris melden zu können, Und äußerte den Wünsch, an die Arbei 'erschuft in der Volksversammlung eine Ansprache zu'halten. Die Deputation begab sich' mit dem Obersten Goodyear zum Volksmeettng, wo Goodyear seine Erklärung wiederholte und die beunruhigenden Nachrichten' über has Teschener Gebiet neuerdings dementierte. Zum Schlüsse ersuchte er die Arbeiterschaft, den Streik zu, beenden. Gleichzeitig mit dem Ostrauer Wolksmeeting wurde auch ein solches in Orlau unter Teilnahme von 25.009 Personen abgehalten. In der angenommenen Resolution heißt, es: Die Bergarbeiterschaft und mit ihr solidarisch die . Beamtenschaft und die ganze Bevölkerung erkläre« einstimmig/ nicht früher zur Arbeit zurückzukehren, bis unseren gerechten Ansprüchen aus das Teschener Gebiet im vollen Umfang entsprochen werden wird. Wir sind entschlossen, das Teschener Gebiet gegen alle Feinde mit der Waffe in der Hand bis zum letzten Bluts- . tropfest zu verteidigen. j ' Heute nachts reiste eine achtgliedrige Deputation der hiesigen Arbeiterorganisationen mit D'r. Witt an, der Spitze nach Prag ab, um an den kompetenten Stellen Informationen über den Stand der Teschener Frage einzuholen. ' : , Heute früh wurde die Arbeit in den Ostrauer Berglverhest tpieder ausgenommen. Im OrlauerRevier wird jedoch in acht Gruben gestreikt. Die Bergwerksbeamtenschaft ist mit der Arbeiterschaft solidarisch. Der Streik soll angeblich nicht früher beendet werden, bis die Arbeiterschaft die nötigen Meldungen über den.Stand der Teschener Frage erhält.;.j ' Die Tscheche-Slowaken werde» den Friedensvertrag nicht unterschreibe«. Im Falle Tesche« an Pole« fallt. Priag»29. August. (Trl.-Komp.) In der gestrigen Sitzung des Ausschusses sür Aeußeres der tschechischen Nationalversammlung erstattete der Ministerpräsid tut einen ausführlichen Bericht über die außenpolitische Situation, namentlich über die T e s ch e n er Frage. Der Ausschuß beschloß einmütig, die Regierung aufzufordern, daß sie dem Ministerium des Aeußern den Auftrag gtbe. im F a ll e T e sch en den P o l.e n zu gesprochen werde, die Unterschrift des Fr i e d e u s v ertr a g es zu v r rwe i,g ern, da die tschecho-slowakische Nation eine solche Lösung nicht zurecht antr* kennen würde. Die neue tschechische Anleihe. Prag, 29. August. In der Kundmachung des Finanzministeriums hinsichtlich der Emission der vierprozentigen Staatsschatzscheine der tschecho-slowakischen Republik wird festgesetzt: Die Staqtsscha.tzschei.ne, lauten auf den Ueberbrmger und werden in Stücken zu 600,!1000, 5000, 10.000 und 50.000 tschecho-slowakischen Kronen mit dem Datum vom 4. Oktober 1919 emittiert. Jedes Stück ist mit einem Faksimile der Unterschriften des Finanzministers und des Präsidenten des Obersten Rechnungskanzleramtes versehen. Die Gesamtsumme der Anleihe wird nach dem Zeichnungsergebnis bestimmt werden. Die Scheine werden bei Fälligkeit bar ausbezahlt werden. Der Staat behält, sich jedoch daS Recht vor, sie früher ganz oder teilweise auszubezahlen. Die mit 4 Prozent verzinslichen Coupons sind in halbjährigen Fristen am 1. April und 1. Oktober jeden Jahres zahlbar. Die Coupons werden dem Ueberbrmger ohne irgendwelchen Abzug, Steuer «oder Gebühr ausbezahlt. Die Staatsschatzscheine genießen Pupillarsicherheit. Bei der Kasse des Bankamtes des Finanzministeriums können sie bis zu 75 Prozent des Mnnwertes belehnt werden. Der Subskriptionspreis für je hundert tschecho-slowakische Kronen Nominalwert beträgt bei den am 1. Oktober .1923 sättigen Schatzscheinen 98, bei den am 1. Oktober 1924 fälligen Schatzscheinen K. 97.50. Die Verpflegung Polens. Mährisch-Ostrau, 29. August. (Tschecho-slow. Preßbur.) Die „Gazeta Gdaska" („Danziger Zeitung") meldet: An Stelle der aufgehobenen amerikanischen Lebensmittelkvmmission hat eine englische Kommission unter Leitung des Kapitäns Harweh die V e r p f l e g u n g,P o l e n s übernommen. Diese Komnlission wird in kürzester Zeit 300.000 Tonnen Rohst o f f e für die p o l n i s ch e I n d u st r i e nach Polen ein« sichren. Die Eisenbahnerbewegung in Amerika. Belmar, 29. August. (Funkspruch.) Aus Washington wird gemeldet, daß der A u s s ch u ß, welcher die im Senat eingebrachten Anträge betreffs Bereinigung aller Eisenbahngesellschasten der Vereinigten Staaten in eine einzige Gesellschaft und Leitung dieser Gesellschaft durch du Ä n g e st e l 1 t e n, die E i g e n t ü m e r und die R e g i e ru n g zu überprüfen hat, sich gegen diesen Plan ausgesprochen habe. SamuelGompers wird heute mit den Spitzen der Eisenbahnervereinigungcn konferieren. ES werden wichtige Ergebnisse erwartet, da man von Gompers erwartet, er werde die Arbeiter und deren Führer von ihrem Vorhaben deS allgemeinen Ausstandes abbringen. Die Stimmung ist etwas hoffnungsvoller. Das Wiener Palästina-Amt. - -; .. n. Je näher der Augenblick rückt, da eine Auswanderung .' nach' Palästina möglich sein wird, desto! größer wird die .Zahl der Anfragen vop Auswanbernngslusttgen, die sowohl aus. den Ländern der gewesenen Monarchie, als auch ttrtü- Deutschland und Polen beim Wiener Paläftinaatnt emlaustn. Immer mehr unserer Volksgenossen fassen den Plan, in den Ländern, der Galuth ihre Zelte abzubrechen, um ans dem B-chen.yon Palästina ein neues Leben zu beginne». ' j ..In Nr. 208 dieses Blattes wurde bereits kurz über die Arbeiten des Wiener Palästinaamtes berichtet. -i Jüngst hat dieses eine neuerliche Erweiterung erfahren, durch / Schaffung eines Referates für Frauenarbeiten, für das sich:in .dankenswerter Weise Frau Nanh Marg«lies zur Verfügung gestellt hat. DaS Gebiet der Frauenarbeit wurde.bisher, in der zionistischen Partei stark vernachlässigt.'^ Wir haben vorläufig noch nicht das Frauenmaterial, daR wir, uns. wünschen möchten und bas' für den Aufbau des jüdischen. Palästina ^entbehrlich ist. Die Gründe dafür! liegen 0um: großen Teile, darin, baß die jüdische Frau im' ' allgemeinen unpolitisch ist. Dem muß Abhilfe geschaffen, . werden. -Es steht zu hoffen, daß ein solches arbeitsfähiges Referat. eine ersprießliche Tätigkeit entwickeln wird. Die.unleidlichen Verhältnisse in fast allen Ländern. Europas bringen es mit sich, daß viele Juden nicht nurua,ch -Palästina, sondern auch nach anderen überseeischen Ge-, bieten Amerika, Brasilien — auswandern wollen. Hier beratend' und helfend einzngrcifen, wertvolle Elemente für Palästina zu gewinnen, ist eine Slufgabe, der sich die zionistische Organisation nicht entziehen darf; andererseits aber geht diese Arbeit weit über den. Wirkungskreis des Palästinaamtes., hinaus und es erscheint auch nicht -angebracht, daß es diese . Arbeit allein besorgt. Von dieser Erwägung ausgehend. soll im Einvernehmen mit dem Jüdischen Natiozialrat ein allgemeines E m i g r a t i o, n s a m t errichtet werden. Die G. e w e r b e s e k t i it mit ihren verschiedenen Ä6teilungen kann überall zufriedenstellende Erfolge anfweisen, so wurde»: durch den Arbeitsnachweis außer den Chalpzim.. •22 i\ Personen in Stellungen untergebracht, und die Zähit der Arbeitgeber, die sich um Arbeitskräfte an den Arbeits- ' nachwms her Gewerbesektion wenden, wächst ständig^ Dis Zahl der durchgeführten Vermittlungen ist aus über 200 gestiegen. Die Arbeitnehmer verteilen sich auf Landliitb '. Forstwirtschaft, Baugewerbe, Papierindustrie und verschiedene . andere Industrie- und Gewerbszweige. / '' Die technische Studiengruppe wird im Herbst ihre Ausgabe der Ausbildung junger Leute in technischen BerufSziveigep-erfüllen durch Einrichtung von 5kursen; ein solcher , über Elektrotechnik und angrenzende Wissensgebiete ist bereits - DIE NEUE GOLD-EINLOSEANSTALT dodo J, LANDE» IX* Sechsscbimmelgasse 26 zahlt die höchsten Preise für Gold, Silber, Brillanten, Perlen und falsche Zähne. Ueberzeugen Sie sich von der Reellität meines Anbotes, ee . gesichert. ' . Eine-wichtige Frage beschäftigt seit längerer Zeit sowohl dl« Zentralbehörden, als das Wiener Palästinaaml. Diele, ja die meisten von den Auswanberndei: werden gezwungen, einen großen Teil ihres hiesigen Besitzes, insbesondere Immobilien» vor j der Abreise zu liquidieren. Um hier jedwede Ausbeutung durch.

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