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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-02 · Heft 15 (2.2.1919) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 15 (2.2.1919)
Date
1919-02-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Kt. IS Mien, Sonntag . --.■■**«*wi- Wlenee Morgenzeituttg S. Februar ISIS Seite 7 -■ — .-...w(»»ii.nit»r>i^-'iiimi^y|gif8ntn>»l'i».Mi«1>.ii.i<M j RtdakMtlle IdMni: nmtta milltr. Der neue Weg der Frau. ...., Mit eines Plötzlichkeit und Selbstverständlichkeit, welche bje. kühnsten Hoffnungen überstieg, ist den Frauen. Deutschlands und - Oesterreichs das, Wahlpechk'Mgefalleü Es tyac ihr GegMtzil im großen FeldzuM stm dasHrDe'nst'lmmrecht eine kleine Kampfpause jeingetreten, und '.die' Frauen, hie sich ganz und voll ihrer Kriegsarveft..hingAhen,„MchM..M^"Mrn, baß stürzte ein mnd)der Hann - «rannte, daß er bei der. schweren Arbeit bds Wiederaufbaues auch Me Mthilfe' der FMu . brauchen wiHde.Er rief, sie zur Mta'rbeit und das in einem Augenhlick.wp/ schweres Aufgaben und tiesgreißepde Entscheidungen nur die. Heften und Tüchtigsten berufen erschmnen" lasfen, anbeit Fundamenten des' neuen. Staates mitzubanetzr 'Die ersten, Wahlen, an denen die Frauen teiluehmett sollen,> sind jene zurexsten'- NationalversaniNuNg, die ungemein wichtig 'Und. hebsutungSschwev .sind--. Der großen Masse der' Frauen, wird durch ihr neues Recht eine nicht geringe. KerayLtvsrtung aufgebüxdech.Die Frauen, .bilden die große Hehrheit d»:r Staatsbürger und ihre Stimmen werben D^MatzgeheD-Mn ^für den Ausgang der Wahl. ES HA-- dur^m inaßen.Parteien 'sin grotzeK. Perben, um, ■ dt?-''Uralten, eingesetzt. Auch jene Parteien,-die ehekem «MiaH-den Hrauen - das Wahlrecht züerrannt hätten, hstN.H.Ute entZücki,- dü Fr<Mn.a.lK.HL'hlettnnen itt ihre PsUH ^üfrMMn zu können. Wir'aber, fragen uns mit i etnigL-tsBefürINiZ: Sind die brei'en Massen der Fvästett! Deu'tfchösterreichs heute schon Mf für dU PoliM Wer-; den sie ihre Stimmen denr -Fortschritte in dev Freiheit geben :sder der dunkelsten.' Reaktion.? . Werdensie sich - überhaupt - klar sein - über die Bedeutung-- > die ihrer ^MkaHms-aN'beN-WaWn-zuketnm't-- / ■ - -•* - ,'Auch-',Htz. Frau! . die sich.biZhervom .öffentlichen LdbÄ.r volistäMgferngehMeU -und-Mur ihrem Hause wird'zu den -npne.lt Fratzen' Stellung nehmen Politik tiefst -De- Zölle und Steuern wird unser ganzes wrrLschastliches Leben 'beeinflußt, 'bis 'zum -Bissen' 'täglichen Brotes. Die Lage mcd Entwicklungunserer ' Industrie - ist vielfach.. von .der - PolixiL abhängig .und tmnyt die Lohn« Verhältnis, die . Erw^rbsmöglWeiten. M jeden einzelnen Bürger. Dir Gesetze des Staates greifen. ins Schullcüen ein, bestimmen hrm Lehrweg und den Berufseintritt der FraUsn, die sich zu Lehrerinnen, Krankenpflegcxknnen,' Hebammen, usw. ausbilden oder einen Kr Männerbetufe ergrersen, '.in denen' unsere Gatten Und Söhne wieder die'Macht des Staates fühlen. Wie und mie-teuer wir wohn?.n,was wir essen und was Wir dafür bezahlen müssenwelche Berufe sich den einzelnen erschließen und ^toas^r'darin verdient — das'alles ist Sache des Staates. Wie sollte, da hie Fraudie-Nicht-nur eigene-Leiden trägt, sondern unter ftyr'. Last, "die Gatte, Brüder,'Kinder schleppen, geseufzt hat,.' nicht 'den .heißen- Wunsch empfinden, dort Einspruchsrecht zu erlangen, wo die Formen gesoffen werden/ denen f ichunser aller. Leben ein fügen muß. 'f"F ü r die Franc n b c de nt et Politik nicht Mü ch ts n ich t Mi l ttar ismms und JMperialis m ns, nicht Rüstungswahn und Annexion Sgelüsie, für. sie,.,.bebentet Politik Gerechtigkeit und Volkswohlfahrt. Die Frau wird daher ' für eine gesunde Volkspolitik in Stübt und Land ein treten, für eine gerechte Verteilung Mr^Stsirern,. für die Verbilligung von Lebensmitteln und Äedarfsartikeln durch eine gesunde Wirtschafts- PoMk, welche nicht der Bereicherung von heimischen Mrv'risrn und GroßunteLndhmertt zuliebe die Grenzen gegen den Import sperrt., Sie wird für Erleichterung Lei Berufsantritten, bei Ausübung von Gewerben eintrewn Und immer die Rechte der Armen auf ein menschenwürdiges Dasein, auf die Hilfe und Unterstützung durch dir Gesellschaft verfechten. . -Ihren Anschluß an eine Partei darf die Frau nicht blind und urteilslos vollziehen. Ihre Stellung zur Familie, zum Volke, zu allen Volks- und Menschheitsfr.agen muß ausschlaggebend für die Richtung dieses Anschlusses sein. Das Locken von Schlagworten» ein gleichgültiges Nachfolgen, darf sie nicht irreleiten. Ihr ganzer innerer Mensch muß ihr die Richtung weisen. Kat sie aber einmal sich eine Meinung gebildet und ihren Anschluß vollzogen, dann muß sie daran festhalten und darf sich Nicht durch das blendende Feuerwerk schöner. Redenimmer wieder davon abbringen lassen. Sie soll der Partei, der sie sich angeschlofsen, ein tteuer, verläßlicher Mitarbeiter sein. .. .'..^Diefr ernste Beschäftigung mit der .Politik ist sicherlich nicht unweiblich'. Sie bedeutet kein Aufgeben alter Ideale von Weiblichkeit, sondern gibt im Gegenteil der Frau die Macht, im Guten zu wirken, und Hilfe den Bedrückten gegenüber ist höchste Weiblichkeit. Die Frau geht darum ihrem Hause nicht verloren; aber sie lernt es.,- dafür zu. arbeiten,. daß der Grund, auf dom ihr Haus steht, gefestigt werde. Sie wird ihrer Häuslichkeit nicht entzogen, aber sie kann und wird' dafür rinstehen, düst Laufende Frauen des kleinen Mittelstandes' und bep Proletarierkreise ihrem Hause- und ihrem Weibtums zurückgegeben werden, die jetzt in schwerer Tngesfron- Frohsinn, Kraft und. Gesundheit einhüßen. Mit der -Arbeit-- im.Kleinen, wie sie es bisher geübt, dem Stützen und Helsen ist rmr^wenig getan gewesen, denn, wie Lassale den^Arbeitern gesagt: Man? kann nur dann wirtschaftlich etwas erreichen, wenn' man politisch die Macht dazubesitzt. ' Die Handhabe zur-politischen Macht ist den Frauen durch das. Wahlrecht, gegeben. Sie werden sie erreichen, wenn sie klug jene Vertreter wählM>.dip geeignet sind, Menschhefts- und Fraueninteressen.- zu; dienen. Alte' Ideale stürzen. Neue Wahrheiten werben aufgyrichtet.- -Der.neue' Weg der Frau führt sie aus der Enge, der Alltagsarbeit und der Alltagsfchöpsung, dem. kleinen-Stückwerk an allen Ecken und Enden dorthin, wo sie Hand mitanlsgen kann an'die Wurzeln'alles Dölkergefchehens- Möge sie diesen Weg bewußt gehen! .Die nächsten. Tage sind zukunftsschwer. Sie tragen die Entscheidung -in ihrem Schoße über-Wert und Stellung der Parteien im neuen Staate. Dem Bilde im kleinen gesellt sich das Bild im großen; auf der Friedenskonferenz wird die Entscheidung fallen über Wert 'und Stellung der Völker. Jüdische Frauen, weM ihr mit dem bangen und ehrfurchtsvollen Gefühle, wie es uns vor großen, historischen . Momenten überkommt, daran denkt, habt ihr bedacht,- daß diese Tage und Wochen auch die Entscheidung über Wert und Stellung eures Volkes endlich bringen müssen? — Welches ist. die Stellung des jüdischen Volkes im modernen Staatsttbilde? Es wirb alZk BolksSinheit geleugnet, wo man dem .Volkstums Rechte zubilligen müßte; es wird als gesonderte Volkseinheit ausgerufen, wo immer man es mit Haß und Verfolgung bedroht. An dein Wahlfieber dieser Tage nimmt zum ersten Male auch die Frau teil. Die Parteien umwerben, sie, Plakate locken sie, Flugzettel schreien ihr Programme entgegen, laden sie zu Versammlungen. Es gilt, Volksvertreter zu wählen, welche über Wohl und Wehe, Leben und Größe, Rechte und Pflichten der Völker entscheiden sollen. Jede Partei zählt auf ihre Frauen. Auch das jüdische Volk zählt auf den Ernst und die bewußte Mithilfe seiner Frauen. Die große Masse der Frauen ist politisch unreif. Sie hat sich erst seit viel zu kurzer Zeit mit den Fragen der Politik beschäftigt und steht darum fast ratlos vor einem Chaos, wo sich die Lager spalten, wo gleiche oder ähnliche Programme von mehreren Parteien auf einmal aufgestellt werden. Die jüdische Frau ist ihrer ganzen Wesensart nach zur leidenschaftlichen'Teilnahme an der Politik geeignet. Sie hat einen lebhaften, beweglichen Geist, ist fähig, Ideale zu empfinden und sich ihrer Verwirklichung zu widmen. Die jüdischen Frauen wirken in allen Parteien, sie sind begeisterte Sozialdemokratinnen, Kommunistinnen, Demokratinnen. Die große Masse der jüdischen Frauen steht hinter den Führerinnen und ist verwirrt, denn auch sie zeigen keine einheitliche Richtung, keine Hingabe an die eine und einzige Sache. Und doch ist gerade!^für die jüdische Frau der Weg offen und klar. Die Plakate brauchen sie nicht zu locken, das Studium der verschiedenen Programme braucht ihnen kein Kopfzerbrechen zu verursachen; die jüdische Frau gehört ihrem Volke, sie hat nur für ihr Volk zu arbeiten und zu wähle n. Auch die jüdischnationale Partei stellt Kandidaten in den Wahlkampf. Für das jüdische Volk bedeutet dev Ausfall des Wahlkampfes die Entscheidung über seine Existenz und seine Lebensmöglichkeiten aus viele Jahre hinaus. Jude sein, heißt immer und überall in der Minderheit sein. Bisher haben die Minderheiten von der Gnade der Majoritäten gelebt. Die Friedenskonferenz aber will für das Selbstbestimmungsrecht für volle Freiheit auch der Minderheiten eintreten. Endlich aber muß auch die endlose unerträgliche Unterdrückung des jüdischen Volkes zur Sprache kommen, und zwar in einer würdigen Form, die sicher ist, baß alle Klagen und Beschwerden auch Gehör finden. Blutige Hrgrome, Antisemitismus, der' Berufe verrancmelt, Exifhenzen untergräbt,, das. ist Lohn und Dank für ei» Volk, dessen Angehörige in. treuer Kulturarbeit jedem ‘ Lande gebient, daS sie ausgenommen. Die' Vertreter eines starken seiner selbst - bewußten Volkes, werde» überall gehört werden tirüssen. In der ersten Nationalversammlung Deutschösterreichs werden Entscheidungen! fallen, die von weittragender Bedeutung für das Lebe«! der Juden in diesem Lande sein werden. Don derü Anzahl der Stimmen, welche die jüdischnationalen Kans didaten erhalten, wird es abhängen, ob. in der Schics salsstnnde des jüdischen Volkes'Männer seines Blutes,s Männer, die von bewußter Liebe und Hingabe W ihm erfüllt sind, die Entscheidungen werden mitbestimmen dürfen. - i; Jede Stimme kann ausschlaggebend feint Deshalb^, mutz jeder jüdische Mann, jede jüdische Frau in diesen' Tagen sich ihrer nationalen Pflicht voll bewußt setn^. B e s o n d e r s a n die Frauen wende n wir um ft; Frauen sind die Trägerinnen des' G0«i fühles. Der nationale Gedanke..faßt nir^- gends so fest und tief Wurzel wie im Her^ zen der Frau. W-rnn sich. beim Manne im stetenj Daseinskampfs, in steter Berührung mit volksfremdst Elementen das nationale Gefühl mindert oder doc in den Hintergrund -gedrängt wird, in der Frau erhält sich, still behütet, das Bewußtsein der Volkszugehörigfeit wie ein Heiligtum. In ihm spricht sich die Liebe zu den Ahnen aus und die Zärtlichkeit für. ihre Kindep- und Enkel. Wir jüdischen Frauen, die wir mit sittlichem Ernste und gläubigen Herzen jüdisch wirken mnd. jüdisch leben wollen, stehen zu unserem Volke' in einer Arj Pflichtverhältnis. Das Volk braucht uns heute und will werden seinen Ruf aus der Not nicht ungehört verhallen lassen. Das kleine Volk,, has übe ralll verstreute, das, gedrängt und Verfolgs sich v on Tag ztt Tagseünes Lebens weh*tr. muß voll und ganz »uf seine Augeh9rigcn, auch auf seine Frauen rech nen Können, j. Das jüdische Volk erwartet, . daß alle -Füdischeu Männer und Frauen für die von ihm aufgestelltetz. Kandidaten stimmen iverden.. Beim heutigen WahH kämpfe dürfen nicht allgemeine Schlagworte gelten,-niMnur Weltober Klassensragen: für den jüdischen Mann<' für die jüdische' Frau gilt tS vor hlfem das Interesse und der Fortbestand des jüdischen Volkes. - Jüdische Frauen, die Eutscheibungsi stunde s ür d a s j ü d i s ch e V o l k s o l l beweise n,! daß. ihr euch als lebende Glieder eures Volkes, als Tr ä gerinnen des j üdischeu Nation s m u s fühl ts E r ist kein en g herzig er Nationalismus, wie-er nur zu oft als Deckmantel der Unduldsamkeit diente er ist ein Nationalismus der Liebe unh der Gerechtigkeitaber auch der Notwehr^ Arbeitet für die Ehre und.das Anseheneures Volkes, für das Glück'und die Zm kunft eurer Kinder: ' Gebet eure Stimme den Kandidaten der Jüdisch»; «ationalm Partei! ^__■ Jüdischer Frauenbund. Ueber zahlreiche. Anregun« gen aus den Reihen der jüdischen Frauen wurde dieser Tage in Wien der Bund jüdischer Frauen gegründet. In Deutschland besteht ein solcher Bund schon seit Jahren und bewährt sich vortrefflich als Zusammenfassung aller Mischen Frauen, ihrer Interessen^ ihrer Arbeitskraft. Analog diesem Vorbilde soll der neuge« schafsene Jüdische Frauenbund die Gesalntheit der jüdischen Frauen Deutschösterreichs umfassen, und zwar \"M wohl die jüdischnationalen Frauen als auch! alle jene^ welche außerhalb der jüdischnationalen Beloegung stehen^ Er soll den Frauen Gelegenheit geb^n, sich, gegenseitig! kennen und schätzen zu lernen, er soll sie zu gemeil^ samem Studium und gemeinsamer Arbeit vereinen^^ Seine Mitglieder sollen in alle. Fragen des.Judentum^' nicht nur in die religiösen, sondern auch in hie ethischen, und kulturellen Aufgaben eingeführt werden. Nac^ außen hin aber soll der Bund die Gesamtheit und ge»- schlossene Einheit der jüdischen Frauenwelt repräsentieren. — Das Sekretariat des Jüdischen Frauen^ b und es befindet sich in Wien, L. Bezirk, Große Mohrengasse 10, wohin Beitrittserklärungen unte^ gleichzeitiger Einsendung des Mitgliedsbeitrages vonjr 2 Kronen pro Jahr zu richten sind. Dortselbst' werden auch alle, den Bund und seine Ziele betreffenden^ Auskünfte erteilt. Wir behalten uns vor, die Zwecks und Aufgaben des jüdischen Frauenbundes ausführlicher! zu besprechen. Fragekasten. Wir sind gerne bereit, Anfragen, welche -unsere - Leserinnen an uns richten, und zwar solche allgemeinen,« rechtlichen, wirtschaftlichen Inhalts, an dieser Stelle^ kurz zu beantworbrn. Zuschriften dieser Art sind zü> richten an die .Lvisner Morgenzejtun^, Redaktion Letz! Frauenblattss, Wen, 2. Bezirk, Tahorstraße- 3. V s D ie Red a ktio n. -

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