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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-04 · Heft 195 (4.8.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 195 (4.8.1919)
Date
1919-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Girrrrirrrmplar: » Krris Heller tvior «kt Lnstellung in» Hau»; *xv-«at»ch.... re v.» Kr-rt-Iiälkria . . 80.- albjah-ig . . . * 40.- «rftahvts - - - -> 80«-" Mt Poflversand: tttonatlich. . . .L <tJK» fbvielfS()v!« . . SS — '•»,«](«.-44^- SS.- renrr ffrlbfibvia fitettjwvfe tz»r--»ho«Wr A^mtrUstrirti«r 44038. U-daKN-» «SIS. ad 6 ifj?« ab»«d» U». 16801 Nr. 195 Wien. Montag, den 4. August 1919 Preis »« Hell« PvSmmtsra^««*» »rtwir* K» »»»JuHiiM MmratUch . SM MievtslfL^rkg Sawialxets < EäAW-! V««kjTyris •*•&•$$$**" ■ . K,»nlttto» «. A-nrknijLra' ttom pofifp»rk»ff»»-A»n»« Ur. 150,608 1. Jahrgang Eine InLeresienregieruW LN UUgMR. \ Die Enteute besetzt Budapest. s Budapest, 3 August, (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Im Laufe des gestrigen Abends sind die Verhandlungen zwischen dem Minister des Aeußern A g o ft o » und der ErlL^nLe zum Äbfchluß geliommen und. haben zur Bildung einer neuen Negierung geführt, die aber nicht aus Vertretern der politischen Parteien zusammengesetzt wird, sondern aus Vertretern der Interessengruppen. Das neue Ministerium besteht ans Vertretern des G e w e r b e s, der Kaufleute, Industriellen, Arbeiter und Bauern. Die Namen werden morgen vormittags bekannt gegeben werden. In der «»neu Rrgierrmg befinden sich nur Personen, die politisch nicht belastet find. ' Zur Sicherung der ruhigen Entwicklung der Verhältnisse wird Budapest morgen von Z669 Mann Ententetruppen besetzt werden, unter dienen sich rum Ln Ls che Kontingente nicht befinden werden. Die Demo b i l i siernngd e r Noten Arin e e, die 169.600 Mann zählt, ist bereits verfügt morden. . > > Das Zustand eko mmeu der Interesfenregierung bedeutet einen d i p l o m a t i s ch e n E r.f o lg Italic « s, das sich gegen jede Anerkennung der S z e ge d rner Negierung durch die Entente gesträubt und auch den Plan einer F n s i o n i e r u « g d e s K a b i n e t t s Peidl mit der Szegediuer Negierung abgelehnt Hatte. Die militärische Besetzung Budapests durch die Entente ist auch sür Deutsch äst er reich von größter Wchtigheit, wett sie jede weitere Einflußnahme der russischen Bolschewiken ans die Wiener Politik dnrchschneid et. EiVstelliwg der ÄmLnischen FetndsettgLeLLen. B L d a p e st, 3. August. (Tel. der-Mr. Morgenztg".) Die Feindseligkeiten zwischen Ungarn Pud Rumänien sind Samstag nachts um 2 Ahr eingestellt worden. Das Abkommen wurde zwischen Oberstleutnant RomaneLi und dem rumänischen Armeekommando abgeschlossen» ' «- . ' ">1 ' " ‘ 's Die italienische Zntetvenliou llpw. Ein Depeschenwechsel zwischen Momanelli und CLerneneeau. Wie«, 3. August. Die Korrespondenz Herzog meldet: In Erwiderung der gestrigen Depesche des Chefs, der italienischen Militärdelegation in Budapest, Oberstleutnant Romanelli an den Präsidenten der F ri e d ensko n fe r en z El e m en ee a u langte hebst folgende Antwort ein: Der Präsident der Friedenskonferenz an den . Oberstleutnant R o m a n e l lt: Ich habe die Ehre. Ihnen den Empfang Ihres Radiogramms vom 1. Äuguft zu bestätigen, worin Sie die Demission der Regierung der Räterepublik, die Bildung der neuen ungarischen Regierung und die von der letzteren abgegebenen Erklärungen Mitteilen, die dem ' Obersten Rate zur Kenntüis gebracht worden sind. Der Rat der Alliierten ist der Ansicht, daß er in die innere Politik der ungarischen Republik' nicht eingreisen kann und aus diesem Grunde auf die von zwei Mitgliedern der. verbündeten Missionen in Wien gemachten Vorschläge nicht einzugehen in der Lage ist. Die einzigen anerkannten Grundlagen der Be-' Ziehungen der verbündeten und assoziierten Mächte einerseits und Ungarn andererseits sind: 1. Der Waffenstillstand vom 3. November 1918, dessen Bedingungen von der neuen ungarischen Regie- > rung beachtet werden müssen, ganz besonders rücksichtlich der Demobilisierung der Armee. 2. Die Mitteilung der Friedenskonferenz vom 13. Juni^ bezüglich der Festsetzung der Linie, an welcher die ungarischen Truppen . längs der tschechoslowakischen und rumänischen Grenzen zu Hallen haben. Der Rat der Verbündeten wird die rumänische Regierung bloß ersuchen, ihre Truppen an ' den.Grenzen zum Stillstand zu bringen, v: die sie gegenwärtig infolge des Angriffes besetzt haltest, dessen Gegenstand sie seitens der ungarischen Armee jüngst gewesen srnd und sie werden sie nicht ersuchen, die Truppen bis zu der am 13. Juni festgesetzten Linie zurückzu ziehen, ehe nicht die neue Budapest er Regierung srch den WaffenftillstandSbedistgungen . strikte unterworfen hat. Die verbündeten und assoziierten Mächte find entschlossen, die Taten der neuen ungarischen Pegierung abzuwarten. Sie hoffen, daß ,der Antritt einer neuen Regierung, die ihre VerMicdlunaen erfüllen und das ungarische Volk vertreten wird, den Zeitpunkt der Wiederherstellung des Friedens und der Wiederaufnahme der regelmäßigen wirtschaftlichen Beziehungen beschleunigen wird. Gez. Clemerceau. , Die Antwort Romaneüis. Oberstleutnant Romanelli beantwortete die obige Depesche Clemenceaus folgendermaßen: An Se. Exzellenz Clemenceau, Präsidenten der Friedenskonferenz, .Paris! Indem ich den Empfang Ihrer Depesche bestätige, habe ich die Ehre, Ihnen zur Kenntnis zu bringen, daß die ntzue ungarische Regierung durchaus geneigt ist, die Waffenstillständsbedingungen in möglichst kurzer Frist zu erfüllen. Zu diesem Behuse ersucht mich die ungarische Regierung, in Erkenntnis der aus der jüngst überwundenen Krise erwachsenden inneren Schwierigkeiten, offiziell. Sie zu bitten, daß die verbündeten und assoziierten Mächte sie in der Erfüllung der Waffenstillftandsbedingungen durch eine Vertretung der Truppen der Entents unterstützen mö gen, und zwar durch Entsendung je eines Regiments einer jeden Macht, in der Weise, daß dies einer Intervention nicht gleiche und die freie Kundgebung des Landes nicht hindere. Oberstleutnant Romanelli. Die Korr. H erzog meldet hiezu ergänzend aus Budapest: Die Tätigkeit der italienischen Militärdclegation im Interesse der Herbeiführung normaler Verhältnisse dauert auf Grund der Weisungen des Leiters der italienischen Waffenstillsiandskommission in Wien General Segre ungeschwächt an. Seitens aller bürgerlichen Kreise wird einhellig anerkannt, daß Oberstleutnant Romanelli als derzeitiger einziger Vertreter der Entente in Budapest sich große Verdienste.um die Bevölkerung erworben hat, da er sowohl während des seinerzeitigen konlrarevolutionaren PutscheS als auch jetzt während des Sturzes Bela Kuns und der Uebernahme der Regierung durch die sozialdemokratische Partei sich mit großem Erfolge dafür einsetzte, daß es nicht zu Opfern des bolschewistischen SystemeS komme. Allgemein wird cm die beiden energischen Roten Romanellis an Bela Kun erinnert, denen allein es zu danken war, daß es nicht zu unnützem Blutvergießen in Ungarn kam. In den späteren Verhandlungen mit den Volkskommissar'n der üols^ewistischen Negierung hat die italienische Mission durch ibrei? volitischen Berrreter. den Fürsten Livio Borghese auf Grund der überaus humanen Anordnungen des Leiters der. italienischen Waffenstillstandskommission in Wien General Segre den Uebergang . zwischen der Negierung Bela Kuns und der derzeitigen Regierung ohne allzu große Erschütterungen ermöglicht. Es steht zu hoffen, daß die kommenden- Ereignisse in Ungarn sich derart gestalten werden, daß sie die Rückkehr norlualec Verhältnisse innerhalb kürzester Zeit ermöglichen \ werden. , ' AAMäüische Truppen irr Budapest. Budapest, 3. August. Die Nuwänen, die gestern vsr Näkos-Cfaba stehen geblieben waren, wollten heule ihren Versuch, nach Budapest einzndringen, erneuern. ÖherMsnLrrant Romanelli verhandelte mit dem rumänischen Brigade general und traf mit ihm folgendes Kompromiß: Die. Numänen nehmen davon Abstand, Budapest %ii besetzen, hingegen wurde zwischen dem Bürgermeister von Budapest, dem frühere» Gesandten in Wien, Franz H a r r e v, und dem> rumänischen Brmadegeneral vereinbart, daß zwei rumänische Negimenter in Budapest einMartiert werden. Diese beiden Regimenter zogen heute spät abends in Budapest ein und besetzten zwei Kasernen in den östliche» Vorstädten. Der rumänische Brigadegeneral selbst hat im Hotel .Ritz sein Quartier bezogen. . Keine Besetzung der Stadt. " Budapest, 3. August. Die rumänischen Truppen 'sind bis zur Gemarkung von Budapest vorgedrungen. Hier erschienen Kriegsminister H a u b r i ch. und Bürgermeister H ü r r e r, welche mit dem. Kommandanten der rumänischen Truppeü General R,u.x e y'Wlnngen traten. General Rürescu erhärte, er habe den Befehl, erhalten, den? Vormarsch bi^ zur Grenze des Budapester Stadtgebietes fortzusetzen. Zur Besetzung der Hauptstadt habe er keine Weisung erhalten. In die Angelegenheiten der Aulrechterhaltung der Ordnung werde .. er sich nicht einmengen, dies sei .die Aufgabe der ungarischen Regierung. Hinsichtlich der Einquartierung der vor Budapest eingetroffenen rumänischen Soldaten kam ein Uebereinkommcn zustande, wonach die Regierung nicht auf Grund der Besetzung, sondern auf Grund der Gastrechtes zwei an der.Peripherie der Hauptstadt gelegene Kavalleriekasernen zur Verfügung stellt.. Die Note Armee wird demsbilifiert. Die „Ungarische Post" meldet ans Budapest: Der in der Nacht auf Sonntag abgehaltene Mimsterrat hat beschlossen, den Befehl zuv Demobilisierung der Roten Armee zu ver^ 'öffentlicherr. Für Budapest bleibt ein Kontingent von 4090 Mann. EmschUetzlich der SicheHeitstrnppe» in der Provinz wird die ungarische Armee auf 20.060 Mann herabgesetzt. Verhandlungen wegen Aufhebung der Blockade. Wien, 3. August. Der britische Militärbevollmächtigte Sir Thomas Emirngham, welcher sich letzter Tage als Ga st bei He?rn Schoeller in Hirschwang bei Reichenau Mfhielt, ist beute morgens nach Wien zurückgekehrt und hat heute Gesandten Böhm und Wrltner im Botschafterpalais empfangen. Die Unterredung bezog sich aus die zukünftige Regierungsform und Politik in Ungarn, wobei speziell die Garantien' erörtert. wurden, die die zuküttstige ungarische Regierung dafür werde bieten müssen, daß sie bereit ist, dem Verlangen der Entente nachzukpmmen und die 'Bedingungen zn erfüllen, welche die alliierten und assoziierten Regierungen am 27. Juli d. I.- veröffentlicht hatten. In dieser Erklärung beißt es: „Wenn Lebensmittel geliefert werden sollen, die Blockade aufgehoben, der wirtschaftliche Wiederaufbau begonnen werden und Frieden . sein soll, muß das ungarische Volk durch eine tatsä chlich repräsentierende Regierung und nicht durch eine solche, deren Autorität auf dem Schrecken ncht,' vertreten sein. - . Selbstverständlich wird jede Buchung üngärffche» Territoriums, insofern dieses von der Friedenskonferenz als solches bezeichnet wurde, durch fremde Truppen so- , gleich ein' Ende nehmen, wenn der Kommandierende der alliierten Truppen von'der richrigen ÄusMrnng der ' WastemtutsrandÄvedingmlgeu überzeugt sein wird.. '

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