Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 195 (4.8.1919)
- Date
- 1919-08-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 195 Wien. Montag Jüdische Gastfreundschaft in der Schweiz. (Besuch bei Leon Fichmanus Wiener Kindern.) .Von Dr. Markus Krämer» zurzeit Zürich. Die Industriestadt <2?t Gallen? die mich so sehr an nieine Czernowitzer Heimat erinnert, beherbergt zwei Judengemeinden. Eine der alteingesessenen „Israeliten" ,, mit den reichsten Spitzen- und StickereifabriVanten, dem Tempel und dem Prediger und eine „Adas Israel", die sich aus über 1Ö0 vstjüdischen Familien rekrutiert. Mitten in die westjüdische Moderne, in die Schweizer Geruhsamkeit haben sie ihr bewegliches, urwüchsiges Ostjudentum mitgenommen, ihr wunderbares Familienleben, ihre Begeisterungsfähigkeit, auch zumeist ihre jiddische Sprache, die in der Familie oft seltsam mit dem Schwitzerdütsch konkurriert. Es ist trotz mancher Unebenheiten ein guter Menschenschlag. Anitta Müllers Mion für die Wiener jüdischen Kinder hat neue^ Leben in die Stadt gebracht. Weit über 200 Kinder wurden teils bei Familien, teils in Heimen, in Speicher, Heiden, Trogen, Oberegg und .Walzenhausen untergebracht. Ganz St. Gallen näht und strickt und .stickt Jedes -Kind muß reich bedacht werden. . .. In einem Julit'age besteige ich mit Leon F i chm ann das Auto"und .in einstündiger rasender Fahrt geht es in das von ihm geschaffne und. auch auf eigene Kosten erhaltene Königreich der jüdischen WienTrkinder, nach Walzenhausen. Ueber das unsagbar schöne Appenzellerland führt der Weg. Auf einem wald- und wiesenbedeckten HüAelliegt die Kinderpensivn in Walzenhausen, welche 27 Buben und 3 Mädels beherbergt. Eine jubelnde -Schar umringt, das Auto und .mit einem „Schaliom" oder „Küß' die Hand" darf jedes dem väterlichen Wohltäter die Hand reichen. Der kleine Mann mit dem interessanten Römerkopf, den außerhalb der Synagoge nie ein Hut bedeckt, läßt aus dem Wagen große Pakete und Koffer heraushvlen. Heute bekommen alte neue Strohhüte. Einige stoch Schuhe. »Auch ein beträchtliches Quantum Butter wurde mitgenommen. „Wann ein Kind noch ein Ei, noch Butter will, dann darf Man nicht rechnen, ob es schon bekommen hat." Drei Damen aus St. Gallen machen hier draußey ständigen freiwilligen Dienste Die Fräuleins Hauser, Finkt und Leder treffen wir dabei, wie sie Kinderwäsche ausbessern und mit Monogrammen'versehen. Eine .jüdische Köchin schwingt das Szepter in der großen Küche? Täglich muß sie Herrn Fichmann ein Fläschchen Milch nach St. Gallen schicken, das er chemisch untersuchen läßt, ob sie nicht etwa abgerahmt sei? „Seinen" Kindern darf nichts ab gehen. Sie 'demonstrieren mir ge.rade mit großer Sachkenntnis ein Fußballmatch vor, das sie gestern gegen Westfakener .Ferienkinder mit 5 : 0.- gewonnen haben. Sie klagen, daß der Bauer ihnen..die Nachbarwiese verbiete und zurnächsten viel zu weit zu laufen sei. „Ab Morgen ist die Wiese^ für euch gemietet!" Ich Mende mich um — und jubelnde Kinder umringen Fichmann. Ich trete an einen Tisch, hier spielen dunkeläugige Bübchen „Dame" mit krausen Denkerstirnen und obligaten unruhigen Kibitzen, dort andere leichtere Kinderspiel?. ( Auf der Terrasse -um einen langen Tisch neun Knaben. Der. Lehrer „lernt" mit ihnen' „Gemorehfi. Sie wollten es so, sie haben schon, in Wien gelernt. Es ist der -Traktat ,',Bezah-peruk rischon". Ich vertiefe mich in df weltbewegende Frage, ob ein trefe Ei dieanderen tausend wese mache, ob das mid'vraiosch ist oder Mid'rabbunon-. Es ist dasselbe' Singen, derselbe erschreckende Kinderernst, derselbe Zweifel auf Kindergesicht iind Leuchtän beim Finden der Lösung — dasselbe, was da auf einmal sich heraushebt aus. . der Schichte der großen Ereignisse und ein unsagbar Heimliches bloßlegt: eine eigene Jugend. Fichmann hält auf Tradition. 'Aus einem anderen Heim nimmt et ein „Varmizwah^-Kind in das sein: und in elf Tagen hat es nicht nur dreieinhalb Kilo zugettommest,?sondern so prächtig zur Barmizwah gelernt, daß "die St. Gallener, die der Feier beiwohnten, es mit Geschenkest beladen heimschickten. — Mit einem Maß in der Hanh diktiert mir Fichmann Ziffern. Die , Kinder sollen zu den anderen Kleidern, Hemden, Schuhen noch Sporthemden bekommen.. — Wir besichtigen das Heim - Pie sauberen Schlafzimmer. Jedes Kind hat Handtuch und Zahnbürste, dev Arzt sieht häufig näch und einer erzählt, er stabe gestern „a Messerspitze" ver- ,schrieben bekommen. Der Kleine wirdwohl zuviel Butterbrote gegessen haben. Bor dem Schlafengehen wird gebetet, dann bekommt man Schokolade, damit das Einschlafen süß sei. — Auch Schweizer besuchen das Heim. Ein Bauer spendete 30 Franks für Schokolade. Die Schweizer sind. Menschen. Der Krieg har . hier das Gute im Menschen nicht ertötet. Nun heißt es Abschied nehmen. Sonntag kommen die Kindes nach St. Gallen zu Besuch. EinSt.Gallener wollte sie zum Essen einladend Aber Leon Fichmann vertragt leine „Einmengung in seine Angelegenheiten". — Mber Rorschach geht die Rückreise, und man blickt . zurück ans die Stätte, die ein Menschenfreund. für dreißig Kinderseelen zum Märchenland ihrer künftigen Träume gemacht hat. Und wenn normal Verhältnisse die Wohltat werden vergessen machen, eines ist bleibend, das nie aus den Kinderherzen schwinden wird: Was sie an echter, warmer jüdischer Liebe empfangen haben, Inas die Brücken schlägt über Gebirge und Meere und was den Glaub.'» wieder gibt ün wahrhafte Menschlichkeit- » . . Wiener Morgenzeiturrg Einige Anmerkungen zum Falle Kun. Das gewaltigste politische Ereignis unserer Tage, der Umschwung in Ungarn, wird von der Wiener Sensationspresse so wie in vergangenen Zeiten der Skandal eines Erzherzogs behandelt. Wrr erfahreO daß Bela Kun einen schwarzen Wmterrock trug und eine Kiste mit,Zigarren mit stch führte, daß Szamuelys Leiche sich den Reportern unrasiert präsentierte, daß Poganyi leichenblaß aus dem Brücker Bahnhöi stand. Kurz — das Wien, das den Nus Oesterreichs im Ausland immer geschädigt hat, zeigt sich auch jetzt auf jener Höhe der Situation, die es erkennen kann. Es übersieht die Welt . vom Kahlenberg und bleibt immer am Stephansturm kleben. Und benimmt sich, genau so jämmerlich und würdelos, wie sich ein verarmter Parvenü benimmt, der immer jmanden zu drücken sucht, ^>em es noch schlechter geht. Bela Kun ist nach Wien geflüchtet und die Regierung Seitz hat ihm mit vornehmer Geste das,Asylrecht gewährt. Die Wiener Presse tobt, verhöhnt dre Regierung und läßt Juristen ihren gelehrten Unsinn schwatzen. Daß Kün jetzt und hier noch gefährlich werden könnte, wer glaubt das? Sein System, das eines verrückten, gefährlichen, aber ehrlichen Fanatikers, ist verloren gegangen, weil es sich nicht ans Geistigkeit, auf Erziehung, auf politische Mäßigung berufen, konnte und von Denunzianten, Spitzeln und Schnbiaken .aller Art getragen wurde. Die Bevölkerung Budapests zeigt durch ihre Freude, wie sehn sie der Wandel der Ding> innerlich bewegt und wie weit sie von der jetzt aufgelösten fata morgana der Proletariatsdiktatur abrückt. Sie will »nt Kun nichts mehr zu tun h. ben.Man gönne ihm alle sein Asyl in Drosendorf oder in Rosenau, dem; Stammort eines ebenfalls gestürzten Tribunen, des Herrn Georg v. Schönerer. Oder man schiebe Kun in die Schweiz ab, wo er sich mit Karl von Habsbmg über die Flatterhaftigkeit des Glückes . unterhalten kann. Aber man lasse doch nicht diese Wiener Presie auf ihn los, die bei allen Ereignissen stets nur die Deffous sucht. Man rufe den Staatsanwalt herbei,' um die Lakaien des Ringstraßenpöbels von einer Leiche fernzuhalten, vor der gestern noch alles gezittert hat. * . Die Art, wie Kun die Macht ausübte, ist abstoßend und ekelhaft. Seine Regierungskameraden, seine Schergen, seine Garden und all das Geschmeiß, das sich an jede Konjunktur anhängt, haben gestohlen und geräubert, in fremde Taschen gegriffen, solange bis Budapest leer und 8de war. Dann schielten sie über die Grenze nach Wien, in desien Mauern doch noch einiges zu holen war. Sie haben tausende von 1 Existenzen vernichtet, brave, anständige Menschen hermatsflüchtig gemacht. Das ist alles buchstäblich währ» Aber haben sie sich soweit vom Geist der' ungarischen Geschichte entfernt? Dieses ungarische „Herrenvolk" ist durch 1000 Jahre das ergiebige Ausbeutungsfeld einer Bande von Raubrittern gewesen, die stch durch Mord und Brand an der Herrschaft hielten. Sind jene, die den Bauernrebellen Dosza auf einen glühenden eiserneu Thron setztey und mir einer glühenden Krone schmückten, etwas anderes als Szamuely? Sind dre Ministerpräsidenten, diemitSparkassegrldern, mit Pfründen und Konzessionen ihre Korteschführer belohnten, etwas anderes als Poganyi? Und die Sluhlrichter, die mit dem jus »tatarii so unheimlich rasch der der Hand waren, besser als Vigo? Und har es nicht in Ungarn, sogar im magyarischen Ungarn ganze Komitate gegeben, beten männliche Bevölkerung in den amerikanischen Bergwerken schuften mußte, weil sie daheim vom Notar und Gendam anSgepreßt worden war? Ist nicht unser ganzes öffentliches Leben seit dem unseligen, weil unvollendeten Ausgleich stetS von jenem ungarischen Oligarchen ynd ihren Panduren mit Geld und Bestechungs- Prämien vergiftet worden? Hat nicht jede ungarische Regierung, ob sie nun Appvnyi oder Andrasshi oder Weckerle oder Tisza hieß, in unser Wahlrecht, in unsere Steuergesetzgebung bestimmend eingegriffen? Hat nicht Ungarn — das ungarische Volk isk nicht Gegenstand dieser Betrachtungen — schließlich die gache politische Führung der Monarchie an sich gerissen und durch seine Arroganz gegenüber Serben und Rumänen schießlich' den giftigen Samen des Weltkrieges aUSgestreut? Die sieben Fürsten, die mit Arpad und Tuhutum nach Avaren und Hunnen das Land zwischen Donau und Theiß besetzten, haben den.Geist der mongolischm Steppen- Horden mitgebracht und ihm eine warme Stätte bereitet. ES war genau so wie im zaristischen Rußland der Tatar zu entdecken, wenn man den magyarischen Adelige», kratzte, dessen Gewandtheit und falsche Herzlichkeit so lange Ze>t die Welt betrügen konnte. Ungarn war immer in den Händen von gerissenen Schiebern, die Über ihr eigenes Volk.die Peitsche schwängen und nach außen gern ^ritter- IiÄ" sich sehen ließen, mit der homagialen Ehrfurcht jonglierten. Bis die Schmutzwelle des Krieges aus den Tresen der Gesellschaft die üble Gesellschaft Kuns und seiner Freunde hinaufspülte, um sich nun im ewigen Auf und Ab wieder bmwegzureißen. Ist das ungarische Volk aus dm Armen des Steppengeistes, von Roßtäuschern und SchweinezÜchtem befreit? Das muß die Zukunft lehren. —y. Clerrrerieeaus Jubiläum.. Ende Juli warm gerade zehn Jahre verflossen fett dem Rücktritt des ersten Ministeriums. Clem e n c e a u in Frankreich. Damals schien der alte Heißsporn, der schon dem 70. Lebensjahre nahe war, am Ziele seiner wechselvollen politischen Laufbahn zu stehen. Niemand hätte damals vermuten können, daß er ein Jahrzehnt später der führende Politiken Frankreichs nach einem Kriege sein würde, zu dessen Ausgang seine zähe Willrnsmergie nicht wenig beigetragen hat. Der ZHährige Pariser Arzt/der stch nach dem Sturze des zweiten Kaiserreiches ganz der Politik zuwandte, stimmte im Februar 187l in der Kammer gram den Frieden. Nachdem er 1375 Präsident des. Pariset Gemeinderates geworden war, gelangte er 1876 in die Depunntenkammtr, der er , bis 1898 ununterbrochen angehörte. Er schloß sich der äußersten Linken an. Seine Beredsamkeit und eiserne Willensstärke vrrschasten'ibm bald eine führende Stellung und er wurde als scharfer Debatler und . Mmistei stürzer gefürchtet. Unter den Bezechtern deS Revanchegedankens stand Clcmenceatt stets in vorbei ster Linie, un> F t r r v. dessen Kolonialpoluü Dismark wohlwollend förderte, um Frankreich von dem Nevanchcgrdmikcit adzulenkeu, bekätnpfle er wii end und war die treckende Kraft bei iemem Sturze. Auch Lreveinet 4. August 1919 . Seite' L stürzte er 1886 im Verein mit der Rechten. Trotz seiner völlig antikirchlichen Gesinnung führte ihn die Revanchepolitik gelegmtlich mit der Rechte» zusammen. Zur Zeit des B o u l a n g i s m « s zerfiel feine Partei in zwer Tetle. Der eine schlug sich auf die Sette BoulangerS, der andere mtt Clemenceau nahm gegey Boulanger Stellung. Im Jahre 1892 beeinträchtigte fein E h e f ch e i d u n a s p r o z c ft sein politisches Ansehen. Noch mehr schadete Clemenceau die Verwicklung in den Panamaskandal. Er büßte infolgedessen 1896 sein Mandat ein und ward Leiter: des Blattes „La Justice" und dann des Blattes „L'Aurore". Politisch tot konnte ihn auch seine Beteiligung am Panamaskandal nicht machen. Der D r e y f u ß s ka n d a l sah ihn an der Sem Zolas und Ptcquardts in dem Kamps gegen den unter antisemitischem Mantel sich bergenden Klertkaltsmüs. 1902 wurde - er wieder in die Dcputiertenkammer gewählt und er machte sich nun erneut als Mtmsterftürzer gefürchtet,^was ihm den Spitznamen „Tiger" cintrug. Die Einkreisungspolitik Eduard VII.{ mit dem er sich persönlich anfreundcte. fand in Clemenceau einen eifngen Au- Walt,, wie er bei allem, was dem H a s s e g e g e n D e n r s ml a n d diente, in erster Lime stand. Sein Zrel war Und blieb. Deutschland niederzuringen und womöglich für immer zu vernichten. 1906 wurde er zunächst Minister des Innern und übernahm im Herbste dieses Jahres - die Ministerpräsidentschaft bis 1909. Im Verlauft des Weltkrieges, für dessen Herbeiführung n- * eifrig miltäüg gewesen ist, trat er an die Spitze der Regteraua," als sich Zeichen der Zersetzung rm französischen Heere und. Volte in bedenklichem Maße geltend machten. Clemenceaus eiset ner Wille und eifern Fäust zwangen. den Defaitismus nieder, und wenn Frankreich-schließlich mit fremder Hilfe fein Ziel erretcht Kat. so tst das -in der Hauptsache der starken Persönlichkeit Clemenceaus zuzuschreiben. Sein ganzes Leben war der Revanche gewidmet. Sein Ausscheiden aus der polittschen Oeffentlichkett erfolgt zu einer Jett, wo ganz Europa verblutet und erschöpft doch keine Aussicht auf dauernden Frieden findet. Denn der Friede Clemenceaus bedeutet nur neuen Krieg. ■\ ' Tagesbericht. Die Auswanderung aus Deutsch öfter» eich. Brasilien und Argentinien schließen sich ab. -Knapp nach dem' Umsturz und der Demobilisierung der Armee hatte in Wien eine Bewegung eingesetzt, die auf d>e O^anisierung der A u s w a n der u n g solcher Leute hinauslief, die sich, mit dem politischen oder wirtschaftlichen Zustand Dentschosterreichs nicht abfinden konnten oder wallten und bereit waren an einer ausgedehnten Kolonisationstätigkeit im Ausland teilzunehmen. Als Einwanderungsgebiet waren haüptsächltch Territorien in Brasilien und A r g e n t i n i e n gedacht. Diese Bestrebungen wurden von den tn Betracht kommenden ' Regierungen mit großer Aufmerksamkeit betrachtet. Die Entwicklung tn Deütschöstcrreich nun, die durch die unklare Politik Dr. Bau e r s genährte b o l s ch e wi k i.s ch e Str ömun g mit ihren Krawallen und Straßenexzessen, hat nun dazu geführt, daß Brasilten und Argentinien, die ein Hinübergreifen de8 politischen Radikaltsmus befürchten, sich gegen diese Einwandcnmg abschließen wollen.- Wie uns eine aus. dem H a a. g zugehende Depesche meldet, sind zwischen den Negierungen Brasiliens und Argetttinicns Verhandlungen etngelettet worden, gemeinsam e,i n. E i n w ander u » g Sv e r b o t zu erlass m, das m o g l t ch stibal d in Kraft treten soll. . ' Große Fttegerkatastr'ophe. i Rom, 3. August. Ein C a p r o n i s l u g z e u g. von Venedig nach Mailand unterwegs, t ist unweit von Verona abgestürzt, wobei vierzehn Personen ge-"' tötet wurden. $ -—- Das Defizit einer Kriegsküche. Bei der. Auflösung und dem Abschlüsse, der von der - 48jährigen Privaten Wilhelmine Wietzen, Weyringergas'e 9 wohnhaft, geleiteten Kriegsküche ver. Geftteind« Wien auf der Wieden, Waltergässe. 16, ergab sich ein uner- , tvartetes D e fiz it.von mehr als 110.000 Kronen. Das Kriegsküchenkömmissariat der Gemeinde Wien überprüfte die Rechnungen und.Belege und es ergab sich, daß eine größere. Anzahl von Rechnungen gefälscht und auch fingiert waren. Daher hat die Gemeinde Wien gegen die Leitung der Krtegsküche die Strafanzeige ' beim Kommissariat Wieden erstattet. Wilhelmine Kloß hmrbe . über den Fehlbetrag einvernommen und gab an, daß sie eine große Zahl von Rechnungen selbst geschrieben und mit der 'Saldierungsklausel/ versehen habe, . weil ihr angeblich die Leute, bei denen sie im Schleichhandel eingekauft habe, zum Beispiel Mehl um 30 K. pro Kilogramm, keine Rechnung gebracht hätten. Demgegenüber muß betont wörden, , » daß Wilhelmine Kloß überhaupt keine Berechtigung hatte, durch freien Einkauf, geschweige 'denn'im Schleichhendel, . Lebensmittel zu erstehen, da die Küche von der Gemeinde Wien mit Lebensmitteln vollauf b-eliefett worden ist. Wilhelmine Kloß, welche 'selbst die Kasscngebarung und die Buchführung der Küche Versah, wurde - heute unter dem bringendem Verdacht des Betruges mrd der Veruntreuung dem L a n d es g e r ich t e ei n ge I ic fe r t. " Hasardspiele».; Am 1. d. M. nachts wurde in dar Wohnung der Privaten Malvine Klempf, Eßliuggasse 2, von Organen der Polizeidirektion Sdadtbommissariat eiire afts 40 Personen bestehende Spielgesellschaft ausgehoben. In dieser Wohnung ist, den Erhebungen zufolge schon - durch drei Monats-Hasard gespielt wordey,. . Es war aber bisher nicht möglich, mit Erfolg einzuschreiten. Auch diesmal war es fihr schwierig, da der Polizeibeamte erst ein' förmliches Verhör durch-. machen und den Spielerbeschreiben mußie, nach "dem er angeblich smgte, um sein Eintreten zu erNitreu. Die Spi^lgäste gehören verschiedenen GesellschasKklasle.i an. DaS Strafverfahren ist ein geleitet warbvn. Mir Wohnrkngsinhaberin Maloinr Klemp wurde wetzen Nedertretung der Sparmaßnahmen mtt 5000 lkronen GtlVstrrifc. evt'ntuell zweUMonatett Arrest bestraft; gegeit das Erkciiutttis hat sie die Berufung au . die uiedrrösterr<'ichische Landesregierung ergriffen. -- In einem^ erftklassigcn Kaiserhaus im 1. Bezirk wurde am 1. d.M.