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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-27 · Heft 187 (27.7.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 187 (27.7.1919)
Date
1919-07-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 187 Wien, Sonntag Wiener MorxrenMMttg 27. 51ÜTI9T3 Mtt d Ernste Lage in NordnchlanÄ. Die „Times" gegen die Zurückziehung dev englischen Truppen. London» 26. Juli. iTel.-KomP.) Die „Time S" beivricht in einem Leitartikel dir L a g e in Nordrufiland nnd bezeichnet diese als s eh r ernst. Zum erstenmal bestehe letzt die Gefahr einer militärischen Bedrohung. Als Ursa^ie für vieseVerschlimmerung seien dieNiederlageKoltschaks mtb der Entschluß, die engltschrn Truppen zmückzuziehen, verantwortlich zu machen. Wenn die Engländer anfingen, sich zurück- Luziehen, wären die zurückgehenden Trrtppen nicht mehr imstande, die wichtigen strategischen Positionen zu halten. Weiter würden alle Personen, die sich den Briten angeschloffen hätten, Gefahr vmfcn, getötet zu werden. Unter diesen Umständen müßte. es für die Engländer Unmöglich sein, sich zurückzuziehen. Es sei letzt die Zeit gekommen, offen zu sagen, daß in Archangelsk m e h r auf dem Spiele stehe, als bloß hie Sicherheit der britischen Armee, nämlich die britische Ehre. Wenn sich die Engländer zurückzögen, werde der Bolschewismus nicht nur in Rußland, sondern auch in der ganzen Welt dadurch anAnsehen gewinnen. Dies könne Englands Lage in Asien außerordentlich schlecht gestalten, zumal ein Zusammenhang zwischen dem Bolschewismus m Rußland und der Haltung der Afghanen und Jungtürken nicht zu leugnen sei. Geldsammlnngen in Amerika für Deutschosterreich und Deutsch!and. Frankfurt» 36. Juli. (Tel. der ..Wr. Morgenzig?) Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus New-Dork, daß di« Deutschamerikaner in New-?)ork, Chicago und anderen Städten Massenversammlungen abhalten, «m G el d für die Durchführung - " Hilfsaktion für Deutschland und Deutsch Österreich anfzu'. ./^n. Der bekannte Fmanzmann Speyer sagte, man müßte mindestens 45Millionen Dollar aufbringen. Ein Hanprausjchuß für das Unternehmen wurde gebildet. Italiens Note. Lugano, 26. Juli. (TA. der „Wr. Morgenxtg.") Pariser Berichten der „Jtalia* zufolge wird T i.t 1 o n i am Sonntag nach London reisen, «m mit Lloyd George Beratungen zu pflegen. Es soll sich darum handeln, die erkaltete Freundschaft zwischen England und Italien neu zu beleb en und Lloyd George für die territorialen Ansprüche Italiens günstig zu stimmen. Mau glaubt aber, daß es sich auch um Verhandlungen in der für Italien besonders wichtigen Kohlensrage handelt, da Italien innerhalb kurzer Frist o h n e B r e n n m a terialien wärt, wem England keine Kohle tiefem sollte. tzivderrburgs und Bechmsrm- Selbststellmrg abgelehnt. Eairrt-Germaln, ss. Juli. (Korr.-Bur.) „New Dort V er al d" will erfahren haben, daß der F ü n f e r r a t daS Angebot Hindeuburgs, stch an die Stelle deS Kaisers dem Gericht zu stellen, dahin beantwortet habe, daß er das Verlangen des Feldmarschalls als einen loyalen und tapferen Akt betrachte, sich aber mit einem solchen Ersatz nicht zufrieden gebe» könne. Es stehe Hindenbury frei, vor Gericht als Zeuge auSzusagen, doch könne ihm in diesem Falle Straflosigkeit n i ch t z n g e s i ch e r. t werden. Der Londoner Berichterstatter dcS „A l g e m e e tt Handelsblad meldet, daß die Friedenskonferenz die Antwort an Bethmann Hollweg sertiggestelt habe. Sie würdige den Geist der Selbstaufopferung, der ihn beseele, aber die Angelegenheit des ehemaligen Kaisers werde derartig sein, daß niemand anderer seinen Platz werde eirmehmw können. Im übrigen würden die Angeklagten von Bethmann Hollwegs Art vor verschiedenen alliierten Gerichtshöfe« erscheinen miiffen. Michael Karoltzi geht nach Marierrbab. Prag, 26. Juli. (Tel. der ^Wr. Morgenztg.") Graf Michael Karolhi hat heute beim Ministerium des Innern um die Bewilligung angesucht, mit seiner Gemahlin in Martenbad Ausenthatt nehmen zu dürfen, was ihm auch bewilligt wurde. Arad vo« den Franzose« geräumt. Lyon» 26. Juli. (Funksvr. des Korr.-Bur.) Arad wurde vo« der französischen Garnison «nter General Tournadr geräumt und den Rumänen übergebe». Die französische Besatzung vo« Arad wird in Lugos (Banat) gamisonieren. Gründung einer polnischen Notenbank. ALlvich» 26. Juli (Tel. der „Wr. Morgenzclttmg".) Unter dem Namen „Bank von Polen" wird, wie die Information meldet, mit dem Sitze in Warschau eine polnische Staatsbank mit einem Kapital von hundert Millionen Zloty (Frmrken) geschaffen, Mulche daS Privilegium der NotenauSgave habe» wird. Diese Bank wird auch daS ausschließliche Recht haben, die Filiale« der österreichisch-»« garrschrn und der deutschm ReichSbank zu e r w e r b e n, die sich in Polen befindeu. Die gegenwärtig in den polnische« Gebieten umlaufenden Kronen-, Mark- und Rvbelnoten werdm dann in auf Zloty lautende Noten der polnischen Staatsbank nmgetauscht werden. Dir Prager deutschen Banken-Mtatteder des Verbandes tschechischer Banke». Prag» 26. Juli. (Tfchecho-flvw. Preffbur.) Wie die „N a r o d «i Listy* auS verläßlicher Quelle erfährt, sollen die Prager deutschm selbständigen Banken, wie die B ö y m i s ch e Unionbank, die Böhmische ESkomPtebank und die Landwirtschaftliche Kreditbank Mitglieder deS Verbandes der tschechischen Banken werdm. Diese Mitgliedschaft beziehe sich nicht auf die Wiener Malm. Einlgnng der englische« Negiernng mit dem , Bergarbeitervervand. 6. Juli. (Tel.-Komp.) Der Berüarbritcrverband ‘ 'ewtfli London, _ hat «üer» eineBesprechnng über die Regier un^ Vorschläge abgchalten, die mehrere Stunden dauerte. Heraus hatte der Ausschuß der BergardeiterfSderatian eine Konferm» mit oem RnchSkohlmkontrollox, an die sich eine Unterredung mit Lloyd George anschloß. Dir Vorschläge der Regierung fandm schließlich die Zustimmung der Bergarbeiter. Die Föderation veröffentlichte sodann «inen Mahnruf an alle Bergarbeiter, die Arbeit sofort wieder anfzrmchmen und das vereinbarte Abkomme« loyal durchzufübren. Institut für Snhalationstherapie und physikalische Heilmethode« Dr. Oftermann, IX, Gprtal- Me 1a, Tel. 21L63.Ord. S—12, 8-6. Sämtliche modernen Heilbehelfe für Erkrankungen der MmungSorgane; HheumatiSmen, Gicht, Ischias, Drüsenschwellungen, Bartsiechtm rc. ARgelsste Probleme. Die Nachrichttti iU>cr Unruhen in Jugoslawien sind so plötzlich verstumntt, wie sieaufgetaucht sind und die Delegation der Serben, Kroaten und Slowenen auf der Friedenskonferenz erklärt, daß sie keinerlei Nachrichten über eine Revolte in Kroatien besitze und daß sie Grund habe, diese äuS ungarischer. Quelle stanlmenden Meldungen als vollkommen tendenziös an« zuiehen. Es ist ja leicht möglich, daß ein großer Teil deffm, was in den letzten Tagen über die jugoslawischer Vorfälle berichtet wurde, auf Uebertrerbung beruht, aber daß es Gegensätze gibt und der S. H. S.-Staat vorläufig ein völlig unfer 1 i.ges Gebilde darstellt, ist eine unleugbare Tatsache. ,, Vielleicht sieht man in Serbien ein. daß angesichts deS Widerstandes weiter kroatischer Kreise der Bogen nicht allzusehr überspannt werden dürfe und daß der bisher stark betonte imperialistische Zentralismus Serbiens rechtzeitig einlenken müffe. Eine Belgrader Meldung will wissen, daß zwischen dem Nationalklub und den-Radikalen eine Vereinbarung getroffen worden sein soll, die den Ausbau Jugoslawiens zu einem Föderativstaate bezwecke. K r o a t i e n, S l a v o n i e n, S y r m i e n und das Murgebiet würden den einen, die slowenischen Gebie 1 e den zweiten, Großserbien mit Bosnien, der Herzegowina und Dalmatienden dritteuStaat bildm. Daß man einer solchen föderativen Ordnung, welche die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigt, eine größere innere Festigkeit Voraussagen könnte, als den bisherigen in Jugoslawien zutage getretenen staatlichen Tmdmzen, lugt aus der Hand. Denn unter den jetzigen Umständm bestünde die Gefahr, daß unter dtn so mg verwandten Völkern nationale Gegensätze hervorbrächen, welche zu ernsten Konflikten sührm könnten. , Auch in dm ttbrigm SrckzesstonZstaatm Oesterreichs sind die Berhältniffe zwischen dm Völkern von einer Klärung noch weit entfernt. Wie der Pariser Korrespondent der „N a r o d n i Listh" mitteilt, habe der tschechisch« Minister für Auswärtiges in der Frage des SMnorlteitenfchirtzes erklärt, daß es daS Ziel der tschecho-slowakifchm Regierung sein werde, eine vollkommene Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetze in kultureller, wirtschaftlicher und politischer Beziehung zu schaffe«. Gr wid ersetzte sich aber entschieden jegliche» deutschen Ansprüchen auf territoriale Autonomie. Seine Darlegungen riesen in der Konferenz dm besten Eindruck hervor, so daß von dem engli. schen Autra ge, die Bedingungen des Mino rit ät en sch » tz e L z« verschärfen, abgegangen wurde Md daß man an der msprünglichen Fassung KLosae droht Len Polen. K t a & « «, 26. Juli. (Tel. der „Wr. Morgeryta/) Die Blätter veröffsntLichen eine Rede des tschechischen Landesverteidisungsministers Klofae in Sderberg, in der er erklärte, er münsche, daß die polnisch-tschechische« Besprechnngen Kinstig auSfaÄe«, es werde jedoch nicht seine Schnld sein, wenn der entgegengesetzte Fall eintreten wird. Sollten die tschechischen Truppen zn einer Aktion gewrmgen werden, dann werden sie beweise«, atz sie zn siegen verstehe». Eingesendet. KARL SCHWARZ STEFFI FASS EL 'V’fiGKKX.OKTOH. 27. Jtsli 19X9. GRAZ WIEN 1445 Simon MM / Vermählte. Im Juli 1919. der Klauseln festhielt, welche sich im Prinzip bannt decken, Waden Oesterreichern auserlegt wurde. Die Staatsmänner der Tschecho-Slowakei versichern immer wieder, daß es ihr Ziel sei, die völlige Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze zu schaffen. .■ Was in diesen Worten versprochen wrrd, ist aber nur. eine Selbstverständlichkeit nnd es kommt alles gerade darauf an, welche Bürgschaften man den nationalen Minderheiten zu geben willens ist, daß sie in kultureller, Wirtschaftlicher und politischer Beziehung tatsächlich keine Beeinträchtigtmg zu fürchten hätten. Indem die Tschechen den Deutschen Böhmens die territoriale Autonomie verweigern» bleibm sie bei der N e g a t i 0 n stehen. Wie sie den Deutschen wirkliche Garantien für ihre nationale Existenz geben wollen, haben sie bisher nicht verraten. Jnlmerhin geht aus dem Berichte hervor, daß die Tschechen zu einem Mmontätenschutz in dem gleichen Ausmaße verpflichtet sein werden, wie er für Deutschösterrcich vorgesehen ist. Ob diese'Klausel für den Schutz der Deutschen ausreichen wird, mag man billig bezweifeln, für die ansehnliche jüdische Minderheit der Tscheche- Slowakei, die ja keinen territorial geschloffenen Wirtschaftskörper darstellt nnd eine gesetzlich garantierte kulturelle Autonomie neben der selbstverständlichen bürgerlichen Gleichheit erstrebt, wird sie einen beachtenswerten Erfolg bedeuten, der von den National-, jnden entsprechend auszuwerten sein wird. Die g a l i z i s ch e Frage ist rivch inlmer unerledigt und über das Schicksal rmd die kiinskigr politische Gestaltung Ostgalizienö scheint bei der Entente noch kem endgüirigec Beschluß gefaßt worden zn sem. Ein heutiger Funksprnch berichtet, die Abgesandten der Stadt Lemberg, DombSki und Lo wenherz, seim in Paris eingetroffen, um der Friedenskonferenz über die Angelegenheiten Ostgaliziens zu berichten. * Auch m der A d r i a f r a g e ist daS Los noch nicht gefallm Md zwischen den Forderungen Italiens und den jugoslawffche« Ansprüchm steht eine Verständigung nach wie vor aus. Wie schwierig es ist, eine Form der Lösung zu stnden, da beide Teile auf ihrem Recht bestehen, beweist die italienische Aickzackpolittk» die sich in immer neuen Experimenten versucht. Jtalleuischm Blätter» zufolge will T i t t 0 n i einen nmen Weg zu einem Ausgleich, geftmden haben, indem er die Errichttmg zweier Freistaaten vorschlägt, von dmm der eine Fiume, der andere Dalmatien sein soll. Diese Formel wäre vielleicht geeignet, die jugoslawische Furcht vor einer allzu großen Allsbreitung Italiens zn dampfen, wird aber gleichfalls sicherlich auf den Widerstand der Jugoslawen stoßm, die stch ihre natürlichen Ansprüche auf emm Zugang zn« Meere nicht werden bestreiten lassen. i Markus Müller Tarnow Klara Teitelbaum Zloczow empfehlen sich als Verlobte. Wien» im Juli 1919. me C9de küMlä geb. Wiener Möbel n. Innen- I QpiöA dekoratioe «'dnim ln gritoter Auswthl. Nor gediegene ItfiöR, 8!!., ÖlÖbüllSlSfltÖi 1 0. 2 619 Erzeugnisse. - (Ecke Karl Schweighofergasse). Belagerungszustand i« Nerv- Bo«k. B e r l i «, 26. Juli. (Korr.-Bur.) Der „Lokalanzeige^ meldet von der Schweizer Grenze: Die Dretzinforrnation meldet nuS Äew-Vork: Arber die Stndt Wurde der BelnKernngsznftand verhängt. Es wird angenormnsn, daß diese Maßregel znr Anterdrülknng des Hafenarbeiterstreiks getroffen worden fei. Nach einer Meldung der „E h i e a g 0 T r i b n » e" fei auch über verschiedene Teile der östlichen Anion st aaten der Kriegszustand verhängt worden. Tausende von Soldaten und Matrosen, welche ans dem Dienste entlaffen wurden, durchzögen vielfach plündernd die Dörfer nnd Städte und versetzten die BevöLkermtg in die größte Anruhe. Die Negierung habe scharfe Maßnahmen gegen diese Ausschreitungen angeordnet. Eröffnung der Innsbrucker Warenverkehrs- Halle. Innsbruck, 26. Juli. Wie die Blätter melden, wird die Eröffnung der Innsbrucker Warenverkehrshalle am 1. August erfolgen. Die Warenverkehrshalle ist in de« Stadtsälen untel-. gebracht. Die Verhandlungen zwischen der Handelskammer und dem Staatsamt für Finanzen sind abgeschlossen.. Das Statut der Warenverkehrshalle harrt nun der Genehmigung durch, die Wiener Negierung. Bei den Verhandlmgen wurde mich bei den aus Wien hierher gekommenen Regierungsvertretern das größte Entgegenkvnlmcn beobachtet. Wie die „Innsbrucker Nachrichteu" erfahren, wurden zwischen der Warenverkehrsstelle in Innsbruck und der Landesregierung Berernbarungeu gettoffen, wodurch die Erteilung von Einreisebewilllgungen für auswärtige Besucher e r l e i ch t e r t wird: Allgemeine tzandelSkonserrnz in Amerika. Washington 25. Juli. (Meldimg der Tel. Komp.) Zu der allgemeinen Handelskomerenz, die demnächst in A t l a it t i c C i t y stattsindm wird, werden aus Veranlassung der amerikanischen Handelskammern Frankreich, Italien und Belgien zur Mitwirkung eingeladen werden. Die' Konferenz wird sich hauptsächlich mit der Wirderhrrstellvng der auswärtigen Valuta beschäftigen. Europa soll geschäftlich unterstützt werden. Pelz-Rauh war en « €rre sslmncüung — - besorgt Aus-, Durch- und Einfuhrbewilligung ■ Spezialist in Siebenbörger und gefärbten Lammfellen aller Art, Astrachan- Berebiefelle. Solide und reelle Bedienung, prompteste Durchführung. co« Markus H. Frtthlieh» kl.,?en®digeran 2. \

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