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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-03 · Heft 75 (3.4.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 75 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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April.;' / 2Bte wenig sich in Deutschland die Revolution innerlich durchgesetzt hat, beweist das Austreten der Wnner von der Rechten in der Nationalversammlung, beziehungsweise in der preußischen Landesversammlung. Picht daß man etwa von Herrn v. Kardorff eine geizige Umorientierung erwartet hätte, aber daß er es ßyagte, eine Rede zu halten, die vom Ministertische »V. Ruf nach der Gegenrevolution bezeichnet wurde, M charakteristisch. Scheidemann hat in einer Rede in der Nationalversammlung gegen die Reaktionäre, die Versammlungen fit« Deutschlands Unteilbarkeit zu nionarchistischen Kundgebungen benützten, scharfe Töne abgeschlagen und von.^politischer Sabotage" gesprochen. BvLanntlich brachte man auch Ludendorff Straßenvtzatipnen, der, wie es heißt, zufällig die Straße passterte. Während sich in Deutschland solches begibt, argwöhnt man in der Presse der Entente ein geheimes Zusammenarbeiten der deutschen Regierung mit den Maschen Bolschewiken, und dies zu einer Zeit, da in Deutschland fortwährend freiwillige Truppen zum Schuhe der deutschen Ostgrenzen gegen Polen und Bolschewiten geworben werden. .^Interessant ist, daß der mehrheitssozialistische „BoHpärts" die offiziellen Werbeaufrufe in großen Lettern abdruckt, während die bürgerliche „Frankfurter Zeitung" die Gefahren erörtert, die aus der Aufstellung einer neuen Freiwilligenarmee für das neue Deutschland entstehen 'könnten. Das Frankfurter Blatt ist der Meinung, daß man versuchen sollte, mit der russischen Sowietregierung in Verhandlungen zu treten, die auf ^ec Grundlage der gegenseitigen Verpflichtung zur Nichteinmischung in innere Angelegenheiten geführt *When könnten. Es läßt sich freilich nicht bestreiten, h^^E^dlfchewistisMNachbarschaft v für Deutschland eWvGtzfahr bedeuten könnte. Aber andererseits läßt HV nicht beurteilen, ob die Gefahr nicht größer ist, dar unter neuem Namen eine Wiederauflage der alten Armee zum Vorschein komme, die dann ein brauchbares Instrument bilden könnte, um die schwachen Er- Liegenschaften der Revolution mit einem Schlage zu pes^i.igen. Denn es ist nach allem fraglich, wie lange ^heutige Regierung eine Armee in der Hand behalten kann, deren Kommandant Hindenburg, deren Generalstabschef Hoffmann ist und die von dem Offizierskorps des alten Regimes geführt wird. Hätte Deutschland fron Anfang an ein demokratisches Volksheer geschaffen, auf das ein wirklicher Verlaß gewesen wäre, so wäre die. -Sachlage wesentlich ' anders. Welcher Geist das Militär beseelt, davon gibt ein Bericht des „Vorwärts" Zeugnis, laut welchem eine Gardekompanie in Schönend bei Sozialdemokraten Hausdurchsuchungen hielt, Frauen mit Brutalitäten bedrohte und den Arbeiterräten Erschießung in Aussicht stellte, wenn sie sich noch mit der roten Binde sehen ließen. Einzelne Abteilungen verteilen auf Bahnhöfen Flugblätter mit Ekerverhetzenden Spässen, auf deren Rückseite es heißt: Wer bei . uns eintreten will, beantworte erst gewissenhaft folgende Grundfrage: „Bin ich fähig, mich wieder wie früher vollständig meinen Offizieren unter zuvrdnen?" Daß ein Polenschutz überhaupt nötig sein soll, ist allerdings Schuld der Friedenskonferenz, die zögert, ein. deutliches Machtwort zu sprechen und sich anscheinend nicht einigen kann. Man sollte doch meinen, daß die Franzosen, die entschiedensten Vorkämpfer eines Gvoßpolen, bei gutem Willen so viel Autorität haben müßten, um die Polen zur Ruhe zu verhalten. Herr Noske hat letzthin versichert, daß man nicht offensiv Vorgehen wolle und mit Rußland in Frieden lehen möchte. Es wäre in der Tat wünschenswert, dah man versuchte, zu diesem Ergebnis zu gelangen, statt ^ruppemnassen aufzuftellen, gegen deren Verhalten man bald keine Sicherheiten hätte. Auch die zivilen Behörden würden eine Auffrischung dringend brauchen, denn hier nterkt man von neuem Geisteblutwenig. Der „Vorwärts" beklagt sich, daß die Anordnungen der Regie rung nicht ausgeführt werden. In Pommern seien die Gemeindewahlen gar nicht angeordnet worden. Aus allen Landesteilen berichte man, daß sich die Landräte, Regierungs- und Oberpräsidenten um die neuen Verfügungen der Regierung gar nicht kümmern. Interessant ist auch ein Fragebogen für Stellensuchende, dxn eine Eisenbahndirektion in Berlin ausgibt. In der Unsumme von Fragen, die die Petenten zu beantworten haben, gibt es solche nach der Religion, dem Stande Freier Handel der Entente mit Dentschösterreich. Die amerikanische und englische Mission haben dem Staatsamt für Aentzeres mitgeteilt, daß die freie Einfuhr aller Waren nach Deutschösterreich, mit Ausnahme einer beschränkten Anzahl militärischer Artikel, zugelassen wird. Ausfuhr nach Deutschland und. Rußland ist untersagt. -_■ Vom grünen Tisch in Paris. Die Schadloshaltung. — Die polnische Frage. — Bestimmung der Grenzen Tschechiens. — Die Landung in Danzig. — Hilfe für Rumänien. — Das Saar- -ecken unter französischer Kontrolle. Paris, 2. April. fAgen« Havas.) Dte vier NegterungsoberHäupter hielten gestern Sitzungen ab. Vormittags beschäftigten sie sich anscheinend mit der Frage der Schadloshaltung und machmittags mit der polnischen Frage. Die Minister des Aeußern der fünf Großmächte hielten nachmittags eine Sitzung ab. Nach den Ausführungen Jules C a m b o n s wurden die Beschlüsse des Ausschusses für die Grenzen der Tschecho- Slowakei, dessen Vorsitzender Cambon ist, grundsätzlich angenommen. Die Frage des Teschener Bezirkes wurde noch nicht gelöst. Amsterdam, 2. April. (Kvrr.-Bur.) „Älgemeen Handelsblad" meldet aus 'Paris, daß die Entente fest entschlossen sei, ihren Willen bezüglich Danzig s d u r ch z u s e tz e n. Dte Truppen des General Haller würden in Danzig und in einer anderen Stadt ausgeschisft werden. Ueber das endgültige Schicksal Danzigs wurde noch kein Beschluß gefaßt. Außerdem'erfährt das Blatt aus Paris,, daß die Alliierten den. von den Bolschewiken umringten. R umanen Hilfe angedeihen lassen werden. General M a n g i n, der mit Clörnenoeau eine Unterredung hatten werde sich nach Bukarest begeben. Amsterdam, 2. April. (Korr.-Bur.) „Algemeeu! Handelsblad" erfährt aus Paris, daß die dort eingetrosfene aus sechs Republikanern und sechs Demokraten bestehende Delegation des amerikanischen Kongresses mit Wilson eine Beratung hatte. Dte Delegation erklärte auf Befragen, daß sie einen g ü nstigen Eindruck empfangen hätte. Der größte Teil der der Friedenskonferenz unterbreiteten Fragen werde in kürzester Zeit gelöst sein, so daß der Friede bald Zustandekommen werde. Wilson sagte, daß dte Entschädigungsfrage sehr verwickelt sei und aus!- diesem Grunde eine Verzögerung zu erwarten sei. Paris, 2. April. (Korr.-Bur.) Der Viererrat erwägt den Plan, Frankreich dte wirtschaftliche und poli-- tische Aufsicht über das Saarbecken zu geben,, bis die Gruben Nordsrankreichs wieder leistungsfähig , sind, was voraussichtlich fünf Iahr>e dauern wird. ' - ..; . > - . . ■ Die Sparmaßnahmen ab heute aufgehoben. Verlängerter Stratzenbahnverkehr. — Erweiterung der Stromlieferung an Fabriken und Gewerbebetriebe. Das Staatsamt für Handel und Gewerbe hatirn Hinblick auf de« g eb e s sorten K o h l e n e i n l a n f der städtischen Elektrizitätswerke mit Wirksamkeit von heute verfügt, daß die am 6. März ISIS in Kraft getretene Verkürzung der Betriebszeit der städtischen Straßenbahnen außer Kraft zu treten hat. Im Zusammenhänge damit wurde das Verbot, demzufolge in allen Fabriken und Gewerbebetrieben der Betrieb nicht vor 8 Ahr morgens und in Kanzleien und Kontoren sowie in Schulen nicht vor */,S Ahr morgens ausgenommen werden darf, aufgehoben. Alle anderen hierdurch nicht berührten Sparmaßnahmen bleiben aufrecht. Die endgültigen Grenzen der Tschecho-Slomakei. Bevorstehende Rede Mafaryks über die tschechische Politik. Prag, 2. April. (Korr.-Bur.) Das Abendblatt des „Pravo Lidn" schreibt r Cs verlautet^ daß das Ministerpräfidium ans Paris eine radiotelegraphifche Nachricht erhalten habe, daß in den nächsten Tagen die genauen Grenzen der tsch echo-slowakischen Republik, über die gestern itJ Paris endgüktig entschieden wurde, werden amtlich verlautbart werden. Präsident M a s a r h k werde aus diesem Anlaß eine Botschaft über die äußere und innere Politik der tschecho-slowakischen Republik persönlich in der Nationalversammlung verkünden. Es ist sicher, daß die neue Botschaft des Präsidenten in der Nationalversammlung eine große politische Debatte im Gefolge haben werde. Deutschland bekommt seine afrikanischen Kolonien nie mehr zurück. London, 1. April. (Tel.°Komp.) Die „Times" veröffentlicht einen Bericht ihres Mitarbeiters für Kolonialangelegenheiten, in dem das Problem der deutschen Kolonien behandelt wird. Zn dem Bericht heißt es r Bis jetzt ist die Frage der deutschen Kolonien in Afrika vollständig ungeklärt. Soviel ■mammmmmmümmmmmmmmmmmmmmmKmmmaammmmmm des Vaters, mit Wern verheiratet, Alter rmd Religion der Frau, Name und Stand des Vaters der Frau, ob inr Besitze von „Orden und Ehrenzeichen oder Kriegsdenkmünzen, Dienstauszeichrmngen und welcher"? Wie man sieht, die unverfälschteste Demokratie, die jedenr Erzfeudalen Spaß machen müßte. Es wird in Deutschland jedenfalls noch durchgreifender Arbeit bedürfen, bis ein wirklich neuer Geist gewährleistet und das Alte dauernd begraben sein wird. Inzwischen schwelt es beständig unter der Decke, wieder drohen die Streiks um sich, zu greifen und in Stuttsteht fest, daß diese Kolonien nicht an Deutschland zurückgegeben werden. Da sämtliche Mächte ein Interesse an Afrika haben, ist es; notwendig, eine Kommission zu bilden/' die von einer in Afrika desinteressierten Macht! ernannt werden soll. Diese Macht kann nur Amerika sein. j «"»Mi!»'...... in« m miniiiif im gart und Frankfurt wird geplündert und geschossen.! Der Hunger und die Unzufriedenheit der Massen, das» Mißtrauen gegen die Regierung machen den Agitaiorerv sicher die Arbeit leicht, aber letzten Endes ist wohl dey Sklave, der die Kette gebrochen hat, schuld, daß e^ immer wieder bis zu scheußlichem Blutvergießen kommen! muß. .Man hat die Deutschen zu lange und zu gründlich^ im Drill und kritiklosem Respekt vor den Obrigteiten! erzogen und es wird Zeit brauchen, bis die deutsche' Welt von diesem deutschen Wesen genesen tvird. ’

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