Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Schallt's jubelvoll — Drum wohlan, laßt uns unserem Gotte singen — Laßt unseren Nus zu unserem Meister dringen Lobet Gott! denn schön ists unserem Gott zu singen — Süß ihm den gebührenden Preis zu bringen, — f icbte und dir Juden. Professor Dr. Adolf Biach Rabbiner in Brüx. In dem modernen und rührigen Berlage von Eugen Tiederichs tJena und Leipzig 1!H>5) ist vor kurzem ein Buch: „I Gottlieb sichte. Evangelium der Freiheit*) erschienen. In einer Zeit, die wie die heutige alle unsere Kräfte in Anspruch nimmt, wenn wir unseren Berufspflichten genügen wollen, müssen wir dem Verleger Tiederichs und dem Herausgeber Max Rieß dankbar sein, daß wir in sorgfältig ausgewählten Fragmenten aus den Schriften Fichtes einen Einblick in das Leben und Wirken des großen Philosophen gewinnen. Viele treffende und tiefgründige Gedanken werden uns geboten. Sehr spmpatisch berührt es uns, wenn Fichte auf die Gerechtigkeit ein hohes Gewicht legt. So ruft er einmal' aus: „Rein, Fürst du bist nicht unser Gott. Bon .ihm erwarten wir Glückseligkeit: von dir die Beschützung unserer Rechte. Gütig sollst du nicht gegen uns sein: du sollst gerecht sein. a. a. C. S. 128). Ein andermal wieder bemerkt er: „Bon Humanität ist das Geredes nirgends mehr, als da, wo man nicht gerecht sein mag." Um so auffallender sind die abfälligen Bemerkungen. Fichtes über das Judentum. Bereits Gray hat im 11. Bande seiner Geschichte auf die Judenfeindlichkeit Fichtes hingewiesen: ich mochte hier nur auf den Widerspruch Hinweisen, in den sich Fichte selbst bei der Beurteilung der Juden hineinverannt hat. All einer Stelle seiner Schriften gibt Fichte dem Gedanken Ausdruck, den der Herausgeber Max Rieß kurz mit' den Worten: „Ewige Erinnerung an Christum ist gar keine Religiosität" charachterisierk. Doch hören wir Fichte selbst. „Es wäre" — so schreibt Fichte — „eine sehr unutze und verkehrte Beschäftigung, anstatt in der Sache zu leben, nur immer das Andenken des Weges sich zu wiederholen. Falls Jesus in die Welt zurückkehren könnte, so is^r erwarten, daß er vollkommen zufrieden sein wiirde, wenn er nur wirklich das Christentum in den Gemütern der Menschen herrschend fände, ob man nun sein Verdienst dabei preisete oder es unterginge:" ta. a. O. S. 223». Wie sott man sich nun den Widerspruch erklären, wenn Fichte an einer anderen Stelle, wie ein Fanatiker des Mittelalters, ausruft: „die Ausrechterhaltung deines Glaubens liegt dir so sehr an deinem Vaterherzen? Siehe diese Juden! sie glauben überhaupt nicht an Jesum Christum; das mußt fcm nicht leiden: und ich sehe, *)j Preis 3 Mk., in Leder gebunden 4 Mk.