Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 217 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 217 neuen Milieu anzupassen, Hai das städtische Bauamt zwei Projekte ausgearbeitet, deren eines darauf hinausgeht, beide GeÜäude mit Rücksicht auf das erhöhte Niveau der Umgebung zu heben. Der Aufwand hierfür ist mit 100000 Kronen veranschlagt. — Am 19. Juni starb in Gratz Frau Irma Kaufmann, geb. Gomperz, die Wittwe des am 6. Juli 1899 verstorbenen Professors Dr. David Kaufmann. Die zweite Auflage, der „Hehräischen Melodien" hat sie mit einem trefflichen Vorwort versehen und auch auf die Veröffentlichung von Kaufmanns geistigen Nachlaß ih? Augenmerk gerichtet. — Julius Oppert, der berühmte Orientalist, Mitglied des Instituts, Professor am College de France, ist am 21. August abends um 11 Uhr im 80. Lebensjahre in Paris rue de Sfax 2 gestorben. Trotz eines Leidens, das ihm seit zwei Jahren große Schmerzen bereitete, hielt er noch im vergangenen Winter Vorlesungen im College de France und besuchte auch die Sitzungen des Institut de Fiance. Während einer dieser Sitzungen hatte er am 11. August einen heftigen Anfall seines Leidens. Seitdem hat Oppert sich nicht mehr erholt. Oppert ist dem großen Publikuin vor allem als Deuter der babylonischen Keilschriftinschriften bekannt geworden. Seine Kenntnisse waren aber wahrhaft universell. Nebst seinen orientalischen Fachstudien war er auch mit der antiken, deutschen, englischen und französischen Literatur innig vertraut. Sein Gedächtnis war bewunderungswürdig. Er. war auch ein hervorragender Mathematiker, astronomischer Rechner und Chronologist Unter dem Kaiserreich genoß er am Hofe den Ruf eines glänzenden Causeurs. Er gehörte zu dem intimen Zirkel, den Kaiser Napoleon und Kaiserin Eugenie in Compiegne zu versammeln liebten, und viele geistreiche Antworten des berühmten Gelehrten, der in Bezug auf Körpergröße etwa Adolf Menzel glich, werden noch heute zitiert. Oppert wurde am 9. Juli 1825 in Hamburg geboren, studierte erst Jura in Heidelberg, dann orientalische Sprachen und Sanskrit in Bonn; da es für Israeliten zu jener Zeit in Deutschland nicht möglich war, die akademische Laufbahn einzuschlagen, suchte Oppert ein neues Vaterland in Frankreich. Oppert erhielt anfänglich eine Anstellung als Lehrer der deutschen Sprache in Läval und Reims, machte sich aber bald durch Arbeiten über Keilschrift und über die persische Sprache so bekannt, daß er im Jahre 1851 durch das Institut de France designiert wurde, an der wissenschaftlichen Expedition teilzunehmen, welche die französische Rückkehr, drei Jahre später, erhiellt Regierung nach Mesopotamien sandte. Bei seiner er die Naturalisation, wurde in den folgenden Jahren Professor für Sanskrit an^ der Libliotliecjue nationale und Ritter der Ehrenlegion. Am 12. Januar 1874 wurde er zum Professor der assyrischen Philologie und ernannt. Die Academie des Inscriptions et belles lettres wählte ihn, als im Jahre 1881 der Sitz Mariettes vakant wurde, zum Mitglied. In den letzten Jahren beschäftigte sich Oppert insbesondere mit chaloäischer Chronologie, Bor kurzem ist in Paris die Herzogin ^Margarete von Grammont, geborene Baronin von Rothschild, im Alter von 50 Jahren gestorben.. Sie war eine Tochter des Baron Mayer Karl v. Rothschild in Frankfurt a. M. und