Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 173 (12.7.1919)
- Date
- 1919-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis SMrr 0tMt Mt Austchuutal ' HaÄ» KUmatttch. . . .K V.- ffftrieifSteig 80»- m 40»- «ansfLhrtg. 80.— S ' Mit Postversand: * gEch. . . »K 7.50 i -• »lfShrtg. -» „ SS.—;:■ } fSKriS44.-V-- > >VW 88.—;■■; , W * l? A. rener Ureis HÄe^ WW^»W8: __ . Mäfaw 48818, .te "*"*» IMwli m 173 Wien, Samstag, den 12. Juli 1918 /V*8mmtvattem*i pttifrfßt da»; Mop «Aich . M»rt«nsd»rs Mh.s f ß«W!f«telB .‘< ,, . %leünkiUm tu AdmlüiMöÄ? ■■ ' -^STv Mken.8»d«rstr»8i^ Nr.1-») ' N». iso^s« E 1. Jahrgang Ungarns Schwierigkeiten. Bon nnferem Bndapefter Berichterstatter. . - Weder die innerpolitische, noch die außenpolitische LaA Sv wie tun gar ns weist irgendeinen Anhaltspunkt für die Möglichkeit einer in absehbarer Zeit zu gvwartigenden Lösung auf. Was die innere Lage betrifft, so kann sich die Sowietregierung nach wie vor nuraufdie Bajonette und Handgranaten ihrer te^rrvristi s -chen Rotgardisten stützen, die jetzt, ähnlich tote in der ersten Zeit der Proletaricrdiktatur, wieder zu.ganz besonderer Macht gekommen sind. Aber diese Gewaltmittel können nur' dazu ausreichen, um die Bourgeoisie zu ^unterdrücken und sie .womöglich, von Budapest weg auf das flache Land zu treiben. Die Urb e i Le r s ch a f t, von der bekanntlich der größere Teil nichts mit bolschewikischem Terror gemeinsam haben will, duckt sich trotz der Schreckensherrschaft nicht und gibt ihrer Entrüstung über die Gewaltakte der Räteregierung und dem völligen Berfagen der sogenannten neuen Ordnung nicht selten sogar heftigen Ausdruck. So kam es in der vorigen Woche auf einem Budapester Bahnhof zu panikartigen Szene n, als die dort Vvür Ernährungsdirektorium bestellten Or-' gane den von einer beschwerlichen Hamsterfahrt zurückkchvenden Arbeiterfrauen einen großen Teil der bei der Bauernschaft mit- Mühe und Not und um viel' blaues Geld erstandenen Lebensmittel konfiszierte. Erst schimpften und fluchten die Arbeiterfrauen, dann gingen sie'mit ihren Körben, Taschen und Schirmen aus die bplfchewikischen Schergen los. und als diese den Wider-, stand der die Konfiskation verhindernden Frauen mit Waffengewa'lt zu unterdrücken drohten, ging der Sturm der Entrüstung erst recht los? Auch Arbeiter, die geAnnmen waren, um ihre Frauen vom Bahnhof ab.zuholen, nahmen nun. gegen die Rotgardisten eine b vöDend e'i'H:« l t ü n g ein. Die Fräüete riefen: „Warum wollt Ihr uns aus hungern, während die Herren „Obergenossen" auf der M a r ga r e t e n i n s e l nr i t i h r e n W e i b e r n i n d e r a.us s ch wer fe n d ste.n Weise ein PrasserdÄsein führen! Wir brauchen nicht Euer falsches Geld, für das uns niemand etwas verkaufen will, während für die Damen der Volkskommissäre -Toiletten aus Wien für blaues Geld hergeschafft werden! Die Regierung soll, abdanken!" Fast eine Stunde langkonnte man derlei Protestrufe gegen die Mteregierung und ihre'Organe vernehmen, bis ein höherer Funktionär von. der Leitung der 'Roten Garde erschien und den Frauen die konfiszierten Lebensmittel sowie - das., ihnen weg genommene blaue ' Geld wieder .rückerftasten ließ. Ein eigenartiges Bild bietet sich dem objektiven Beobachter auf. der Margareten insel dar. Abfperrungsmaßnahmen, wie man sie nicht einmal zum Schutze des russischen Zaren geübt haben mochte, Maschinengewehre, Rotgardisten mit aufgepflanzten Bajonetten midi Handgranaten. Hinter diesem Kordon steht man. die D amen der Volks kommissäre lustwandeln oder an Tischen sitzen, ..um zur Seltenheit gewordene Erfrischungen zu sich zu nehmen. Es ist nicht uninteressant, - sich hier, ürit einem der Bediensteten in ein Gespräch einzulassen. Man braucht an ihn keine besonderen Fragen zu richten, , um von ihm. Auskunft ' über die Erbitterung zu erhalten, die sich des ganzen Persmrales der Margareteninsel bemächtigt hat. Die feinsten italtenische n Delikatessen sind auf verbotenen Wegen auch hierher gelangt und werden den Familien der Volkskommissare verabreicht. Hiev hört man noch Zigeunerweisen, die sonst Überall verstummt sind, daher die Kaffeehäüser zumeist geschlossen und die Zigeuner zwangsweise in die Rote Armee ein- . gereiht wurden. Ohne Scheu erklären die Angestellten: „Wenn diese Bande nicht bald verschwinjdet, werden wir ihre protzigen Frauenzimmer in die Donau werfe,:!" i Die Erbitterung der Bevölkerung über die bolschewttische Mißwirtschaft haben klerikale Elemente im Verein mit charakterlosen Judävmagyaren. zu einer Pogrom.Hetze auszubeuten versucht. Diese.letzteren, von denen „um es seit jeher gewohnt war, daß sie ihr jüdisches Vvlksbewußtsein verleugnen und verraten, haben auch eine Massenagitation für die Taufbewegung entfaltet. Was Wunder, daß man. dann ganze-Familien vor den Pfarreien angestellt sah, um das ihnen zur Last gewordene Judentum abzustreifen. Die rechtsihasscrw Arbeiterschaft will jedoch vH n dieser Pogronchetze nichts wissen. Was die Hetzapostel mit dieser Wühlarbeit bezweckt haben, hat der Westmrgarn an Dentschöfterreich? Die Gebiete bei Gmünd und Feldsberg an die Tschechen. S aint- G ermarn, 11. Juli. (Korr.-Bür.) Der „Temps" meldet: Der Oberste Rat hat ht seiner heutigen Sitzung den Präsidenten der Kockmission,die mit der Bestimmung der österreichischen Grenzen betraut ist, Tardie«, angehört. Diese Kommission hat vorgeschlagen, den T.s.ch e ch o - Slow aken die wichtigsten Teile jener Grenzberichtignngen, die, zu ihren Gnnsten in den Gebieten von Gmünd und Feldsberg vorgenommen murden, zu belassen. Außerdem hat sie angeregt, den Tschechen angesichts der Tatsache, daß day österreichische Territorinm auf Kosten Angarns in der G e g end. zw is ch en der D o n au un d der ju g o s l awi s ch e « G r enz e v e r g r ö tz e r t wer p e n s o t l, den Brückenkopf am Südufer der Donau gegenüber Pretzbürg ^einznranmen.' ' -'' v - - Oer- FÄnserrat gegen die Polen. Fsch fordert die sofsMge EinftellMg des pslnischert Vormarsches. » NerV-Dorb, 11. Juli. (Zunkspruch.)Arzs Paris wird gemeldet: Gestern verlas ElemeneeaU im.FLinferrat ein TbLegramm, welches über den Vormarsch der-Poien berichtete,! der sich Lerests einige Meilen üb er die zu g estand enen Gr enz en hinaus, erstreckt. MarschÄL F o ch hat hierauf M Auftrag des Fünferrates an P a d e r e w s stt tele gr ap hie r t, daß P i l s rr d s st i s o f o vi d e n weit e x e n Vormarsch e i nzust e ll e n und sich ans die p o Lnische« G r e nz en zurückzuzieh en habe, widrigen f ü l l s die Fried e n s L o n f e reu z n « m i t L e l L a r e i n f ch r e i t e n würde. § . DeMMandfordert Ae AMebnE der Blockade . > und MWWörWMg der MiLgsgefangenen.'^-! Zusannnen- B'Rr^ i-ch ''. lil JÜlü - fKörr.-Bm.) Der Vorsitzende. de^Le«tschcht-/.Kr.LedensÄelahiM0.n..i«' Frankreich, Legationsrat Freiherr v. Lersner, ÄbermittMe dem Ministerpräsidenten C l e m e n eeau am 10. Juli, vormittags, folgende Röte: Eurer Exzellenz beehre ich mich, im Aufträge der deutschen Regierung mitzuteilen, daß der d e u t s ch e 'R et ch s p r ä fi d ent die Ratifikationsurkunde zu dem am 28. Juni Unterzeichneten Friedendvertrag und dem dazu gehörenden Protokoll und der am gleichen Tage Unterzeichneten Vereinbarung über die militörische Besetzung der Ah einlande nach erfolgter Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften am "9. Juli vollzogen hat. Die RaLisikationsurkunde ist mit einem besonderen Kurier nach Versailles abgegangen und wird von mir nach ihrem Eintreffen alsbald überreicht werden. Die deutsche Negierung sieht nunmehr einer Mitteilung über die Aufhebung der von den allirerLen und affoziieLten Mächten gegen Deutschland verfügten Blockadewatznahwen entgegen. Sie gibt sich ferner der Erwartung hin, daß nunmehr auch die H e i m b ef,ö ederung derdeut s'ch e n Krieg s g e f a n g en e n ununverzüglich in die Wege geleitet wird und bittet, ihr auch hierüber baldmöglichste Nachricht zngehe« lassen zu wollen. ’ > t Die Südslawen räumen Klageusurt. - Spittal a. d. D r a u. 11. Juli. (Korr.- Bureau.) Die militärischen Verhandlungen Über den Waffenstillstand sind beendet. Rach den Bestimmungen desselben sollen die Südstawen Montag den 14. d. M. um 5 Ahr nachmittags Klagenfnrt raumen «ndr über die bekannte Demarkationslinie zurückgehen. Drei Stunden spater rücken unsere nur allzu deutlich gezeigt'. Die reaktionäre und autisemittsche Richtung, die, man der gegenrevolutivnären Bewegung gegeben hat, verstimmte den größten Teil der Arbeiterschaft, die gerne gegen i$tt Bolschewismus mittun würde, toenn sie nicht die Angst vor der,Reaktion ( davon abschreckte. * :'• Der Bolschetvis'müs in Ungarn, das Versagen seiner Produktionsmethode, die Willkür seiner Schreckensherrschaft hatten aber auch für d ie Juden in Ungarn manche heilsame Lehre gebracht. Viele ^Hunderte, die früher von ihrer Zugehörigkeit zunt jüdischen Volkstum nichts wissen wollten, drängen sich.jetzt an den kleinen Klub in der K ö n i g s g a s s e herdn. Das P a l ä st i n aamt weist Massenamneldungen von Auswanderungslustigen auf, tvie man sie sich vorher nie hätte träumen lassen. Natürlich ist hier eine vorsichtige Auswahl jener Personen zu treffen, mit deren Ausreiseermöglichung sich das Palästinaamt überhaupt befassen.will. Biele der Ab gewiesene n h aben sich .daher an die Offiziere d er amerikanischen Mission,, die in .Budapest weilt, mit der Bitte gewendet, daß ihnen die Reise nach Palast in a ermöglicht werde. Ob derlei Schritte von Erfolg begleitet waren, ist bisher nicht bekannt geworden.' Was die außenpolitische Lage betrifft, so fefot DM, .Dm, ,nMleh,p, eingesehen zu haben, M -© Sicherungstruppen in Klagenfnrt ei«. Die wirtschaftlichen Verhandlungen beginnen nach der Räumung Klagensurts und erstrecken sich aus den freien Verkehr, Schutz des Eigentums und der Personen und die Rückkehr der FLüchtLinge,. Gefangenen und Internierten, weiters auf die Entschädigung der Kriegsschäven ustd anderes. - , Clemenoean in d?n- Falle gegangen ist, während' er ursprünglich glaubte, der Ententediplomatie ein Schnippchen schlagen zu können. Ihm war es um-nichts' .anderes zu tun, als unter Verzicht aus noch so große -Mle des Landes die A nerkennung der Näteregierung als solcher zu erlangen. Nun mußte er., es hören, daß die Pariser Konferenz mit einem bolfchcwikischen Ungarn absolut keinen Frieden zu schließen . ^geneigt, ist. Er hat sich daher entschlossen,, den Kampf von neuem aufzunehmen und: die vorläufige Waffen- ' stillstandspause zur Vergrößerung der MunitionsvWäteder- Noten Armee auszunützen. „Wenn dies geschehen ' ist", erklärte der Stellvertreter Kuns, Julius, ^ll-! pari, „werden wir pert Kanrpf von neuen: beginnen^-, da wir einsehen gelernt haben, daß eine Friedenspolitik' gegenüber imperialistischen Regierungen unserer- Räte-. repüblik nur' zun: Verderben gereichen kann." Tatsüchlirhs' spricht man bereits in eingeweihten Kreisen voi: Vorbereitungen für einen, neuerlichen' Feld'zugi g e g e n R u m ä n i e n. Alle Urlauber wurden wieder, einbernfen und auch von neuen Misiterungen ist dte Rede. Jetzt dürfte wohl-der Zeitpunkt gekommen sein, wo sich die Entente mit der Wiederherstellung der Ordnung in Ungarn ernstlich bcfasM niüßte. ■