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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-25 · Heft 38 (25.2.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38 (25.2.1919)
Date
1919-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Februar ist der Friedenskonferenz die zionistische Enunziation zugegangen, welche die Ansprüche deS Judentums auf seine Heimat und seine Freiheit feststellt. Es liegen auch bereits Meldungen darüber vor, daß die Friedenskonferenz vermutlich beschließen wird, unter Anerkennung der Rechtsansprüche der Juden auf Palästina dieses Land unter den Schutz des Völkerbundes zu stellen, der England das Mandat übertragen wird, als Sachwalter des Völkerbundes die Errichtung Palästinas als jüdische Gemeinschaft durchzuführen. Gleichzeitig erklärt die „Times", der Besitz der Juden in Palästina müsse vollständig sein, da es. keine Jrredenta in Palästina geben dürfe. Damit tritt die Entwicklung der jüdischen Politik in ein Stadium, das die Lösung der Judenfrage in eine ganz neue Bahn lenkt und ihrer Verwirklichung entgegenführt. Was das jüdische Volk fordert, ist nicht mehr und nicht weniger als was alle anderen Völker haben: , die eigene Scholle, die Möglichkeit, die Kraft des Volkes an einem Punkt zusammenzufassen und der Gesamtheit dienstbar zu machen. Das ist ein Recht, bas uns von niemandem streitig gemacht werden kann und von niemandem zugestanden zu werden braucht. Es ist ein Recht, das mit uns geboren wurde und das Mrch die jahrtausendelange Unterbrechung' nichts cm seiner Aktualität eingebüßt hat. Wir konnten durch Waffengewalt, durch den Lauf der Geschichte die Heimat verlieren und von ihr ferngehalten werden. Nun aber, wo es scheint, al§ ob nach der Verwüstung des Krieges die Bedrückung der kleinen Völker einem gesünderen Zustande in dem Verhältnisse der Nationen zu einander Weibchen sollte, kehrt die Geschichte des jüdischen Volkes wieder zu ihrem Ausgang zurück: Das Volk ohne Land fordert das Land ohne Volk. Die europäische Oeffentlichkeit ist bisher vielfach über die jüdischen Forderungen falsch oder garnicht unterrichtet worden, und bas beliebteste Argument unserer Feinde — es waren zumeist jüdische — bestand darin, daß in Palästina, das übrigens zu klein sei für das jüdische Volk — die nationalen Interessen der Araber stärker seien als die jüdischen. Man hat eingewendet, der Papst werde als Oberhaupt der katholischen Kirche und als Wortführer der ganzen Christenheit niemals die Auslieferung der „heiligen Stätten" an die Juden zulassen. Diese Argumente fallen heute in nichts zusammen. Die enge Vlutverwandtschaft zwischen Juden und Arabern wird das Ihre zur Beseitigung der vorhandenen Mißverständnisse beitragen, und was die Meinung des Vatikans anbetrifft, so liegen bereits genügend deutliche Erklärungen sowohl dieser Stelle, wie der zionistischen Organisation vor, die eine Einigung über die Exterritorialität als durchaus möglich erscheinen lassen. Wir wollen niemandes Kreise stören, wir kennen keine Antastung der Gewissensfreiheit und wir wollen von keiner Unterdrückung der nationalen Minorität etwas wissen. Das Schicksal unseres Volkes in einer zwevtausendjährigen Verbannung ist eine genug deutliche Lehre, die uns vor einer Nachahmung der Methoden des europäischen Imperialismus schützt. Zudem werben auch die Fäden, die das jüdische Neuland mit den Ländern des Exils verbinden, so stark sein, daß ein lebendiger Kontakt zwischen den Juden der ganzen Welt und Palästina sich einstellen und die Oeffentlichkeit über unsere politische und wirtschaftliche Arbeit jederzeit aufgeklärt werden wird. Es ist ein anderes Judentum, bas heute vor die Friedenskonferenz hintritt, um ihr die Wünsche deS jüdischen Volkes vorzutragen. Am Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts waren es einige wenige jüdische Geister, die in Frankreich und in Deutschland die Gleichberechtigung für die Juden verlangten und als höchstes Ziel das restlose Aufgehen der Juden in ihrer Umgebung hinstellten. Ein ganzes Jahrhundert lang hörten die europäischen Völker stets nur diesen Wunsch und es ist kein Wunder, daß aus dieser Negation des jüdö> schen Lebenswillens nichts Ersprießliches hervorgehen konnte. Erklärte doch der Rabbinerkongreß, den Napoleon einberief, es sei das Ideal der Juden, Franzosen MMm ganM. MMMrt. wußte ve.rgehe^^ Clemenceau will raschen Frieden. Paris, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Einer amtlichen Meldung zufolge bezweckt die Anter-l redung Clemeneeaus mit Valfour und Oberst House, die Friedensarbeit rasch in Ordnung zu bringen. Clemeneeau empfängt wieder. Paris, 24. Februar. Ministerpräsident Clemeneeau hat den Minister des Auswärtigen, P i ch o n, empfangen und sich mit mehreren Persönlichkeiten über laufende Angelegenheiten unterhalten. Der Friede wird bis 1. Juni unterzeichnet. Paris, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Der „Zntranfigeant" meldet: Die Friedensbedingungen werden, soweit sie sich auf die militärischen und maritimen Fragen sowie auf das Flugwesen beziehen, am 28. Februar, nach der Rückkehr Lloyd Georges nach Frankreich, zur Unterzeichnung fertig sein, der Rest des Beratungskomplexes bei der Rückkehr W i lsons. Zn Konferenzkreisen erwartet man, daß der Friede spätestens am 1. 3 is it t u n t e r | i ch tt k t j rinw i r t>\ Wilsons Ankunft in Amerika durch schlechtes Weiter verzögert. Paris, 24. Februar- (Te!.-Komp.) Eine drahtlose Meldung dom „George Washington" teilt mit, daß die Ankunft Wilsons wegen Regenwetters erst Dienstag möglich sein werde. Rücktritt des spanischen Ministerpräsidenten. Dato wahrscheinlicher Nachfolger. Madrid, 24. Febmar. (Tel.-Komp.) „El Sol" meldet: Der spanische Ministerpräsident Nomanones ist heute zurückgetreten. Als sein Nachfolger gilt Dato, der mit Alba ein Geschäftsministerium bilden wird. Ein jüdischer Kongreß in Kanada. Kopenhagen, 24. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Am 16. März findet in Montreal der erste kanadisch-jüdische Kongreß statt. Cs find bisher 200 Delegierte angemeldet. Die palästinensische Delegation bei Lord Balfour. Kopenhagen, 24. Februar. (Tel. der „Wr) Morgenztg.") Die Delegierten der Palästinensischen Zudenheit zum Zionistenkongreß in London sind am IS. Februar von Lord Balfour empfangen worden. Zm Namen der Delegierten gab David Bellin dev! Dankbarkeit für die tatkräftige Unterstützung des palästinensischen Wünsche Ausdruck. Zn seiner Antwort wies Lord Balfour darauf i hin, daß zwar die Wiederherstellung der jüdischen Heimstätte, wie jeder große Plan, auf Schwierigkeiten stoße. Es fei aber sicher«- daß durch die energische jüdische Arbeit sowie durch die Anterftützung Englands, Amerikas und der anderen Länder alle diese Schwierigkeiten beseitigt werden würden. Austeilung des GroßgrniM besitzes in der Ost-Ukraine. UP* Winnltza, 23. Februar. (Radio.) Landwirtschastsminister Archipenko haS mit der Agrarkommission deS Vorparlaments ein Einverständnis erzielt, das in der nächste» Sitzung allen Delegierten zur Entscheidung vorgelegt werden wird. Es wird eine Auf»! teilung des Großgrundbesitzein der Ost-Akraine an die Bauern gegen Bar», zahlung vorgenommen und die Wahrung dsH bäuerlichen PrivatbefitzeS ausgesprochen. Die ukrainischen Kriegsgefangenen in Italien werde) gegen die Bolschewiken formiert. Paris, 24. Februar. Dem ukrainischen Zn»! formationsbureau zufolge find die ukrainischen Kriegsgefangenen in Ztalien, deren Zahl: etwa 100.000 beträgt, von den übrigen reichisch-ungarifchen Kriegsgefangenen abge* sondert worden. Sie werden in Divisionen eingeteilt und nach Odessa geschickt werden, wo sie in die ukrainisch« Armee, die gegen die Bolschewiken kämpft, eingerelh^ werden sollen. bis Von Rußland her schüchterne Stimmen tönten, die in dem Gebrause der Welt untergingen, die von einem jüdischen Volkstum sprachen, das Anspruch auf sein Vaterland in Palästina erhebt. Diese Forderung nahm dann mit ungleich größerer Wirkung Theodor Herzl auf und im Jahre 1897 proklamierte der Basler Kongreß das Programm, welches die Schaffung einer öffentlichen rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk als das Ziel der zionistischen Arbeit erklärt. Es hat einer zwanzigjährigen Arbeit bedurft, um dieses Basler Programm im jüdischen Volke zu verbreiten, um seine Heimatsehnsucht durch die Schaffung einer festen geschlossenen Organisatio» der Verwirklichung näher zu bringe«. Es hat schwerer Kämpfe bedurft, ehe wir dieses Minimalprogramm gegen die jüdischen Führer, gegen die Gewaltigen in Israel durchsetzen konnten. Und es trifft sich gut, daß vir.-Vorlage unserer Mnjchr an^die FriMntzkoujerenz in dem gleichen Zeitpunkte geschehen ist, wo unserer Organisation in schweren Wahlkämpfen in Polen und' in Wien, irn Osten und im Westen, die Schlagkraft undl die Zielsicherheit ihrer Idee siegreich beweisen konnte^ Erwartungsvoll sieht das ganze jüdische Volk nun-c mehr nach Paris, wo über fein Geschick entschieden^ wird. Wir hpffen, daß das Los für uns fallen rvird^ Sollte aber wider Erwarten die Weltkonferenz dey Diplomaten ein anderes Urteil fällen, so ist die Geschichte des jüdischen Volkes damit noch nicht beendigt. Wir haben warten gelernt und werden eben weiter arbeiten. Aber so lange das Unrecht nicht gesühnt ist, unter welchem das jüdische Volk leidet, so lange eH ein Volk gibt, das, in tausend Teile zerrissen, den Traums seiner Einheit nicht erfüllt sehen kann, so lange wirb' es keinen Frieden geben. Wir warten aus Gerecht tiMt. *e— «Bi

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