Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Zuletzt ergriff das Wort A. H. Rechtsanwalt vr. Arthur Levy: Meine Herren! Der A. I. G. B. betreibt zwar ein Fachstudium, nämlich das der jüdischen Geschichte und Literatur. Dieses Fachstudium ist aber darum von ganz besonderer Bedeutung, weil es uns mit allen Gebieten des menschlichen Lebens in Berührung bringt. Insbesondere bietet es für das Studium des weiblichen Geschlechts eine gute Ausbeute Ich möchte auf den Pentateuch verweisen, und, wenn ich mich an unsere Stammütter halte, drei Typen von Frauen unterscheiden. Als Abraham an einem heißen Sommertage unter den Terebinten Mamrehs saß und die drei Engel ihn besuchten und ihm weissagten, daß er noch hochbetagt einen Sohn von seiner Frau Sara erhalten sollte, da war Sara nicht zugegen, offenbar weil man der Meinung war, daß derartige Dinge/die Frauen nichts angingen. Sara aber stand hinter der Türe, sie horchte und lachte. Das, meine Damen, ist der erste Typ echter Weiblichkeit: Das Horchen und Lachen. Es ist das keine schlechte, sondern eine gute Eigenschaft der Frauen, sonst würde es nicht in der Bibel stehen. Auch Sie wirken heute bei uns nur passiv mit. Sie stehen außerhalb unseres Kommerses an den Wänden und Türen und sollen horchen und lachen. Und den zweiten Typ stellt Rebekka dar. Der Knecht Abrahams, Elieser, sollte für Isaak um sie freien. Isaak wurde nicht mitgeschickt, aber Kamele wurden ihm mit auf den Weg gegeben. Elieser wollte die richtige Frau daran erkennen, daß das junge Mädchen auf ihn zutreten und ihm auf sein Ersuchen um einen Labetrunk antworten sollte: Trinke,^und auch deine Kamele will ich tränken. Warum erkannte Elieser das richtige Weib an dieser Redewendung? Sollte man schon damals davon ausgegangen sein, daß die richtige Weise, die Liebe eines Mannes zu erringen, in den Worten zu finden ist: „Füttere die Bestie"? Ich glaube die Geschichte mit den Kamelen hat eine andere Bedeutung. Isaak wurde nicht selbst mitgeschickt, weil man schon damals darüber keinen Zweifel hatte, daß Kamele die Stellung des Mannes, der sich verheiraten wollte, würdig vertreten. Rebekka hat mit schneller Auffaflungsgabe das Symbol verstanden. Der dritte Typ sind Lea und Rahel, die Frauen Jakobs. Um Rahel diente Jakob 7 Jahre und er hatte sich im Studium der Frauen doch noch nicht so ausgekannt, daß er den Betrug merkte, als ihm Lea dafür angetraut wurde. Damals soll Jakob das bekannte Studentenlied gedichtet haben: Die man liebt, die kriegt man nicht und eine andre will man nicht. 14 Jahre mußte Jakob um Rahel dienen und dann war sie noch so schön, daß er sie vergötterte und vor allen anderen Frauen bevorzugte. Ich weiß, daß auch unter den Feundinnen unseres Vereins und unseres Studiums die drei Typen vertreten sind: Die heitere Lustigkeit der 90 jährigen aber ewig jugendlichen Sara, die Intelligenz und Klugheit der liebenswürdigen Rebekka und die liebliche Anmut und die Treue von Rahel.